Die Kollegen sind schon im Feierabend, und ich verteile die Nachtmedikamente, als die Bestatter kommen. Vorher warf ich noch einen Blick auf den Verstorbenen und verabschiedete mich von ihm. Die Papiere liegen im Dienstzimmer bereit. Wenigstens ging dieser Kelch an mir vorüber, denke ich. Sterbefälle in der Nacht sind unangenehme Geschichten. Bei diesem Bewohner hatte ich nicht damit gerechnet, dass es derart schnell gehen würde. Im oberen Stockwerk liegt eine Frau, die seit Wochen gegen den Tod kämpft. Sie hat Krebs im Endstadium und wird über einen Portkatheter in die Halsvene ernährt. Ich betrete leise ihr Zimmer. Die Pumpe rasselt monoton vor sich hin. Sie ist total abgemagert, ihre Haut an vielen Stellen bläulich vom Aufliegen. Sie kommt nicht zu sich, als ich sie lagere. Ihr Anblick tut mir im Herz weh. So behutsam wie möglich gehe ich mit ihr um, streichele sanft über ihr Haar, sage, was ich machen muss, und dass ich gleich fertig bin.
Ich lasse die Tür zu ihrem Zimmer einen Spalt geöffnet, atme tief durch, als ich wieder auf dem Stationsflur bin. Die erste Runde habe ich hinter mir. Ich kann mich kurz setzen. Um mich abzulenken, schalte ich den Fernseher im Aufenthaltsraum ein. Wladimir Klitschko boxt gegen Alexander Povetkin in Moskau. Wladimir gewinnt in Klitschko-Manier: nicht spektakulär aber überlegen. Povetkin geht dreimal zu Boden. Aber er kämpft sich wieder zurück. Nach 12 Runden ein klarer Punktsieg für den jüngeren der Klitschko-Brüder.
Die Frau im oberen Stockwerk geht mir nicht aus dem Kopf. Wird sie die Nacht überleben? Ansonsten die übliche Nachtwachen-Routine. Die Stunden schleichen dahin. Ich fühle mich unsagbar schwer und müde. Ein Bewohner schüttet mir sein Herz aus. Es geht um das Leben und Sterben, speziell um sein Schicksal. Warum ist das alles so? Warum gibt man sich manchmal auf, und dann kämpft man doch um jeden Tag Leben? Ich höre ihm lange zu. Er lächelt mich dankbar an.
Die Frau im oberen Stockwerk übersteht die Nacht. Ich reiche den Kelch an den Tagdienst weiter ...
Oktoberfest? Wurscht (geht ja nur bis zum 06.10., also, bis morgen). Jedenfalls besuchte ich schon sehr lange nicht München, und nächste Woche habe ich frei. Heute rang ich mich durch und buchte ein Zimmer für zwei Nächte.
Es war vor ca. 30 Jahren – wenn ich mich recht erinnere über Ostern. Das Zimmer, dass ich erst am Hauptbahnhof über eine Zimmervermittlung ergatterte, war mehr eine Kammer, und das Bett quietschte fürchterlich. Nach meiner Ankunft suchte ich sofort einen Bierkeller auf, wo mich ein paar ältere, zwielichtige Typen beinahe abgeschleppt hätten … Ich sah damals ziemlich süß aus (was mir gar nicht so bewusst war).
Am nächsten Morgen startete ich Richtung Innenstadt. Ziemlich schnell landete ich wie zufällig im Hofbräuhaus. Es war noch Vormittag, - das Wetter bescheiden. Der Tag zog sich in die Länge, und ich wusste nicht recht, wohin. In einem Kino lief die Verfilmung von James Joyce` „Ulysses“. Den Schmöker las ich nie fertig. Und der Film – so lala. Im Regen spazieren gehen machte aber auch keinen Spaß. Andererseits wollte ich nicht den ganzen Tag in einem Bierkeller oder einer Kneipe abhängen (was auch eine Geldfrage war).
Nach dem „Ulysses“ landete ich schließlich in einem Café am Marienplatz. Ich radebrach mit einem Franzosen, einem Österreicher und einer Engländerin. Das war ganz nett. Viel mehr weiß ich nicht mehr von diesem juvenilen München-Trip. Wichtig war mir schon damals, dass ich mal herauskam.
Nun, fast dreißig Jahre später, ist es nicht anders. Wieder werde ich alleine unterwegs sein. Aber diesmal will ich etwas mehr von München sehen. Selbst wenn es regnen sollte … Altstadt, Viktualienmarkt, Englischer Garten …
"Der Club der toten Dichter", 20 Uhr 15, ZDFneo
(immer mal wieder)
bonanzaMARGOT
- 04. Okt. 13, 16:49
Politisch bleibt es spannend. Nur eins ist sicher: es wird Winter. Noch sehe ich vor meinem Fenster ein grünes Blattgehänge … mit nur vereinzelt braunen Flecken und Rändern. Nach dem ersten Frost wird es schnell gehen. Ich öffne den Kleiderschrank und überschaue meine Pullover. Ich sollte nicht so viel zur Altkleidersammlung geben. Der Tag begann düster. Nun zeigt sich doch die Sonne, blinzelt zu mir ins Zimmer. Ich blinzele zurück. Im TV Politik. Natürlich könnte ich umschalten. Wie viel man doch reden kann, ohne wirklich etwas zu sagen. Das ist ganz hohe Schule. Ein Klo, das sich selbst bekackt. Und dann die Rückblenden auf vergangene Tage. Seit dem Fernsehen hat man einen klareren Blick auf die Geschichte. Man sieht sie alle wieder: Brand, Schmidt, Genscher, Kohl … Hach, lebte ich damals schon? Kaum zu glauben. Wie oft wurde seit damals Herbst und Winter? Wie viele unnütze Worte wurden seitdem verloren? Nicht nur im Bundestag. Wir Menschen reden uns in die Zukunft hinein. Weiter und weiter – ein einziger großer Laber-Strom, dem ich lausche, ohne etwas verstehen zu müssen. Ich höre einfach zu, wie das Leben dahinplätschert - wie Wasser, wie ein Bach, wie viele Bäche … wie tausend Mann, die nebeneinander pinkeln.
Nein, ich schalte nicht um. „Noch habe ich das Recht, hier zu reden!“ skandiert Helmut Schmidt vorm Bundestag. Damals verpasste ich diese Sternstunde. Politik war für mich ein Unwort. Politik war eine Sache von alten Männern, und ich war jung und knackig und verliebt. Oder ich hatte Liebeskummer. Eins von Beiden. So war das also damals, als ich mir an der Theke des Billard-Cafés die Rübe weg soff. Mein Gott, wie schlank Helmut Kohl da noch war! Aber auch schlank mochte ich ihn nicht. Und der Strauß lebte noch! Den konnte man richtig gut hassen.
Plötzlich ist wieder 2013. Die Bundeskanzlerin heißt Angela Merkel. Die Bundestagswahlen liegen hinter uns. Und mit der neuen Regierungsbildung will es nicht richtig klappen. Ich lausche den Worten, wie sie dahinplätschern. Dann drehe ich am Zeitrad, so dass alles ungeheuer schnell vorwärts fließt. Bis die Worte zu einem hellen nicht identifizierbaren Rauschen werden. Die Jahreszeiten fliegen in ihren Farben an mir vorbei. Jahr um Jahr. 2040 halte ich an. Ich lebe noch. Das ist zumindest nicht unrealistisch, dass ich 2040 noch lebe. Aber ich bin jetzt ein alter Knacker. Möglicherweise sitze ich in einem Altenheim und drückte gerade den Schwesternruf. Aber es kommt niemand. Jedenfalls dauert es sehr lange, bis jemand kommt. Ich stelle mir vor, dass dann keine Schwester sondern ein Pflegeroboter in mein Zimmer tritt, beziehungsweise fährt. Natürlich bin ich keineswegs überrascht, denn ich habe es schon damals kommen sehen. Wann war das? Es regierte diese furchtbare Frau, die man weder hassen noch lieben konnte … Der Pflegeroboter fragt mich, was ich wünsche. Ich sage, dass ich eigentlich gar nichts will, nur etwas Gesellschaft, aber eine lebendige! Fuck! Der Roboter spricht beruhigend und monoton auf mich ein. Er wird niemals böse. Er ist niemals genervt. Ich bedanke mich und schicke ihn aus dem Zimmer. Kaum ist er draußen, drücke ich wieder den Schwesternruf. Vielleicht wird er irgendwann den Geist aufgeben, denke ich. Der größte Idiot aus Fleisch und Blut wäre mir lieber als diese Maschine. Ich schließe die Augen – und als ich sie wieder öffne, bin ich zurück in der Gegenwart: Anfang Oktober 2013. Der Fernseher läuft und zeigt Rückblenden aus der Politik der letzten Jahrzehnte. „Noch habe ich das Recht, hier zu reden!“ skandiert Helmut Schmidt. Ich sitze in meinem Zimmer am Computer. Schreibe wirres Zeug auf. Die Sonne weiß nicht recht, was sie will. Mal ist sie weg, dann wieder da. Ich drehe meinen Kopf zum Fenster und halte inne.
"Down by Law", 20 Uhr 15, ZDFkultur
bonanzaMARGOT
- 03. Okt. 13, 15:38
Eine makabere Vorstellung, dass die Eltern unter der Erde in ihren Särgen liegen und langsam verwesen. Ich werde in mein Testament schreiben, dass ich verbrannt werden will. Es sollte eigentlich egal sein. Tot ist tot. Viele können sich gar nicht wünschen, was mit ihnen nach ihrem Tod passiert. Das heißt, wünschen können sie es sich schon, aber dann werden sie z.B. in Massengräbern irgendwo verscharrt. Ich denke an die vielen Soldaten, die auf Schlachtfeldern fielen. Oder an die Menschen, die ethnischen Säuberungen zum Opfer fielen. Oder an jene, die in Konzentrationslagern umkamen. Auch gibt es sehr viele Menschen, die sich nur ein Armenbegräbnis leisten können – sie haben keine Wahl.
Mir als Atheisten sollte es egal sein. Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, sich vorzustellen, dass da plötzlich nur noch die körperliche Hülle von einem liegt. Schließlich war man mit der ein Leben lang verbunden. Sie ist was anderes als ein Auto, in das man einfach einsteigt und wieder aussteigt. Obwohl selbst solche Dinge wie ein Auto nach jahrelangem Gebrauch beinahe physisch mit uns verwachsen. Wir empfinden dann sogar etwas wie Trauer, wenn wir es verschrotten lassen. Das gilt für viele Dinge des täglichen Gebrauchs.
Im Falle unseres Todes geht es um unseren Körper – das "Ding", ohne welches wir nicht leben können, mit dem wir originär von Geburt an verwachsen sind. Ganz normal finde ich es darum, dass man sich um diese Hülle auch nach dem Ableben sorgt. Dummerweise ist man dann aber tot. Der Körper überlebt einen – so paradox das klingt. Also, falls der Tod nicht zu gewaltsam war. Der Körper kann als Echo von uns verstanden werden, das noch ein wenig nachhallt. So lassen sich vielleicht auch die Riten mancher Kulturen verstehen, wo man den Körper der Verstorbenen konserviert, oder zumindest eine Totenwache abhält.
Im Zuge meiner Arbeit als Altenpfleger sah ich einige Menschen sterben. Und ich musste die Toten anfassen und neu betten. Ich kann schwer erklären, was ich dabei empfand. Jedenfalls waren sie für mich mehr als leblose Hüllen. Vielleicht auch deswegen, weil ich die Menschen zu Lebzeiten kannte.
...
Dass meine Eltern auf dem Friedhof langsam in ihren Särgen verwesen …, könnte zur Horrorvorstellung werden. Kein Mensch will sich so etwas ausmalen. Dabei gibt es nichts Natürlicheres. Es ist der Lauf der Dinge. Erde zu Erde, Staub zu Staub. Das würde auch passieren, wenn wir Menschen uns gar nicht darum kümmerten. Wir sind Natur wie alles. Nicht mehr und nicht weniger. Im Tod verlieren sich alle unsere Hirngespinste. Nichts als ein Echo bleibt. Wer weiß, was es damit auf sich hat.
Ich liebte dich in Jülich
habe dich verloren auf den Azoren
reiste um die Welt im Zelt
suchte nach dir in Agadir
saß fest in Brest
verschluckte mich an einer Aspirin in Wien
nahm den nächsten Flieger zum Niger
fand deinen Schal im Senegal
landete schließlich wieder in Jülich
folgte deiner Spur bis Eschnapur
saß im Sand bei Samarkand
krepierte fast in Belfast
wurde wieder gesund in Dortmund
musste lügen auf Rügen
sehnte mich nach glücklicheren Tagen in Kopenhagen
sah dich kurz von hinten in Minden
...
bonanzaMARGOT
- 03. Okt. 13, 11:36
"Der Baum", 20 Uhr 15, ARTE
und danach "Herr Lehmann" - wer mag
bonanzaMARGOT
- 02. Okt. 13, 17:51
Wenn ich nicht weiß, was ich schreiben soll, gibt es mehrere Möglichkeiten:
1. Ich schalte die Musik an. Also, das mache ich dann mal … Okay, ist passiert. Ich lasse einen Mix meiner Einkäufe bei iTunes laufen. Dort kamen mit der Zeit einige hundert Titel zusammen.
2. Ich trinke etwas Alkoholisches. Ach so, bin ja schon dabei.
3. Ich öffne ein Fenster und lasse frische Luft rein. Warum habe ich das Fenster nicht schon längst geöffnet? Die Sonne scheint. Es ist ein herrlicher Oktobertag. Jetzt ein paarmal kräftig ein- und ausatmen … Guuuuut!
4. Ich gehe mich rasieren, um mich langsam auf den Tag vorzubereiten. Auch das ist bereits geschehen.
5. Ich lasse die Luft aus meinem Glas. Kein Problem.
6. Ich lausche der Musik …, bis ich in Stimmung komme.
7. Ich schließe das Fenster wieder, weil der Autoverkehr zu laut ist.
8. Da bereits Mittag ist, steige ich die Treppen hoch zum Postkasten – und nehme gleich den Abfall mit. Ist erledigt.
Nun beginne ich zu schreiben. Ich weiß noch nicht, was. Ich lasse mich treiben. Da ist die Musik. Meine Finger hämmern auf die Computertastatur. Ich nippe an meinem Glas. Heute Spätlese. Ich liebe die Abwechslung. Solange sie schmeckt. Heute morgen wäre ich beinahe aus dem Bett gefallen, als das Telefon klingelte. Ich träumte gerade unanständiges Zeugs. Es war so gegen 10 Uhr. Wer kann das um diese Uhrzeit sein? Entweder das Altenheim oder die Bank. Es war das Altenheim. Aber ich ging nicht dran. Ich lag schließlich noch im Bett. Wenn das Altenheim anruft, bedeutet es zu 99%, dass sich einer meiner Nachtwachenkollegen krank meldete. Ich habe keine Lust, schon wieder einzuspringen. Und wenn die Bank anruft, wollen sie mich nur fragen, was ich mit dem Haufen Geld auf meinem Konto zu tun gedenke. Diese Arschficker – entschuldigt! Sie machen auch nur ihren Job.
Haha, gerade singt Jan Delay den Song „Alles ist im Arsch“. Kennt ihr den? Finde ich gut. Passt.
Passt schon lange.
Hier der Text, weil mir doch nichts mehr Gescheites einfällt:
Alles ist im Arsch und alles ist am Ende
Und alles was du noch sagst
Ist:"Hätte, würde, könnte"
Hätte ich für jedes "hätte ich"
Jedes mal nur so 50 Cent gekriegt
Wär ich ein reicher Mann
Der sichs leisten kann
Auf den ganzen Scheiß hier zu scheißen, Mann
Doch jetzt ist alles kaputt und alles defekt
Nur noch Asche und Schutt und Galle und Dreck
Alles ist Futsch Und alles ist weg
Und ich, ich nehme kein Schluck
Ich sauf es auf Ex
Alles ist im Arsch und alles ist am Ende
Und alles was du noch sagst
Ist: "Hätte, würde, könnte"
Erst wars egal, weil es
Immer irgendwie geht
Man hat nie etwas getan, aber
Jetzt ist es zu spät
Der ganze Traum ging in Rauch auf
Ende. Aus. Für immer.
Wenigstens wurd ich da schlau draus
Auch Seifenblasen hinterlassen Trümmer
Ich kratz die Reste von der Wand ab
Doch sage nicht: "Ich bereue es"
Ich steh zwar wieder ganz am Anfang
Doch hab die Birne frei für Neues
Denn,
Alles ist im Arsch und alles ist am Ende
Und alles was du noch sagst
Ist: "Hätte, würde, könnte"
Erst wars egal, weil es
Immer irgendwie geht
Man hat nie etwas getan, aber
Jetzt ist es zu spät.
...
(Jan Delay)
Im Halbschlaf habe ich die verrücktesten Gedanken. Das meiste bleibt nicht haften. Manches aber taucht am nächsten Tag wieder auf – wie der ein oder andere Traum in der Nacht.
Gestern Abend döste ich vor der Glotze vor mich hin. Ich weiß gar nicht mehr, welcher Kanal lief. Möglicherweise „South Park“ auf Comedy Central. Ich mag den bissigen und grenzwertigen Humor dieser Zeichentrickserie. Jedenfalls dachte ich plötzlich belustigt: Was wäre, wenn Hitler den 2. Weltkrieg gewonnen hätte? Nein, eigentlich dachte ich zuerst: Wie wäre es, wenn es statt einem Disneyland ein "Hitlerland" gäbe – oder statt Disney World „Hitler World“? Das Denken im Halbschlaf ist nicht sonderlich logisch. Ich kann es nicht 1:1 wiedergeben. Ich spinne es einfach mal weiter: Es gäbe dann "Hitlers Lustige Taschenbücher". Dagobert Duck wäre darin Diktator und Donald Duck sein unglückseliger Nazi-Neffe – natürlich trügen alle Uniformen mit Hakenkreuz. Sähe doch ganz lustig aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nazis allen Humor aus der Welt schaffen könnten. Etwas schwieriger wäre es freilich mit der Selbstironie. Das kennt man ja von Diktaturen: Im Austeilen sind sie gut, aber nicht im Einstecken. Jedenfalls fand ich diese Wortspielerei mit dem „Hitlerland“ originell und lustig. Im Wachzustand ist dann leider der Reiz daran gar nicht mehr so groß – vielleicht, weil man wach viel zu verkrampft ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Welt unter einer Naziherrschaft aussähe. Wahrscheinlich wäre es wie bei jeder Diktatur – nur noch ein paar Nummern größer, grotesker und grausamer. Ein jeder mag da seiner Phantasie freien Lauf lassen. Ich wollte es mir nicht ernsthaft ausmalen. Mir reichte die verrückte Wortschöpfung „Hitler World“ im Halbschlaf.
Kaum hatte ich dies zu Ende gedacht und wollte mich endgültig dem Schlummer ergeben, da streifte ein anderer lustiger Gedanke wie eine Sternschnuppe mein noch flackerndes Bewusstsein: Was wäre, wenn Hitler nicht Hitler sondern Müller geheißen hätte? Man stelle sich vor: die vielen armen Namensvettern, die darunter leiden würden. Man hätte damals statt „Heil Hitler!“ „Heil Müller!“ skandiert … Ist das überhaupt denkbar? Schon komisch, dass große Diktatoren ziemlich unverwechselbare Namen tragen. Dabei wäre die Wahrscheinlichkeit doch viel größer, dass ein deutscher Diktator Müller oder Meier geheißen hätte. Bestimmt hätte Hitler seinen Namen gewechselt. Aber das musste er bekanntermaßen nicht.
Soweit kam ich aber nicht mehr in meinen Gedanken. Der Schlaf hatte mich endgültig übermannt.
"Inglourious Basterds", 22 Uhr 25, ZDF
bonanzaMARGOT
- 30. Sep. 13, 18:42
Da geht man brav wählen, und die Knaller kriegen keine Regierung zustande. Jede der Parteien denkt nur an ihren eigenen Arsch. Sondierungs- und Koalitionsgespräche – es kann sich nur noch um Monate handeln. Die Roten wollen eigentlich gar nicht. Die Schwarzen warten auf besser Wetter. Und die Grünen haben mit sich selbst genug zu tun. Das reinste Kindergarten-Polittheater. Am Besten säuft man sich die Kutte zu. Angezapft ist!
Überdruss macht sich bei mir breit. Was da zur Zeit abläuft, stinkt gewaltig zum Himmel. Wer vor der Wahl noch nicht politikmüde war, wird jetzt langsam und grausam weichgeklopft. Wie bereits gesagt:
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wenn es wirklich zu Neuwahlen käme, sollten die Bürger die politischen Parteien für ihre Unfähigkeit deutlich abstrafen – entweder dadurch, dass man gar nicht wählen geht; oder noch besser: alle wählen FDP!
Inzwischen strickt Mama Merkel weiter an ihrem Winterschal … und für Seehofer einen wollenen Sackwärmer, damit er sich im Festzelt nichts holt. Der hat momentan sowieso ziemlich dicke Eier.
Es ist zum Mäusemelken. Bei Interviews oder Polit-Talks würde ich am Liebsten in den Fernseher springen. Verblödungs-Steuern sollten eingeführt werden!! Was wir da bei unseren sogenannten Spitzenpolitikern eintreiben könnten, würde den gesamten Bundeshaushalt sanieren!
Doch wozu Aufregen … Ist es nicht auch beruhigend, dass man von Deppen regiert wird? Irgendwie ungeheuer menschlich, finde ich. Prost!
"Attack The Block", 22 Uhr 25, ProSieben
bonanzaMARGOT
- 29. Sep. 13, 16:39