In der Welt der Großen Zahlen


Ich machte mir noch nie richtig Gedanken über die Großen Zahlen, dabei sind wir umgeben von ihnen. Es fängt schon im Kopf an: Normalerweise haben wir dort ein paar Milliarden Gehirnzellen.
Wie soll man das noch verstehen? Ebenso der Rechner auf meinem Schreibtisch – was sagen mir Mengenangaben wie so und so viel Gigabytes? Ich schaue aus dem Fenster und sehe auf den Wald mit unzähligen Ästen, Zweigen und jungen Trieben. Es ist Frühling. Wenn ich am Abend auf die Anhöhe steige, sehe ich auf ein Lichtermeer der Städte und Großstädte in der Ebene. Zig Millionen Lichter erreichen meine Netzhaut. Und am Nachthimmel funkeln Myriaden von Sternen. Wo bin ich? Ich stehe auf einer Kugel mit über sieben Milliarden Menschenseelen und schaue in den Himmel. Meine Gehirnzellen strecken sich geradezu dem Kosmos entgegen, ohne zu wissen, was das ist. Es ist wie eine Entsprechung. Überall sehe ich diese Entsprechungen in den Fraktalen und in den Großen Zahlen. Die Natur ist voll von ihnen. Ich blicke durch die Welt und durch die Menschen einfach hindurch. Wie soll ich es erklären? Es ist ein Vexierbild: Zum einen sehe ich die schnöde Oberfläche des Alltags, aber zum anderen … ist da ein großes unbekanntes Etwas. Wie ein Gesicht. Es macht mir keine Angst, aber es bleibt rätselhaft. Die Entsprechung ist in mir. Nur das Bewusstsein greift ständig ins Leere. Ich verstehe das alles nicht. Ich bewege mich im Nebel der Ahnungen. Wo stehe ich? Bin ich existent? Oder bin ich nur eine Lachfalte der Natur? Ja, witzig, winzig und armselig. Armselig vor allem in meinem Bemühen, alles verstehen zu wollen.
Ich bestehe aus unzähligen Körper- und Nervenzellen und rede von einem „Ich“. Ist das nicht lachhaft? Wie kommt alles zusammen zu diesem Bild, das ich habe? Warum weine ich, wenn ich in die Welt schaue? Warum weine ich?
Die Großen Zahlen halten mich im Arm und wiegen mich. Wie ein Baby. Sie bekommen Gesichter in meiner Phantasie. Ich vertraue ihnen. Wahrscheinlich ist es das, was man sich unter Göttern vorstellen kann. Ich weiß es nicht. Ich vertraue meiner Ahnung. Was heißt schon „Wissen“ in einer Welt der Großen Zahlen?

Shhhhh - 29. Mrz. 12, 13:26

So lange du eine Lachfalte der Natur bist, ist noch alles in Ordnung, eine Zorn- oder schlimmer noch eine Sorgenfalte, das wünsche ich keinem.

bonanzaMARGOT - 29. Mrz. 12, 13:36

den menschen kategorisiere ich eher unter lachfalten ein - im kosmischen ganzen.
Shhhhh - 29. Mrz. 12, 13:44

Im komischen ganzen, wolltest du wohl sagen, oder?
bonanzaMARGOT - 29. Mrz. 12, 13:50

das komische ist eine frage des dopes ...
weiß nicht.
ich glaube, dass der mensch so was wie ein lustige zahl ist. so wie 213213. oder was noch blöderes, verrückteres.
ich kann den menschen schon lange nicht mehr ernst nehmen. mich selbst auch nur bedingt - muss halt trotzdem jeden tag aufs klo etc.
das meinte ich auch mit vexierbild.
das ganze gibt es wahrscheinlich im sinne des ganzen gar nicht.
die welt ist äußerst unscharf.
haha.
aber ich bin scharf. nur nicht auf dich, shhhhhhhh.
Shhhhh - 29. Mrz. 12, 14:06

Nein, mal im Ernst: es ist doch schon seltsam, dass wir uns überhaupt als Irgendetwas begreifen können, nachdem der einzelne Mensch ja weder direkten Einfluss über mehr als 100 Jahre hat und mit seinem Tun nur wenig bis gar nicht darüber hinauswirkt.
Für mich machte gerade das "Vexierbild" das Scherzhafte deiner Schilderung aus, aber vielleicht hatte ich das einfach falsch verstanden.
bonanzaMARGOT - 29. Mrz. 12, 17:51

nein, die mensch-welt-perspektive bzw. reflexion ist schon äußerst komisch - im sinne von merkwürdig, seltsam.
darüber zerbreche ich mir, seit ich denken, kann den kopf.

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