IV
Brasko hielt den Bundespräsidenten für ein Arschloch. Er war kein Arschloch, das sich von den üblichen Politikern besonders abhob. Weder im Negativen noch im Positiven - einfach viel zu platt und kleinkariert für einen Bundespräsidenten, der Deutschland vertreten sollte. Angela hatte sich damals verzockt. Nun ließ es sich aber nicht einfach rückgängig machen. Und die Deutschen sollten mal wieder alles hinnehmen. Na gut, es gibt schlimmeres als einen Bundespräsidenten, der … zu doof für den Job war. Brasko hielt den Bundespräsidenten nicht nur für doof sondern für regelrecht dämlich. Damit meinte er, dass es Leute gab, die ihm einen Brechreiz verursachten. Berufsbedingt musste er mit diesen Arschlöchern umgehen. Ansonsten hätte er sie am liebsten abgeknallt! Wie war das mit dem Honorar?
Plötzlich klopfte es an der Zimmertüre. Brasko fickte die Gattin des Bundespräsidenten gerade in den Popo …
„Mist“, sagte sie.
„Scheiße Mist“, sagte er und zog seinen Mordsschwanz aus ihr raus.
Wer konnte das sein?
Brasko schlüpfte schnell in seinen Bademantel und ging zur Tür.
Er schaute in eine doppelläufige Schrotflinte.
„Ich bin der 1. Sekretär des Präsidenten!“
„Hallo. Ich bin Brasko.“
„Was riecht denn hier so komisch?“
„Keine Ahnung.“
„Sie lassen sofort die Präsidentengattin frei, oder ich schieße!“
„Klar doch – Bettina! Es ist der 1. Sekretär deines Manns! Allerdings bewaffnet. Kommst du mal bitte.“
Ein Schuss fiel!
Brasko wurde nach hinten ins Zimmer katapultiert. Das letzte, was er sah, waren Bettinas Titten –
III
Sie trug ein durchsichtiges Seidennachthemd.
„Wie finden Sie mich, Mr. Brasko?“
„Sexy. Und Ihr Mann schläft?“
„Der schnarcht wie ein Murmeltier. In den letzten Martini kippte ich ein Schlafmittel.“
„Sie sind sicher, dass Sie es wollen?“
„Ja“, die Präsidentengattin ließ ihr Nachthemd sanft auf den Boden gleiten. Brasko war perplex. Sie war zwar nicht gerade Liz Taylor, aber es war alles an ihr dran, wie ein Mann es sich wünschte.
„An Ihnen ist alles dran!“ sagte er und zog sie zu sich an seinen Körper.
„Oh, Mr. Brasko!“
„Yeah!“
Sie fielen zusammen aufs Bett. Augenblicklich machte sich Brasko über ihre Nippel her. „Sind die echt?“ fragte er zwischendurch. Er meinte ihren fantastisch wohlgeformten Busen.
„Aber jaaaaaaa!“
Mit den Händen knetete er ihren Arsch. Brasko war ziemlich geil und wäre am liebsten gleich aufgesprungen. Auf die First Lady gesprungen. Wie ein Bock. Von Vorne oder von Hinten. Scheiß egal. Braskos Schwanz war gefühlte tausend Meter lang. Er durchstieß damit die Decke und kitzelte ein paar vereinsamte Wolken am Nachthimmel.
„Ohhhh! Mr.,Brasko!", hauchte sie ihm immer wieder ins Ohr.
Warum sollten Präsidentengattinnen nicht gut ficken können? Womöglich fickten sie sogar besonders gut. Oder man bildete es sich wenigstens ein. Wie auch immer. Brasko jedenfalls genoss es. Ein bisschen verliebte er sich sogar. Er kannte diese seine Schwäche. Er legte zu viel hinein in einen Fick. Er nahm die Frau aus allen Himmelsrichtungen. Wie konnte man danach wieder auseinandergehen, als wäre nichts passiert?
Plötzlich klopfte es an der Zimmertüre.
II
„Wie gefällt es Ihnen in St. Moritz, Mr. Brasko?“
Sie saßen zu Dritt an einem Tisch in der Hotelbar. Der Bundespräsident, seine Gattin und Brasko. Der Bundespräsident war ein schlaksiger Typ. Brasko hätte ihn sich als Oberarzt in der Schwarzwaldklinik gut vorstellen können. Er wirkte etwas unbeholfen, als wäre er ständig in Gedanken. Brasko kannte diesen abwesenden Blick von Demenzkranken. Die Präsidentengattin versprühte da schon wesentlich mehr Leben. Und erst ihre Figur! Allerdings kam sie bei allem leicht arrogant rüber.
„Wissen Sie, ich fahre kein Ski. Aber der Schnee gefällt mir.“
„Verstehe.“
„Und Sie wollen es immer noch, Herr Präsident?“
„Ich habe mir alles haarklein überlegt.“
„Ihre Bodyguards?“
„Die lenkt meine Frau ab.“
„Ja, das könnte klappen,“ Brasko grinste blöd. Die Präsidentengattin grinste blöd zurück.
„Sie kapern das Schneemobil und dann …,“ der Bundespräsident nahm einen kräftigen Schluck von seinem Martini und erhob sich, „entschuldigen Sie mich, ich muss mal.“
„Denken Sie, was ich denke, Mr. Brasko?“ Die Präsidentengattin wollte offensichtlich die Gelegenheit nutzen, um mit Brasko unter vier Augen zu sprechen.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen, Frau W..“
„Also ohne Umschweife. Ich halte die Idee von meinem Mann für total hirnverbrannt. Aber leider konnte ich ihn nicht davon abbringen.“
„Da mögen Sie recht haben. Aber es ist nicht meine Sache, den Geisteszustand meiner Auftraggeber zu beurteilen.“
„Klar. Doch wir könnten das Ganze abbiegen. Ich meine, so dass Sie trotzdem Ihr Stück vom Kuchen abkriegen. Und außerdem wäre das Risiko minimiert.“
„Ich höre … Wie lange bleibt Ihr Mann schätzungsweise auf der Toilette?“
„Eine ganze Weile. Er entleert sich immer ziemlich lange. Also, mein Gedanke war, dass es erst gar nicht zu der Entführung kommt. Und zwar ...“, die Präsidentengattin schaute einen Moment versonnen in ihren Martini, "... nicht, dass Sie einen falschen Eindruck von mir bekommen, Mr. Brasko.“
„I wo, ich hatte schon einige seltsam gelagerte Fälle.“
„Ich hätte da nämlich einen Plan ...“
Sie erzählte Brasko, was sie sich ausgedacht hatte, und das war nicht übel. Es war sogar ganz ausgezeichnet. Der Bundespräsident kehrte zurück an den Tisch. Über St. Moritz war der Mond aufgegangen. Es würde eine wunderbare Winternacht werden.
von meinem Stammplatz aus
Ich fuhr mit dem Fahrrad auf dem Grund des Sees spazieren, und ich konnte sogar vorsichtig unter Wasser atmen. Ich tauchte aber auch ohne Fahrrad. Es waren einige Menschen unter Wasser. Ich begegnete einer Frau – nixenhaft. Wir küssten uns, ohne dass wir uns kannten. Sie hatte ein Liebeslied geschrieben, und wir sangen es noch unter Wasser. Das Lied hatte eine wunderschöne, melancholische Melodie. Es passte gut in die Stille.
I
Brasko war müde. Der Winter steckte ihm förmlich in den Gliedern. 2012, das Jahr des prophezeiten Weltuntergangs hatte begonnen. Sonst gab`s nicht viel Neues. Charlie Sheen wurde in der Comedy Serie „Two and a half men“ durch Ashton Kutcher ersetzt, der deutsche Bundespräsident stand unter Medienbeschuss, und der Winter hatte bisher nur Schmuddelwetter parat – außer in den Alpen, da waren die Winterurlauber eingeschneit.
Das Telefon klingelte.
„Brasko.“
„Bundespräsident W., Mr. Brasko, Sie wurden mir empfohlen.“
„Schön.“ Brasko bohrte sich nachdenklich in der Nase.
„Sie haben bestimmt mitbekommen, wie sehr meine Person derzeit durch den Schmutz gezogen wird.“
„Hm.“
„Ich hätte ein heikles Anliegen. Aber nicht, dass Sie einen falschen Eindruck von mir bekommen, Mr. Brasko.“
„Hm. Und worum geht`s, Herr Bundespräsident? Hat Ihre Frau einen Liebhaber?“
„Oh nein, nein! Ich äh … leide sehr unter dieser Medienkampagne. Ich sinke in der Beliebtheit bei der Bevölkerung. Das Amt des Bundespräsidenten ist beschädigt! Mit dem Ganzen muss endlich Schluss sein! Ich meine, - ich habe da eine Idee.“
„Schießen Sie los!“
„Entführen Sie mich, Mr. Brasko!“
Brasko wäre beinahe der Hörer aus der Hand gefallen, aber er fasste sich schnell wieder und meinte nur lakonisch: „Warum nicht.“
Bundespräsident W. erklärte ihm in kurzen Sätzen, was er mit einer vorgetäuschten Entführung bezweckte, und wie sie ablaufen sollte. Alles musste sehr diskret und professionell gehandhabt werden. „ … und darum dachte ich, dass Sie der richtige für den Job sind, Mr. Brasko."
„Schon möglich. Und Sie sind sicher, dass Ihr Telefon nicht abgehört wird?“
„Natürlich. Halten Sie mich für einen Dilettanten!?“
Brasko verkniff sich einen Kommentar. Das Honorar würde er gut gebrauchen können, um diesem Winter entfliehen zu können – auf die Fidschis oder sonst wo hin.
„Es ist Ihr Risiko. Wenn es schief geht, sind Sie ganz unten durch.“
„Mr. Brasko, ich träumte schon als Kind davon, Bundespräsident zu werden. Nun bin ich es. Und ich will es bleiben! Ich will, dass die Menschen wieder zu mir aufschauen. Verstehen Sie?“
Leben und leben lassen, dachte Brasko. Auch wenn`s totaler Bullshit war. Die Sache war abgemacht. Man vereinbarte ein geheimes Treffen, um die Details zu besprechen.
Außer dem Weihnachtsmann war der Bundespräsident Braskos prominentester Kunde. Wahrscheinlich hatte er sich mit dem Auftrag eine Menge Ärger aufgehalst.
Was soll`s.
Der Bierkasten unter dem Schreibtisch war halb leer. Im TV liefen noch Folgen einer alten Staffel von "Two and a half men".
Ich wünschte mir, dass sich die deutsche Presse mit den Zuständen in der Altenpflege einmal ebenso hartnäckig, kritisch und ausdauernd beschäftigen würde wie mit den privaten Geschäften des Herrn Wulff, seines Zeichens Bundespräsident.
Die Zeit ist eine Maschine – eine riesige Kopiermaschine. Nur sind die Kopien nicht perfekt. Sie werden nach und nach brüchig, undeutlich und vergilben. Ich wache auf als mein eigener Klon. Wieder einen Tag älter. Der Weg durch die „Zeitmaschine“ verschleißt mich. Ja, ich meine, dass ich ich bin, obwohl ich es de facto nicht bin. Ich bin das Abbild eines Ichs, was vor vielen Jahren entstand. Ich erinnere mich nicht. Wie nahm es seinen Anfang? Gab es überhaupt ein Original?
Ich schaue mich um. Die „Zeitmaschine“ schluckt einfach alles. Sie funktioniert nicht nur als Kopierautomat sondern auch als eine Art Zerkleinerungs- oder Unordnungsmühle. Alles wird langsam in Kreisläufen zermahlen. Die Welt zerfiele zum Chaos, wenn es nicht wieder ordnende Kräfte gäbe. Das Leben ist eine solche Kraft. Ich darf leben. Ich brenne. Im Gleichgewicht der Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Aber unweigerlich nagt die Zeit an mir. Die Zeit verschlingt alles. Wenn man hinter das Geheimnis ihrer Maschinerie käme …, - würden die Nebelschleier um unser Dasein plötzlich aufreißen? Und was würden wir dahinter erblicken? Gott? Oder noch eine mächtigere Maschine?
Ein Tag vergeht. Die Alten erlebe ich in der Nacht. Sie sind dem Tod näher, und sie wissen es. Das Leben zerfällt. Es ist nicht immer schön zu sehen. In der Nacht kommt mir das Altenheim vor wie ein Geisterschiff. Und ich bin der Wächter. Die alten Seelen sind oft unruhig. Ich behüte ihren Schlaf. Leben und Tod berühren sich, betasten sich … Der Wind bläst eine Flamme nach der anderen aus.
Wenn ich im Supermarkt einkaufe – ein Edeka liegt auf dem Weg zum Kaffeehaus – schaue ich immer mal über das dort angebotene Tschibo-Warensortiment. Das ein oder andere nützliche ist dabei. Einiges ist auch Ramsch. Das letzte Mal griff ich wieder zu: einen Ohr- und Nasenhaartrimmer. Genau gesagt mein erster Ohr- und Nasenhaartrimmer! Bisher schnitt ich mir die langen Nasenhaare mit der Nagelschere oder rupfte sie aus. In den Ohren wachsen mir (noch) keine Haare. Das Teil liegt gut in der Hand und funktioniert mit einer Batterie. Erinnert von Form, Größe und Geräusch an einen kleinen Vibrator. Ich hatte ihn auch schon in Gebrauch, und muss wirklich sagen, dass er tatsächlich das Entfernen der Nasenhaare erleichtert. Bisher tat`s auch nicht weh. Es bitzelt ein klein wenig. Ich gehe damit nicht tiefer ins Nasenloch. Ich entferne nur diese Fusel, die früher oder später sichtbar werden. Angeblich wachsen Nasen und Ohren im Alter weiter, und wahrscheinlich auch die Behaarung in diesen Objekten. Es ist schon komisch mit den Haaren: auf dem Kopf gehen sie aus, während sie an anderen Stellen neu zu wachsen scheinen.
Außerdem rasiere ich ab und zu die Fußrücken und Achselhaare. Das Gesicht sowieso täglich. Ich weiß, manche Frauen stehen auf Dreitagebärte, aber ich nicht – jedenfalls nicht bei mir. Keine Ahnung warum. Unrasiert gehe ich selten aus dem Haus.
Nun mal sehen, wie sich der Ohr- und Nasenhaartrimmer bewährt. Schon komisch, dass ich mir erst jetzt einen zulegte. Wahrscheinlich dachte ich, dass ich so was gar nicht brauche. Ich möchte meinen Nasenhaaren auch nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Alles hat seine Grenzen.
Mit was man sich nicht alles beschäftigt. Aber irgendwie finde ich das Teil faszinierend. Es liegt, wie gesagt, gut in der Hand … und surrt so schön beruhigend ...
Es gibt Tage, da genügt ein Stolperer, um mich total aus dem Konzept zu bringen. Diese Dünnwandigkeit besitze ich vor allem an den ersten ein-zwei Tagen nach den Nachtdiensten. Und ich spüre meinen labilen Zustand erst, wenn es zu spät ist, und ich auf der Nase liege. Ich sollte mich besser kennen.
Hinzu kommt, dass ich mich im Altenheim ansteckte – die Erkältung aber nicht richtig ausbricht.
Mein Gott, ist das heute ein Siff-Tag! Es hört gar nicht auf zu regnen.
Gestern war ich in Heidelberg. Aber ich kriegte nicht richtig die Kurve – ich war lustlos unterwegs.
Es donnert! Ein Wintergewitter!
Ich saß also ein Weilchen in der Destille und bloggte per Smartphone, weil es sonst nichts zu tun gab. Nicht mal zum Lesen hatte ich Lust.
Die Straße ist weiß von feinen Hagelkörnchen. Das Gewitter dauerte nur kurz. Aber es ist nach wie vor düster draußen. Die Autos fahren mit Licht.
Jedenfalls regte ich mich gestern über eine Bloggerin auf, die mir Frauenverachtung unterstellte. Eigentlich dachte ich von dieser Bloggerin, dass sie mich besser kennen müsste. Vielleicht hätte ich mich an einem anderen Tag gar nicht so sehr darüber ereifert, aber wie gesagt, es gibt Tage, da liegen die Nerven irgendwie blank, ohne dass einem das richtig bewusst ist. Ein blöder Spruch genügt, und ein Wutschwall bricht aus einem heraus. Noch in der Destille verfasste ich ein kurzes Pamphlet, um meinen Ärger auszudrücken:
Mich kotzen Frauen an, die man ewig hofieren muss, die nicht genügend Courage haben, auf einen Mann, der sie interessiert, zuzugehen. Was bilden sich diese Damen eigentlich ein? Bloß weil sie Titten haben, sind sie doch nichts besonderes. Dasselbe gilt für die männlichen Halbaffen, die mit der Brieftasche winken, oder mit ihren PS-Monstern vorfahren. Ätzend! Eine Beleidigung für die Kultur der Aufklärung, Intelligenz und Gleichberechtigung! Die Steinzeit lässt grüßen.
Okay, wenn eine Frau wirklich schüchtern ist, verstehe ich Scheu und Zurückhaltung. Und auch bei alleinerziehenden Müttern kann ich eine gewisse Vorsicht bei der Partnersuche nachvollziehen. Da spielen dann aus verständlichen Gründen materialistische Überlegungen eine maßgebliche Rolle.
Ich mag's aber auf den Tod nicht leiden, wenn Frauen mit gespaltener Zunge reden, oder sich wie Politiker verhalten, denen man die Eingeständnisse stückchenweise abringen muss. Fast alle Politiker verhalten sich derart weibisch und zeigen erst wieder Flagge, wenn sie im Ruhestand sind.
Ich will nicht behaupten, dass ich dahingehend ohne Fehl und Tadel bin. Ausserdem gibt's eine ganze Latte von Frauen, die ihren Mann stehen - egal in welcher Sparte.
Ich frage mich, wie man auf die Idee kommt, ich wäre frauenverachtend ... Ausgerechnet ich! Nein, das ist mal keine selbstironische Spitze. Ich fühle mich durch solcherlei Aussagen ernsthaft beleidigt!
Denn ich liebe die Frauen! Sie sind neben der Kunst und der Philosophiererei meine größte Leidenschaft. Ich würde sogar sagen, dass es nichts auf der Erde und im gesamten Universum gibt, was mich derart leiden ließ wie das weibliche Geschlecht.
Nein, ich befinde mich noch nicht im Ruhestand, was Frauen angeht. Trotzdem sage ich - auf die Gefahr hin, dass ich meine Chancen bei den Frauen erheblich dezimiere - unverdrossen meine Meinung. Fuck it!
Vielleicht steigt irgendwann mal ein Weibsbild vom Himmel herab, das es ehrlich mit mir meint. Und dann ... und dann ... und dann ...
will ich nur noch diese eine lieben.
Heute musste ich beim Lesen der Zeilen schmunzeln. Besonders über die letzten zwei Absätze. Ich kenne mich doch ein wenig. Hätte ich nichts, worüber ich mich ab und zu echauffieren kann, wäre ich nur noch ein halber Mensch. Wichtig ist nur, dass ich meine Gelassenheit wiederfinde.
Dass ich frauenverachtend sein soll, ist aber wirklich Blödsinn. Keine Ahnung, was sich die Bloggerin dabei dachte. Egal.
Heute ist heute und gestern ist gestern. Inzwischen wurde es draußen wieder halbwegs Tag. Ich vermisse das Licht im Winter. Wenn ich dann noch Nachtdienst habe, erlebe ich manchmal kaum das Tageslicht. Man glaubt nicht, wie sehr einen das belasten kann ...
Lang lang ist`s her, dass ich mittags in die Kneipe ging und erst nach Mitternacht wieder hinaus torkelte. Nein, ich torkelte selten. Nach einigen Jahren ist man relativ gut trainiert. Ich war immer gut bei Sachen, die Ausdauer benötigen. Damals war die Kneipe ein Stück Zuhause für uns. Man traf sich zwanglos, spielte Billard, scherzte, diskutierte, würfelte oder spielte Karten, schäkerte mit den weiblichen Bedienungen, stritt sich, schlichtete den Streit wieder, verliebte sich und entliebte sich. Hach, das waren noch Zeiten! Natürlich verklärt man im Nachhinein einiges. Es gab auch öde Tage. Aber als wir Anfang Zwanzig waren, und uns die Welt offen stand, wir vor Übermut strotzten, da gab`s ein paar Jahre, die ich die goldenen Jahre nennen würde – also, die goldenen Kneipenjahre. In den Achtzigern war das. In der Hauptsache waren es zwei Kneipen, die Wand an Wand lagen: die Bier-Börse (gibt`s heute noch) und das Billard-Café. Wir machten damals Witze darüber, ob wir in 10 Jahren immer noch an der Bar sitzen würden, - und sowieso wollten wir nicht älter als Vierzig werden. Ein solch hohes Alter war für uns unvorstellbar und schien unendlich weit weg. Wir würden ewig jung bleiben … Ein paar Jahre lang hielt sich dieses Gefühl. Man war beim Bund, in der Ausbildung oder studierte. Die meisten von uns wohnten noch zuhause bei den Eltern.
Die Kneipe wurde zu unserem Wohnzimmer, wo wir unseren Testosteron-Überschuss auslebten. Im Großen und Ganzen ging es dabei friedlich zu. Wir reagierten uns beim Spiel und mit großen Sprüchen ab. Na ja, und der Alkohol …, der floss reichlich. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, sehe ich sie alle wieder: die Freunde und Saufkumpane, die Bedienungen und Kneipenwirte. Damals ging in den Kneipen die Post ab! Es passte einfach alles: unsere Jugend, die Kneipenkultur und das Lebensgefühl. Die Welt war ein einziger Abenteuerspielplatz. Viele Geschichten ließen sich davon erzählen.
10 Jahre später hatten sich die Reihen deutlich gelichtet. Dann schloss das Billard-Café. Ich wohnte inzwischen in einem Nachbarort, hatte meinen Lappen verloren. Immer seltener traf man die alte Garde. Der Ernst des Lebens hatte zugeschlagen: Einigen gingen bereits die Haare aus, andere heirateten oder waren weggezogen, und ich machte im Westerwald eine Alkoholtherapie.
Das war das Ende ... der goldenen Kneipenjahre.
Ich fand seitdem keine Stammkneipe mehr. Entweder behagt mir das Publikum nicht, oder es ist schlicht nichts los. Ich überlegte auch schon, ob`s an mir liegt. Aber das würde ich nicht mal sagen. Es sind einfach andere Zeiten.
Die Sonne scheint zu mir ins Zimmer und holt mich zurück in die Gegenwart. Ich habe heute Heidelberg auf dem Programm. Dort sind einige Kneipen meine Anlaufpunkte. Die Bedienungen kennen mich schon. Ich komme selten aber regelmäßig, trinke an der Bar meine zwei, drei Bier je nach Durst und Laune und zische wieder ab … zur nächsten Station. So lassen sich auch ein paar Stunden verbringen. Damit ich mich nicht langweile, nehme ich eine Lektüre mit. Gern würde ich mal wieder richtig in netter Gesellschaft einen drauf machen – mit Open End sozusagen. Tja. Realistisch gesehen bin ich inzwischen ein alter Sack, so alt, wie ich`s mir früher nicht habe vorstellen können. Wahnsinn, oder?
Lou Reed läuft mir immer mal wieder rein. Die Fusion mit Metallica auf dem Album „Lulu“ klingt sehr innovativ. Und hart! Wie ich es mag: Hart aber herzlich. Schöner böser Rock `n Roll.
Ich pennte bis in die Nachmittagstunden, und bin dabei, den Nachtdienst hinter mich zu lassen. Das klingt leichter, als es ist. Also knalle ich mir die Birne mit Rockmusik voll. Oder? Klar. Die harten Gitarrenriffs kneten mein Herz. Selbstbefriedigung auf gehobenem Niveau.
Lou Reed singt: „Frustration is my lexicon of hate.“
Ja. Ausatmen. Urschrei nach innen. Das ist es. Die müden Augen schließen und vergessen. Vergessen, wer man ist. Eine Badewanne mit Poesie füllen und sich darin auflösen.
All die Liebe, all die Herzen verlaufen vor dem geistigen Auge. Ich kam nicht ans Ziel. Materialschaden.