Samstag, 30. Juli 2011

Das Loch


Ich glaube, dass man Traurigkeit nicht endlos addieren kann. Ebenso wie Schwere. Ich stelle mir vor, dass das absolut Schwere irgendwann wie fragiles Glas in sich zusammenbricht. Das Undurchscheinbare löst sich mit einem Krachen auf.

Ein Mann auf einer Insel gräbt ein Loch, um zu fliehen. Er hat die verrückte Idee, dies sei die einzig wirkliche Möglichkeit, von der Insel zu entkommen. "Aber wo willst du denn hin?" fragt sie ihn. "Ich weiß nicht", sagt er und gräbt an seinem Loch, das aber irgendwann gar nicht mehr tiefer zu werden scheint - vielleicht unmerklich. Er weiß es nicht. Er schüttelt den Kopf. Er kann ihr nicht sagen, was er fühlt. Er trinkt. Ja, er trinkt - wegen der Tränen, die er nicht weint. "Aber das ist doch gar nicht wahr", sagt er zu sich, "ich kann weinen." Er lächelt sie an und küsst sie. Die Traurigkeit flattert um ihre Köpfe wie Rabenvögel. Das ist die Freiheit. Die Freiheit ist endlos traurig. Man muß graben. Es kann keinen anderen Weg geben. "Quatsch, das ist nicht die Freiheit!", sie rüttelt an ihm. Er ist ganz steif in sich, aufgefüllt mit Schwere - von der Erde aus seinem Loch.

Das Dasein ist verrückt. Der Mann verschwindet in seinem Loch. Manchmal sieht man ihn winken. Wem winkt er eigentlich?






Donnerstag, 28. Juli 2011

An das Himmelssekretariat, betr. Sommer


Sehr geehrter lieber Gott,
da ich annehme, dass sie überverantwortlich u.a. für das Wetter zuständig sind, bitte ich Sie dringendst zu prüfen, ob der/die Wetterbeauftragte, welche(r) von Ihnen für die Abwicklung der Jahreszeiten berufen, seine Arbeit im Sinne seines Auftrags, insbesondere was den Sommer angeht, pflichtgemäß erfüllt.
Hier in der Kurpfalz laufen bereits seit Wochen in vielen Haushalten die Heizungen - die Temperaturen erreichen am Tage kaum 20°C, und das im Juli, also im Hochsommer! Die sogenannten Hundstage fallen reichlich kühl aus, um nicht zu sagen saukühl! Bitte denken Sie auch an die vielen Kinder, deren Sommerferien gerade beginnen, und die sich auf das Schwimmbad freuen.
Offensichtlich läuft in Ihrer Firma etwas schief. Freilich weiß ich, wie schwer und verantwortungsvoll Ihr Posten ist, und ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich Sie wegen Nichtigkeiten belästige. Um Himmels Willen, nein!
Aber ich glaube, dass ich für viele meiner Landsleute spreche, die sich wie ich den Sommer zurück wünschen. Er war schon mal da dieses Jahr. Sogar verfrüht.
Eigentlich ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten, dass in den Wetterangelegenheiten immer häufiger geschlampt wird. Doch will man nichts sagen, um es sich mit Ihnen, der schließlich auch für den Einlaß an der Himmelspforte zuständig ist, nicht zu verderben. Ich bin mir des Risikos bewußt, welches ich mit meinem offenen Brief an Sie, den Allerhöchsten, eingehe. Womöglich ziehe ich Ihren Groll auf mich.
Nichtsdestotrotz, es musste einmal gesagt werden: Mit dem Wetter stimmt etwas nicht! Vielleicht bedarf es ja von Ihrer Seite nur weniger Korrekturen, und alles wäre mit dem Sommer wieder im Lot ...
Die Menschen würden es Ihnen danken! Sowieso die vielen Kinder!
Bitte schicken Sie mir ein Zeichen, ob mein Anliegen im Himmel Gehör findet, und ob mit einer Verbesserung des Wetters in Bälde zu rechnen ist.


Hochachtungsvoll in demütiger Geste,
Ihr bonanzamargot

Dienstag, 26. Juli 2011

Heute ist so ein Tag




mouse on the run (- oder: mole on the run)


(shit happens)

Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Route


888 km sagt der Routenplaner bei Google. Natürlich für Autos berechnet. Sicher fuhr ich auf den Fahrradwanderwegen einige Kilometer mehr. Außerdem befand ich mich zwischendurch auf Abwegen. Ich komme also auf - rund 1000 km.

Meine Strecke:

Heidelberg - Miltenberg
Miltenberg - Gemünden am Main
Gemünden - Melrichstadt
Melrichstadt - Heringen
Heringen - Sondershausen
Sondershausen - Seeburg (Süßer See)
Seeburg - Plötzky
Plötzky - Havelberg
Havelberg - Goldberg
Goldberg - Rostock
Rostock - Dierhagen

Ich radelte an Neckar, Main, Fränkischer Saale, Werra, Saale, Elbe, Warnow und Ostseeküste entlang. Die Radwanderwege waren immer besser als die Straße aber manches Mal auch eine Geduldsprobe - weil steinige, schwer befahrbare Wald- oder Feldwege.
Neu für mich war die Strecke an der Fränkischen Saale von Gemünden über Bad Säckingen nach Bad Neuburg. Teilweise sehr schön!
Auch an der Werra von Meiningen nach Heringen fand ich viele interessante, sehenswerte Plätze.
Schweißtreibend war es zwischenzeitlich immer. In der Nähe von Eisleben verfranste ich mich im Südharz.
Als ich in Havelberg ankam, war ich ziemlich geschafft und legte einen Tag Pause ein. Dort kann man gut campen. Die Stadt ist zwar klein, mit relativ wenigen Lokalen bestückt, aber sie liegt beschaulich an der Havel und hat viele schöne Ecken und Sehenswürdigkeiten wie den Dom.
Von dort waren es nur noch 1 1/2 Tage bis nach Rostock. Das Wetter machte mir allerdings auf dieser Wegstrecke keine große Freude. Auf dem Campingplatz am Goldberger See kam ich durchnässt an und stellte im Regen mein Zelt auf.
Ich hatte es fast geschafft! Am frühen Nachmittag des Folgetages erreichte ich Rostock, und die Sonne hatte mich wieder etwas aufgewärmt.

Nach dem ersten Aufenthalt bei Lawe (in Rostock) unternahm ich einen zweitägigen Ausflug nach Dierhagen, Fischland und die Halbinsel Darß-Zingst.
Schlechtes Wetter und zugegebenerweise auch Erschöpfung trieben mich zurück in Lawes vier Wände.
Gut zwei Wochen war ich unterwegs gewesen und hatte das Gefühl, dass meine Reise vollbracht war. Ich wollte so bald wie möglich mit der Bahn die Rückreise antreten ...

Die Zugfahrt mit Fahrrad und Gepäck (Rostock - Heidelberg) sollte dann (wieder) ein Abenteuer für sich sein!

Mittwoch, 20. Juli 2011

Bei Lawe in Rostock


Bei Lawe kam ich gut unter. Ich war froh, dass sie mir ihre Gastfreundschaft anbot. So konnte ich in Rostock bis zu meiner Heimreise mit dem Zug Station machen. Auf Spaziergängen erkundete ich die Stadt. Schnell fand ich mich zurecht und konnte gar nicht verstehen, dass ich bei meiner Ankunft derart orientierungslos gewesen war.
Lawe zeigte mir dies und das und erzählte eine Menge, was interessant war. Ich hatte zwei schöne Bummel-Tage. Abends saßen wir zusammen, schauten fern und diskutierten über Gott und die Welt.






Dierkower Mühle






Rostocker Skyline






eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt






tschüss, Rostock!

Dienstag, 19. Juli 2011

Fischland




relaxen an der Steilküste






Blick aufs Meer




Zwei Tage campte ich auf dem Fischland. Ich unternahm einen wunderschönen Ausflug auf die Halbinsel Darß-Zingst. Leider schlug das Wetter um, so dass ich nach einer stürmischen, verregneten Nacht zurück (zu Lawe) nach Rostock radelte.






das Fahrrad in Urlaubsstimmung






Leuchtturm Darßer Ort






Rückfahrt nach Rostock

Montag, 18. Juli 2011

An der Ostsee




Warnow-Mündung






ein Bier in Warnemünde




Nach einem zweitägigen Stop (bei Lawe) in Rostock ging meine Reise weiter an die Ostsee, vorbei an Graal-Müritz, nach Dierhagen, wo ich erneut mein Zelt platzierte.
Das Meer erreicht zu haben, war wie immer ein fantastisches Gefühl!






mein Schatten auf der Seebrücke von Graal-Müritz






Strand

Sonntag, 17. Juli 2011

Was macht man nicht alles


Es gibt Altenheimnächte, die ich bereits müde und geschlaucht anfange - wie die letzten Nächte. Der Umzug (der nun etwas überraschend diese Woche stattfand) schaffte mich mehr, als ich dachte. Nicht nur die Möbel- und Bücherschlepperei sondern das Ganze..., was zum Teil auch spannend war und Freude bereitete, wie nun die neue Wohnung zu arrangieren sei. Vier Tage hatte ich nur Umzug im Kopf.
In den Nachtdiensten kämpfte ich mit einer bleischweren Müdigkeit. Alle Tätigkeiten schienen mir doppelt schwer zu fallen. Die Bewohner klebten förmlich in ihren Betten, wenn ich sie lagern oder hochziehen sollte. Nun kümmert es die Bewohner wenig, in welcher Verfassung die Nachtwache ist. Sie ziehen weiterhin munter ihre Windeln aus und pullern aufs Laken, und einige schikanieren ganz gern, indem sie den Schwesternruf wegen Nichtigkeiten betätigen. Ich spürte, wie meine Freundlichkeit langsam drohte, abhanden zu kommen. Aber ich biss mich durch, Nacht für Nacht, mit dem Resultat, dass ich am Tage gegenüber meinen Mitmenschen gereizt und launisch wurde.
Wie auf meiner Fahrradreise bin ich in den Altenheimnächten allein auf weiter Flur. Man muß schon ein Stück weit eine Einzelkämpfernatur sein, um diesen Dienst zu stemmen.
Als ich heute Morgen in das Zimmer eines Bewohners mit Anus Praeter kam und feststellen mußte, dass er sich mal wieder die Basisplatte abgerissen hatte, wäre ich am Liebsten davongerannt. Der Bewohner ist dement und begreift nicht, was für eine Sauerei er anrichtet. Ich stand am Bett, blickte auf die Chose, und murmelte in meinen Bart: "Scheiße - warum? Wieso habe ich diesen Beruf? Was mache ich hier? ..." Der Mann schaute mich mit großen Augen an und fragte: "Ist alles in Ordnung?" "Nein", antwortete ich knapp und begann mit der anstrengenden Säuberungsaktion.

Der Umzug lief gut (auch dank moralischer und tätiger Unterstützung). Ich fühle mich wohl in der neuen Bude. Es müssen nur noch ein paar Feinheiten gemacht werden. Die nächsten Tage werde ich langsam entspannen und das neue Wohngefühl genießen.

ein literarisches Tagebuch

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