Erstes Frösteln


Der Herbst hält Einzug. Jedes Jahr ist der Wechsel der Jahreszeiten ein Naturerlebnis, das mich fasziniert – hautnah sozusagen. Der Vermieter ist heiz-geizig, so dass ich morgens in meiner Bude friere und mit dem Elektro Konvektor zuheizen muss. Ich schaue aus dem Fenster: Noch ist die Verfärbung der Blätter nur leicht. Gelb, Ocker und braune Tupfer arbeiten sich langsam vor. Auf den Wegen mehren sich die gefallenen Blätter. Die Jahreszeiten vollziehen sich in Wellen: der Sommer ist der obere Scheitelpunkt, der Winter das untere Wellental und dazwischen die Wendepunkte Herbst und Frühling. Die Sonne steht nun schon tief, so dass sie am späten Nachmittag hinter den Hausdächern verschwindet. Die Schatten werden länger und die Gäste in den Biergärten weniger. Decken liegen auf den Stühlen, in die sich die Gäste einmummeln. Noch will man sich nicht recht daran gewöhnen, dass der Sommer vorbei ist. Lieber erträgt man ein leichtes Frösteln.
Ich reite auf den Wellen der Jahreszeiten im Schneckentempo. Doch schaut man eine Weile nicht hin, ist man überrascht, wie weit die Zeit vorangeschritten ist. Rückblickend verging der Sommer im Sauseschritt – ein Sommer, den ich nicht so schnell vergessen werde. Etwas ängstlich schaue ich auf den Winter, auf die Kälte und die tristen Tage. Was wird der Winter mit mir machen? Ich komme mir vor wie als Kind vorm Beckenrand, das sich nicht recht ins Wasser traute. Dabei stehe ich in meinem fünfzigsten Lebensjahr. Und außerdem bin ich im Winter geboren. Also.
Trotz Elektro Konvektor fröstelt es mich. Meine Finger bewegen sich klamm über die Tastatur des Laptops. Am Besten akklimatisiere ich mich, wenn ich rausgehe. Es sieht nicht wirklich freundlich aus heute. Der Tag präsentiert sich in einer gräuliche Grießsuppe. Dazu geht ein fieser Wind. Ich kann ein Halstuch mitnehmen und die neue Baskenmütze, die ich dann wahrscheinlich doch nicht aufsetze. Vielleicht nach ein paar Bier in Heidelberg. Ich will mal wieder durch Heidelberg stromern ...

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