Wahn und Wirklichkeit


Ich hatte einen seltsamen Traum: Ich schrieb an einem Roman, in dem die Hauptpersonen sich selbst begegneten, also ihrem Alterego aus einer anderen Zeit bzw. einer anderen Lebenswirklichkeit, aber ohne dass sie sich wahrnehmen konnten. Die Kapitel des Buches durchdrangen sich merkwürdig, je nach Erzählperspektive. Leider war es mir nur im Traum begreiflich. An die Details der Geschichte erinnere ich mich lediglich bruchstückhaft.
Während ich mich im Halbschlaf von einer Seite auf die andere wälzte, sponnen sich heute Morgen meine Gedanken weiter: Ist es möglich, dass die Welt voller Spiegel ist? Und wir sehen überall uns selbst - eben nur in einer anderen Wirklichkeit; oder anders gesagt als jemanden, der wir genausogut sein könnten.
Spontan erinnere ich mich eines Gedichts zu dieser Thematik, welches ich während meinen Schreibanfänge (1979) schrieb. Also runter mit dem staubigen Ordner vom Regal ...
Hier ist es:


Egal


Ich frage mich
oft, warum ich gerade heute lebe
und nicht vor 2000 Jahren oder 100
oder vielleicht erst in der Zukunft.
Es muß folglich egal sein,
und wenn es egal ist, ist Mensch-Sein
zu allen Zeiten das gleiche Mensch-Sein.
Ich frage mich
auch, warum ich nicht Herr Schulze
oder Frau Meier bin, sondern gerade ich.
Also muss es egal sein,
und wenn es egal ist, bin ich
Herr Schulze wie auch Frau Meier.
Ich komme zu dem Schluß, dass es
zwei Ichs gibt. Das eine Ich sagt:
„Ich, Herr Schulze“ oder „Ich, Frau Meier“,
und das andere Ich ist von dem
Individuum losgelöst.




(1979)
ich (Gast) - 05. Feb. 11, 15:33

dieses traum kannst du doch erfüllen, wenn du willst.

bonanzaMARGOT - 05. Feb. 11, 15:43

wie meinst du das?
ich (Gast) - 05. Feb. 11, 16:56

ich meine, du kannst den roman schreiben...

bonanzaMARGOT - 05. Feb. 11, 17:29

Vielleicht. Es braucht solche Eingebungen. Und dann ist irgendwann die Zeit reif dafür.

Was macht dein Roman?
Lange-Weile - 05. Feb. 11, 18:11

Fluch

Hallo Bo.,

ich hab eine sehr temperamentvolle Schwester und diese lebt ihr Naturell in allen Facetten entsprechen intensiv aus. Ich dagegen bin besonnen - man kann sagen, eher zurückhalten als lautlebig. Also wir zwei Schwestern mussten im Erwachsenen-Alter 2 Jahre eng mit einander verbringe. Sie hat mich fast zur Raserei getreiben, aber ich wollte mich nicht hinreißen lassen und nahm auch jedem Streitgespräch Reißaus. Das gefiel ihr gar nicht, denn sie wollte sich ja nur reiben - wir standen beide unter extremen Stress - und ich zog stattdessen den Schwanz ein und verschwand.

In der Resonanz arbeitet es anschließend ununterbrochen in mir. Ja..mein Gemüt tobte lautlos im Inneren und erzeugte eine Unmengen von Bildern, die sich als Leinwand vor meiner Stirn ausrollen. Meine aufgestaute Wut zeigte sich in vielen Facetten und einer Facette davon war ein Fluch. Ich schickte ihn ihr lautlaos nach und wünschte ihr, dass sich ihre Persönlichkeiten aufspalten würde und in alle ihre Facetten zerfallen sollte. Vor meinen wütenden Augen sah ich zahlreiche Körper meiner Schwester laufen und jedesmal begegnete sie sich selbst, mit der sie sich reiben konnte. Damit war ich r aus aus der Nummer ;-) .

Diese Vorstellung brachte mir eine Menge Druck - die Möglichkeit, den anderen auf diese Weise einen Spiegel vorzuhalten.

An diese kleine innere Raserei erinnerte ich mich, als ich eben deinen Beitrag über die Personen las, die sich selbst begegnen.

Gruß LaWe


bonanzaMARGOT - 06. Feb. 11, 12:53

hi lawe, ich teilte gezwungenermaßen 18 jahre mit meinem älteren bruder ein zimmer. auch wir sind sehr unterschiedliche geschwister. der kontakt verlor sich, als wir das elternhaus verließen.
die spiegel zeigen uns nicht immer, was wir sehen wollen.
ich (Gast) - 05. Feb. 11, 19:22

wartet. du weisst was ich alles dazwischen erlebte...

D.Kis - 05. Feb. 11, 19:24

tolle idee, aber so viel ich weiß gibt es den roman schon, aber das heißt ja nichts, schreiben, unbedingt schreiben
bonanzaMARGOT - 06. Feb. 11, 12:49

mal schaun.
lube - 06. Feb. 11, 11:38

für einen roman braucht man einfach zeit. viele autoren schreiben, dass es wichtig ist, an einer geschichte dran zu bleiben, also kontinuierlich zu schreiben. ich glaube, daran scheitern die meisten...

bonanzaMARGOT - 06. Feb. 11, 12:44

ich denke, es gibt zwei arten, einen roman oder eine längere erzählung zu schreiben: entweder man schreibt einige wochen wie im rausch, oder man bleibt, wie du es sagst, lube, unter umständen über jahre beharrlich/diszipliniert an einem thema bzw. einer geschichte.

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