2011 - Reiseimpressionen

Freitag, 21. Oktober 2011

Prag (7)


Noch mehr Prag!



An meinem letzten Tag in Prag war das Wetter einfach göttlich! Die Sonne schüttete ihre goldenen Strahlen über die Stadt. Die Fluten der Moldau funkelten silbern. Das ist keine Übertreibung! Ich ließ mich von der Schönheit des Tages mitreißen. Meine Wanderung führte mich über die Anhöhe des Letná Parks, vorbei an dem riesigen Metronom (wo früher das Stalindenkmal seinen Platz hatte), hin zur Prager Burg. Dann der Abstieg in die Stadt, ein Päuschen machen, um erneut hoch zu steigen zum Petrin Turm, der auf der Spitze des gleichnamigen Berges steht. Nein, ich war nicht oben auf dem Turm. Die Aussicht über die Dächer von Prag hatte ich bereits zur Genüge genossen. Die 60 m mehr würden den Bock nicht fett machen. Dieser Tag lieferte mir eine regelrechte Sightseeingtour - beinahe wie aus dem Prospekt.
Nach dem Genuß der Prager Höhenluft promenierte ich noch gemütlich am Moldauufer entlang. Umso schöner ein Erlebnis ist, desto mehr wünscht man sich, es mit jemandem zu teilen. Ich führte stille Selbstgespräche - im Tonfall Holdens, dem jugendlichen Helden aus "Der Fänger im Roggen", und ich knipste eine Menge Bilder.
Nach einigen Stunden taten mir die Füße weh, aber es war ein guter Schmerz. Fast so ein guter Schmerz wie der Muskelkater nach einer tollen Liebesnacht.

Also, ich resümiere: Die Reise nach Prag hat sich sehr gelohnt: zwischendurch abenteuerlich, sehr laufintensiv, das Bier war gut und billig, das Toilettenpapier dünn ..., und ich konnte mich an dieser schönen Dame Prag gar nicht sattsehen. Klar, gab es auch die weniger schönen und unangenehmen Seiten. Ich sprach schon davon: die Touristenschwärme, die Konsumtempel, die Hektik und der Lärm der Stadt, die ein oder andere Unfreundlich- bzw. Ungastlichkeit. Ich denke, das muß man in Kauf nehmen, - und man nimmt es gern in Kauf, wenn man mit derart viel Schönheit entlohnt wird.
Ich kann Prag für einen Kurzurlaub nur weiterempfehlen. Was Ihr draus macht, ist Eure Sache.
Ahoi!





das Metronom





Blick über Prag vom Letná Park





ein schöner Pavillon





in der Prager Burg





der Petrin Turm





Rosengarten vor der Sternwarte





Blick aufs andere Ufer





Kunst an der Moldau





trauriges Mädchen in Straßenbahn

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Prag (6)


Für alle, die ähnlich desorientiert durch Städte laufen wie ich



Von der Innenstadt her kommend, nimmt man z.B. die Tram-Linie 11. Die Friedhöfe sind eigentlich nicht zu verpassen. Sind alle schön ummauert.

(So klein ist der neue jüdische Friedhof nicht, Sehnsucht, oder?





wo Kafka und Kisch liegen

Prag (5)


Einblicke



Abends, wenn ich im Dunkeln zurück zum Hotel kam, qualmten mir die Socken. Nichts wie rauf in mein kleines Zimmer, Schuhe aus und Füße hochgelegt. Das war meist so zwischen 19 und 20 Uhr. Nachdem ich mich etwas ausgeruht hatte, ging ich runter ins Hotelrestaurant, Bierchen trinken und eine Kleinigkeit essen. Das Hotel war wirklich preiswert, aber vom Essen war ich enttäuscht. Die Portionen waren unterirdisch. An meinem letzten Abend wollte ich mir vor meiner Abreise ein 200g Rindersteak gönnen. Mal zuschlagen, dachte ich. Dann kam ein Steak, etwas doppelt so groß wie mein Daumennagel. Und die Kroketten waren Gummibällchen. Ich glaube, die wären vom Boden wieder hoch auf den Teller gedopst.
Das verärgerte mich - ehrlich - und ich sah von weiteren Bestellungen an diesem Abend ab, verzog mich recht früh wieder in mein Zimmer und las "Der Fänger im Roggen" zuende.

Ich war auf meinen Wanderungen vollkommen in die Großstadt eingetaucht, floß mit den Menschenströmen und manchmal auch gegen sie. Wo die Geschäfte, die Einkaufszone und die Konsumtempel sind, da sieht heute wohl jede europäische Großstadt zum Verwechseln ähnlich aus. Bevor ich zurück zum Hotel schlappte, als es bereits dämmerte, ging ich im Palladium noch ein Bier trinken. Das war ein Einkaufszentrum auf etlichen Etagen und Zwischenetagen. Ich glaube, was von dem Volumen sah ich zuletzt in Paris. (Das Rhein-Neckar-Zentrum bei mir hier um die Ecke kann es damit nicht aufnehmen.) Für gewöhnlich gehe ich in solche Einkaufsbunker, wo sich die Geschäfte stapeln, nicht oft und gerne, drum kann ich darüber vergleichend schlecht urteilen, aber so ein Riesending hatte ich schon lange nicht gesehen! Da fühlt man sich erstmal erschlagen, wenn man reinkommt.
Ich fuhr also die Rolltreppen hoch bis zur obersten Etage, denn da waren die ganzen Restaurants, Kneipen, und setzte mich an eine Bar, von wo ich einfach auf die vielen tausend Menschen schaute, oder die Bedienungen beobachtete, wie sie lustlos bei der Sache waren. Wirklich, manche Bedienungen laufen mit einem Flunsch herum, als ob man für ein Lächeln extra bezahlen müßte. Das ist in Prag nicht anders als hierzulande. Wo der Konsum vorherrscht, sinken Freundlichkeit und Service. Woran mag das liegen? Ich bin mir jedenfalls nicht für ein Lächeln gegenüber meinen Mitmenschen zu schade. Aber in einer solchen Atmosphäre passt man sich dann doch irgendwie an, glaube ich.
Nach dem Bier ging ich pinkeln - logisch. Es gab eine große Toilette auf der Etage, die ich ganz lustig fand, weil über den Urinalen Bilder von jungen Frauen in die Wand eingebracht waren, die kritisch und witzelnd auf unsere Teile beim Pinkeln herabblickten. Ich stand am liebsten an dem Urinal, worüber eine der jungen Damen einen Zollstock in der Hand hielt und darauf lachend die Länge meines Geschlechtsteils andeutete. Als ich da mal wieder stand und zufällig neben mich auf einen Pinkel-Kameraden schielte, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen: der holte sich einen runter und schaute dabei lüstern auf die Bilder vor sich. Erst dachte ich, als ich die rhythmische Handbewegung bei ihm wahrnahm, er würde nur etwas langwierig abschütteln, aber als ich dann in sein Gesicht schaute ... Widerlich, sage ich Euch. Doch bestimmt nicht typisch für Prag, oder?
Ahoi!





in meinem kleinen Zimmer





Palladium





die freundlichen Damen über den Urinalen





die eine Kirche, in die ich kurz reinschaute

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Prag (4)


Winkel, Bögen und Gräber



Im Großen und Ganzen hatte ich aber Glück mit dem Wetter. Nur der eine Tag war versifft. Am nächsten Morgen war die Stadtluft wunderbar reingewaschen. Die ersten Atemzüge, als ich vom Hotel auf die Straße trat, waren eine echte Wohltat.
Jetzt hatte ich schon ein Bild von der Stadt im Kopf. Zuerst wollte ich das 24h Ticket ausnutzen, das ich am Vortag gekauft hatte, und fuhr mit der Straßenbahn raus zu den Friedhöfen. Kafka liegt da irgendwo begraben. Ich sag`s gleich: ich war nicht an seinem Grab. Erst fand ich`s nicht, weil ich im falschen Friedhof war, und als ich am letzten Tag vor dem richtigen Friedhofseingang stand, war der abgesperrt - wegen irgendwelcher jüdischer Feiertage oder Ferien. Für alle, die Kafkas Grab in Prag besuchen wollen, hier mal die Adresse: Nad vodovodem 1, Neuer jüdischer Friedhof. Und beachtet die Öffnungszeiten ...!
Aber der olle Kafka läuft mir ja nicht weg.
Dafür kam ich ans Grab von Egon Erwin Kisch. Auch nicht schlecht, oder?
Nach dem Ausflug zu den Friedhöfen fuhr ich Richtung Bahnhof. Ich wollte gleich mal abchecken, wo ich an meinem Abreisetag hinmusste. Und das war gut so, denn ich wusste bis dato nicht, dass der eigentliche Bahnhof unter der Straße lag. Und es war auch nicht gerade einfach als Fußgänger zu ihm hinzugelangen. Ich hatte mich fast schon daran gewöhnt, etwas blöde durch die Gegend zu irren. Dabei war ich an diesem Vormittag noch völlig nüchtern. Weil sich meine allmorgendlichen Darmgeschäfte anmeldeten, mußte ich mich aber beeilen. Uff, geschafft! dachte ich, als ich bei den Bahnhofstoiletten ankam. Dummerweise wartete ich dann noch eine gefühlte Ewigkeit am Wechselautomaten in der Schlange. Schon doof, wenn man nicht das passende Münzgeld dabei hat.
Ich glaube, ich hab`s heute mit den Tipps: Leute, nehmt euch unbedingt schönes weiches Klopapier mit, wenn ihr in Prag unterwegs seid. Denn das, was in den Toiletten ist, das ist so verflucht dünn, wie ich noch keins in meinem Leben gesehen habe. Es hat weder Zugfestigkeit, noch ist es angenehm auf der Haut.
Gut, hätten wir das also auch.
Als ich alles erledigt hatte, war wieder das Svejk Restaurant an der Reihe. Es war ja fast schon Mittag. Einfach herrlich, wenn man erleichtert bei Sonnenschein durch Prag scharwenzelt. Es gibt so viele schöne Ecken, Winkel und Plätze zu entdecken. Ganz zu schweigen von dem vielen Kunsthandwerk, den Straßenkünstlern, der richtigen Kunst. Prag hat sehr viel Kunst zu bieten, und ich meine jetzt nicht nur die ollen Kirchen und so. Aber wenn Ihr auf Kirchen und Museen steht, dann könnt Ihr den ganzen Tag nichts anderes machen, als Kirchen und Museen besuchen. Das versichere ich Euch. Ich war immerhin kurz in einer Kirche drin, die gleich neben dem Café Kafka.
Nun kann man mich einen Kulturbanausen schelten, aber so bin ich eben. Ich mag einfach nicht diesen Mief, wenn Ihr wißt, was ich meine. Manche sagen auch "Muff" dazu. Dabei finde ich Geschichte schon spannend. Aber da lese ich lieber ein gutes Buch drüber. Manche decken sich ja, wenn sie in einer fremden Stadt sind, mit tausend Reiseführern ein, damit sie nur nichts verpassen. So einer bin ich nicht. Jetzt wird mir auch klar, warum ich die Schule hasste: ich mag`s verdammt nicht, wenn man sich einfach alles mögliche an Wissen ins Hirn drückt, ohne es zu filtern oder zu ordnen oder so. Also, ich muss etwas richtig fühlen und erdenken. Richtig tief - ansonsten ist es für mich wertloser Scheiß, und ich sperre mich automatisch.
Nein, ich bin kein Wissensverweigerer! Es ist immer dasselbe mit Euch: kaum sagt man etwas, was ein bißchen unüblich und befremdend ist, stempelt Ihr einen zum Extremisten.
Okay - jedem Tierchen sein Plaisierchen.
Ahoi!



Gräber















Winkel
















Bögen













Dienstag, 18. Oktober 2011

Prag (3)


Im Regen



Es regnete Katzen und Hunde - das sah ich gleich, als ich am zweiten Tag am Frühstücksbuffet saß, und es würde so schnell auch nicht aufhören. Na gut, dann eben Prag im Regen, dachte ich. Ich trank immer 2 oder 3 Tassen Kaffee und aß ein Brötchen und ein Brot mit Schinken und Käse sowie ein hartgekochtes Frühstücksei. Dann war ich satt - proppesatt. Mein Zeug hatte ich schon dabei, so dass ich nur noch den Schlüssel abgab und in den Tag startete. Es war ziemlich häßlich draußen. Geduckt unter dem Regenschirm lief ich durch den River Town Market zur Straßenbahnhaltestelle. An der Rezeption hatte ich mir ein 24 h Ticket gekauft. Die Händler bauten noch an ihren Ständen herum - viele Asiaten, die jede Menge Schund-Klamotten anboten. Für das dünne Portemonnaie war`s aber wohl okay. An der Ecke zum Fluß war ein Mc Donalds, wo ich mich erstmal aufs Klo verzog. Kaum war ich morgens ein, zwei Kilometer gelaufen, mußte ich aufs Klo. Lästig der Scheiß.
Die Scheiben von der Tram waren ganz beschlagen, und ich wischte mit der Hand ein Stück frei, damit ich sehen konnte, wohin sie fuhr. Ich wußte ja in etwa die Richtung, in die ich wollte, und wohin ich nicht wollte. Erstmal war ich nur froh, im Trockenen zu sitzen.
Die Straßenbahn fuhr eine ewig lange Strecke bergan. Schließlich stieg ich oben auf dem Berg Hradschin aus, ganz in der Nähe von der Prager Burg. Das Pflaster glänzte vor Nässe. Es war wirklich ein scheußliches Wetter. Trotzdem machte ich das ein oder andere Photo. Nachdem ich mir einiges angeschaut hatte, machte ich mich wieder auf den Weg runter zur Moldau, zur Karlsbrücke. Da war nämlich ganz in der Nähe ein Svejk Restaurant - genau gegenüber vom Kafka-Museum. Die Svejk Restaurants bieten das billigste Pilsner Urquell in ganz Prag an - nur 32,90 Kronen für den Halben. Und man saß dort auch recht gemütlich. Das Personal trug weiße Poloshirts, auf denen Svejks rundes Säufergesicht aufgedruckt war. Das ist das Emblem dieser Restaurants.
"A big light beer, please", sagte ich zu der Bedienung und breitete mich mit meinen Sachen auf einer Holzbank aus. Sie hatten erst vor ein paar Minuten geöffnet, und ich war noch der einzige Gast.
Ich schrieb ein paar Postkarten, und danach las ich im "Der Fänger im Roggen".
"One more?" fragte die Bedienung.
"Yes", nickte ich kurz. So ging es immer hin und her. Ich habe eine ziemliche Ausdauer in solchen Dingen.
Ich hatte diesen Roman schnell in mein Herz geschlossen. Holden, der jugendliche Ich-Erzähler war wegen seiner schlechten Leistungen von der Schule geflogen, und da ging ihm ziemlich viel durch den Kopf, und das schrieb er auf, wie es ihm in den Sinn kam; jedenfalls liest es sich so, - als wäre der ganze Roman ein einziger Satz. Ich konnte Holdens Gedanken und seinem Witz gut folgen. Da waren verdammt viel kluge Sachen dabei, und er äußerte sie ganz lakonisch, jugendlich naiv. Oft mußte ich beim Lesen grinsen, und ich erwischte mich dabei, dass ich anfing, in seiner flapsigen Art zu denken. Ja, ich war wirklich drin in diesem Buch.
"One more?"
"Yes."
Zwischendurch schaute ich auf die Bedienungen, die noch nichts zu tun hatten, aber wie der Teufel hin- und herliefen, und ich schaute raus und sah, dass es immer noch Katzen und Hunde regnete, und ich sah einige Touristen, die stehenblieben und schüchtern ins Lokal schauten.
Natürlich wollte ich nicht ewig dort sitzen bleiben. Da hätte man mich am Abend raustragen können. Ich stelle mir vor, wie sie mich in eine Schubkarre gelegt hätten und vor dem Restaurant auf den Bordstein gekippt hätten - gegenüber vom Eingang zum Kafka-Museum.
Soweit kam es nicht. Ich weiß aber auch nicht mehr genau, wo ich an diesem Tag noch überall langschlappte. Aber ich weiß, dass ich nach dem 3.,4. Bier ziemlich regelmäßig pinkeln muß. Genaugenommen muß ich dann schon pinkeln, wenn ich nur ein Bier sehe.
Es gibt eben auch solche Piss-Tage, dachte ich.
Aber Ihr sollt nicht meinen, dass ich nur in Kneipen rumsaß. Ganz ehrgeizlos bin ich nicht. Und die Photos zeugen auch davon.
Ahoi!





irgendwo auf dem Hradschin





den Berg wieder runter





Blick in ein Gässchen





unten erstmal einen Espresso reingeschüttet





das Innenleben eines der Svejk Restaurants

Montag, 17. Oktober 2011

Prag (2)


Der erste Tag



Ich brauchte nur lange genug am Ufer der Moldau entlangzulatschen, und ich erreichte automatisch die Innenstadt. Ein Fluss ist für den Fremden eine gute Orientierung. Ich hatte zwar den Stadtplan, aber ich musste erstmal ein Gefühl für die Proportionen kriegen. Man ist da ja quasi als Ameise unterwegs. Nach dem Frühstück im Hotel tigerte ich los. Das Sirenengeheul von Polizei und Rettungswagen gehörte zu den ersten fremden Eindrücken. Schwer zu beschreiben. Deren Sirenen heulen heller und melodischer als die deutschen. Egal.
Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch hatte ich den Dunstkreis der City erreicht. Das sah ich schon an den Touristenströmen. Die tschechischen Namen auf den Wegweisern sagten mir gar nichts. Und als ich dann inmitten des Häusermeers war, war es auch mit der Orientierung nicht mehr weit her. Aber ich hatte ja eine Masse Zeit totzuschlagen, konnte also einfach drauf loslaufen. Auf einem großen Platz wußte ich dann schon, dass ich richtig war. Alles fotografierte, und ich schoß auch ein paar Bilder. Dann dachte ich, dass es an der Zeit wäre, mein erstes Bier zu trinken. Um die Ecke war das "Café Kafka". Nichts besonderes. Ich saß draußen und relaxte.
Als ich von Heidelberg losfuhr, war mir klar, dass zum Auffüllen der Lücken im Tagesablauf eine Lektüre ganz nützlich sein könnte, drum wollte ich mir vor der Abfahrt in der Bahnhofsbücherei einen Roman oder sowas kaufen. Ich stand vor dem Bücherregal mit der Belletristik und schaute über das bescheidene Angebot. Hm. Hm. Kafka fiel mir natürlich ins Auge. Aber dann dachte ich mir, dass ich in Prag nicht auch noch Kafka lesen wollte - das wäre in etwa wie dick Butter auf einem Wurstbrot. Einfach zu viel.
Salingers "Der Fänger im Roggen" stand da auch. Ziemlich aufreizend. Ich nahm das Buch in die Hand und wußte fast sofort, dass es das richtige war. Das ist nicht nur mit Büchern so. Auch mit Frauen. Ehrlich. Plötzlich steht da die eine richtige wie aus dem Boden gewachsen.
Also, ich mach`s kurz: ich packte "Der Fänger im Roggen" in meinen Rucksack, kaufte noch ein paar Dosen Bier als Reiseproviant und wartete im Bahnhofrestaurant auf meinen Zug.
Ewig und drei Tage wollte ich dieses Buch schon lesen. Keine Ahnung, warum ich`s bis dato noch nicht fertiggebracht hatte. Und Prag wollte ich ja auch schon seit ewigen Zeiten besuchen. Also passte das auch irgendwie - oder wie seht Ihr das?
Ich hatte also die Innenstadt von Prag gefunden, und als ich da vorm "Café Kafka" Budweiser trank, gingen mir allerhand blöde Gedanken durch den Kopf: z.B., dass ich die tschechischen Frauen ziemlich schmalarschig fand, oder dass hier auffällig viele junge Männer mit langen Haaren, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, herumliefen - so wie die Franzosen irgendwann mal. Und später nach der xten Kneipe fiel mir auf, dass da die Popmusik der späten Achtziger und Neunziger rauf und runter lief, so als wäre die up to date - also so Sachen von Sting, Pink Floyd oder so. Ich weiß auch nicht.
Am ersten Tag bummelte ich erstmal die ganzen ausgetretenen Touristenpfade ab. Karlsbrücke und zurück. Dann wieder in die Innenstadt, in die Fußgängerzone ..., wie schon gesagt: ich schlappte gefühlt jeden Tag mindestens tausend Kilometer. Dabei wollte ich gar nicht wie ein typischer Tourist ausschauen, aber ich fühlte mich so furchtbar dämlich, weil ich mich gar nicht auskannte und immer blöd durch die Gegend glotzte. Ich erkannte die Einheimischen daran, dass sie mindestens doppelt so schnell unterwegs waren - und viel zielgerichteter. Mit den Tagen nahm ich dann auch an Tempo auf, weil ich dann schon wußte, wo das Bier besonders billig war, und wo ich sitzen wollte, "Der Fänger im Roggen" lesen und so.
Im Prinzip klappte alles ganz prima. Obwohl ich mir manchmal ein Gespräch gewünscht hätte. Es war schon ziemlich einsam - ganz allein in solch einer großen Großstadt. Immer wollte ich mir das nicht geben.
Ahoi!





Moldau Ufer





Innenstadt





Café Kafka





Karlsbrücke





vielleicht hauste hier der Typ, der mich am Bahnhof zum Taxi brachte

Sonntag, 16. Oktober 2011

Prag (1)


Die Ankunft



Da bin ich wieder. Zurück von Prag. Noch ganz erschlagen von den vielen Eindrücken der Reise und dieser Großstadt. Ich kann euch sagen: Prag war der Hammer! Ungelogen - trotz der Touristenmassen und dem tosenden Verkehr. Oder auch deswegen. Wenn man von Paris, Florenz, Wien und Heidelberg ein paar Ecken abschnitte, in einen Sudtopf täte und das Ganze herumrührte, dann käme vielleicht sowas wie Prag heraus. Diese Stadt ist eine echte Schönheit. Aber wie das z.B. auch bei schönen Frauen ist: sie tragen zu dick auf, werden arrogant und schnippisch. Na ja, ich schaue ihnen trotzdem auf den Arsch. Und Prag hat einen klasse Arsch - wenn ich das mal so sagen darf. Ich wurde gar nicht fertig mit Schauen, und ich machte auch eine Menge Fotos, falls Euch das interessiert. Ein paar werde ich ins Blog stellen. Ich weiß bloß verflucht nicht, welche. Na, Ihr werdet`s sehen.
Jeden Tag schlappte ich gefühlte tausend Kilometer. Ich irrte wie berauscht von dem Vielen durch die Straßen, und manchmal war ich auch echt berauscht. Ich sag`s lieber gleich: das Bier war spektakulär billig. Genau, wie ich`s mir vorher gedacht hatte. Für einen Halben bezahlte ich gut 30 bis 40 Kronen. Scheiß Umrechnerei. Jedenfalls ist`s ziemlich billig! Weniger als 2 Euro pro Bier.
Das Hotel, in dem ich abstieg, war auch günstig. Sehr günstig. Ich zahlte nur knapp 20 Euro pro Übernachtung. Prag kam mir also in finanzieller Hinsicht entgegen, weil, wie Ihr wisst, habe ich`s nicht gerade dicke. Trotzdem gab ich noch genug aus. Also, mehr will ich zum Thema Geld gar nicht sagen. Es gibt viele Menschen, für die bin ich echt sagenhaft reich.

Als der Expressbus Prag erreichte, war es schon dunkel. Er brauchte endlos lange, bis er sich durch den Verkehr der Innenstadt bis zum Bahnhof geschoben hatte. Das erste, was ich also sah, als ich ausstieg, waren etwa eine Million Autos und das vergammelte Bahnhofsgebäude, vor dem der Bus hielt. Ich war müde von der Reise, weil das Umsteigen durch die Verspätungen ziemlich stressig war. Ich konnte gar nicht richtig entspannen. Ständig mußte ich darum bangen, dass ich meinen Anschluß kriege. Aber schließlich klappte doch alles. Ich hatte meine Nerven völlig umsonst verschlissen - wie so oft in meinem beschissenen Leben. Entschuligt, ich schweife ab. Natürlich ist mein Leben ganz und gar nicht beschissen. Aber wenn ich mich ärgere, dann kommt es mir so vor.
Vor dem Bahnhof stand ich eine Weile rum. Ich dachte, ich nehme mir ein Taxi zum Hotel, weil es war dunkel, und ich kannte von Prag so viel wie von einer Frau kurz vor dem ersten Date oder so. Ich war ziemlich gespannt. Aber da war kein Taxi. (Ich wußte da noch nicht, dass der eigentliche Bahnhof unter der Straße liegt. Woher sollte ich das auch wissen?)
Schließlich sprach mich ein Typ an. Schon etwas älter und ziemlich nervös: "Taxi????" Ich dachte, er sei Taxifahrer und wolle mich zu seinem Taxi führen. Ich verstand herzlich wenig von dem, was er mir aufgeregt erzählte. Aber ich folgte ihm halt die paar Meter zu einem Platz, einem Taxistand, wo allerdings auch kein Taxi stand. Mir wurde klar, dass er mir bloß ein Taxi vermitteln wollte. Er sagte, dass die anderen Banditen seien und all so was, aber die Taxis hier seien anständig! So viel glaubte ich zu verstehen. Er lief immer wieder vor zur Straße und schaute nervös auf den vorbeiflutenden Verkehr und rauchte dabei eine Zigarette nach der anderen. Irgendwie stand ich da eine Weile ziemlich trottelig herum und dachte schon daran, das Weite zu suchen. Doch dann bog tatsächlich ein Taxi ein. Und der Typ sagte was in tschechisch zum Fahrer. Und dann meinte er zu mir in bittender Haltung, dass er obdachlos sei und so. Hach, ich hatte gerade einen guten Moment, drückte ihm einen Fünfeuro Schein in die Hand, bedankte mich und stieg ins Taxi.
So kam ich zum Hotel. Und ich wurde tatsächlich nicht beschissen.
Das war also meine Ankunft in Prag.
Wenn`s Euch interessiert, erzähle ich in den nächsten Tagen noch mehr davon, von meinem Aufenthalt und so, und warum ich "Den Fänger im Roggen" vorerst für das beste Buch des Universums halte.
Ahoi!





im Hotelrestaurant nahm ich erstmal einen Drink

Sonntag, 31. Juli 2011

Bequeme Schuhe sind das A und O




neben dem Fahrrad meine wichtigsten Fortbewegungsinstrumente

Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Route


888 km sagt der Routenplaner bei Google. Natürlich für Autos berechnet. Sicher fuhr ich auf den Fahrradwanderwegen einige Kilometer mehr. Außerdem befand ich mich zwischendurch auf Abwegen. Ich komme also auf - rund 1000 km.

Meine Strecke:

Heidelberg - Miltenberg
Miltenberg - Gemünden am Main
Gemünden - Melrichstadt
Melrichstadt - Heringen
Heringen - Sondershausen
Sondershausen - Seeburg (Süßer See)
Seeburg - Plötzky
Plötzky - Havelberg
Havelberg - Goldberg
Goldberg - Rostock
Rostock - Dierhagen

Ich radelte an Neckar, Main, Fränkischer Saale, Werra, Saale, Elbe, Warnow und Ostseeküste entlang. Die Radwanderwege waren immer besser als die Straße aber manches Mal auch eine Geduldsprobe - weil steinige, schwer befahrbare Wald- oder Feldwege.
Neu für mich war die Strecke an der Fränkischen Saale von Gemünden über Bad Säckingen nach Bad Neuburg. Teilweise sehr schön!
Auch an der Werra von Meiningen nach Heringen fand ich viele interessante, sehenswerte Plätze.
Schweißtreibend war es zwischenzeitlich immer. In der Nähe von Eisleben verfranste ich mich im Südharz.
Als ich in Havelberg ankam, war ich ziemlich geschafft und legte einen Tag Pause ein. Dort kann man gut campen. Die Stadt ist zwar klein, mit relativ wenigen Lokalen bestückt, aber sie liegt beschaulich an der Havel und hat viele schöne Ecken und Sehenswürdigkeiten wie den Dom.
Von dort waren es nur noch 1 1/2 Tage bis nach Rostock. Das Wetter machte mir allerdings auf dieser Wegstrecke keine große Freude. Auf dem Campingplatz am Goldberger See kam ich durchnässt an und stellte im Regen mein Zelt auf.
Ich hatte es fast geschafft! Am frühen Nachmittag des Folgetages erreichte ich Rostock, und die Sonne hatte mich wieder etwas aufgewärmt.

Nach dem ersten Aufenthalt bei Lawe (in Rostock) unternahm ich einen zweitägigen Ausflug nach Dierhagen, Fischland und die Halbinsel Darß-Zingst.
Schlechtes Wetter und zugegebenerweise auch Erschöpfung trieben mich zurück in Lawes vier Wände.
Gut zwei Wochen war ich unterwegs gewesen und hatte das Gefühl, dass meine Reise vollbracht war. Ich wollte so bald wie möglich mit der Bahn die Rückreise antreten ...

Die Zugfahrt mit Fahrrad und Gepäck (Rostock - Heidelberg) sollte dann (wieder) ein Abenteuer für sich sein!

Mittwoch, 20. Juli 2011

Bei Lawe in Rostock


Bei Lawe kam ich gut unter. Ich war froh, dass sie mir ihre Gastfreundschaft anbot. So konnte ich in Rostock bis zu meiner Heimreise mit dem Zug Station machen. Auf Spaziergängen erkundete ich die Stadt. Schnell fand ich mich zurecht und konnte gar nicht verstehen, dass ich bei meiner Ankunft derart orientierungslos gewesen war.
Lawe zeigte mir dies und das und erzählte eine Menge, was interessant war. Ich hatte zwei schöne Bummel-Tage. Abends saßen wir zusammen, schauten fern und diskutierten über Gott und die Welt.






Dierkower Mühle






Rostocker Skyline






eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt






tschüss, Rostock!

ein literarisches Tagebuch

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