Sonntag, 18. Dezember 2011

Der erste Schnee


Der erste Schnee! Das heißt, es schneit. Große schwere Flocken fallen vom Himmel in die Sonntagvormittagsstille. Sieht noch etwas armselig aus, und liegen bleibt es vorerst nicht. Aber das Naturphänomen berührt mich jedes Jahr von neuem. Mal davon abgesehen, dass es wunderbar zu meiner leicht melancholischen Stimmung passt. Ich habe schöne Kindheitserinnerungen an verschneite Wintertage. Wenn der Vater uns morgens weckte und sagte, dass es in der Nacht geschneit hatte, sprang ich aufgeregt aus dem Bett, drückte meine Nase an die Scheibe der Balkontür und blinzelte hinaus in die Dunkelheit. Und waren die Dächer weiß, konnte ich`s kaum abwarten, hinauszukommen. Es war selten, dass ich mich derart auf den Schulweg freute.
Von weißer Pracht ist heute am vierten Advent leider noch nichts zu sehen. Das einzige Weiß am Boden sind die Früchte vom Knallerbsenstrauch vor meinem Fenster und die Wohnwagen auf dem Campingplatz gegenüber. Jetzt hörte es ganz auf – aber der Himmel hat noch was in petto.
Auch erinnere ich mich an schöne Schneewanderungen in Zeiten der Verliebtheit. Wenn wir uns aneinander schmiegten, sich der Hauch unseres Atems traf, die kalten roten Nasen sich liebevoll rieben, warme Küsse und neckische Spiele im Schnee. Die Liebe im Winter ist was besonderes. Wenn man sie hat. Wie der Schnee oft schnell wieder schmilzt und zu hässlichen Haufen am Straßenrand verkümmert, verschwindet auch die Verliebtheit nach einiger Zeit und hinterlässt einen miesen Nachgeschmack. Ich weiß, der Vergleich hinkt etwas, aber er gefällt mir. Es soll Menschen geben, die ein Leben lang ineinander verliebt sind. Und ebenso gibt es Regionen ewigen Schnees auf der Erde. Zum Beispiel am Südpol. Ob eine Liebe am Südpol dauerhafter wäre?
Blödsinn. Jedenfalls konstatiere ich für mich, dass ein Winter ohne Schnee trostlos wäre, und ein Leben ohne Liebe wäre ebenso trostlos. Und meist, jedenfalls in unserer Region, verhält es sich damit so, dass es schneit, taut, wieder schneit und wieder taut etc. Damit muss man leben.

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