boMAs Gedichte und Texte

Sonntag, 26. März 2017

Der Zyklop


Heute Nacht träumte ich von Geistern. Das meiste wurde von der Dunkelheit wieder verschluckt. Ein Bild blieb jedoch hängen, vielleicht aufgrund seiner Skurrilität. Ich sah eine Figur gleich einem Zyklopen mit nur einem Auge im runden Gesicht. Die Figur trug einen Pullover mit einem großen kreisrunden lila Fleck auf dem Bauch. Und dieser Fleck entpuppte sich als eine Art Pforte für Geister…
Was man sich nicht alles zusammenfantasiert. Ich dachte, die Geister müssten aus dem Bauch des Zyklopen kommen, aber als der den Pullover anhob, fand sich darunter keine Entsprechung zu dem Flecken. Sehr seltsam, dachte ich im Schlaf und träumte wirr weiter…

Samstag, 25. März 2017

Meine Höhle


Ich habe eine Höhle im Kopf
in die ich mich zurückziehen kann
wann es mir gefällt
mein Kindbett, meine Träume
ruhen da
ich merke es manchmal gar nicht
mit offenem Mund
und glasigen Augen
starre ich ins Leere
alles außenherum ist still
alles weg
ich werde mich nie umbringen
wenn ich es auch
oft dachte
sehr oft dachte
aber in meinem Kopf ist eine Höhle
in die ich fliehe
eine Höhle, ein Muttermund
ein warmes Bett, Schlaf
allein im Wald
Sonne
allein, allein, allein
...
(1985)

Samstag, 18. März 2017

März


In Bezug auf die Löffelei vom letzten Sonntag wurde ich darauf hingewiesen, dass es die „Löffelliste“ gibt, auf der man sich Dinge notiert, die man noch erledigen will, bis man den Löffel abgibt, - oder sich jedenfalls wünscht. Mir fällt beim ersten Nachdenken gar nichts ein. Meiner Meinung nach muss es realistisch sein. Nach was steht mir der Sinn? Welchen Herzenswunsch würde ich mir gern noch erfüllen? Tja. Regelrecht unter den Nägeln brennt mir nichts. Natürlich wünscht man sich weiterhin Gesundheit und ein Leben ohne allzu große Schwierigkeiten, Unfälle oder Katastrophen, - was aber oft gar nicht zu beeinflussen ist.
Wäre jetzt sozusagen das Ende der Fahnenstange für mich erreicht - wüsste ich also, dass ich nur noch einige Monate zu leben hätte, dabei aber über genügend Energie verfügte, um etwas anzustellen, dann…

Ich glaube, ich hätte gern meine Ruhe. Vielleicht würde ich mich aufs alte Fahrrad schwingen (nach einer Generalüberholung) und schauen, wie weit ich komme. Wie ein Geist würde ich durch Dörfer und Städte fahren, über Hügel und Berge, Ebenen auf ellenlangen geraden Wegen durchstrampeln…
Das Meer wäre mein Ziel. Egal wo.
Ich wollte allein sein mit meinen Tränen über mein Leben und die Welt, - allein mit der Luft und dem Himmel über mir, allein auf den vielen Wegen, allein mit den Bäumen und Gräsern, allein mit dem Horizont…

Mein ganzes Leben war von der Sehnsucht nach Freiheit bestimmt. (Oft führte mich diese Sehnsucht in die Irre.) Alles andere, das Streben nach Besitz oder Macht, der Ehrgeiz für Erfolg und Karriere, der Sinn für Familie, die Gier nach dem ganzen materiellen Firlefanz in der heutigen Welt, blieben mir weitgehend fremd.
Ich fühlte mich schon immer sehr allein. Ich weiß nicht, warum das alles stattfindet.
Aber ich liebe die Menschen, ich liebe alle Seelen und alles Leben auf dieser Erde – weil wir Schicksalsverwandte sind. Ich liebe das Leben, und muss dennoch ständig damit hadern.

Heute wäre so ein Tag, an dem ich am liebsten meinen Löffel einpacken würde, um auf die letzte Reise zu gehen…

Sonntag, 5. März 2017

Der menschliche Aspekt


Im Gleisdreieckpark ein Menschenauflauf wie bei einem Volksfest. Ich traute meinen Augen nicht. Das warme sonnige Vorfrühlingswetter lockte ins Freie. Vor allem Familien mit Kindern breiteten sich auf dem Parkgelände aus, welches Spielplätze, Fitnessanlagen und Flächen für Skater anbietet. Auf den Wiesen picknickten die Menschen, und überall tobten die Kinder wild durcheinander, spielten Ball oder mit anderem Spielgerät. Auf den Wegen ein Tumult von Spaziergängern, Joggern, Skatern, Radlern, spielenden Kindern… Im Schritttempo und im Slalom bewegte ich mich auf meinem Fahrrad Richtung Potsdamer Platz, wo ich mit O. verabredet war. Auch ich fühlte mich belebt von der Aufbruchsstimmung der Natur, die förmlich in der Luft lag. Jedes Jahr von Neuem sind wir Teil dieses magischen Schauspiels, werden zum Spielball unserer Triebe…, einer überschäumenden Lust am Leben.

Wir fanden einen schönen Platz vor einem Lokal, tranken Bier und betrachteten die vorbeiströmenden Leute. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an ihrer Vielgestaltigkeit und dem kulturellen Mischmasch…, anmutigen und kuriosen Typen, spießigen und abstoßenden Erscheinungen. Sie alle lebten in ihren Welten von Familie, Herkunft, Nationalität, Beruf… mit ihren ganz eigenen Vorlieben, ihren Freundschaften, ihrer Liebe… Ich saß O. gegenüber – wir fügten uns selbstverständlich ein in diese Vielfalt. Trotz der (teilweise großen) Unterschiede schien sich alles wunderbar zusammenzufügen. Mir waren sie alle recht, wie sie da kreuz und quer herumliefen. Der menschliche Aspekt hielt seine schützende Hand über uns. In solchen Momenten des Aufgehoben Seins inmitten meiner Mitmenschen sind Gewalt und Krieg unmögliche Vorstellungen. Dabei trennt uns nur eine hauchdünne Membran von ihnen. Ein aggressiver Eindringling – ein falsches Wort – ein Handgemenge... und der Frieden ist gestört. Das Verbindende unter den Menschen zerspringt wie Glas. Die Menschlichkeit verzerrt sich zur Fratze und reißt Abgründe des Schreckens auf…
Die Märzsonne hatte sich hinter die Häuser zurückgezogen. Ein kühler Wind kroch unter unsere Klamotten und verdrängte langsam die Gemütlichkeit. Wir leerten den Hopfensaft und machten uns auf den Heimweg.

Samstag, 25. Februar 2017

Na ja


In den letzten Tagen ging ich früh zu Bett, noch früher als sonst wegen einer beschissenen Verkühlung. Ich positionierte die ganzen Erkältungsmittelchen auf dem Nachtschrank mitsamt den Büchern, die ich gerade lese: ein Gedichtband von Bukowski „Alle reden zu viel“ und Carl Weissner „Stories, bei denen man auf die Knie geht und vor Glück in die Fußmatte beißt“. Na ja.
Jedenfalls war Carl Weissner der beste Bukowski-Übersetzer ins Deutsche*, drum dachte ich: mal gucken, was der selbst so schrieb - ist aber mehr was für Leute, die gern in Eingeweiden wühlen.

Statt zu lesen, ließ ich mich von Dokus der Mediathek eines Fernsehsenders berieseln, die ich als App auf dem Handy hatte. Na ja.
Ich kuschelte mich ins Kopfkissen und hörte zu: über die Anfänge des Universums die Menschwerdung und die ganzen Rätsel drum herum.
Langsam dämmerte ich weg inmitten der Galaxien, eingebettet in die Dunkle Materie, dem Geheimnis des Daseins - gleichermaßen nah und entfernt. Ich übergab mich der Nacht in meinem Kopf, dem ganz eigenen Universum in mir, welches mich um den Verstand bringt, sowie meinen Verstand erst ausmacht.

Ich kam zwischendurch zu mir, griff mir das Nasenspray oder rieb mir die Schläfen mit Minzöl ein. Währenddessen hörte O. Musik im Wohnzimmer. Schräge Töne erreichten mein Ohr, Klezmer Musik. Na ja, nicht unbedingt mein Ding.
Ich schloss wieder die Augen, auf eine Erkenntnis wartend wie auf Stuhlgang, der bereits im Kommen ist - man glaubt zu spüren, dass jeden Moment der Zug abgeht und die Erleichterung eintritt…

Aber ich reichte den Staffelstab an die Dunkelheit weiter und verabschiedete mich mit einem knallenden Furz von der Realität.


*was entscheidend zur Bekanntheit Bukowskis in Deutschland beitrug

Donnerstag, 23. Februar 2017

Niemand hat gesagt, dass es einfach wird


Samenzelle dringt in Eizelle ein und verschmilzt mit ihr. Bei jedem, egal, ob er Adolf, Donald oder Angela heißt, fing es damit an. Ziemlich harmlos aus Petrischalen Sicht. In der Folge nistet sich die Eizelle in der Gebärmutter ein, teilt sich zig Millionen Mal, und ans Licht kommt nach neun Monaten (o Wunder!) ein winziger Mensch.
Eine Geburt ist oft sehr qualvoll für Mutter und Kind, aber nur die Mutter kann sich dran erinnern. Vielleicht auch gut so. Wahrscheinlich ist es für das Kind noch viel schlimmer, weil es überhaupt nicht weiß, wie ihm passiert.

Spaßeshalber ersinne ich ein Interview mit einem Neugeborenen:

„Willkommen auf der Welt, Mister Trump! Wie fühlen Sie sich?“
„Wie neugeboren, würde ich sagen, haha!“
„Freut uns sehr, dass Sie alles gut überstanden haben.“
„Danke! Ich kann`s kaum abwarten, endlich loszulegen. Schließlich will ich nichts Geringeres als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden.“
„Sind Sie da nicht etwas… äh… voreilig?“
„Keine Bohne! Ich kann`s Ihnen gleich beweisen – you are fired!!!!!“

Wie Baby-Trump es sagte: nach der Geburt geht`s erst richtig los: wir wachsen und gewinnen ziemlich an Gewicht. Ob Charakter und Intelligenz bereits vorgegeben sind, oder sich erst formen, darüber lässt sich streiten. Ich bin der Meinung, dass alles in gewisser Weise schon bei Zeugung und Geburt vorhanden war, auch wenn man sich`s nicht vorstellen kann. Wie beim Urknall. Peu à peu differenziert und organisiert sich alles. Je nach den Einflüssen und der Umgebung fällt das Ergebnis zwar unterschiedlich aus, aber die Grundanlagen sind naturgesetzmäßig bei jedem Menschen vorgegeben. Nicht nur bei jedem einzelnen Menschen, sondern im Grunde bei der gesamten Menschheit. Drum glaube ich auch nicht, dass die Erde noch zu retten ist.
Inzwischen versammeln sich Siebeneinhalbmilliarden Menschen auf dem Erdball. Die Menschheit wächst ins Uferlose. Neue Machtmenschen werden geboren – neue Ausbeuter, Schlächter, Kriegsherren und Fanatiker. Alles entfernt sich im Universum immer weiter voneinander, aber hier auf der Erde wird`s immer enger.

Ganz ehrlich: Wenn ich gewusst hätte, was mich auf der Welt erwartet, dann hätte ich auf dem Absatz Kehrt gemacht. Vielleicht ahnte ich etwas, denn eine leichte Geburt war ich nach den Erzählungen meiner Mutter nicht.

Ich stelle mir ein Interview mit mir nach der Entbindung vor:

„Willkommen auf der Welt, Herr Boma! Wie fühlen Sie sich?“
„Wie Sau, würde ich sagen.“
„Das klingt aber gar nicht gut.“
„Fuck! Genauso ist es! Wo ist denn hier der Zapfhahn?“
„Herr Boma, was lief denn schief, dass Sie derart… äh… miesgelaunt sind?“
„Sie fragen, was schieflief!?! Schauen Sie sich doch mal um, Sie Laffe! Sehen Sie hier irgendwas Erfreuliches?“
„Warten Sie`s doch erstmal ab…“
„Bullshit! Das sieht doch ein Blinder mit Krückstock, was hier los ist!“
„Was meinen Sie?“
„Na, diesen Saftladen!“

Im Großen und Ganzen änderte sich meine Ansicht über die Welt bis heute nicht. Gegen seine Natur kommt keiner an. Weder Trump noch ich. Jeder macht sein Ding... Der Blues des Lebens: Vom Planschbecken zum Ozean… Wer hätte das gedacht.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Infekt


Ich wartete auf sie seit letztem Spätjahr. Als O. vor ein paar Tagen damit anfing, wusste ich, dass meine Zeit gekommen war. Nun husten und niesen wir im Duett. O. sollte das Gröbste bereits hinter sich haben, wenn sie nicht in die Verlängerung geht; und ich steuere auf den Zenit zu.
Als männliches Wesen leide ich selbstverständlich sehr ausgeprägt – schon deswegen, weil ich niemanden in seinem stereotypen Denken enttäuschen will. Ich fühle mich wie ein leibhaftiges Schleimmonster. Der Papierkorb ist gefüllt mit Tempotaschentüchern. Zur Linderung stehen die üblichen Mittelchen griffbereit. Die ersten Tage, bis sich der Infekt manifestiert hat, finde ich persönlich am schlimmsten. Da ich keine Mandeln mehr habe, kriege ich meist das ganze Paket: es beginnt mit Schnupfen und befällt dann Rachen und Bronchien. Ich feuere mein Immunsystem an, als wäre ich ein Trainer: „Jungs, wir liegen zurück, aber das Wort Niederlage kennen wir nicht! Ich weiß, dass ihr euren Job gut macht! Weiter so! Nicht nachlassen!“
Fresszellen, Killerzellen und T-Zellen antworten unisono: „Jawohl Trainer, mache dir keine Sorgen. Ist bloß `ne beschissene Erkältung. Die hat null Chance. Nimm dir einen prima Lesestoff vom Bücherregal und lege dich lang. In zwei-drei Tagen ist der Bär geschält.“
Die Jungs haben recht. Aber ich will mich nicht den ganzen Tag im Bett rumfläzen und Bukowski lesen. Bin jetzt schon den dritten Tag zuhause. Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf. Gut, dass sich mein Arbeitsbeginn verzögerte. Ich kann mich in Ruhe auskurieren. Mit Mitte Fünfzig geht man besser kein Risiko mehr ein. Vor zwei Jahren verschleppte ich eine Erkältung, die ich aus Gran Canaria mitgebracht hatte. Wochenlang ärgerte ich mich mit einer Bronchitis herum. Man wird eben nicht jünger. Wenn die Dinge älter werden, benötigen sie ein Mehr an Pflege. Ich fühle mich ziemlich pflegebedürftig… mit meiner Matschbirne. Sollte mal Fieber messen. Immerhin bin ich solange von meinen depressiven Verstimmungen geheilt. Die physische Erkrankung hat der seelischen kurzfristig den Rang abgelaufen. Husten Sie sich die Depression von der Seele! Rotzen Sie sich ihr Unglücklich Sein aus dem Leib! Haaaaatschiiiiiii!!!
Ich lege mich besser hin.

Freitag, 17. Februar 2017

Der Weg zu den Sternen ist weit


In den Winterbäumen hängen alte Gesichter. Dutzende. Die Hausfassade, ein Teil eines vieläugigen Leviathans, der sich durch die labyrinthische Stadt windet. Menschen erscheinen in den Fenstern, rauchen Zigaretten und lassen die Kippen hinuntersegeln. Auf dem Trottoir liegen sie zu Dutzenden wie nackte Leichen. Zwischen Splitt und Spucke.
Ich sterbe auf meine Weise. In einer zerbeulten, leeren Lachkonserve. Lange schon kaputtgelacht.
Aber man weiß nie, was noch kommt.

Sonntag, 12. Februar 2017

Museen, Schrumpfköpfe und Kneipen


O. ist im Museum. Ich mag die Musealisierung nicht. Also blieb ich zuhause. Ich haue lieber ein paar Worte raus. Ich habe es nie geschafft, in einem Museum eine echte Verbindung zu den Exponaten herzustellen. Ich sah lediglich eine Sammlung von Schrumpfköpfen vor mir. Egal, um was es ging – moderne Kunst oder Altertum… Heutzutage wird alles Mögliche zur Schau gestellt. Bestimmt gibt`s auch Sehenswertes. Das will ich nicht abstreiten. Das Sexmuseum in Amsterdam? Oder Sex im Museum. Wer`s nötig hat. Es gibt genug Museen… und Kirchen. Ja, Kirchen mag ich auch nicht. Die sind per se museal.
Ich vertraue meinem Instinkt. Ich muss nicht lange drüber nachdenken über das, was ich mag oder nicht... Mir geht es wie den Hunden, die bellen, wenn sie einen Briefträger sehen. Nein, ich belle nicht bei Briefträgern. Sollte nur ein Beispiel sein. Natürlich hätte ich einmal Fünfe grade sein lassen und O. begleiten können. In welches Museum ging sie eigentlich? Sie sprach von einer interessanten Foto-Ausstellung. Mein Gott, was ist nur mit mir los, frage ich mich, dass mich so furchtbar wenig hinterm Ofen vor lockt? Möglicherweise gibt`s nur einen Schrumpfkopf – nämlich den auf meinem Hals.
O. ist ziemlich mies dran mit mir. Die einzigen Orte, zu denen sie mich mitschleifen kann, sind Kneipen und Biergärten. Oder an einen schönen Strand, wo ich`s nicht weit bis zu einem Ort habe, wo ich ein gutes kaltes Bier bekomme. Oder in einen Wald, in dem es neben Wildschweinen auch genügend Gastronomie gibt. Ich mag Wald, aber ehrlich gesagt kommt der mir auch immer musealer vor. Wie eigentlich alles. Ist das etwa nicht so? Und die besten Plätze sind meist schon reserviert. An den Stränden, in den Wäldern, auf den Bergspitzen…(sogar in den Kneipen). Die ganze Erde ist ein einziges großes Museum. (Voller Schrumpfköpfe.)
Warum Kneipen und Biergärten? Weiß nicht. Wahrscheinlich, weil ich bequem bin. Ich brauche nicht viel mehr. Mit welchen Intentionen die Menschen in Museen gehen, ist mir echt ein Rätsel – wie so vieles.

Samstag, 11. Februar 2017

wisch-wasch-wusch


Heute ist wirklich nichts los mit mir. Kein rechter Antrieb. Der alltägliche stupide Wahnsinn in den Nachrichten. Zum Einschlafen.
Also stöbere ich ein wenig durch meine Texte. Während O. den Boden wischt. Und bleibe bei einem Gedicht aus dem Jahre 2002 hängen. Holla, die Waldfee! denke ich.
Viel Spaß beim Lesen.



Kontakt



Guten Morgen liebe Menschheit
ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht
die schlechte zuerst
im Jahre 2019 schlägt ein Meteorit auf der
Erde ein und vernichtet alles Leben
außer den Insekten und Krebsen
und nun die gute Nachricht
bis dahin dürft ihr genauso weitermachen
wie bisher
und ich mit euch
feiere die Illusion des Lebens
auf einer Irrsinns Party , auf einer Weltuntergangs Party
sie hat schon angefangen
das Bier ist kalt gestellt, und die Toiletten sind frisch
geputzt
willkommen liebe Gäste
macht`s euch gemütlich, Kartoffelchips gibt es an
der Bar auf der Mauer von China
Scampi bekommt ihr auf Tahiti bei meinem lieben Freund
Marlow
der Schampus steht allerorts auf Eis
alles andere entnehmt bitte beiliegendem Prospekt
ich bin heute mundfaul
ach ja, vergesst bitte nicht neue Klopapierrollen
aufzuhängen, wenn ihr das letzte Fitzelchen
verbraucht habt
und benutzt ab und zu die Klobürste
ist das ein Wahnsinn zu wissen, an welchem Tag ich
abtreten werde?!
seitdem halte ich mich am Bier
ich schlafe unruhig
habe es aufgegeben die Tage zu zählen, die mir bleiben
mein Leben ist wie ein Eisberg, der vor
Australiens Küste schmilzt
werde ich es hinkriegen zu sagen
willkommen Tod ?
warum Krebs?
warum ein doofer Meteorit?
warum dieser Auffahrunfall im Nebel?
und wenn alles Bedeutung hat und wie ein überirdisches
Puzzle seltsam zusammengesetzt ist ?
willkommen liebe Freunde
der Tod macht den Barkeeper, und er mixt die besten
Cocktails
er jongliert mit ihnen, und er hat einen Gesellen
mit dem er zusammen seine Show abliefert
diese Vorstellung dürft ihr nicht verpassen
der Tod ist ein echter Magier
seine Cocktails sind wirklich unschlagbar
liebe Menschheit
7 Milliarden mal „ich“
ich spüre eure Gesichter in den Trambahnen
ich sehe euch auf den Plätzen neben der
Taubenscheiße sitzen
ich sehe euch arm und reich, verzweifelt und glücklich
nebeneinander
jeder einzelne ist ein Universum für sich
und sucht nach dem Kontakt
dem Funkenschlag der Liebe
oder dem Strom der Solidarität
here we are
ich gebe euch meine Seele, bevor ich sterbe
nicht aus Selbstlosigkeit


und nun möchte ich weinen
lasst mich in Ruhe

„noch ein Bier bitte“
„Jever oder Karlsberg?“
„egal“
„sieht nach einem Gewitter aus“
„ja, es wird bald regnen“
„der Sommerregen ist schön, wie er auf die Markisen
prasselt in Paris, Madrid und London“
„den schönsten Regen erlebte ich in Lisboa“
„ist es wahr?“
„ich glaube schon“
„darf ich deine Hand halten?“
„warum sind wir so allein?“
„ja“
„dann ist es vorbei? mit allem?“
„es fängt bald an zu regnen“
„lasse uns Hand in Hand im Regen stehen“
„weißt du, dass ich glücklich bin?“



(03.08.2002)

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Traum-Sequenz
Vier böse Könige, einem fehlte die Krone,...
bonanzaMARGOT - 27. Mrz. 17, 07:33
am letzten freitag spürte...
am letzten freitag spürte ich kurz sowas wie frühlingsgefühle...
bonanzaMARGOT - 27. Mrz, 05:36
wem tut das schon gut... für...
wem tut das schon gut... für mich ist "kopf" als...
bonanzaMARGOT - 27. Mrz, 05:25
Könnte gut sein,...
Könnte gut sein, nur in meinen Kopf zu sein hat...
NBerlin - 26. Mrz, 17:28
Wenn erlaubt, eine Frage:...
Wenn erlaubt, eine Frage: wie stelltest du fest, dass...
AlterRettich - 26. Mrz, 16:24
ja, die ist süß.
ja, die ist süß.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz, 10:55

Archiv

März 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 6 
 7 
 9 
10
13
14
16
17
19
20
21
23
24
28
29
30
31
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Feierabend
Funkelnde Kristalle des Erstaunens Ich stehe neben...
bonanzaMARGOT - 11. Mrz. 17, 10:20
Am Set
Die Zeit schleift mich durch die Tage ohne Wenn und...
bonanzaMARGOT - 28. Feb. 17, 10:24
Staffelstab
In den letzten Tagen ging ich früh zu Bett noch...
bonanzaMARGOT - 25. Feb. 17, 12:29
Die Weichen im Herzen
Alle… sterben die Gutes meinen und die schlecht...
bonanzaMARGOT - 21. Feb. 17, 15:31

Extras


Loading

prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator












Status

Online seit 3483 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Mrz, 07:33

Weniger ist mehr