Dienstag, 9. Oktober 2012

TV-Tipp:

"Es kommt der Tag", 21 Uhr 45, BR

Ein bisschen Weltuntergang


Düster und diffus dringt das Licht der Sonne durch die graue Wolkenmasse. Ein Licht, das über hunderttausend Jahre alt sein soll, sagten sie in der TV-Doku heute Nacht.
Ja, heute sieht das Licht ziemlich alt aus, denke ich. Mit der Helioseismologie hat man eine Methode, den Aufbau der Sonne sehr genau zu verstehen. Ein Satellit liefert rund um die Uhr Bilder von der Sonne, wie wir sie noch nie sahen. Ich schaue auf den Plasmariesen im Fernsehen und frage mich, auf was ich da blicke. Ich versuche etwas zu verstehen, aber ich denke nur: Wow, die Sonne!
Irgendwann nach der Sonnen-Doku wachte ich auf, und es lief eine andere Doku - über Menschen, die nach Paraguay auswanderten, weil sie glauben, dass dort die Welt nicht untergeht. Verkürzt gesagt. Und eine Frau aus Dresden überlegte sich, wie man das Elbwasser zu Trinkwasser aufbereiten könne. Ein Sonnensturm würde die gesamte Elektrizität lahmlegen – und was dann? Es gibt Menschen, die auf den Ernstfall hin Vorräte horten. Früher war es der drohende Atomkrieg, heute der von den Mayas oder von Nostradamus vorhergesagte Weltuntergang. „Es liegt etwas in der Luft“, sagten die Auswanderer in Paraguay. Ich bewunderte ihre Einstellung, wie sie unter ganz einfachen Lebensbedingungen dort eine neue Existenz aufbauten, wie sie es genossen, der westlichen Leistungsgesellschaft entflohen zu sein. Ich drehte mich in meinem Bett hin und her und überlegte, was ich eigentlich bräuchte, wenn es hart auf hart käme. Wenn ich nicht mehr an Bier herankäme, täte es auch Most. Ich sollte mich hinsichtlich der Mostherstellung mal schlau machen. Schaden kann es nicht, egal, ob die Welt untergeht oder nicht. Irgendein schlauer Mensch erwähnte in der Doku dann noch einen Spruch, der Luther zugeschrieben wird: „Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. “ Ein gerissener Hund, dieser Luther. Auch er dachte an den Most.
Als ich heute Morgen aufwachte, blickte ich in einen düsteren Tag. Wolken streiften die Berghänge, und die Bäume trieften vor Regenwasser. Keine Sonne. Hoffentlich geht die Welt mal an einem solch beschissenen Tag unter.

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