Träume

Samstag, 14. April 2018

Am Ort ohne Zeit


Dort gab es keine Sonne, die auf- oder unterging und auch sonst nichts, was den Lauf der Zeit anzeigte. Wenn man allerdings eine magische Grenze überschritt, befand man sich im Morgen. Auch zurück ins Gestern ging es. Auf der einen Seite sozusagen das Morgen- und auf der anderen das Gesternland.

Montag, 12. Juni 2017

Theater


Die Männer waren uniformiert und versperrten den Weg. Sie sahen nicht danach aus, als würden sie Spaß machen. Ich fragte, warum sie sich dort in dieser Manier positionierten. Die trockene Antwort: „Wir spielen Theater.“
Das Pfeifkonzert beginnt inzwischen schon halb vier Uhr in der Früh. Im Dämmerlicht blicke ich zum Wecker auf dem Nachttisch.

Dienstag, 30. Mai 2017

Enervator


Träumte letzte Nacht davon, dass mir meine Zahnärztin den Vorschlag machte, mir einen "Enervator" in die Brust zu pflanzen, - mit Hilfe dessen könne ich meine Anspannung sowie meinen hohen Blutdruck einfach herunterregeln. Sie habe sofort gesehen, dass ich Probleme mit den Nerven habe - weil sich meine Hände an den Armlehnen des Stuhls festklammerten. Ich wollte es nicht leugnen, denn die Aussicht auf einen solchen "Enervator" war geradezu genial. Warum hatte ich von dieser Möglichkeit nicht schon früher gehört?
Die Ärztin erläuterte mir sachkundig das Modell und machte mir sogleich einen Kostenvoranschlag. Ich werde es mir überlegen, sagte ich...

Dienstag, 23. Mai 2017

Kopfkrebs


Lange lag ich wach und dachte über den Unsinn in Träumen nach. Nicht angestrengt, ich ließ einfach die Gedanken plätschern, wies ihnen nur bedingt den Weg. Es scheint, dass Träume keine Logik brauchen. Sie sind wie ein unaufgeräumter Schreibtisch. Alles liegt durcheinander herum, aber der Träumer findet es in Ordnung. Unwillkürlich kam mir noch ein anderer Vergleich in den Sinn: Träume sind der Krebs des Geistes, undifferenzierte Wucherungen aller möglichen Ausartung. Und umgekehrt: die Träume unseres Körpers manifestieren sich als Krebsgeschwulste…

Alles das, was unser Körper über die Übung der Sinne
hinaus tut, bleibt unwahrgenommen. Von den lebens-
kräftigen Funktionen (Blutzirkulation, Verdauung usw.)
wissen wir nichts. Ebenso ist es mit unserem Geist:
Wir wissen nichts von all seinen Bewegungen und
Veränderungen, seinen Krisen usw., außer der
oberflächlichen, schematisierenden Begriffsbildung.
Erst eine Krankheit enthüllt uns die funktionellen
Tiefen unseres Körpers. So ahnen wir auch die des
Geistes erst, wenn wir aus dem Gleichgewicht gebracht
sind.


…schreibt Cesare Pavese in Handwerk des Lebens über die Allegorie von Körper und Geist. Eines meiner Lieblingszitate, welches in diesem Zusammenhang gut passt.
Bleibt zu hoffen, dass die Träume nach dem Aufwachen zurückweichen und der Krebs sich im Körper nicht ausbreitet.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Verwechslung


Heute Nacht die Träume eines anderen geträumt. Derart abstrus war alles, dass ich mich gar nicht mehr an Details erinnern kann. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ich wieder zurück in meiner Realität bin. Das Erwachen war wie ein sanfter Schock: Alles beim Alten, wie`s aussieht. Oder bilde ich mir das nur ein? Jeden Tag aufs Neue… Ich reibe mir die müden Augen.
Der Tag wischte eins-zwei-drei die Dämmerung weg, und ein astrein blauer Himmel streckt sich über die Häuserzeilen Berlins. Die Arbeit im Büro derweil in Lauerhaltung. Unermüdlich tickt die Uhr. Selbst in den Träumen steht sie nicht still. Schon verrückt. Ich werde das unheimliche Gefühl nicht los, dass die Welt eine Inszenierung ist. Schon jetzt weiß ich, wie die nächsten Stunden ablaufen. Das Gerüst steht bereits.
Aber auf das heute Nacht Geträumte war ich nicht gefasst. Das kam unmöglich von mir. Vielleicht hatte dafür ein anderer meine Träume – wäre doch denkbar. Irgendwer sitzt jetzt ähnlich fassungslos wie ich im anbrechenden Tag, ist total durch den Wind und fragt sich: Was war denn das, verdammt!?

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