Sonntag, 23. Juni 2013

Zurück an die Front


Ich hätte umschalten sollen. Auf Phoenix sehe ich "Tacheles", und verfolge eine Diskussion mit dem Thema „Streitfall Altenpflege“. In wenigen Tagen kehre ich zurück in die Tretmühle Altenheim. Mir wird regelrecht übel bei diesem Gedanken.
Ich will thematisch jetzt gar nicht besonders ins Detail gehen. Zu lange arbeite ich in der Altenpflege und kriege hautnah die Missstände und Schwierigkeiten mit. Ich erlebte Vernachlässigungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Ich kam selbst schon an die Grenzen – und das nicht, weil ich sadistisch veranlagt wäre. Die allermeisten verbalen und tätlichen Übergriffe des Personals gegenüber dem pflegebedürftigen, alten Menschen passieren aufgrund von Überforderung und Druck durch Vorgesetzte (bzw. weil besonders rabiate Schwestern und Pfleger bei den Vorgesetzten beliebt sind, da sie schnell arbeiten, und weil sie auch jene Alten in die Badewanne oder unter die Dusche kriegen, die sich sträuben).
In Fernsehdiskussionen werden wir die Probleme in der Pflege nicht lösen. Diese Diskussionen gibt es seit vielen Jahren, und immer wieder hört man über dieselben Missstände, und dass es letztlich an der Finanzierbarkeit hängt. Schon als ich 1995, vor fast 20 Jahren, die Altenpflegeausbildung machte, wusste die Politik durch die gerontologische Forschung über die demografische Entwicklung und die sich dadurch ergebenden Probleme für die Altenpflege Bescheid.
Das einzige, was sich wirklich für uns Pflegepersonal in den letzten Jahren änderte, ist, dass wir unendlich viel Zeit am Computer mit der Dokumentation und der Pflegeplanung verbringen müssen, anstatt uns besser den alten Menschen zu widmen. Papier ist geduldig, wie man so schön sagt – elektronisches Papier besonders. Wer kann schon überprüfen, ob alles so stimmt, wie es vorschriftsgemäß in die Dokumentation eingetragen wurde?

Wie gesagt, mir wird schlecht bei dem Thema. Nach vier Wochen Urlaub hatte ich ganz gut abgeschaltet davon. Morgen werde ich mich bei der Chefin zurückmelden. „Melde mich zurück zur Front“ - nein, das werde ich freilich nicht sagen, aber so ähnlich fühlt es sich an.

Ostsee-Impressionen

Achter Tourtag


Mit der Ostsee kamen die Menschen, also die Menschenmassen. Ich schätze 80% Pensionäre, die mich auf ihren Pedelecs überholten, wenn es bergauf ging. Und an der Küste war es teilweise ganz schön hügelig.
Das Radtourenbuch für den Oder-Neiße-Radweg hatte ich in der Gepäcktasche verstaut, ich fuhr jetzt auf dem Ostseeküsten-Radweg, und zwar rückwärts Richtung Rostock. Der Tag begann kalt und wolkig, aber es klarte schnell auf und wurde mittags noch richtig heiß. Ich genoss die schöne Fahrt die Küste entlang bis zum Seebad Zinnowitz und legte öfters Pausen ein. Danach ging es ein Stück ins Landesinnere. Als ich am frühen Nachmittag wieder Rast machte, notierte ich folgende Impression: „Die Radiomusik der Zimmermänner schallt zu mir herüber. Sie klopfen und hämmern auf einem Rohbau. Die Luftschlangen des Richtkranzes flattern im Wind. Ich, am Wegesrand, trinke ein Elephant-Bier Special Edition … Ein Song von den Beatles läuft – bei Wolgast.“
Ich konnte die Seele baumeln lassen. Bis Freest, wo ich zelten wollte, war es nicht mehr allzu weit. Campingplätze waren auf dieser Strecke rar, so dass ich meine Tagestour danach richten musste, welchen ich noch erreichen konnte.
Ein nettes, älteres Ehepaar managte den Freester Campingplatz. Für nur einen Euro mehr konnte ich eine Kammer beziehen, welche sie Radlerunterkunft nannten, und sparte mir so das Auf- und Abbauen des Zeltes. Außerdem lag ich auf der Matratze gemütlicher als auf meiner dünnen Isomatte.
Ich hatte genügend Zeit, den Strand und den idyllischen, kleinen Fischereihafen zu erkunden. Am Abend saß ich auf der Terrasse vor meiner Kammer, schlemmte und las in dem mitgenommenen Wälzer von Victor Hugo „Les Miserables“. Erst jetzt fand ich die richtige Muse dazu.




Seebrücke Heringsdorf




da hat jemand aufgeräumt




herrlich!




ich glaube, ich lege mich dazu




Freest - klein aber fein

Samstag, 22. Juni 2013

Der Radler




Pastellkreide, 300 x 430, irgendwann Anfang der Achtziger

Auf Usedom

Siebter Tourtag


Endlich Sonne! Wie befreit radelte ich von Ueckermünde los. In Anklam machte ich Mittagspause und kaufte mir das Radtourenbuch vom Ostseeküsten-Radweg, das ich für die Weiterfahrt nach Rostock benötigte. Eine Woche war ich nun unterwegs und noch ziemlich blass. An diesem Tag holte ich mir eine rote Nase. Das schöne Wetter sollte mich die ganze Zeit an der Ostsee begleiten – eineinhalb Wochen bis zu meiner Heimfahrt.
Am frühen Nachmittag war ich bereits auf Usedom. Allein der Zustand der Wege ließ manchmal zu wünschen übrig: voller Schlaglöcher, ich holperte über Panzerplatten oder im schlimmsten Fall über altes Kopfsteinpflaster. Spurlos ging das an den Felgen nicht vorüber.
Fünf Kilometer vor Ahlbeck in Ulrichshorst fand ich einen Campingplatz. Diesmal war ich nicht der einzige auf dem Zeltplatz. Ein anderer Radwanderer war auch gerade dabei sein Zelt aufzubauen. Glücklich über das schöne Wetter und die Tourleistung unternahm ich am frühen Abend einen Ausflug nach Ahlbeck. Ich war an der Ostsee!




eine schöne Dorfkirche




herrliche Natur!




Mittagspause in Anklam




gleich bin ich auf Usedom!




Bierpause im Städtchen Usedom




Seeheilbad Ahlbeck - der Oder-Neiße-Radweg endet hier

Freitag, 21. Juni 2013

Balls




mal wieder malen, und Freud schaut zu

Am Stettiner Haff

Fünfter und sechster Tourtag


Bei Mescherin verließ der Radwanderweg die Oder. Der Tag war trübe, um nicht zu sagen sehr trübe. Am späten Vormittag regnete es wieder. Ich flüchtete in Penkun in eine Gastwirtschaft, wo ich leckeres polnisches Bier trank. Die freundliche Wirtin erklärte mir eine Abkürzung weiter nach Löcknitz. Glücklicherweise hörte es wieder auf zu schiffen. Ich fuhr etliche Kilometer über Hügelland und kam ganz schön ins Schwitzen. Ab Löcknitz durch den Naturpark "Am Stettiner Haff" war es wieder flach. Ich hatte nur Gegenwind; da aber weite Strecken durch Waldgebiet führten, kriegte ich den nicht allzu oft zu spüren. Ich kam gut voran. Bei Bellin, wenige Kilometer vor Ueckermünde, erreichte ich einen Campingplatz und baute mein Zelt auf.

Am nächsten Morgen konnte ich das Zelt noch im Trockenen abbauen. Schon in Ueckermünde wurde es allerdings richtig nass. Über zwei Stunden saß ich in einer Café-Bäckerei, bis ich frustriert eine Pension anrief. Natürlich hörte es später auf zu regnen, aber da hatte ich bereits mein Zimmer bezogen und war zu Fuß auf dem Weg in die Stadt – mit einem Regenschirm, den ich mir vom Herbergsvater geliehen hatte und auf meinem Spaziergang gar nicht brauchte. Es war Sonntag; ein Supermarkt hatte dennoch geöffnet, so dass ich mich mit Proviant eindecken konnte. Am Abend lief das Fußballländerspiel „Deutschland – USA“, das ich mir auf meinem Zimmer angucken wollte. Ich verschlief allerdings das meiste davon.
Ueckermünde riss mich nicht vom Hocker, was vielleicht am miesen Wetter lag. Jedenfalls aß ich dort das beste Fischbrötchen meines Lebens.




was sind das für seltsame Türme, die im Himmel verschwinden?




unterwegs auf Waldwegen




mein Zelt steht am Stettiner Haff




die Uecker




Ueckermünder - Geschmackssache

Donnerstag, 20. Juni 2013

Das Unwetter

Vierter Tourtag


Als ich am frühen Morgen von Kienitz losradelte, machte ich richtig Holz. Es ging erst mal ca. dreißig Kilometer auf bzw. am Oderdamm entlang. Von Kienitz nach Hohenwutzen – dazwischen gab es nichts als Wegstrecke. Die nächste, größere Stadt war Schwedt, die ich schon mittags erreichte. Die Sonne war zwischenzeitlich herausgekommen. Nur der Gegenwind machte mir zu schaffen.
In Schwedt machte ich Pause. Es zeichneten sich bereits wieder Gewitterwolken am Himmel ab.
Die Pause fiel etwas länger aus als gedacht, aber ich wollte unbedingt noch ein paar Kilometer weiter – bis Mescherin, wo ein Campingplatz ist.
Das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Vor Gartz wurde ich von einem Unwetter erwischt, wie ich es selten erlebte. Selbst im Schutz des Unterstands, den ich noch erreichte, wurde ich total durchnässt. Der Wind peitschte den Regen und auch Hagel in alle Ecken.
Ich kauerte mich nass und durchgefroren auf dem Tisch zusammen und trank Bier ... Das heftige Spektakel dauerte über eine Stunde, und immer noch war kein Licht am Horizont zu entdecken. Trotz andauernd starkem Regen machte ich mich wieder auf den Weg. Gartz war nur ca. sechs Kilometer weit entfernt. Ich flüchtete ins erste Café, an dem ich vorbeikam – tropfnass wie ich war.
Von dort telefonierte ich die Unterkünfte ab und kriegte ein Zimmer in der „Pommernstube“.
Am frühen Abend, der Regen hatte nachgelassen, schlenderte ich durch die Stadt. Ich war froh, wieder ein Domizil für eine Nacht gefunden zu haben.




auf dem Oderdamm




das Wetter schlägt um, bei Schwedt




nasser geht`s nicht mehr




Gartz




Gartz, an der Oder

Aktion Elternhaus


Eigentlich wollte ich nur die Teppiche und ein bisschen Krimskrams holen. Ich mietete einen Kleintransporter, und eine alte Freundin fuhr mich. Sie hatte den Vorschlag gemacht, weil ich ihr angeboten hatte, dass sie sich mitnehmen dürfe, was sie wolle (außer einigen Dingen, welche sich die Verwandtschaft reserviert hatte). Ich wusste, dass sie scharf auf Krempel aller Art war. Aber ich stellte mir nicht vor, dass es so viel werden würde. Ich blieb bei meinen paar Sachen, während sie fast in alle Löcher schaute und ständig lapidar meinte: „Nehme ich mit, nehme ich auch mit …, bevor`s ein anderer kriegt.“ Sie forschte stundenlang herum. Derweil knallte die Sonne auf das Elternhaus – die Hitze war kaum auszuhalten. Ich war genervt – auf der anderen Seite freute es mich, dass sie so viel brauchen konnte. Der Transporter war für 24 Stunden gemietet. Ich hätte wissen müssen, dass es bei ihr mal wieder ausartet. (Sowieso ist sie eine ziemlich anstrengende Person.)
Als wir am nächsten Morgen abfuhren, war der Transporter beinahe voll geladen. Wir kamen ganz schön ins Schwitzen beim Be- und Entladen. Die heiße Luft erschlug einen fast. Als der Wagen endlich wieder bei der Autovermietung stand, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Die Aktion, die zur echten Nervenprobe für mich wurde, war ohne Blessuren oder andere üble Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Erschöpft machten wir uns auf den Nachhauseweg, nicht ohne vorher darauf anzustoßen. Ich hatte wirklich nicht gedacht, dass die Sache Umzugsdimensionen annehmen würde; und ich frage mich, wie meine alte Freundin den ganzen Krempel in ihrer kleinen Wohnung unterbringen will.
Für mich waren die zwei Tage außerdem eine unmittelbare Konfrontation mit den verstorbenen Eltern und vielen Erinnerungen. Es war sozusagen aktive Trauerarbeit.

Mittwoch, 19. Juni 2013

TV-Tipp:

"Weekend", 0 Uhr 45, HR

Dienstag, 18. Juni 2013

Eine Begebengheit am Rande

Überall gibt es Idioten


Als ich in Bad Muskau Quartier bezogen hatte, wanderte ich noch durch die Stadt. Ein einsetzender Gewitterguss zwang mich einzukehren. Ich befand mich direkt an der Grenze, - bzw. an der Brücke hinüber nach Polen, und die eine Kneipe hieß bezeichnenderweise "An der Grenze". Eine Polin, das hörte ich am Akzent, bediente. Sie hatte das Sexappeal, welches manche gewöhnliche Frauen haben, bevor sie aus dem Leim gehen. Guter Arsch und ausladender Busen, um es ordinär zu sagen. Ich schaute öfter hin, denn was besseres gab es nicht. Ansonsten saßen an einem Tisch die Dummschwätzer, wie man sie in Dorfkneipen überall in der Republik antrifft. Sie hatten mich längst beäugt, ließen mich aber in Ruhe. Notgedrungen lauschte ich ihren lautstarken Wortgefechten, die sie sich unter sich und mit der Bedienung lieferten. Zum Teil war es ganz amüsant. Draußen wollte das Unwetter leider nicht nachlassen. Es goss fast zwei Stunden wie aus Eimern. Zum Hotel hatte ich noch einen guten Fussweg vor mir. Ich fühlte mich nicht besonders wohl in meiner Haut. Schließlich entschloss ich mich trotz des Regens zu gehen. Ich stand auf und wollte aus einer Kühlvitrine, die im Gastraum stand, zwei Flaschen Bier zum Mitnehmen entnehmen. Da packte mich plötzlich eine Hand fest am Unterarm, und eine Stimme sagte drohend: "Das geht nicht!" ich wand mich sofort um, blickte dem Idioten in die Augen ... und entschuldigte mich. Der machte unter seinen Kumpels noch kurz auf dicken Affen - wurde aber von diesen beruhigt. "Er entschuldigte sich doch", sagten sie. So schön so gut - ich hatte mich wieder gesetzt und fraß meinen Ärger in mich hinein. Kurz darauf stand einer dieser Leute auf und nahm ganz selbstverständlich eine Flasche Bier aus der Kühlvitrine. Ich zahlte. Als die Polin fragte, ob ich noch Bier mitnehmen wolle, verneinte ich. Es regnete immer noch, aber das war mir inzwischen egal. Nur weg von diesen Idioten, dachte ich.
Das Scheiß Wetter hatte schon genug meine Nerven strapaziert. Am Liebsten wäre ich nach dieser Demütigung ausgerastet. Hier war eine Grenze eindeutig überschritten worden.

Montag, 17. Juni 2013

Gezi-Park

Ich bin traurig über die Vorgänge in der Türkei.

Das normale Ehepaar Steinbrück


Da ich meistens Phoenix laufen habe, wurde ich gestern Mittag Zeuge von Peer Steinbrücks Auftritt mit Ehefrau an seiner Seite beim SPD Parteikonvent. Ziel der Parteistrategen war natürlich, Steinbrücks angeknackstes und hölzernes Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren, indem man ihn als Ehemann, Familienvater und normalen Menschen zeigte.
Was mir zuerst ins Auge sprang, war die optische Ähnlichkeit zwischen ihm und seiner Frau – als wären sie Geschwister. Und im Hintergrund sah man den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel genüsslich Kekse essen. Das allein fand ich schon belustigend. Insgesamt fand ich den Auftritt des Ehepaars Steinbrück drollig bis anrührend. Seine Frau wirkte intelligent, bedacht und redegewandt. Die Lehrerin steht ihr ins Gesicht geschrieben wie ihrem Mann der Dozent (ein typisches Lehrerehepaar). Aber natürlich sind sie ganz normale Leute. Dies durch diesen Auftritt unter Beweis zu stellen, kann ich einerseits als Wahlkampfstrategie nachvollziehen, andererseits habe z.B. ich dadurch kein anderes Bild von diesem Mann bzw. Menschen gewonnen. Er ist, der er ist. Selbst meinte Steinbrück ganz richtig, dass er sich nicht verbiegen kann und will – schon gar nicht in den letzten verbleibenden knapp hundert Tagen bis zur Bundestagswahl. Als er auf die Frage, warum er sich die Kanzlerkandidatur antue, den Tränen nahe war, und ihm die Sprache versagte, war dies authentisch und nachfühlbar. Diese menschliche Regung wurde mit viel Beifall honoriert. Vielleicht rückte er manchen Wählern in diesem Moment ein Stück näher. In mir regte sich eher Mitleid. Er wirkte bei diesem Auftritt zu wenig souverän, was vielleicht auch an seiner Frau lag, die mir ihm nicht nur rhetorisch überlegen vorkam. Aber vielleicht war gestern auch nicht Steinbrücks bester Tag.
Sigmar Gabriel hatte inzwischen mit dem Kekse kauen aufgehört. Bestimmt machte ihn jemand darauf aufmerksam. Zwischen ihm und dem Kanzlerkandidaten soll es ja ganz schön kriseln. Ich glaube, dass Herr Gabriel sowieso keine Hoffnung mehr hegt, mit Peer Steinbrück an der Spitze die Wahlen 2013 zu gewinnen. Natürlich muss er gute Miene zum bösen Spiel machen. Möglicherweise ist er mit den Gedanken schon eine Legislaturperiode weiter …, oder er denkt an eine große Koalition, wo er vielleicht den Vizekanzler neben Frau Merkel stellen könnte.
Ja, Politiker sind auch nur ganz normale Menschen. Sie essen Kekse oder trinken Bier. Sie machen Fehler, und sie haben Schwächen. Sie haben Ehefrauen, Ehemänner und Kinder. Oder auch nicht. Als Wähler muss ich mich unabhängig davon fragen: Wer macht die beste Politik? Wem vertraue ich? Wer hält seine Wahlkampfversprechen? Wer kann sich am Besten durchsetzen?
Weder Steinbrück noch Merkel haben meine besonderen Sympathien. Ich kann nur hoffen, dass die Opposition in den nächsten Jahren gute Arbeit leistet und neue starke und interessante Polit-Persönlichkeiten hervorbringt.

Unterwegs im Oderbruch

Dritter Tourtag


Mithilfe der Radwanderkarte entsteht die Tour wieder vor meinem geistigen Auge. Mit den Städte- und Ortsnamen kommen auch wieder die Bilder und Erlebnisse hoch.
Ich war die letzten Kilometer an der Neiße unterwegs. Bei Ratzdorf mündet sie in die Oder. Und ruckzuck war ich in Eisenhüttenstadt, wo ich erst mal eine Kaffeepause einlegte. Wenn ich zeltete, blieb mir oft nichts anderes übrig, als ohne Kaffee zu starten. Ich war immer froh, wenn ich die Morgentoilette hinter mir hatte und die nassen Sachen zusammengepackt waren, so dass ich mich auf den Weg machen konnte.
Der Vormittag des dritten Tages war trübe, aber es regnete wenigstens nicht mehr. Bei Frankfurt a. d. Oder drang langsam die Sonne durch die Wolkendecke. Als ich im Oderbruch unterwegs war, wurde es zeitweilig richtig sonnig. Doch schon am Nachmittag ballten sich bei zunehmender Schwüle am Himmel drohend Gewitterwolken von allen Seiten zusammen. Glücklicherweise erreichte ich trocken Kienitz, wo eine Pension und Gaststätte hinter ihrem Haus eine Wiese als Zeltplatz eingerichtet hatte. Drei ältere Ehepaare (um die Sechzig schätzte ich sie), die auch mit dem Rad und Gepäck unterwegs waren, und denen ich an dem Tag mehrmals auf der Strecke begegnet war, nahmen sich Zimmer, während ich mein Zelt aufbaute – wieder das einzige auf der Zeltwiese. In der Gaststube kamen wir schließlich alle zusammen, und ich hörte mir ihre ganzen Geschichten an. Die Männer hatten viel aus ihrem Leben zu berichten, vor allem was für tolle Kerle sie waren, und die Damen schwiegen größtenteils dazu. Nach einigen Bier löste sich auch meine Zunge, aber ich konnte nicht mithalten. Ein Ehepaar schien besonders reiselustig zu sein. Der Mann erzählte Abenteuer von allen Kontinenten.
Am nächsten Morgen fuhr ich zeitig los. Wir begegneten uns nicht mehr auf der Tour. Auch sie wollten den Oder-Neiße-Radweg bis nach Usedom zu Ende fahren.
Langsam hatten sich bei dem feuchten Wetter die Stechmücken zur Plage entwickelt. Natürlich gerade beim Zelten. Auf der Zeltwiese hinter der Pension war es besonders schlimm. Es muss nach Tourette ausgesehen haben, wie ich zwischendurch um mich schlagend das Zelt auf- bzw. abbaute.






zum ersten Mal an der Oder, bei Ratzdorf




Eisenhüttenstadt




Rast im Oderbruch




Sonnenuntergang bei Kienitz

Sonntag, 16. Juni 2013

TV-Tipp:

"Das Fenster zum Hof", 20 Uhr 15, ARTE

Der große Regen

Erster und zweiter Tourtag


Einen Vorgeschmack auf Nässe und Kälte hatte ich schon in Dresden bekommen. In der Folgewoche kam es aber erst richtig dicke. Ich startete in Görlitz bei Nieselregen. Doch schnell regnete es sich ein. Nun war ich nicht sonderlich gut mit Regenkleidung ausgerüstet. Ich hatte nur eine Regenjacke. Bisher genügte dies auf meinen Fahrradreisen. Doch bei starkem Dauerregen war ich eindeutig underdressed. Wenigstens hatte ich Handschuhe dabei.
Solange ich in die Pedalen trat, kühlte der Körper nicht zu sehr aus. In Rothenburg a.d. Neiße machte ich schließlich in einer Wirtschaft eine längere Mittagspause und überlegte, ob ich überhaupt weiterfahren sollte. Da ich bereits bis auf die Haut nass war, entschloss ich mich, noch bis nach Bad Muskau zu radeln. Am ehesten wird man durch den Fahrtwind und die Körperwärme getrocknet, falls es mal zu regnen aufhört. Unterwegs dachte ich: „Frei- und Fahrtenschwimmer habe ich schon lange – nun habe ich auch den Fahrradschwimmer.“
Es war wirklich schade, dass ich durch das Mistwetter die schöne Strecke die Neiße entlang nicht genießen konnte. Vor Bad Muskau hörte es auf zu regnen, trotzdem nahm ich mir mit meinen nassen Klamotten ein Zimmer. Am Abend öffneten sich bereits wieder die Schleusen des Himmels, diesmal begleitet von Blitz und Donner.

Am nächsten Morgen begrüßte mich (welch Wunder) die Sonne. Es war gleich ein ganz anderes Erlebnis. Ich notierte: „Heute hatte ich ein paar Stunden lang Genuss-Radeln pur. Leider holte mich der Regen am Nachmittag ein – heftiger Gewitterregen.“ Ich hatte gerade mein Zelt auf dem Campingplatz bei dem Dorf Bresinchen aufgestellt (das liegt in der Nähe von Guben), als es zu schütten anfing. Ich war der einzige Camper auf dem gesamten Platz. Nein halt, am See stand ein einzelner Wohnwagen. Die Leute an der Rezeption schauten mitleidig.
In einer Regenpause radelte ich nach Guben, um Reiseproviant einzukaufen – immer wieder den Blick zum Himmel gerichtet…
Auf dem Rückweg kehrte ich in Bresinchens einziger Gastwirtschaft ein. Es regnete bereits wieder. Die Wirtin fragte, wo ich unterkäme. Als ich antwortete, dass ich auf dem Campingplatz zelte, sagte sie nur: „Um Himmelswillen!“




die schöne Neiße - nur das Wetter ist scheiße




ein Lichtblick




auf dem Campingplatz bei Bresinchen




in Guben - wo man nicht überall vorbeikommt

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