Samstag, 22. Dezember 2012

TV-Tipp:

"Kleines Arschloch", 22 Uhr 5, RTL2

Der Tag danach


Es ist schon seltsam, dass die Welt immer noch nicht untergegangen ist. Kein Verlass auf diese Untergangsprophezeiungen! Da ist mein jährlicher Winterschnupfen verlässlicher. Eigentlich hätte er gut zum Weltuntergang gepasst. Denn immer wenn ich Schnupfen habe, passiert irgendwas besonderes. Dieses Jahr ist es dann wahrscheinlich nur eine stinknormale Weihnachtserkältung.
Zu den verpassten Weltuntergängen gebar meine Matschbirne eine absonderliche Theorie: Was wäre, wenn in Wirklichkeit tatsächlich die Welt untergegangen wäre? Und wir wurden (nur jedes Mal) von Menschen gerettet, die aus der Zukunft kamen? Die machen nämlich nichts anderes, als ständig durch die Zeit zu reisen, damit sie überhaupt eine Daseinsberechtigung haben. Wenn unsere Welt unterginge, würde ihre Wirklichkeit in der Zukunft wie eine Seifenblase platzen. Ständig müssen sie die Zeit reparieren. Ganz schön stressig!
Der Stress entsteht automatisch, wenn man den Dingen nicht ihren Lauf lässt. Ruckzuck verwickelt man sich in einen unübersichtlichen Haufen von Widersprüchen. Das weiß jeder, der mal liebte, oder als Kind mit Lego spielte. Auch in der Altenpflege leistet man so eine Art Sisyphus-Arbeit. Aber wenn man mal damit anfing, kann man schlecht wieder aufhören. Es ist wie ein Fluch. Oder bildhaft: Kabelsalat.
Vielleicht ist die gesamte Weltgeschichte von Eingriffen aus der Zukunft getürkt ...
Es gibt einfach einen ganzen Haufen von unerklärlichen Dingen. Wer nachts den Fernseher laufen lässt, weiß das. Ich bin bin voll auf der Höhe, was Verschwörungstheorien und Weltuntergangsprophetien angeht.
Wie dem auch sei. Das verrückte Leben geht weiter. Wenn ich persönlich an der Zeit etwas korrigieren könnte, dann wäre das meine Zeugung, die ich verhindern würde.
Da ich mich nicht fortpflanzte, dürfte dies für die Zukunft keine größeren Folgen haben. Auch bin ich kein genialer Erfinder, habe nichts neues entdeckt und keine Machtposition inne. Und einige Frauen hätten wahrscheinlich sowieso besser auf meine Bekanntschaft verzichtet. Na ja, und ich erst … ich meine, mir wäre natürlich auch einiges erspart geblieben. (Zum Beispiel müsste ich heute Abend nicht zum Nachtdienst ins Altenheim, und ich hätte keinen Schnupfen.)

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