Montag, 28. November 2011

Stuttgart 21 kommt


Ich hätte nicht gedacht, dass die baden-württembergische Volksabstimmung doch relativ klar für Stuttgart 21 ausfällt. Jedenfalls rechnete ich mindestens mit einer knappen Mehrheit der Projekt-Gegner. Dann wäre der Streit um den neuen Bahnhof sicher in die nächste Runde gegangen. Insofern sorgt dieses Ergebnis, wenn auch nicht wünschenswert, für mehr Ruhe im Ländle.
Für Kretschmann und die Grünen ist`s freilich nicht schön. Sie müssen sich nun als gute Verlierer zeigen – obwohl sich der politische Gegner sicherlich den ein oder anderen hämischen Kommentar nicht verkneifen kann.
Vielleicht kam das Abstimmungsergebnis dadurch zustande, dass man „Ja“ ankreuzen musste, um gegen Stuttgart 21 zu sein und „Nein“, um für das umstrittene Bahnprojekt zu stimmen. Doch das würde bedeuten, dass die Stuttgart 21 Gegner dämlicher und ungebildeter wären als die Befürworter. Und das mag ich nicht glauben.
Mist!
Ich wollte aber echt mal wissen, warum sich derart viele Baden-Württemberger für das Bauprojekt der Bahn entschieden. Dabei bringt Stuttgart 21 erwiesenermaßen so gut wie keine bessere oder schnellere Abwicklung des Zugverkehrs und verursacht zudem noch nicht absehbare Milliardenkosten. Von den Umweltschäden ganz zu schweigen.

Demokratie ist eben keine Auslegungssache. Sie funktioniert ganz simpel nach dem Willen der Mehrheit. Und in diesem Falle kann man davon ausgehen, dass die Bürger weitgehendst wussten, worum es geht.
Fazit: Ihr wolltet es so!

Samstag, 26. November 2011

Von der Schimäre des Erwachsen-Seins


In einem Abendtalk sagt eine junge Frau: „Ich fühle mich nicht so erwachsen, wie die anderen aussehen ...“ Die Runde lacht. Ich schaltete mittendrin ein. Interessante Gäste, u.a. Hannelore Hoger und Reinhold Messmer. Sie sagen der jungen Frau, dass es nicht nur ihr so gehe – man fühle sich wohl allgemein jünger, als man ist … Ich versinke über dieses Thema in Gedanken, während die Talkgäste über dies und das weiter plaudern.
Wie erwachsen bin ich? Ich hatte, seit ich denken kann, eine sehr kritische Wahrnehmung des Erwachsen-Seins. Als Kind und Jugendlicher kam es mir so vor, als ob man einfach durch das Alter zum Erwachsenen gekürt werde. Da war z.B. die 18-Jahre Schwelle, die es einem erlaubte, sich nicht nur gedanklich sondern auch real von den autoritären Eltern abzunabeln. Leider war das gar nicht so einfach, wie man es sich (damals) naiverweise ausdachte. Die Eltern nannten das „den Ernst des Lebens“. Damit war gemeint, dass sich nun die Freiheit der sorglosen Kindheit langsam dem Ende zuneige. (Die Kindheit war für mich alles andere als sorglos.) Dabei fieberten wir als Jugendliche unserem 18. Geburtstag geradezu entgegen, weil wir genau das Gegenteil für uns erhofften: nämlich endlich frei vom autoritären Duktus der Eltern und der Lehrer selbst nach Lust und Laune entscheiden zu dürfen ...
Eine Weile ging das auch gut. Ich meine damit die Kneipen- und Saufzeit. Wir ließen damals die Kuh fliegen, fuhren heimlich mit den Autos unserer Eltern durch die Gegend und plünderten deren Weinkeller. Die einen waren beim Bund, die anderen studierten bereits, und ich machte eine Lehre.
Es war mir wichtig, so schnell wie möglich wenigstens finanziell halbwegs unabhängig von meinen Eltern zu werden. Leider versoff ich alles.
Ich kürze diesen biografischen Teil besser ab, denn all zu viel ist mir davon sowieso nicht in Erinnerung. Es ist auch schon über 20 Jahre her. Darum geht`s mir gar nicht. Doch schon. Ich meinte dieses hehre Wort „Erwachsen“. Ich weiß ehrlich gesagt heute mit knapp Fünfzig noch nicht, was es bedeutet. Irgendwie wird immer nur die Welt um mich herum erwachsen, pflichtbewusst, verantwortungsvoll etc., während ich … während ich gar nicht weiß, wo ich stehe. Es ist mitunter lustig, dass mich jüngere Arbeitskollegen ehrfürchtig betrachten. Nun, ich bin schließlich im Alter ihrer Eltern.
Und ich erwische mich dann bei Gedanken wie: War ich auch mal so naiv?
Ich blättere in meinen alten Texten und Gedichten. Mit 16 fing ich mit dem Schreiben an. Und bei der Lektüre der alten Sachen ist es ein schönes Gefühl, mich darin noch entdecken zu können.
Wenn mich heute jemand fragte, ob ich erwachsen sei, würde ich antworten: „Ja, freilich, mindestens so wie alle erwachsenen Leute.“ Aber wenn ich gefragt würde, ob ich mich erwachsen fühle, würde ich sagen: „Schwachsinn, wie kann man sich erwachsen fühlen??“

Es gibt eine Menge Menschen, die dummerweise das Festhalten an Konventionen, Opportunismus und Heuchelei als die Tugenden des Erwachsen-Seins ansehen.
Ich kann mich in der Hauptsache an zwei Sorten Lehrer erinnern: Die einen strahlten aufgrund ihrer Persönlichkeit Autorität aus, und die anderen versuchten mittels Notenbuch und Mobbing ihre Autorität herzustellen. Logisch, welche Lehrer wir am liebsten hatten, und bei denen wir am meisten lernten. Ach ja, und es gab noch eine dritte Sorte – nämlich die, die relativ farblos dazwischen lagen. Aber an die erinnere ich mich kaum noch.

Noch heute meine ich: Die meisten, die ihr Erwachsen-Sein, ihre Manieren und ihr Verantwortungsgefühl besonders gegenüber ihren Mitmenschen hervorheben, - das sind meist die größten Arschlöcher!
Hoffentlich fühlt sich da jetzt niemand angesprochen.

Freitag, 25. November 2011

Der Vorhang fällt


Also von mir aus kann die Welt schon heute untergehen. Ich habe die menschliche Tragödie, dieses Drama, ziemlich satt. Die Regie ist zum kotzen. Und dann die unzähligen Laienschauspieler, die öden Kulissen und die schlechten Dialoge. Vom Drehbuch will ich gar nicht sprechen. Dabei ist meine Rolle nicht die schlechteste. Ich stehe sowieso nicht gern im Vordergrund. Ich liebe meine Ruhe. Blöd ist nur, dass ich mir nebenbei alles anschauen muss. Und dann muss es einfach mal raus – dass ich dies und das zum kotzen finde. Oder einfach alles! Die Sicherungen brennen durch, und ich mache mich zum Affen. Scheiße. Plötzlich stehe ich im Scheinwerferlicht und würde am liebsten im Erdboden versinken. Dabei brach aus mir bloß mal raus, was ich denke. Ja. So ist das. Und wenn ich dann in die verblüfften, irritierten Gesichter schaue, verkrieche ich mich wieder. Ist nicht mein Ding, liebe Leute. Ist einfach nicht mein Ding. Diese Schmach! Ich will doch keiner von denen werden, die ich verabscheue – die mit der großen Klappe, die den ganzen Tag lang Scheißdreck reden und in den Pausen blöde lachen. Aber einige von ihnen stehen ganz oben. Fast oben auf dem Olymp … in Sichtnähe zu den Göttern. Wenn sie mit dem Finger schnippen, gehen tausende in den Gulag oder werden gemeuchelt. Oder sie entlassen tausende braver Arbeitnehmer …, oder sie zetteln einen Krieg an, der Millionen Menschen Tod und Verderben bringt. Ich hasse dieses Theater! Ich sage das nicht nur so. Ich habe es gründlich satt. Von mir aus kann die Welt schon heute untergehen. Dabei geht`s mir nicht schlecht. Ich habe alles. Nur diese menschliche Tragödie kotzt mich an! Von Generation zu Generation dasselbe Affentheater. Inzwischen bin ich alt genug, um es ein wenig beurteilen zu können. Die Menschheit hat es verdient unterzugehen. Schade freilich, dass auch die mit in den Abgrund gerissen werden, die es eigentlich nicht verdient haben. Die waren zu gut für die Welt. Und ich? Klar, ich hänge am Leben. Aber scheiß drauf! Macht endlich Schluss! Kein retardierendes Moment mehr. Es erübrigt sich. Das Publikum langweilt sich bereits – fast zu Tode.

Donnerstag, 24. November 2011

Perspektive


Stoische Novemberruhe über Deutschland. Unfälle im Nebel. Raureif. Ich sehe meinen Hauch und wundere mich immer wieder über diese Perspektive, - über das Leben, das ich lebe; über den Körper, in dem ich wohne, der ich bin, so nah, dass ich ihn nicht sehe. Und wenn ich ihn wahrnehme, wundere ich mich – wie über den Hauch meines Atems. Ich steige auf meinen Drahtesel und rausche zu meiner Bank, um nach einer Überweisung zu fragen. Während der kalte Fahrtwind in den Augen beißt, die Nase läuft, frage ich mich, was ich hier mache; frage ich mich, was ich sehe: Autos, die mir entgegenkommen, die mich überholen, Einkäufer, Spaziergänger, Häuser und Vorgärten … „Eine seltsame Welt“, denke ich und trete in die Pedalen auf dem Weg zu meiner Bank, um nach einer Überweisung zu fragen, „gehöre ich hierher?“ Die Luft tut gut. Ich bin in den Elementen. Ich rieche den November. Der Himmel kalkweiß über mir – wie eine Leinwand.
Als ich in den Schalterraum trete, betäubt mich die Wärme. Ich stehe in der Schlange und grabe mit meinen Augen Tunnels in die Welt. Ich schaue durch Wände und Menschen … und weiter zurück zu mir. Und weiter zurück zu mir.
„Es geht um einen Dauerauftrag, den ich hier vor 11/2 Jahren veranlasste. Zu meinem Zahnarzt.“ Ich stottere ein wenig, als ich plötzlich an der Reihe bin. Das Blut schießt mir in die Ohren. Die Schalterbeamtin lächelt. „Nun schrieb er mir eine Zahlungserinnerung, dass 300 Euro, also genau eine Rate fehlt ...“
Ich komme mir vor wie ein Trottel, - als würde gar nicht ich sprechen. Ich höre mich all diesen Unsinn sagen. Es widert mich an. Aber dann konzentriere ich mich und komme in der Zombie-Perspektive an, - mache, was zu machen ist ... wie ein Automat. Die Welt hat mich Entrückten wieder in ihren Fängen. Aber was für eine Welt?

Montag, 21. November 2011

Kotz

Die Ama rsch zon e


Amazon mahnte wegen einer offenen Rechnung. Als ich von meiner Hausbank den Kontoauszug mit meiner Abbuchung zu Amazon faxte, erhielt ich einen Tag später die lapidare Entschuldigung, dass sich da wohl was überschnitt. Über eine Woche – vom Tag der Überweisung bis zum Eingang bei Amazon – schwebte mein Geld – äh - im luftleeren Raum.
Und wer liest schon gern Mahnungen? Ich bin dahingehend leider ziemlich empfindlich, das heißt: ich kriege so was nicht mehr aus dem Kopf, bis die Angelegenheit geregelt ist. Also, Amazon ist ziemlich schnell mit Mahnungen zugange. Es war nicht das erste Mal, und ich schrieb schließlich, als Amazon endlich den Eingang meiner Zahlung bestätigte, eine wütende Antwort-Mail! Scheiß auf Amazon!
Nein, das schrieb ich nicht so deutlich. Aber ich machte meiner Verärgerung Luft.

Ich kann Euch nicht sagen, wie mich dieser ganze Bank- und Bürokratenscheiß ankotzt! Man soll seine Kontoauszüge, seine Gehaltsabrechnungen und am Besten auch noch seine alten Socken sammeln. Dazu kommt der Schriftverkehr mit Krankenkassen, Rentenkasse Versicherungen etc.
Nicht zu vergessen die GEZ!
Hätte ich keine Zentralheizung, würde ich alles in den Ofen schmeißen. Seit Jahrzehnten hole ich aus dem Briefkasten sowieso zu 99,99% nur noch Rechnungen, Mahnungen und Werbung. Dunkel erinnere ich mich an Zeiten, als ich noch gern den Briefkasten öffnete. Ehrlich – ich bekam mal Liebesbriefe!
Aber Zeiten ändern sich. Das weiß ich auch. Drum habe ich schon seit einigen Jahren Internetanschluss. Ist halt nicht mehr so romantisch. Ich erhalte `ne Menge Mails und verbringe viel Zeit im Netz, so dass ich mich ohne Internet beinahe schon abgeschnitten von der Welt fühle.
Klar, es ist in vieler Hinsicht ziemlich bequem. Gerade das Einkaufen übers Internet.
Oder das Kennenlernen. Von den letzten zehn Beziehungen, die ich hatte, lernte ich acht online kennen.
Trotzdem bin ich lieber vorsichtig. Ich tätige beispielsweise keine Bankgeschäfte vom Computer aus.

Gerade hatte ich also den Scheiß mit Amazon geklärt, kriegte ich einen Brief von meinem Zahnarzt. Eine Zahlungserinnerung. Angeblich war ich ihm noch eine Rate über 3o0 Euro schuldig. Was blieb mir also übrig, als mich über meine Kontoauszüge der letzten achtzehn Monate herzumachen. Ich wurschtelte mich durch die Unterlagen und hätte am liebsten gekotzt – weil ich es hasse! Schließlich hatte ich doch einen korrekten Dauerauftrag bei meiner Bank für die Zahnarzt-Rechnung abgeschlossen! Es kann doch nicht sein, dass die einfach eine Zahlung versiebten.
Im August letzten Jahres wurde nach meinen Kontoauszügen tatsächlich keine Rate an meinen Zahnarzt überwiesen. Aber wieso? Ich hatte mein Konto nicht überzogen. Also Anruf bei meiner Bank: Die konnte allerdings mein Konto nur noch bis September letzten Jahres einsehen …
Ich bin irritiert. Plötzlich habe ich eine Zahlung am Hals, die ich längst als abgehakt erachtete.
Weihnachtsgeld ade, wenn es sich bewahrheitet, dass die Bank die Überweisung per Dauerauftrag einfach einen Monat nicht leistete.

Nein, kein Weltuntergang, aber ich rege mich einmal mehr über diesen ganzen Bank- und Bürokratenscheiß in Deutschland auf. Wahrscheinlich muss man selbst eine kleine spießige Krämerseele sein, um damit gut klar zu kommen.

Samstag, 19. November 2011

Eine Folge des Kartoffelwahnsinns:

Immer mehr Frauen schicken ihre Männer zum Kartoffelholen ...

Die Terrorkartoffel


Nachdem immer mehr Bundesbürger beim Kartoffelholen spurlos verschwanden, wurde das Phänomen wissenschaftlich untersucht. Man brachte in den Kartoffelkellern Überwachungskameras an und beobachtete Schreckliches: Als die Versuchsperson die ersten Kartoffeln im Eimer hatte, wurde sie von diesen attackiert! Die Kartoffeln sprangen die Person an und betäubten sie durch gezielte Schläge an die Schläfe. Danach füllte sich der Kellerraum mit einem rätselhaften Nebel, der sich nach einigen Minuten wieder verzog. Von der Person, welche arglos Kartoffeln holen ging, keine Spur! Man fand nichts außer den Kartoffeln, die neben dem Eimer lagen und etwas dicker als vorher erschienen.

In den Medien wurde von der mutierten Terrorkartoffel gesprochen. Da dieses Phänomen bisher nur auf deutschem Boden passierte, vermuten Politiker einen Anschlag von Außen auf die deutsche Bevölkerung. Die Deutschen seien allgemein als „Kartoffelesser“ bekannt, sagte die Bundeskanzlerin, und in vielen Haushalten würden über den Winter Kartoffeln eingekellert …
„Ein wirklich heimtückischer Anschlag!“ meinte der Innenminister.
Die Grünen glauben indes, dass das Phänomen allein auf die Genbehandlung zurückzuführen sei. „Die Natur lässt sich eben nicht alles gefallen“, sagte die Grünenpolitikerin Künast. Und auf die Frage, ob sie noch Kartoffeln esse, antwortete sie: „Derzeit besser nicht, und ansonsten nur, wenn ich weiß, dass sie nicht gen-behandelt sind.“
Einige Bauern berichteten von seltsamen nächtlichen Lichterscheinungen über den Äckern während der Kartoffelernte. Haben vielleicht Außerirdische ihre Finger im Spiel? Die Merkwürdigkeit des Phänomens lässt Raum für allerlei obskure Theorien.

Der Bevölkerung wird dringend geraten, vorerst keine Kartoffeln zu verzehren! Man wisse noch nicht genügend über die Hintergründe. Erste Meldungen, dass die Kartoffeln im Kochtopf nicht mehr gefährlich seien, konnten noch nicht bestätigt werden. Außerdem sollte der Kartoffelkeller nur mit Helm und Gasmaske betreten werden. Die Sicherheitsbehörden empfehlen, dass man diese Gefahrenzone besser ganz meidet. Der deutsche Kartoffelliebhaber müsse wohl diesen Winter sozusagen in den sauren Apfel beißen und auf Nudeln oder Reis umsteigen.

Es bleiben viele Fragen offen:

Was geschah mit den Menschen, die vom Kartoffelholen nicht zurückkehrten?
Haben wir es mit einer seltenen fleischfressenden Kartoffel zu tun?
Warum ist das Phänomen bisher auf Deutschland begrenzt?
Handelt es sich um einen heimtückischen Terroranschlag?
Wurde mit der Kartoffel als Biowaffe experimentiert?
Eine zufällige Genmutation?
Oder sind die Kartoffeln vielleicht Produkte von Aliens? Sind die Kartoffeln am Ende selbst die Aliens? Ist eine Invasion der Außerirdischen zu erwarten?
Wie lange wird es dauern, bis die Wissenschaft hinter dieses Phänomen kommt? Welche Gefahr besteht für die Bevölkerung?

Liebe Leser, wir bleiben für Sie am Ball – oder besser an der Kartoffel ...

Freitag, 18. November 2011

I remember Wolf Biermann

Nachträglich Alles Gute zum 75sten!





ich mag diesen kritischen, singenden Poeten

Dienstag, 15. November 2011

Hitler lebt! Oder: Die Dönermorde


Die Braune Soße blubbert und wabert nach wie vor unter der Oberfläche der gesellschaftlich heilen Welt. Oder: „Lebt denn der alte Holzmichel noch? Ja, er lebt noch ...“ Ich erinnere mich, wie eine Gruppe junger Polizisten, die einen Betriebsausflug unternahmen, - dieses Lied immer wieder anstimmten. Es war 2004, die Deutschen flogen bei der Fußballeuropameisterschaft schon in der Vorrunde raus. Ich befand mich auf einer Fahrradreise die Weser runter Richtung Jadebusen. Die Polizisten machten "Rast im Knast". Sie saßen dort am Abend in Sträflingsklamotten vor einer Videoleinwand, um Fußball zu gucken. Ich übernachtete in einem anderen Hotel, denn die Polizisten hatten ja den "Knast" belegt, und stieß zu ihnen, um den Tag mit Bier und lockerer Unterhaltung abzuschließen.

Aber ich schweife ab. Es geht um die Braune Soße, die in diesen Tagen wiedermal durch scheußliche Untaten von sich reden macht. Eine jahrelange Mordserie und Terroranschläge gehen auf das Konto von Rechtsradikalen. Kommissar Zufall musste es ans Licht bringen, da die Ermittlungsbehörden über Jahre hinweg mit Blindheit geschlagen waren. Oder schauten sie bewusst nicht richtig hin? Hinzu kommt die merkwürdige Verknüpfung mit den Verfassungsschützern und ihren V-Leuten in der rechten Szene. Gruselig sich vorzustellen, was nun noch alles in diesem Zusammenhang aufgedeckt wird. Ich habe den Eindruck, dass in einigen gesellschaftlichen Kreisen rechte Gesinnungen besonders gut gepflegt werden. Die Polizei täte gut daran, ihre Reihen dahingehend zu durchforsten. Auch die Armee scheint ein guter Brutkasten für Neonazis zu sein. Ebenso der Verfassungsschutz. Man darf sich fragen, warum dies so ist. Vielleicht liegt es am Berufsbild …
Nicht neu ist, dass in der deutschen Bevölkerung schon immer eine latente Fremdenfeindlichkeit herrscht. Die Sarrazin-Debatte zeigte dies vor nicht allzu langer Zeit. Ich fand es damals erschreckend, wie viel Beifall Sarrazin mit seinen Thesen erhielt. Wenn rechtes Gedankengut hoffähig wird, sinkt gleichzeitig die Hemmschwelle für rechte Gewalt. Die Quittung folgt auf dem Fuße. Extremisten fühlen sich ermutigt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an den grauenhaften Terrorakt in Norwegen. Nein, Rechtsradikalismus ist kein ausschließlich deutsches Problem. Die Braune Soße gibt es weltweit. Der Faschismus ist eine Idee, welche in den Köpfen vieler Menschen weiterlebt und Angst und Schrecken verbreitet. Die Demagogen machen sich die Hände nicht schmutzig. Verirrte Seelen und Dummköpfe werden belabert, infiltriert und in den Kampf für die Sache geschickt.

„Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ stimmte einer der Polizisten im gestreiften Sträflingsanzug zum tausendsten Mal an, und seine Kollegen und Kolleginnen grölten: „Ja er lebt noch, er lebt noch!“ Und ich dachte bei mir: Die haben auch keinen leichten Job und müssen ihren Frust mal raus lassen ...

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