Körperwelten

Niemals, auch in keiner noch so großartigen Präsentation von Kunst, sah man Menschen derart auf den Gegenstand ihrer Betrachtung ausgerichtet, wie vor den von Hagen`schen Plastinaten; das Erstaunen, die Schauder der Selbstergriffenheit fanden in den Betrachtern einen so unvergesslichen Ausdruck, weil jeder in dem Gesehenen sich selbst anschaute. Man spürt, dass die Betrachter sich nie zuvor derartig nahe gekommen waren wie in der Konfrontation mit den Körperplastinaten.
(Bazon Brock, Professor emeritus für Ästhetik/Gestaltungstheorie, Wuppertal)


Körperwelten in Heidelberg von 10. Januar bis 26. April 2009

http://www.koerperwelten-deutschland.de/
Luna in flagranti - 23. Jan. 09, 16:22

Reaktionen und Bewertungen zu dieser aus meiner Sicht grandiosen Ausstellung sind sehr polig. Ich glaube, hierin spiegelt sich wieder, wie nah man sich selbst kommen möchte, wie nah man an andere herankommen kann, ohne sich selbst zu erkennen und wieviel Nähe zur eigenen Person man anderen gestattet. Das für mich interessanteste Objekt war die Darstellung des Geflechtes unserer Blutgefäße - jeder weiß es, wir haben es sogar in unzähligen Stunden eingebleut bekommen - und dennoch ist es ergreifend es "in Natur" zu sehen. Ich habe die Ausstellung vor Jahren in Berlin gesehen und würde sie jederzeit wieder besuchen.
LG von der Luna

bonanzaMARGOT - 23. Jan. 09, 16:36

ich war noch nicht in der ausstellung, habe mir aber vorgenommen, sie zu besuchen, jetzt wo sie ganz in der nähe ist.
die bilder im tv und in den printmedien sowie die berichterstattungen reichten aus, um mir die faszination der körperwelten deutlich zu machen. dann wirklich vor den plastinaten zu stehen, muss noch mal eine steigerung sein.

ich bin gespannt, wie gruselig ich es empfinden werde. oder ob ich es einfach als ganz normal ansehe ...
ich war z.b. damals über mich selbst erstaunt, wie relativ gelassen ich meinen ersten toten menschen im altenheim betrachten konnte. es war eine mischung aus neugierde, faszination, feierlichkeit (seltsamer ergriffenheit) und schrecken. aber der schrecken war geringer, als ich befürchtet hatte.
Luna in flagranti - 23. Jan. 09, 17:17

nein, grusel war es nicht für mich. eher erstaunen. man ieht das, was man ja eigentlich schon von unserer ausbildung her weiß und es öffnen sich völlig neue betrachtungsweisen und zusammenhänge. klarheiten. ich habe dort in der ausstellung auch niemals den tod als solchen gesehen, habe auch keine berührungsängste damit. den natürlichen tod am ende eines gelebten lebens zu erleben, als zum leben dazu gehöhrend wie die geburt, macht es auch für mich eher zu einem feierlichen moment, dem ich soweit wie irgend möglich seine erhabenheit erhalten möchte.

wenn heidelberg nicht so weit weg wäre ... aber vielleicht kommt die ausstellung ja auch noch einmal nach hannover.
bonanzaMARGOT - 23. Jan. 09, 17:27

wie du es anfangs schon sagtest, sind die reaktionen ziemlich polig. es gibt offensichtlich viele menschen, die eine solche präsentation oder schau als provokation oder gar als eine verletzung ihres menschseins (eine verletzung ihrer intimsphäre und ethik) ansehen.
natürlich spüre ich ein wenig den grusel-faktor - dass nämlich die plastinate einmal lebendige menschen waren.
selbst von hagen gibt zu, als er kürzlich einen ihm bekannten menschen plastinierte, dass es für ihn etwas anderes war ...


ja, schade, dass hannover so weit weg von heidelberg liegt, denn sonst könnten wir zusammen die ausstellung besuchen.
Luna in flagranti - 25. Jan. 09, 01:12

na schaun wir mal ... würde mir schon gefallen, die idee
lg von der luna
bonanzaMARGOT - 25. Jan. 09, 12:16

bis april ist noch zeit ...

schönen sonntag.
Elisabetta1 - 25. Jan. 09, 19:16

**Niemals, auch in keiner noch so großartigen Präsentation von Kunst**

würde ich mir diese ausstellung ansehen.
ich finde, daß es grenzen des guten geschmacks gibt, die mit dieser ausstellung mE überschritten werden. wenn jemand unbedingt wissen möchte, wie es in einer leiche aussieht, könnte er sich ja in einem entsprechenden seminar einer medizinischen fakultät anmelden.
die toten sollte man ruhen lassen und nicht für ein kommerzielles spektakel instrumentalisieren.
solange es menschen gibt die für diese *show* eintritt zahlen, solange wird herr hagens sein geschäft machen.

creature - 25. Jan. 09, 19:28

das hat nichts mit "kunst" zu tun, mir scheint das so was wie eine ausrede zu sein diese ausstellungen machen zu können.
ich hab die 2x in wien gesehen und hab viel gelernt dabei, über mich, meinen körper, welch faszinierender, komplizierter organismus das ist in dem ich lebe und wie wichtig es ist diesen gut zu behandeln, nicht nur den eigenen körper, auch den der anderen.
bonanzaMARGOT - 25. Jan. 09, 19:40

Danke für die Kontroverse.
Ich finde es engsichtig, die Körperwelten als Medienspektakel ab zu tun. Herr von Hagen mag die Pietät der Kulturen herausfordern, aber aus meiner Sicht wiegt die Faszination an seiner Arbeit stärker.
Solange Menschen nicht wie beim weltweiten Organhandel benutzt und ausgenutzt werden, kann ich "Körperwelten" ruhigen Gewissens besuchen und mich ähnlich wie Bazon Brock daran erfreuen.
bonanzaMARGOT - 25. Jan. 09, 19:59

Creature, ich glaube, es bedarf keiner Ausreden. Nicht mehr.
Es liegt im Ansinnen Herrn von Hagens, ob er seine Arbeiten als Kunst deklariert.
Ich werde hoffentlich vorbehaltlos in die Ausstellung gehen.
Scheisse, am Ende komme ich als Plastinat heraus.
creature - 25. Jan. 09, 20:05

als zukünftiges plastinat vielleicht denn, damals in wien hat der herr hagens menschen gesucht die sich nach dem tod als plastinat zur verfügung stellen möchten, und wie ich festellte waren einige bereit das zu tun!
bonanzaMARGOT - 25. Jan. 09, 20:21

Möglicherweise wäre ich auch bereit dazu, aber ich treffe solche Entscheidungen nicht vorschnell.

Sind wir nicht in gewisser Weise lebendige Plastinate?
Ist die Arbeit von Hagens nicht eine moderne Fortsetzung der Mumifizierung? Nur eben auf einem anderen kulturellen Hintergrund?
testsiegerin - 25. Jan. 09, 22:31

da hab ich mit mehreren dingen schwierigkeiten in dem posting von elisabeta.

zum einen diese seltsamen, schwammigen grenzen des "guten geschmackes". beim geschmack scheiden sich die geister. wessen guten geschmack meinst du? deinen? meinen?

und was heißt "die toten sollte man ruhen lassen". auch hier wieder: wer ist "man"? und wer behautet das? die katholische kirche? oder du?

ich hab kein problem damit, wenn es unterschiedliche meinungen über solche dinge gibt, aber ich mag gern, dass die einfach als unterschiedliche meinungen da stehen und nicht als allgemeingültige glaubenssätze.

kunst hat fast immer mit grenzüberschreitung zu tun. und grenzüberschreitungen tun manchmal weh. dem künstler, dem betrachter, der kunst. wem auch immer.
bonanzaMARGOT - 26. Jan. 09, 11:18

yep, testsiegerin.

wer es nicht sehen will, kann wegschauen. das gilt auch für andere dinge, die den sogenannten "guten geschmack" herausfordern, z.b. pornografie.
für mich wichtig ist, dass dabei keine kriminellen machenschaften stattfinden (z.b. ein illegaler handel mit leichen).
bonanzaMARGOT - 25. Jan. 09, 21:34

der tod macht in meinen augen keinen schrecken aus.
es ist die lebendigkeit mit ihren abertausend spielarten von grausamkeit.
der tod ist in meinen augen ein beruhigender hafen.

lyrik undercover - 25. Jan. 09, 22:14

Der Tod als beruhigender Hafen.
Das hast du wunderbar ausgedrückt. Und so wird er auch gesehen von denen, die ein langes, turbulentes, erfülltes Leben hinter sich haben und gern auf körperliche und seelische Qualen verzichten wollen in deren Wirklichkeit sie leben.
Hoffende - 25. Jan. 09, 22:57

Danke für die Erinnerung daran.

Schöne Diskussion hier dazu... Aber ich wollte sowieso dahin gehen, ist quasi um die Ecke.

bonanzaMARGOT - 26. Jan. 09, 16:24

lasse dich aber nicht um die ecke bringen.
Elisabetta1 - 26. Jan. 09, 19:11

@ testsiegerin

die grenzen des guten geschmacks sind keineswegs schwammig, sondern im grunde genommen klar definiert. bereits im mittelalter wurde *geschmack*, als die fähigkeit, in allen bereichen und situationen des lebens immer die rechte wahl zu treffen und alle dinge frei von subjektiver täuschung, nach ihrem wirklichen wert zu beurteilen. die fähigkeit des verstandes zum erkennen des guten, wahren und schönen . der begriff ästhetik wird ja in unserer zeit gerne verwendet
ich wurde in einem elternhaus erzogen, in dem mir der begriff *pietät*- mit würde und respektvollem umgang mit menschen ( aber auch mit den sterblichen resten von menschen ) vermittelt wurde.
der paragraf 1 des deutschen grundgesetzes beinhaltet die völlige unanatastbarkeit der menschlichen würde, eine unantastbarkeit, die sich auch auf den toten bezieht, dem die gleichen persönlichkeitsrechte eingeräumt werden wie dem lebenden.
jenen menschen, die ihren körper freiwillig zur verfügung stellen, bleibt es natürlich unbenommen, sich nach ihrem tode plastinieren zu lassen, aber, daß g.v.h. --> z.b. in china leichen und hirnpräparate ( von hingerichteten )*gekauft* hat, seit diesem moment hat die *industrie der unsterblichkeit* einen festen platz in der modernen unterhaltungsindustrie gefunden. g.v.h. hat seit beginn seiner ausstellungen gerichte in ganz europa beschäftigt.
warum, so frage ich, müssen immer neue plastinate, dem trend entsprechend ( radfahrer, reiter, stabhochspringer, saxophonspieler etc) hergestellt werden, wenn doch der tiefere sinn seiner ausstellung, so wie g.v.h. vordergründig angibt, der wissenschaftlichen aufklärung diene. und was passiert mit jenen ausstellungsstücken, die nicht mehr verwendet werden?
g.v.h. ist ein selbstdarsteller, der den menschlichen körper zum objekt der sensationslust degradiert. Nicht ganz zufällig hat gunther von hagens ( geboren als: gunther gerhard lieblein – wozu benötigt ein anatom eigentlich einen *künstlernamen* ) bei der diesjährigen ausstellung in deutschland auf die beurteilung der ethikkommission verzichtet.

ein bißchen lang ist mein kommentar, aber ich wollte einfach nur vermitteln, warum ich so dagegen bin. habe mich schon sehr lange mit diesem thema beschäftigt.

bonanzaMARGOT - 27. Jan. 09, 12:32

elisabetta,

da testsiegerin noch nicht auf deine ausführungen antwortete, presche ich nun vor.

"der gute geschmack" ist selbstverständlich kulturabhängig. es ist immer vermessen, die eigene kultur mit dem jeweiligen geschmacksempfinden über andere zu stellen. zuletzt machten dies bei uns die nazis - ziemlich rigoros. die kirche war allerdings auch immer gut dabei - vorallem im mittelalter, als es kreuzzüge, hexenverbrennungen und folter gab - eine menge schweinereien, die keineswegs von deinem gepriesenen "guten geschmack" zeugen.
bazon brock, den ich eingangs zitierte, könnte dir mit sicherheit einiges über den begriff ästhetik in der geschichte und in den kulturen lehren.
ich gestehe dir zu, dass du in einem feinen elternhaus groß geworden bist, wo manieren und anstand gelehrt wurden. deine persönliche sicht auf eine ausstellung wie körperwelten ist darum völlig legitim. nur mußt du diese deswegen nicht durch halbwissen und vorurteile verunglimpfen. jeder mensch sollte sich vorbehaltlos selbst eine meinung bilden, inwieweit sein pietätsempfinden von den plastinaten negativ berührt wird.
auch finde ich es anmaßend und nicht gerade anständig,
gunther von hagens als person in ein schlechtes licht zu rücken, ihm selbstdarstellerische ambitionen und sensationslust vorzuwerfen. ich kenne diesen menschen nicht und kann über seinen charakter nicht urteilen. er wird wie jeder mensch seine schwächen haben ...
allein wichtig ist, dass alles bei seiner ausstellung mit rechten dingen zugeht.
hier nochmal der link zur website "koerperwelten"
http://www.koerperwelten-deutschland.de/, wo einiges zur ausstellung erläutert wird.

eine ethische begutachtung existiert aus den Jahren 2004/2005 in den usa.
(zur zusammenfassung: http://www.koerperwelten-deutschland.de/fileadmin/user_upload/dokumente/EthicalReview_CSC_D.pdf)

Zitate der Ethikberater:

„Gottes Ruhm ist der lebendige Mensch. Der menschliche Körper ist für unsere Menschlichkeit - für unsere Persönlichkeit - von wesentlicher Bedeutung. Jede Erweiterung unseres Verständnisses von und Wissens um unseren menschlichen Köper führt zu einer größeren Wertschätzung unserer Würde als menschliche Personen."
Father Richard Benson, C.M., Ph.D. St. John’s Seminary, Roman Catholic Archdiocese of Los Angeles

„Das, was die Ausstellung so unwiderstehlich macht - der bedeutsame und umfassende Einblick in den echten menschlichen Körper - macht die Ausstellung auch gleichzeitig so umstritten. Ohne genau diese Merkmale wäre die Ausstellung nicht so eine beeindruckende Lernerfahrung."
David C. Blake, Ph.D., JD Saint John’s Health Center

„Ich war sehr stolz, dass der Vorstand des Science Center und die beteiligten Experten bereit waren, heftige Kritik um des höheren Zieles willen zu riskieren, die Öffentlichkeit über Gesundheit und den menschlichen Körper aufzuklären und zu informieren. Außerdem hilft es uns, wenn wir mit eigenen Augen den unglaublichen Aufbau des menschlichen Körpers in all seinen Einzelheiten sehen, den Schöpfer besser zu verstehen, der die Menschheit geschaffen und geformt hat."
Rabbi Morley Feinstein University Synagogue

„Der Mensch denkt ständig an seinen Körper, kennt dessen Funktionsweise aber oft nicht.
KÖRPERWELTEN verschafft den Menschen Zugang zu den Wundern des menschlichen Körpers und hilft ihnen, ihr körperliches Selbst zu verstehen. Als Ärzte freuen wir uns über das zunehmende medizinische Wissen unserer Patienten, während wir gemeinsam mit ihnen daran arbeiten, ihre Gesundheit zu optimieren.“

Dr. Stanley G. Korenman, MD. UCLA Medical Center

„Die Plastinate lehren die Einheit der Körperteile und deren Wechselwirkungen mit einander. Diese Lektion geht über die biologische Einheit hinaus und erstreckt sich auf die soziologische Gemeinschaft."
Reverend Cecil „Chip“ Murray First African Methodist Episcopal Church

„Diese Ausstellung gibt der Öffentlichkeit eine Gelegenheit, die sonst Ärzten und anderen medizinischen Fachleuten vorbehalten ist. Die Besucher haben die Möglichkeit, in ihren eigenen Körper hineinzuschauen und das Staunen darüber und den Respekt davor zu erleben, was es heißt, ein Mensch zu sein."
Prof. Dr. Hans-Martin Sass Kennedy Institute of Ethics, Georgetown University


„Jeder Arzt wird früher oder später von der reinen Eleganz und Kompliziertheit des menschlichen Körpers überwältigt. Aber nur wenige Laien bekommen die Gelegenheit, dieses Staunen zu erleben. Diese Ausstellung bietet eine der wenigen Möglichkeiten, die Laien haben, diese privilegierte Sichtweise auf unser Selbst zu teilen.“
Dr. Neil S. Wenger, MD. UCLA Medical Center
Elisabetta1 - 27. Jan. 09, 15:08

@ ja bon, so ist das nun mal...

... du wirfst mir vermessenheit vor, du meinst daß ich mein geschmacksempfinden über andere stelle ( in einem satz mit den nazis vergleichend ) du stellst fest, ich glänze hier durch halbwissen und vorurteile und verunglimpfe die person g.v.h. .dabei habe ich in meinem 1. kommentar ziemlich deutlich *** mE *** , also MEINES ERACHTENS geschrieben. habe niemandem abgeraten diese ausstellung zu besuchen, habe im grunde genommen nur MEINE EIGENE MEINUNG niédergeschrieben und dafür werde ich mit all diesen, deinen ausdrücken *gesteinigt*. starker tobak würde ich sagen.
die frage des guten geschmacks hat nichts mit hexenverbrennungen, kreuzzügen etc. zu tun, sondern manifestierte sich seit dem ausgehenden 17. jahrhundert in der literatur und kunsttheorie.
du hast den vollen angriff auf meine person vollzogen,( bist kein unabhängiger moderator deines blogs, sondern applaudierst jedem , der einen , kontroversen kommentar zu meinem , abgeliefert hat ) ohne aber auf die einwände, die mich diesen negativen 2. kommentar verfassen ließen, einzugehen. (gekaufte leichen, anpassung des themas der ausstellungsstücke [sportler,musiker], was geschieht mit den plastinaten, nachdem sie *unmodern* geworden sind? usw. dazu kommt noch, daß g.v.h. teile der plastinate verkaufen wollte, dies ihm aber untersagt wurde - keine geschäftemacherei? )
der aufzählung, der amerikanischen ethikberater, die NUR positive eindrücke vermitteln, könnte ich dir ebensoviele NEGATIVE deutsche und europäische kommentare von ärzten und mitgliedern von ethikkommissionen gegenüberstellen.
meinungsfreiheit ist in deinem weblog nicht wirklich vorhanden, zumindest meine *meinung* ist nicht gefragt. kein problem.
*Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins*
(Marie von Ebner-Eschenbach)

bonanzaMARGOT - 27. Jan. 09, 16:08

elisabetta, wenn ich hier was gegen kontroverse meinungen hätte, würde ich einfach die antworten löschen, die mir nicht passen.
ich habe dich als person mitnichten angegriffen, sondern erläuterte nur meine ansicht von dem "guten geschmack", den du als argument hervorholtest. die nazis nannte ich als beispiel einer unkultur, die nur ihre eigenen maßstäbe von ethik und ästhetik duldete. ein gunthar von hagens wäre bei ihnen sicherlich verfolgt und seine ausstellungen verboten worden. (wo vergleiche ich dich mit den nazis?)
ich versuche meine argumente mit quellen und beispielen zu unterfüttern, während du einfach dinge als gegeben in den raum stellst, ohne dem unkundigen hinweise und belege für dein wissen zu geben, welches du hier anführst. (so etwas nenne ich halbwissen oder voreingenommenheit.)
auch von hagens wird wohl auf geld angewiesen sein, um diese arbeit und forschung zu leisten. wenn du ihm kriminelle machenschaften unterstellst, belege dies bitte!
es ist wirklich nicht so, dass ich von hagens hier auf gedeih und verderb verteidigen will. wenn er dreck am stecken hat, fände ich dies schade, weil es ein schlechtes licht auf die doch faszinierende ausstellung der körperwelten werfen würde.

ich würde gerne ein paar von den negativen kommentaren europäischer ärzte, ethikern und anderen fachleuten lesen - um meine haltung differenzierter zu überprüfen. deine argumente, und wie du sie vorführst, elisabetta, überzeugen mich bisher nicht.

(apropos: von welcher literatur- und kunsttheorie des ausgehenden 17. jahrhunderts sprichst du? welche schriften meinst du im bezug auf dieses thema? ich möchte nicht dumm sterben ...)

elisabetta, wie ich es schon im vorherigen kommentar an dich schrieb, halte ich deine persönliche meinung zu den "körperwelten" für legitim und würde mich auf einen weiteren sachlichen und fundierten meinungsaustausch mit dir freuen.

gruß
bon.
Elisabetta1 - 27. Jan. 09, 18:25

hi bon!

ich mache keinen rückzieher, aber nur um meine meinung hier zu äußern, geht mir der aufwand an zeit, den ich mit recherche verbringen soll, um die einzelnen links bzw. artikel anzuführen, doch etwas zu weit. wenn du dich selbst schlau machen möchtest, dann rate ich dir das internet zu durchforsten. du wirst über g.v.h. jede menge artikel finden. sei es unter *prozesse* sei es unter *ethikkommissionen* , sei es unter den einzelnen *universitäten*, deren professoren, ihre meinung über die *kunst* und *notwendigkeit* dieses anatomen ,ihre aussage getätigt haben.überall wirst du die von mir angeführten berichte nachlesen können.
mit den besten grüßen

bonanzaMARGOT - 27. Jan. 09, 19:29

Elisabetta, genau das mache ich gerade - googeln - und kam bis jetzt zu dem Ergebnis, dass die kritischen und ablehnenden Stimmen überwiegend aus dem kirchlichen Lager kommen.
Ich werde nachher einige ergoogelte Links zur Lektüre und Meinungsbildung hier einstellen.
Ich finde es einigermaßen entlarvend, dass du dir die Mühe hinsichtlich einer wirklich konstruktiven Auseinandersetzung nicht machen willst. Ich kann deine Ausflüchte nicht ernst nehmen - im Hinblick auf die Vehemenz, mit der du die "Körperwelten" ablehnst bzw. verurteilst.
bonanzaMARGOT - 27. Jan. 09, 21:34

theologie und wissenschaft:

Elisabetta1 - 28. Jan. 09, 02:55

es reicht..... mir!

die angeführten links, habe ich ganz willkürlich herauskopiert und keiner ist von kirchlicher seite.
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/18676/
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,533280,00.html
http://www.welt.de/welt_print/article737236/Von_Hagens_akzeptiert_Geldbusse.html
http://www.linksverlag.de/index.cfm?inhalt=gesamtprogramm&nav_id=1&titel_id=147&kat_id=190
http://www.sueddeutsche.de/kultur/672/415440/text/?page=2
http://www.rp-online.de/public/article/duesseldorf-stadt/38483/Von-Hagens-kaufte-Leichen-aus-Duesseldorf.html
http://aerzteblatt.lnsdata.de/pdf/100/1/a18.pdf

ob du nun etwas entlarvend siehst oder mir vorwirfst, daß ich *flüchte* , ist mir wirklich egal.
meine meinung ist jene, die ich hier als kommentar hinterließ und damit ist für mich dieses thema auch beendet.419,000 einträge bei google für g.v.h., - ich wünsche dir viel spaß bei der suche nach allen positiven/negativen artikeln -->* ich* habe auch noch andere interessen.

bonanzaMARGOT - 28. Jan. 09, 09:55

Okay. Viele Links, die ich ergoogelte, verweisen auf die Kritik der Kirche - dabei auch Links zu Medienseiten (Spiegel, Süddeutsche etc.), wie von dir aufgeführt.
Um eine Diskussion lebendig zu halten, genügt es nicht, willkürlich irgendwelche Links einzustreuen.

Es kann 419.000 oder noch mehr Quellen (Links) mit Artikeln, Statements und Diskussionen etc. zu "Körperwelten" geben, wie man aber schnell herausfindet, wiederholt sich davon vieles, und noch mehr ist zweifelhaft bis unseriös.
Wichtig wäre darum gewesen, Elisabetta, wenn du als diejenige, welche hier Behauptungen über von Hagens und seine Praktiken aufstellst, dezidiert Quellenbelege dazu zeigst.
Aber gut, es ist offensichtlich, dass du das Thema bereits vor ein paar Jahren für dich durchdacht und abgehakt hast. Ich dagegen bin noch dabei, mir eine Meinung zu bilden.
Danke für den Einblick in deine Gedanken zum Thema "Körperwelten".
Vielleicht meldet sich der ein oder andere dazu noch zu Wort.
Luna in flagranti - 28. Jan. 09, 23:33

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.
Jeder hat die Pflicht, die Meinung eines anderen mit Respekt anzuhören und ihr genau so zu begegnen. Danach bleibt es einem jeden überlassen, ob er konform geht oder ob er eine andere Meinung hat und von dieser in fundierter Weise überzeugen will und kann. Dazu bedarf es mehr als Negativschlagzeilen.
Die in Erziehung, Erfahrung, Bildung, Interessen gewachsene Persönlichkeit eines jeden fließt in die ganz individuelle Meinungsbildung ein. Es ist seine ganz eigene Sichtweise der Dinge. Aber auch diese unterliegt durch oben genannte Komponenten einem Wandel.
Ein emotionales Zeugnis ist in diesem Fall gleichwertig einem durch Beweise untermauerten. Ausschlaggegend ist aber immer wieder (wie in allen Bereichen menschlichen Miteinanders) der absolut freie Wille in dem alle in diesem Fall Beteiligten miteinander verkehren -
und wichtig ist auf jeden Fall, dass dieser Wille in vollem Umfang vorher abgeklärt und anschließend auch ohne Abweichung umgesetzt wird. Sorgfaltspflicht und Nachprüfbarkeit müssen walten und ersparen so eine Menge Diskussionen, weil “könnte gemacht haben”, “soll so gewesen sein” oder ähnliche Formulierungen, die schon durch die Wortwahl einen Zweifel an deren Tatsächlichkeit beinhalten, keine Grundlage für eine Wahrheitsfindung sind, welche uns ohnehin nicht obliegt. Dafür sind im Zweifelsfall Gerichtsbarkeiten zuständig. Aufgefallen ist mir bei der groben Durchsicht der Links, daß postive Kritiken in vollem Wortumfang veröffentlicht wurden, während negative lediglich durch zitierte Satzfetzen untermauert sind - ob diese Worte in Anführungsstrichen unbedingt glaubwürdig sind, sei dahin gestellt. Aus dem Zusammenhang gerissen, ergeben sie einen völlig anderen Sinn, allein durch die Veröffentlichung von Halbheiten einer Aussage. Ich bin da sehr vorsichtig.
Richtig ist, dass gerade bei einem so heißen Thema vorher genau überlegt werden muß, was wann wo und wem gesagt wird. Skandale verkaufen sich bekannter Weise besser.
Darüber hinaus. Ist es nicht auch die eigene Motivation für den Besuch dieser Ausstellung, welche mit darüber entscheidet, ob es eine positive oder negative Schlagzeile gibt. Gehe ich aus Sensationslust oder aus medizinischem Interesse dorthin. Sind wir Besucher nicht Mitverursacher dieser Kontroverse?
Leider habe ich die in einigen Artikeln besprochene Fernsehübertragung nicht gesehen, kann dazu also kein Urteil abgeben. Weder positiv noch negativ. Aber die Ausstellung selbst (am Berliner Ostbahnhof) und die während des Rundgangs in den Räumen herrschende respekt- ja würdevolle Ruhe habe ich bis heute in außerordentlich guter Erinnerung.
bonanzaMARGOT - 29. Jan. 09, 07:16

die nachtwache kommt vom dienst ...

schön hast du die diskussions- und meinungskultur, welche anzustreben wäre, beschrieben, luna. etwas hakelei und wortfechterei darf dabei schon sein, solange nicht zu viele mißverständnisse entstehen, das thema nicht ganz aus dem blickwinkel gerät und schläge unter die gürtellinie unbedingt vermieden werden.

was von hagens "körperwelten" angeht, fällt mir auf, dass da mehrere ebenen sind, die sich zum gesamteindruck mischen können. da ist zum einen die umstrittene ethik, die totenruhe und pietät des ganzen; zum anderen geht es um die gesetzlichkeit bzw. legalität der praktiken, derer sich von hagens bedient bis hin zu der immer wieder negativ angeführten geschäftemacherei mit leichen.
wie "körperwelten" emotional wirkt, kann jeder selbst erfahren, wenn er die ausstellung besucht. menschen, die wie elisabetta von vorneherein abscheu empfinden, besuchen wohl erst gar nicht die ausstellung. es mag auch zeitgenossen geben, die aus purer sensationslust "körperwelten" besuchen und andere, ganze gruppen, die im rahmen ihrer medizinischen ausbildung oder einfach aus neugierde und interesse/faszination an der menschlichen anatomie die plastinate betrachten.
hierzu finde ich diesen link recht informativ:
http://www-cgi.uni-regensburg.de/Klinik/Innere_2/Psychosomatik/koerperwelten_2/Koerperwelten.ar3-psych.pdf

schwieriger, wie ich finde, läßt sich über von hagens geschäftemacherei und seine vermuteten illegalen machenschaften diskutieren. man sollte von hagens nicht vorverurteilen. es ist sache von polizei und justiz zu überprüfen, ob sich von hagens strafbar macht. dass seine ausstellungen seit jahren mit relativ hohem öffentlichen interesse überall auf der welt zu sehen sind, sagt mir, dass er seine "verbrechen" entweder geschickt kaschiert, oder dass nicht viel dran ist.

ich bin wirklich gespannt, wie "körperwelten" auf mich wirken wird.

(und jetzt bin ich müde - geh zur ruh. euch einen schönen (arbeits)tag)

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