Der erste Schnee


Der erste Schnee! Das heißt, es schneit. Große schwere Flocken fallen vom Himmel in die Sonntagvormittagsstille. Sieht noch etwas armselig aus, und liegen bleibt es vorerst nicht. Aber das Naturphänomen berührt mich jedes Jahr von neuem. Mal davon abgesehen, dass es wunderbar zu meiner leicht melancholischen Stimmung passt. Ich habe schöne Kindheitserinnerungen an verschneite Wintertage. Wenn der Vater uns morgens weckte und sagte, dass es in der Nacht geschneit hatte, sprang ich aufgeregt aus dem Bett, drückte meine Nase an die Scheibe der Balkontür und blinzelte hinaus in die Dunkelheit. Und waren die Dächer weiß, konnte ich`s kaum abwarten, hinauszukommen. Es war selten, dass ich mich derart auf den Schulweg freute.
Von weißer Pracht ist heute am vierten Advent leider noch nichts zu sehen. Das einzige Weiß am Boden sind die Früchte vom Knallerbsenstrauch vor meinem Fenster und die Wohnwagen auf dem Campingplatz gegenüber. Jetzt hörte es ganz auf – aber der Himmel hat noch was in petto.
Auch erinnere ich mich an schöne Schneewanderungen in Zeiten der Verliebtheit. Wenn wir uns aneinander schmiegten, sich der Hauch unseres Atems traf, die kalten roten Nasen sich liebevoll rieben, warme Küsse und neckische Spiele im Schnee. Die Liebe im Winter ist was besonderes. Wenn man sie hat. Wie der Schnee oft schnell wieder schmilzt und zu hässlichen Haufen am Straßenrand verkümmert, verschwindet auch die Verliebtheit nach einiger Zeit und hinterlässt einen miesen Nachgeschmack. Ich weiß, der Vergleich hinkt etwas, aber er gefällt mir. Es soll Menschen geben, die ein Leben lang ineinander verliebt sind. Und ebenso gibt es Regionen ewigen Schnees auf der Erde. Zum Beispiel am Südpol. Ob eine Liebe am Südpol dauerhafter wäre?
Blödsinn. Jedenfalls konstatiere ich für mich, dass ein Winter ohne Schnee trostlos wäre, und ein Leben ohne Liebe wäre ebenso trostlos. Und meist, jedenfalls in unserer Region, verhält es sich damit so, dass es schneit, taut, wieder schneit und wieder taut etc. Damit muss man leben.

SehnsuchtistmeineFarbe - 18. Dez. 11, 11:57

ich habe heute morgen

in den nachrichten schon die ersten verschneiten straßen gesehen. ich freue mich auch auf den schnee, obwohl ich eigentlich eine frostbeule bin, aber man kann sich ja warm genug anziehen. :-) ich mag spaziergänge im schnee und wenn die stadt so weiß, ganz anders ausschaut.

schönen sonntag dir,
liebe grüße
s.

bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 12:00

dir auch einen schönen sonntag.
ich habe den letzten winter noch gut in erinnerung. da lag mal richtig und lang schnee!
mal schaun. bis jetzt sieht`s noch grau in grau aus.
SehnsuchtistmeineFarbe - 18. Dez. 11, 12:02

ich erinnere mich auch gut an den letzten winter;

hier konnte man kaum einen fuß vor den anderen setzen, weil die ganze stadt eine eisfläche war. hatte aber auch was. :-) und vorher war alles schön knautschig weiß und traumhaft schön.
bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 12:05

lach! ich musste einige male zur arbeit trampen, weil die busse nicht mehr fuhren.
und wenn ich erst an die schlittertouren mit dem fahrrad denke ...
schnee hat halt auch immer was abenteuerliches!
SehnsuchtistmeineFarbe - 18. Dez. 11, 12:15

ich bin ein paar wochen lang zur

arbeit gelaufen. es war einfach zu gefährlich mit dem fahrrad über die eisfläche und die schneeberge zu fahren. :-)
man muss halt achtsam sein im schnee, behutsam, und langsamer als üblich unterwegs sein, selbst zu fuß, ... das ist auch schön.
bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 12:25

ich falle auch gerne mal um bzw. rutsche aus, wenn ich nicht gerade zu blöd falle und mir ernsthaft weh tue.
im schnee fälllt man weich.
hach ..., irgendwie habe ich heute meinen allegorie-tag.

mein arbeitsweg ist leider zu fuß zu lang und beschwerlich - zumal im dunkeln.
Freni (Gast) - 18. Dez. 11, 12:20

Die liebste (Schnee)Erinnerung meiner Mutter war ein Winterspaziergang. Ihre drei Töchter sitzen wie die Orgelpfeifen auf einem Schlitten. Ich, weil die jüngste wurde von meiner ältesten Schwester nach hinten geschubst. Und da ziehen Vater und Mutter den Schlitten im gemütlichen Galopp durch die Winterlandschaft und keiner bemerkt, wie das Jüngste (also ich) vom Schlitten rutscht. Unvorstellbar. Man hat erst ziemlich spät bemerkt, dass man was verloren hat. Ja, dieser schwarze Punkt dahinten in der Landschaft, das könnte sie sein. Unfassbar ;)

bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 12:29

haha!
ich spielte mit meinen eltern auf sonntagsspaziergängen oft das "verlorene kind", indem ich mich trotzigerweise immer weiter zurückfallen ließ, oder indem ich am wegesrand meine eltern im dickicht überholte und dann unerwartet hinter einem baum hervorsprang und sie erschreckte.
spaziergänge mit den eltern fand ich meist ziemlich öde!

du wurdest damals hoffentlich nicht traumatisiert, freni(?)
Freni (Gast) - 18. Dez. 11, 12:44

Das trotzige Kind, genau. So warst du. Bestimmt ;) Traumatsiert wurde ich durch die Schlittenstory nicht. Ich fands immer lustig, wenn meine Mutter die erzählt hat.
Ich habe bei Spaziergängen, beim Schlittschuhlaufen, Skilaufen usw. immer an meinem Vater geklebt oder gehangen. Er hats nie geschafft mich abzuschütteln, haha. Ich hatte eine wunderbare Kindheit und liebe mein Eltern über alles. Der schlimmste Schmerz den ich bis jetzt erleiden musste, war der Tod meiner Mutter.
bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 12:48

das ist schön, freni. schöne erinnerungen werden im alter immer wichtiger!
SehnsuchtistmeineFarbe - 18. Dez. 11, 12:59

"das verlorene kind"

ist ein schöner titel für ein gedicht, bon. vielleicht schreibst du es ja irgendwann mal.

:)
bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 13:01

stimmt - verloren fühlte ich mich oft im leben, nicht nur auf spaziergängen mit meinen eltern.
bonanzaMARGOT - 18. Dez. 11, 15:46

Leider mehr Regen als Schnee

Aber: Hurra, mein neuer Schirm bestand seinen 1. Praxistest!!

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