Die Arschwischmaschine hat frei

Montag, 29. September 2014

Was auch mal sein muss


Putzen ist anstrengender als Sex – puh! Alle Achtung vor den Frauen, die quasi jeden Tag putzen. In der Regel sind es immer noch die Frauen. Den Boden schrubben, in die Nischen und Ecken kriechen, Fenster putzen, Teppiche ausklopfen, Klo und Bad wischen, dann die ganze Feinarbeit wie Spiegel putzen, Regale und die ganzen Utensilien abstauben … dabei kriegt man Kondition und Kraft. Das ist mindestens so gut wie Circle-Training.
Heute habe ich mich überwunden, wenigstens eine Grob-Reinigung vorzunehmen.

Nach einem halben Tag bin ich beinahe fertig. Nur noch Waschbecken und Spüle ... und dann noch mich. Die Bettwäsche trocknet vor meinem Fenster. Ein Prachtexemplar von Kreuzspinne baute an diesem exponierten Ort ein neues Netz. Ich atme ein paarmal erleichtert durch.
Das Putzen macht mir eigentlich keinen Spaß. Habe ich aber mal angefangen, überkommt mich eine unerklärliche Lust, immer weiter zu putzen …
Dazu ein Plausch durchs offene Fenster mit dem Nachbarn – mein Gott, ich werde noch zum Spießer!
Die Herbstsonne lächelt gutmütig. Die Welt erscheint mir wohlgesonnen.

Dienstag, 23. September 2014

Mindestens indirekt


Gestern hatte ich meinen zweiten Termin beim Arbeitsamt. Ein junger Türke, vollkommen integriert, ist mein Arbeitsberater – ein sympathischer junger Mann und Familienvater. Ich blickte immer wieder auf das gerahmte Bild seiner kleinen Tochter, das auf seinem Schreibtisch stand.
Er befragte mich nochmal zu meinen beruflichen Fähigkeiten, ob ich über Grundkenntnisse oder Expertenwissen verfüge. Ein Aspekt lautete „indirekte Pflege“. „Noch nie gehört“, lachte ich, „indirekte Pflege? Was soll das sein?“ Er wisse es auch nicht, sagte er.
Wir besprachen die weitere Vorgehensweise. Ein Termin beim Amtsarzt wird das Nächste sein.
Eine Stunde saßen wir zusammen. Unter anderem ging es um meinen Urlaub, den ich für Oktober und November brauche, und die Krankenversicherung. Es ist noch nicht raus, ob ich eine dreimonatige Sperre kriege, aber es ist anzunehmen. Ich rechnete damit, erst mal ohne Arbeitslosengeld über die Runden zu kommen. Wichtig ist mir, dass mir das Arbeitsamt nicht zu sehr auf die Pelle rückt.

Das Arbeitszeugnis meines Arbeitgebers erhielt ich auch schon. Hier ein Ausschnitt:

„Herr Bonanzamargot hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zuverlässig und verantwortungsbewusst erledigt. Mit seiner ruhigen und ausgeglichenen Art, mit Umsicht und Einfühlungsvermögen versorgte Herr Bonanzamargot die ihm anvertrauten Heimbewohner und Heimbewohnerinnen. Gegenüber seinen Kolleginnen und Kollegen sowie den Vorgesetzten verhielt er sich stets höflich, korrekt und zuvorkommend. Des Weiteren zeichnete er sich durch Pünktlichkeit, Engagement, durch Einsatzbereitschaft aus. Er war bei Mitarbeitern und Bewohnern beliebt.“

„Wenn dir was missfällt, streiche es an, und ich ändere es“, sagte der Pflegedienstleiter. Wer kennt sich mit diesen Formulierungen aus? Stecken darin versteckte Botschaften, die mich schlecht aussehen lassen? Oder soll ich meiner PDL vertrauen?
Scheiß drauf. Es wird schon stimmen. Mindestens indirekt.

Noch zwei Nachtwachen am folgenden Wochenende, und ich bin ein „freier Mann“. Nach 20 Jahren. Wenn man aus dem Knast kommt, muss es so ähnlich sein. Da ist keine echte Freude, obschon ich Erleichterung spüre. Das Altenheim wurde zu einer Art Zuhause in dieser langen Zeit. Die Gefühle sind zwiespältig. Ich erinnere mich an mein Abi, als ich der ungeliebten Schule ade sagte und mich trotzdem nicht wirklich freuen konnte. Wir soffen uns halt die Köppe zu. Das war`s. Abhaken. Den Paukern den blanken Arsch raus strecken.
- Und jetzt? Erstmal Urlaub machen. Den Kopf frei kriegen. Das Leben lieben, und die neue Freiheit genießen!

Donnerstag, 4. September 2014

Umbruch - Aufbruch


Ich hatte meinen ersten Termin beim Arbeitsamt, bzw. bei der Agentur für Arbeit, wie es sich seit geraumer Zeit nennt. O-Ton: Wir sind eine Behörde, wir wenden nur Gesetze an. Die Dame vom Amt müllte mich zu mit Gesetzen und Vorschriften. Wenn man wie ich aus Frustration seinen Job aufgab, was längst überfällig war, ist man nach einer solchen Sitzung noch frustrierter. Fehlt am Ausgang nur ein tiefes dunkles Loch zum Hineinspringen – das wäre, glaube ich, schnell aufgefüllt.
Ich frage mich, wofür ich jahrelang in die Arbeitslosenversicherung einzahlte, wenn ich dann dummerweise nicht in die Gesetze passe …
Okay, eigentlich erwartete ich nichts anderes. Man hofft halt insgeheim, etwas menschlicher behandelt zu werden.
Langsam kann ich die Nachtwachen hinunter zählen, die noch verbleiben. Von der Arbeitsagentur werde ich mir die Freude daran nicht vermiesen lassen. Es war der richtige Schritt – davon bin ich fest überzeugt. Wenn nicht jetzt, wann dann?!
Auch bei meinem Vermieter tat sich etwas. Er packt bereits seine Sachen zum Umzug. Ein Käufer für die Bruchbude ist endlich gefunden. Angeblich muss ich mir keine Sorgen machen. Mein Mietvertrag gilt weiter. Wahrscheinlich werde ich die nächsten Monate ganz alleine im Haus sein. Home allone – HAHA! Da kann ich die Kuh fliegen lassen! Falls ich überhaupt zuhause bin …
Und auch vor dem Haus spielt sich zur Zeit einiges ab. Im Rahmen des Tunnelbauprojektes wurde die Straße für ein paar Wochen wegen der Bauarbeiten komplett gesperrt. Da darum kein Bus fährt, muss ich auf den eingerichteten Ruftaxidienst zurückgreifen, um zum Altenheim zu kommen. Bisher klappte das ganz gut und ist komfortabler als mit dem Bus.
Vieles um mich herum befindet sich im Umbruch, und ich stecke mittendrin.
Nicht zu vergessen meine Liebe – das Wichtigste und Schönste, was mir dieses Jahr widerfuhr.
Tja, und der Sommer ist leider vorbei. Er rauschte nur so – wusch! - vorbei. Mit all den vielen Erlebnissen, den schönen Sonnen- und Urlaubstagen ...





und wenn alle Stricke reißen, breche ich mit dem Feuerwehrauto aus, das seit Wochen unweit meiner Wohnungstür parkt

Montag, 25. August 2014

Der beste Tag der Woche


Seltsam, dass Tage Gesichter haben, dass sich Montage wie Montage anfühlen und Sonntage wie Sonntage. Freitage, Samstage, Sonntage und Montage stechen in meinen Augen besonders hervor. Nur wenn ich Nachtdienst oder Wochenenddienst habe, komme ich manchmal durcheinander. Da kann es passieren, dass sich ein Sonntag nach Wochentag anfühlt oder ein Wochentag nach Wochenende.
Heute ist eindeutig Montag. Und gestern war eindeutig ein scheiß Sonntag.
Montage sind für mich nicht die schlechtesten Tage, vorausgesetzt ich habe frei. In ihnen liegt das Versprechen von etwas Neuem, von Aufbruch. Die Zukunft erscheint mir offener. Ich weiß nicht, ob das schon untersucht wurde, aber ich glaube, dass Depressionen an Wochenenden zunehmen.
Montag dagegen ist prima. Montag macht Laune. Montag hat Rhythmus im Blut. Montag rockt im Takt der Stadt, im Takt der Baumaschinen. Montag ist sexy. (Montag ist gut für Seetang.)
Na ja, jeder wird das anders empfinden. Vielleicht bilde ich mir`s auch nur ein, dass mir das Atmen montags leichter fällt, dass der Druck auf der Brust nicht so groß ist. Im Vergleich zum Sonntag spüre ich es jedenfalls deutlich. Also, wenn nach dem Sonntag nicht der Montag käme, würde ich echt verzweifeln.
Drum:

Montag ist prima.
Montag macht Laune.
Montag hat Rhythmus im Blut!
Montag rockt im Takt der Stadt,
im Takt der Baumaschinen.
Montag ist sexy!
...

Freitag, 22. August 2014

Nichtstun





Nichtstun ist schön.
In den Himmel schauen ist schön.
Musik hören ist schön.
Eingebildete Zicken ärgern ist schön.
Nicht hinhören ist schön.

Zuhause sein ist schön.
Verliebt sein ist schön.

Freitag, 15. August 2014

Nix für Taphephobiker


Durchsichtige Bindfäden vor einem dunkelgrünen Duschvorhang. Der Tag ist Mummenschanz mit Ansage. Grau in Grau. Es regnet an einem Stück. Ich finde nicht auf die Bühne. Genaugenommen will ich auch nicht auf die Bühne. Das Leben ist nichts für Taphephobiker. Sind wir nicht von Geburt an lebendig begraben? Begraben in einem düsteren Traum, aus dem es kein Erwachen gibt. Umso älter wir werden, desto näher rücken die Sargwände. Bald können wir die Arme nicht mehr ausbreiten. Und am Ende zerdrücken die Wände unseren Geist.
Die Schatten singen Freiheitslieder. Ich freundete mich mit ihnen an. Sie sind immer ehrlich. Sie flunkern mir nicht vor, was es nicht gibt. Nein, ich finde das in keinster Weise morbide. Ich finde eher die gesamte Menschheit mit ihrem Mummenschanz kaputt und krank. Mir ist Judas lieber als alle Heuchler. Die meisten Menschen spielen ihre Rollen mehr oder weniger beständig bis zu ihrem Ableben. Es reicht ihnen. Wozu sich auch strecken, wenn man an Wände stößt? Hin zu den Sternen? Raum und Zeit sind Illusion. Das Universum ist alles andere als groß. Es passt in Wahrheit in einen Stecknadelkopf. Wir ließen uns schon immer gern von dem irritieren, was wir sehen.
Depressiv? Nein, bin ich nicht. Mein Herz schlägt wie jedes. Und auch mein Blut ist noch rot. Ich liebe, und ich leide. Ich erlebe Zeiten großer Freude und Traurigkeit. Manchmal sitze ich stundenlang und lasse einfach meine Gedanken kreisen – ohne zu einem Ende zu kommen. Ist das meine Rolle? Ist das schon die Bühne? Ich darf mir nichts vormachen. Alles sich sträuben macht keinen Sinn. Ich bin auf der Welt. Klopf, klopf klopf! Hört mich wer? Warum ist es so dunkel um mich herum? Warum habe ich so wenig Platz? Vielleicht ist die Wahrheit doch nicht das Beste. Vielleicht ist es besser, in einer Illusion zu leben. Ich meine, was würdet ihr machen, wäret ihr lebendig begraben?

Samstag, 9. August 2014

Von merkwürdigen Tieren ...


Was es nicht alles gibt: Menschen, die sich für das Überleben nach Revolution, Krieg oder Naturkatastrophe einrichten - sie sind ausschließlich damit beschäftigt. Und andere nennen sich Reichsbürger und zweifeln die Legitimität der deutschen Regierung, Gerichtsbarkeit und Behörden an. Es sollen inzwischen Tausende sein.
Ich kann es nicht fassen und wälze mich am frühen Morgen unruhig in meinem Bett hin und her. Auf einem anderen Doku-Kanal zeigen sie merkwürdige Tiere, z.B. einen Anglerfisch der Tiefsee: das wesentlich kleinere Männchen hängt wie ein Parasit am Unterleib des Weibchens und ernährt sich von dessen Blut. Oder Feuerameisen, die auf Elektrogeräte abfahren. Ich schalte hin und her zwischen den merkwürdigen Menschen und den merkwürdigen Tieren. Ich mag noch nicht aufstehen, aber nochmal richtig einschlafen kann ich auch nicht. Dann döse ich doch noch mal weg und komme bei einer Kochsendung wieder zu mir. Endlich stehe ich auf - weil ich Kochsendungen nicht lange aushalte, zumal wenn Dämlichkeiten wie Larissa und Verona dabei mitmachen, und ich ihnen beim Gurkenschneiden zuschauen soll.
Mir ist flau. Am Abend muss ich in den Nachtdienst. Der Tag ist trübe. Die Kreuzspinne vor meinem Fenster schaukelt im Wind. Auch ein merkwürdiges Tierchen. Es kommt ganz ohne Staat, Arbeitgeber und Rente aus. Dabei sitzt es wie ich auch nur den ganzen Tag herum.
Vor meiner Zeit als Rentner habe ich mehr Angst als vor einem Krieg oder dem Weltuntergang. Mir fällt der eine Typ aus der Dokumentation ein, wie er eine Armbrust präsentierte und meinte, dass er die im Ernstfall gegen Plünderer einsetzen wolle. Seine Frau steht neben ihm, sie ist genauso durchgeknallt. Gemeinsam planen sie Seminare für das unabhängige Überleben im Ernstfall. Und sie werden tatsächlich Zulauf haben und damit Geld verdienen, mit dem sie ihren Bunker ausbauen und noch mehr Nahrungsmittel horten können, etc.. Vielleicht sollte ich bei ihnen auch ein Seminar besuchen in Hinsicht auf meine Rente … Eigentlich bin ich kein besonders ängstlicher Typ, aber die auf mich zukommende Altersarmut ist ein harter Brocken. Auf der anderen Seite, es sind noch gut 15 Jahre. Möglicherweise passieren vorher irgendwelche Revolutionen, Kriege oder Naturkatastrophen, die alles auf den Kopf stellen. Man muss nur an die ganzen Asteroiden denken, die da draußen herumschwirren. Über die Gefahren aus dem Weltall kommen auch jede Menge Dokumentationen zu den unmöglichsten Zeiten im TV. Z.B. könnten wir auch durch eine Supernova-Explosion ausgelöscht werden. All das verinnerliche ich im Halbschlaf. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass mich der Krebs irgendwann dahinrafft.
Es ist schön, wenn man den Tag mit solchen Überlegungen beginnt. Noch lebe ich, und mir geht es gut. Ich drehe den Kopf zur Kreuzspinne hin, die stoisch im Netz sitzt und wartet. Wenn ich`s recht bedenke, sitze ich ja hier vorm Computer auch in einer Art Netz und warte – fragt sich nur auf was.

Mittwoch, 6. August 2014

Hoffentlich hinkt der Vergleich nicht zu sehr


Ein Blog zu führen ist ein bisschen wie Nachtwache allein. Wertschätzung darf man nicht erwarten. Ich bin über jede kleine Aufmerksamkeit froh. Was nachts abläuft, bleibt unsichtbar. Ebenso kommt es mir vor, wenn ich Beiträge in mein Blog stelle. Vielleicht schreibe ich zu viel von der Nachtseite des Lebens. Ich kämpfe mich durch die endlose Nacht, und wenn am Morgen die Kollegen zum Frühdienst erscheinen, ist es, als ob die Welt wechselt. Manchmal glaube ich selbst unsichtbar zu sein. Ich löse mich vor den Augen der Kollegen auf wie die Nacht selbst.
Nein, ich will mich nicht beklagen. Die Welt ist nun mal so. Der Autofahrer schimpft über unachtsame Fußgänger, und wenn er aus dem Auto steigt und selbst zum Fußgänger wird, schimpft er über unachtsame Autofahrer. Objektiv sind meine Sympathien immer bei den Schwächeren. Und das sind die Fußgänger im Verkehr oder die Nachtwachen im Altenheim. Ich gehe von dem moralisch naiven Ansatz aus, dass der Stärkere gefälligst auf den Schwächeren Rücksicht nehmen sollte. Der Nachtdienst nimmt meist eine Außenseiterposition in den Heimen ein. Er ist unbeliebt. Ich meine nicht die Personen sondern den Dienst selbst. Gerade wenn man ihn alleine leisten muss.
Aber ich wollte gar nicht über die Problematik des Nachtdienstes schreiben. Die ist hirnnreichlich bekannt, finde ich. Ha ha, „hirnreichlich“, ich verschrieb mich und gebar dabei dieses köstliche Wort.
Es war der Gedanke, dass ein Blog führen in mancher Hinsicht mit der Nachtwache allein vergleichbar ist. Die eigene Gedankenwelt ist anderen, fremden Menschen schwer zu vermitteln. Sowieso kann man sie in den Beiträgen nur anreißen. Oft bin ich enttäuscht von der geringen Resonanz. Daran gewöhne ich mich nie wirklich. Ebenso am Morgen, wenn der Frühdienst kommt, und ich hatte eine anstrengende Nacht und warte auf ein bisschen Mitgefühl oder ein paar freundliche Worte – meist gehe ich leer aus. Die Kollegen sehen ungern zurück in meine Nacht, sie sehen nur den Tag, den sie vor sich haben. Die Nachtwachen sind nicht nur in der Nacht alleine …

Dienstag, 5. August 2014

Verrückter Diamant


Ich stehe orientierungslos im Terminal … des Lebens. Die Menschen rennen kreuz und quer um mich herum. Mein Herz pocht bis zum Hals. Ich bin aufgeregt. Ich weiß nicht, wo ich bin. Verrückter Diamant. Der Himmel zieht mich zu sich, aber die Gravitation hält mich auf der Erde. Der sterbenden Frau im Altenheim wurde eine Nasensonde gelegt. Ihre Zunge hängt ausgetrocknet und aufgequollen aus dem Mund. Ich lagere sie und befeuchte Mund und Lippen. Ich frage Jesus und Mohammed gleichzeitig nach dem Sinn des Lebens. Sie haben keine Ahnung. Ihre Worte sind leer. Trotzdem folgen ihnen viele. Sie nuckeln an ihren Brüsten und saugen sich voll mit verwesendem Milch-Gesang. Das nackte Leben will niemand. Nur den Popanz. Millimeter für Millimeter taste ich mich voran und rutsche wieder ab. Der Untergrund ist glitschig. Nach Jahren kann ich nicht erkennen, wie weit ich voran kam. Meine Augen werden älter und farbloser. Verrückter Diamant. Ich halte fest. Und wenn ich selbst zu Morast werde. Und wenn ich selbst zu Luft werde. Die Sonne zeigt mir auffordernd ihren Arsch. Eine schöne Ablenkung. Sie furzt ins Weltall und ist alleine glücklich. Meine Pupillen ziehen sich zusammen. Ich lasse mich verführen. Ich bin verliebt. Zurück bei Knochen, Fleisch und Haut. Zurück bei der Musik meiner Nervenstränge. Ein ganzes Orchester spielt für mich auf. Tag für Tag. So oder so.
Die Welt ist dunkel. Eine Mördergrube. Es gibt weder Gott noch Götter. Nur die Einsamkeit. Und einen kurzen Kampf. Ein sich Festkrallen. Die Liebe eine wohltuende Injektion – und ich fliege. Ich fliege durch meine Träume. Landen muss gekonnt sein. In den Schulen kriegen wir nichts von alledem beigebracht. Wir reihen uns in die Schlangen im Terminal ein, weil es alle machen, um da oder dorthin zu kommen. Schließlich muss man irgendwohin kommen, sonst würde das Ganze keinen Sinn ergeben. Auch ich stehe in einer Reihe mit den Anderen. Aber ich spüre diese Selbstverständlichkeit schon lange nicht mehr ... Es ist ein Witz. Ich spürte es, glaube ich, noch nie, was Welt und Menschen wirklich umtreibt.

Samstag, 26. Juli 2014

Wie immer


Ich höre die Welt in ihren Jetzt-Klängen. Buchseite für Buchseite. Ich stehe mit nackten Füßen in einem Gebirgsbach und spüre, wie das kalte Wasser meine Waden umfließt. Ich hebe den Kopf und blicke in den Himmel zu den Wolken. Ich rieche das Leben. Was auch immer. Ich spüre den Wind. Ich spüre schmerzhaft die spitzen Steine auf meinen Wegen. Ich blinzele in die Sonne. Ich lache unwillkürlich. Und im nächsten Moment steigen mir die Tränen in die Augen. Ich nehme einen tiefen Atemzug.
Das Leben ist ein Dampfwalze. Mit Turboantrieb. Ich bin platt vom Leben. Schon wenn ich morgens aufstehe – zum zigsten Male. Jedes Jahr bedeutet 365 mal morgens aufstehen und einen neuen Tag begehen. Okay, als Nachtwache stehe ich dann und wann erst nachmittags auf. Das ist in etwa so, als ob man in der Mitte der Buchseite erst mit dem Lesen anfängt.
Ich versacke in mir. Es gibt niemanden, der mich an der Schulter fasst und lächelnd sagt: „Na Alter, alles okay? Noch was vor heute? Lust auf ein Bier?“ „Ja klar, warum nicht“, meine ich. Ich grinse in den Spiegel und begebe mich unter die Dusche. Ich stehe am Waschbecken und rasiere mich. Ich gehe zum Kleiderschrank und überlege mir, welches T-Shirt ich anziehen will. Ich laufe unruhig durch die Wohnung. Da bin nur ich. Ich rieche an mir. Ich schlüpfe in die Schuhe und verlasse das Haus.
Mein Fahrrad grinst mich an: „Na Alter, hast du`s endlich geschafft?“ „Klar, warum nicht?“ antworte ich leicht pikiert und schwinge mich auf den Bock.
„Wie immer?“
„Just go on.“
...

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