Donnerstag, 6. Dezember 2012

Apropos Vibrator auf dem Bücherregal




Stippvisite vor Bukowski

(Scheisse nein, der Text fehlt nicht!)

Nikolaus 2012


Zufällig schaute ich aufs Datum – ist ja Nikolaus! Eine Erkältung bahnt sich an. Oder ist es eine Weihnachts-Allergie? Jedenfalls läuft die Nase. Ich schlief bis Mittag. Total gerädert. Eigentlich dachte ich nie, dass ich ein Psycho wäre. Blubber. Aber wie das so ist. Erstens anders, zweitens, als man denkt. Nein, wirklich, ich dachte immer, dass ich noch rational genug drauf bin, - den Überblick habe. Scheißedeckel. Nikolaus mit Schwanz im Mund!? Womöglich habe ich Ansätze von verbalem Tourette. Fuck-Huhn-Mist! Was soll`s. Was raus muss, muss raus.
Vielleicht sitze ich mit dem Laptop auf dem Klo. Wäre das nicht eine Erklärung? Blitze vor meinen Augen, wenn ich sie schließe. Sterne. Farbig und Schwarz-Weiß. Aus der Kloschüssel tönt Musik. Sie klingt irgendwie hohl und blubberig. Verzerrt. Aber es passt zu dem Udo Lindenberg Song, der gerade läuft. Gar nicht übel. Wie lange will ich eigentlich hier noch sitzen? Warum wurde ich so alt? Ich fahre mir mit der Hand das Kinn entlang. Es kratzt leicht. Schön. Oder sonderbar. Das ist mein Kinn. „Meins!“ sagte der türkische Teenager bei jeder Gelegenheit. Egal, um was es sich handelte – eben wenn er es in Händen hielt. Ein paar Millionen Jahre her, und noch immer träume ich davon. Manchmal halt. Ich lache. Ich kann lachen, ohne zu lachen. Und mit Weinen funktioniert das auch. Wow! Zufällig wendete ich meinen Kopf um 90 Grad nach links zum Fenster.
Es schneit! Die kleinen Flocken stürzen wie Kometen zur Erde. Ich spüre sie auf meiner Haut, obwohl ich im Zimmer sitze. Jedes Gefühl ist in meinem Kopf gespeichert. Alles, was ich je erlebte, ist als Bild und Emotion gebunkert. Nicht als so `ne Art Fotoalbum. Verfluchte Scheisse! Ihr wisst wieder nicht, was ich meine! Nikolaus mit Schwanz im Mund?
Auch Lou Reed hört sich ganz gut auf dem Klo an. Zusammen mit Metallica. Die Schneeflocken sind eine Armee von weißen Soldaten. Eine Armee von Falschschirmspringern … oder Außerirdischen. Die Invasion! Uff! Geschafft!
Ich spüle.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Schwanz im Mund


Warum wirken manche Menschen total asexuell auf mich? Und ich meine damit nicht nur den Papst. Angela Merkel zum Beispiel. Auch eine Reihe anderer Politiker - hauptsächlich der konservativen Garde. Ich kann sie mir einfach nicht bei sexuellen Handlungen vorstellen. Vor allem manche Frauen. Geile hässliche Säcke (also männliche) dagegen sind eher denkbar.  Wobei ich da in der Einbildungswelt Sex mit Tieren vorziehen würde. Nein, ich will keine Rangliste erstellen. Es kann auch ganz lustig aussehen. Sex wird sowieso zu ernst genommen. Trotzdem, ich kann mir z.B. bei vielen Frauen einfach nicht vorstellen, wie sie einen Schwanz im Mund haben ...
Nicht nur Merkel. Es fängt bei den eigenen Eltern an. Später sind es dann die hässlichen und/oder unsympathischen Lehrer und Lehrerinnen. Ich hatte eine Englischlehrerin - ihr Sohn ging aufs selbe Gymnasium - , die nach meiner Auffassung unmöglich in einem sexuellen Akt ihren Sohn gezeugt haben konnte. Diese Lehrerin war mehr als asexuell. Sie war ein Monster!
Und so gibt es noch viele Beispiele - quer durch alle Bevölkerungsgruppen. Man muss sich nur umschauen. Natürlich gibt es im Gegensatz dazu die Frauen, die aussehen, als würden sie ständig mit einem Schwanz im Mund rumlaufen ...
Irgendwas läuft da doch schief. Mist. Ich komme bei dem Thema nicht weiter, - und in den Spiegel schaue ich auch schon lange nicht mehr.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Unvorstellbar


Schwarz mit weißen Flecken. Die Natur sieht aus wie das Negativ eines Dalmatiner-Fells.
Als ich aufwachte, dämmerte es bereits wieder. Der Verkehr auf der Talstrasse braust wie eh und je. Ich stelle mir vor, dass die Welt untergeht, aber die Autos immer noch fahren. Und das Altenheim auf dem Bergkamm wird auch noch da sein. Es gibt Dinge, die albtraumhaft alle Zeiten überstehen. Zumindest in unseren Köpfen. Und wenn wir dann selbst ins Gras gebissen haben, werden diese Dinge im Universum weiter spuken. Weihnachten gehört auch dazu. Das wird noch gefeiert werden, wenn alle tot sind. Wenn es keine Erde mehr gibt. Gespenstisch. So ist mein Gefühl heute. Wir leben in einer gespenstischen Ausweglosigkeit. Alles wiederholt sich: die Alten des Nachts in ihren Betten, die eintrudelnden Arbeitskollegen am Morgen, die keifende Chefin …, der Weg hinunter zur Bushaltestelle, die Wartenden, die leeren Gesichter …
Auch wenn wir sterben, geht alles weiter. Wenn nicht hier auf der Erde, dann irgendwo anders im Weltall. Einen Moment lang blasen wir uns auf, als wären wir der Mittelpunkt von allem mit unserem Glück und Unglück, mit unserem Leid und unseren Nöten, Träumen, Wünschen und Phantasien.
Ich bin der menschlichen Umtriebe müde. Sie nerven mich wie die Autos auf der Talstrasse. Fast wünsche ich mir, dass die Maja-Prophezeiung eintritt, - damit endlich Ruhe ist.
Unvorstellbar.

Montag, 3. Dezember 2012

Kalt


Die Wohnung kalt. Draußen immer noch Schneegestöber. Doch es bleibt nicht liegen. Schmuddelwetter. Die Finger klamm. Die Nachtdienste schlauchen. Der Körper träge. Die Glieder schmerzen. Etwas Muskelkater von der gestrigen Rutschpartie im Schnee. Ich reibe mir die Augen. Im Altenheim geht alles seinen Gang. Die Dementen geistern durch die Nacht, - wissen nichts mit sich anzufangen, klingeln und schauen mich mit traurigen Augen an: „Wo bin ich? Was soll ich machen? Wie spät ist es? Wo ist meine Frau?“
Ich spüre ihre Verzweiflung und Verlorenheit. Die meisten schwerhörig. Sie verstehen meine Worte kaum, wenn ich sie versuche zu beruhigen. Am frühen Morgen gehe ich noch mal von Zimmer zu Zimmer. In einer Naßzelle liegt eine Frau am Boden. In Erbrochenem und Durchfall. Sie weiß nicht, dass sie am Boden liegt. Sie sagt, dass sie aufs Taxi wartet. Glück im Unglück: außer einer Prellung kann ich keine Verletzungen entdecken. Irgendwie schaffe ich sie wieder auf die Beine, wasche sie, ziehe sie um und bringe sie zurück ins Bett. Sie fragt immer wieder nach dem Taxi.
Ich kann nicht helfen. Für Mitleid bleibt keine Zeit, keine Kraft. Ich bin müde ...

Sonntag, 2. Dezember 2012

Schneegestöber


Es schneit noch immer. Heute morgen wurde der Nachhauseweg per Fahrrad zur abenteuerlichen Rutschpartie. Teilweise geht es auf der Strecke steil bergab. Ich saß auf der Rahmenstange und benutzte einen Fuß als Bremse und Gleithilfe bzw. Stütze im Schnee. 6 Uhr 30 waren noch keine Räumfahrzeuge unterwegs. Die Schneedecke war geschlossen. Und es schneite unaufhörlich. Eine Menge PKWs kamen mir allerdings in die Quere. Ich fragte mich, wo die alle am frühen Sonntagmorgen hinfuhren. Das Altenheimpersonal hatte, wenn auch leicht verspätet, bereits mit dem Dienst begonnen.Wahrscheinlich wunderten sich die Autofahrer auch ... über meine skurril anmutende Rutschpartie mit dem Fahrrad. Ich benötigte fast eine Stunde und sah schließlich aus wie ein Schneemann. Ein einziges Mal haute es mich hin. Gleich zu Beginn in einer engeren Kurve. Mit der Zeit kriegte ich den Dreh raus, wie ich am sichersten rutschte und in den Spurrillen der Autos fuhr.

Der Himmel ist noch immer grau und schwer. Im Tal taut es leicht. Aber oben auf dem Berg wird bald ein halber Meter Schnee liegen. Ich hoffe, dass heute Abend der Bus fährt, sonst sehe ich alt aus. Als vor zwei Jahren das Schneechaos war, fuhren die Busse nicht, und ich musste im Schneegestöber zum Nachtdienst trampen ...




Blick aus dem Fenster

Samstag, 1. Dezember 2012

TV-Tipp:

"Der Seewolf" - Vierteiler, heute und morgen Nacht ab 1 Uhr 30, ZDF

Was macht man nicht alles

... wenn man auf den Nachtdienst wartet



und auf nichts wirklich Lust hat ...

Freitag, 30. November 2012

TV-Tipp:

"Full Metal Jacket", 22 Uhr 35, RTL II

Der Vibrator auf dem Bücherregal


Ich massierte mir mit dem Vibrator, der eh nur Deko ist, und der nutzlos auf dem Bücherregal vor einem Buch von Charles Dickens herumsteht, die Schläfen. Batterien sind drin. Seit Jahren dieselben. Ich schaute nach – nein, sie laufen noch nicht aus. Müssen gute Batterien sein. Also, man kann sich mit so einem Ding ganz gut die Schläfen massieren. So viel steht nun fest. Und das Surren ist gar nicht unangenehm. Man muss es sich ja nicht stundenlang reinziehen. Ihr wollt wissen, ob er doch schon mal richtig in Benutzung war? Zweckmäßig halt – als Höhlenmassagegerät …? Nein, das verrate ich nicht. Ich sehe ihn aber gern auf meinem Bücherregal rumstehen. Weiß gar nicht, warum. Er sieht dort aus wie ein Obelisk. Und Obelisken stehen schließlich ziemlich oft in der Gegend rum, ohne dass das großartig hinterfragt wird.
An meinen Vibrator pinkelt wenigstens kein Hund.
Wahnsinn, was sich die Erwachsenen alles ausdenken. Im Altenheim stehen z.B. zwei Massagesessel, die quasi nie als solche benutzt werden. Klar, es gibt gewisse Kollegen, die es sich nicht verkneifen können, - weil es lustig ist. In meinen Nachtdiensten ziehe ich mir auch einen in Stellung, um zwischendurch vorm TV die Füße hoch zu legen. Aus Versehen drückte ich dann schon mal den falschen Knopf, und eine doofe Massagefunktion setzte ein. Inzwischen verkabele ich den Sessel lieber nicht mehr mit der Steckdose. Ich komme mit der Bedienung nicht klar. Ich stelle mir einen Stuhl vorne dran, um die Beine hochzulegen. Ist einfacher so. Und ich kann nichts kaputt machen.
Mit dem Vibrator auf meinem Bücherregal hatte ich noch keine Probleme. Wie die Buchrücken gehört er zum Inventar. Mir würde sofort auffallen, stände er nicht mehr dort. Ab und zu nehme ich ihn in die Hand und schaue, ob er noch funktioniert. Das tut er. Das tat er gestern – an meinen Schläfen. Ab und zu ziehe ich auch ein Buch aus meinem Regal, wie Whitmans „Grashalme“, das gar nicht so weit weg von Charles Dickens steht. Ich blättere darin und finde Sachen … finde Gedichte, die meine Seele aufs Neue bewegen. So ergänzt sich alles irgendwie, oder wie seht ihr das?

Walt Whitman: Ein Gesang von der rollenden Erde - 2


Wer immer du bist! Bewegung und Licht sind eigens für dich,
Das göttliche Schiff segelt durch göttliche See für dich.
Wer immer du bist! Du bist er oder sie, für die die Erde flüssig und fest ist,
Du bist er oder sie, für die Sonne und Mond am Himmel hängt,
Denn kein anderer als du bist Gegenwart und Vergangenheit,
Denn kein anderer als du bist Unsterblichkeit.

Jeder Mann für sich selbst und jedes Weib für sich selbst ist das Wort der
Gegenwart und Vergangenheit und das wahre Wort der
Unsterblichkeit,
Keiner kann für den anderen etwas gewinnnen, - nicht einer,
Keiner kann für den anderen wachsen, - nicht einer.

Das Lied ist des Sängers und fällt auf ihn zurück,
Die Lehre ist des Lehrers und fällt auf ihn zurück,
Der Mord ist des Mörders und fällt auf ihn zurück,
Der Diebstahl ist des Diebes und fällt auf ihn zurück.
Die Liebe ist des Liebenden und fällt auf ihn zurück,
Die Gabe ist des Gebers und fällt unfehlbar auf ihn zurück,
Die Rede ist des Redners, das Spiel des Schauspielers und der
Schauspielerin und nicht für das Publikum,
Und niemand begreift Größe und Güte, als allein seine eigene
oder was er als eigene ahnt.

(Walt Whitman, Grashalme)

Donnerstag, 29. November 2012

TV-Tipp:

"Im Jahr des Drachens", 1 Uhr 55, Das Erste

(wäre ein guter Nachtwachen-Film für mich, wenn ich denn heute Nachtdienst hätte)

Du bist ein Ausflug ins Blaue ...




mehr davon

Der Himmel schwer - keine Gedanken mehr


Der Himmel kann schwerer sein als die Erde. Ich wandelte auf einem matten, schmutzigen Spiegel durch die Stadt. Ich kämpfte mich durch einen Wald von Regenschirmen. Eine Flut von Studenten und Studentinnen quoll aus den Bussen. Sie kamen mir vor wie Kinder. Sie waren wie das Wasser, das sich einfach der Schwerkraft nach seinen Weg suchte. Es regnete unaufhörlich. Ich hatte keinen Schirm dabei und huschte unter den Vordächern der Buden über den Weihnachtsmarkt. Einzelne Gruppen von Studenten standen am Glühweinausschank. Ich trank irgendwo alleine eine Feuerzangenbowle. „Die erste Feuerzangenbowle Heidelbergs“ stand in hölzernen Lettern angeschrieben. Sie war zu süß und nicht heiß genug.
Wenigstens waren die teuren Maroni nicht faul. Ich kaufte mir 100 Gramm, bevor ich ins Taxi nach Hause stieg.





Stippvisite an einer Theke

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