Donnerstag, 20. Juni 2013

Das Unwetter

Vierter Tourtag


Als ich am frühen Morgen von Kienitz losradelte, machte ich richtig Holz. Es ging erst mal ca. dreißig Kilometer auf bzw. am Oderdamm entlang. Von Kienitz nach Hohenwutzen – dazwischen gab es nichts als Wegstrecke. Die nächste, größere Stadt war Schwedt, die ich schon mittags erreichte. Die Sonne war zwischenzeitlich herausgekommen. Nur der Gegenwind machte mir zu schaffen.
In Schwedt machte ich Pause. Es zeichneten sich bereits wieder Gewitterwolken am Himmel ab.
Die Pause fiel etwas länger aus als gedacht, aber ich wollte unbedingt noch ein paar Kilometer weiter – bis Mescherin, wo ein Campingplatz ist.
Das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Vor Gartz wurde ich von einem Unwetter erwischt, wie ich es selten erlebte. Selbst im Schutz des Unterstands, den ich noch erreichte, wurde ich total durchnässt. Der Wind peitschte den Regen und auch Hagel in alle Ecken.
Ich kauerte mich nass und durchgefroren auf dem Tisch zusammen und trank Bier ... Das heftige Spektakel dauerte über eine Stunde, und immer noch war kein Licht am Horizont zu entdecken. Trotz andauernd starkem Regen machte ich mich wieder auf den Weg. Gartz war nur ca. sechs Kilometer weit entfernt. Ich flüchtete ins erste Café, an dem ich vorbeikam – tropfnass wie ich war.
Von dort telefonierte ich die Unterkünfte ab und kriegte ein Zimmer in der „Pommernstube“.
Am frühen Abend, der Regen hatte nachgelassen, schlenderte ich durch die Stadt. Ich war froh, wieder ein Domizil für eine Nacht gefunden zu haben.




auf dem Oderdamm




das Wetter schlägt um, bei Schwedt




nasser geht`s nicht mehr




Gartz




Gartz, an der Oder

Aktion Elternhaus


Eigentlich wollte ich nur die Teppiche und ein bisschen Krimskrams holen. Ich mietete einen Kleintransporter, und eine alte Freundin fuhr mich. Sie hatte den Vorschlag gemacht, weil ich ihr angeboten hatte, dass sie sich mitnehmen dürfe, was sie wolle (außer einigen Dingen, welche sich die Verwandtschaft reserviert hatte). Ich wusste, dass sie scharf auf Krempel aller Art war. Aber ich stellte mir nicht vor, dass es so viel werden würde. Ich blieb bei meinen paar Sachen, während sie fast in alle Löcher schaute und ständig lapidar meinte: „Nehme ich mit, nehme ich auch mit …, bevor`s ein anderer kriegt.“ Sie forschte stundenlang herum. Derweil knallte die Sonne auf das Elternhaus – die Hitze war kaum auszuhalten. Ich war genervt – auf der anderen Seite freute es mich, dass sie so viel brauchen konnte. Der Transporter war für 24 Stunden gemietet. Ich hätte wissen müssen, dass es bei ihr mal wieder ausartet. (Sowieso ist sie eine ziemlich anstrengende Person.)
Als wir am nächsten Morgen abfuhren, war der Transporter beinahe voll geladen. Wir kamen ganz schön ins Schwitzen beim Be- und Entladen. Die heiße Luft erschlug einen fast. Als der Wagen endlich wieder bei der Autovermietung stand, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Die Aktion, die zur echten Nervenprobe für mich wurde, war ohne Blessuren oder andere üble Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Erschöpft machten wir uns auf den Nachhauseweg, nicht ohne vorher darauf anzustoßen. Ich hatte wirklich nicht gedacht, dass die Sache Umzugsdimensionen annehmen würde; und ich frage mich, wie meine alte Freundin den ganzen Krempel in ihrer kleinen Wohnung unterbringen will.
Für mich waren die zwei Tage außerdem eine unmittelbare Konfrontation mit den verstorbenen Eltern und vielen Erinnerungen. Es war sozusagen aktive Trauerarbeit.

ein literarisches Tagebuch

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