Freitag, 30. Dezember 2011

2011 adé


Es ist wieder so weit. Jahreswechsel. Auch wenn ich mir nichts aus Silvester mache – wer hätte anderes vermutet – spüre ich doch, dass ein Abschnitt meines Lebens endet, mehr noch als bei meinem Geburtstag. Immerhin bedeutet 1 Jahr beinahe (noch) 2% meines Lebens. Eine neue Sonnenumrundung beginnt. Das Datum, welches man als End- und Anfangspunkt eines neuen Jahres setzt, ist freilich willkürlich. Nur die Länge des Jahres steht fest. Morgen ist es also wieder so weit. Wir stoßen auf die zurückliegenden 365 Tage an und begrüßen frohgemut das Neue Jahr.
Wir erlebten persönlich ganz unterschiedliches, und doch scheint jedes Jahr unabhängig davon einen Charakter zu haben, der sich durch Großereignisse, politische Wandlungen und andere besondere Vorfälle ergibt: Da war z.B. die Katastrophe von Fukushima, welche uns viele Wochen lang weltweit den Atem anhalten ließ. Dann die nordafrikanischen Revolutionen – einige Despoten wurden (sozusagen) in die Wüste geschickt, für den libyschen Diktator Gaddafi endete es gar tödlich. Nebenbei wurde Osama Bin Laden von einem us-amerikanischen Einsatzkommando eliminiert. Das unfassbare Massaker eines irren Einzeltäters in Norwegen. Die Entstehung der Occupy-Bewegung als Reaktion auf die Macht der Banken. Und schließlich die Euro-Krise, die sich zum Dauerbrenner entwickelte. In Deutschland wurde erstmalig ein grüner Ministerpräsident gewählt, die Piraten-Partei kam ins Berliner Abgeordnetenhaus, die FDP murkst irgendwo bei 2% herum, und die SPD hat sich wieder etwas gefangen.
Rückblickend scheint die Zeit nur so verflogen zu sein. Wenn wir aber ein paar Momente innehalten, sehen wir, wie viel in den 365 Tagen passierte. Wahnsinn! All das geschah 2011!
Und dazu kommen die ganz persönlichen Up and Downs: Krankheiten, Umzüge, Urlaubsreisen, Unfälle, neue Lieben, Trennungen, Arbeitslosigkeit … Glück und Unglück, Mut und Hoffnungslosigkeit.
Nun steht schon das 12te Jahr des Dritten Jahrtausends vor der Tür. Einige alte Prophezeiungen verheißen nichts gutes. Ich glaube nicht an so`n Zeug. Die Welt kann jederzeit untergehen. Zum Teil haben wir Menschen es selbst in der Hand – wenn man an die Massenvernichtungswaffen denkt oder an den von Menschen verursachten Klimawandel. Machtlos stehen wir allerdings kosmischen Katastrophen wie Asteroideneinschlägen und Sonnenstürmen gegenüber. Wir leben auf einer Erbse, die durchs Weltall rast. Von einem Tag auf den anderen kann die wunderbare Welt, wie wir sie kennen, und wie wir sie zum Überleben brauchen, ausgelöscht werden. Manchmal denke ich, dass es hinsichtlich solcher Aussichten eine Schande ist, wie wir mit diesem wunderbaren Geschenk des Lebens auf dem blauen Planeten Erde seit vielen tausend Jahren umgehen. Von besonderer Intelligenz zeugt unser Verhalten nicht. Bis heute nicht.
Morgen ist Silvester. Ich gehe stark davon aus, dass es die Erde dann noch geben wird. Bestimmt dürfen wir noch ein Weilchen wie gewohnt weitermachen. Ich werde den Jahreswechsel im Altenheim erleben. Die meisten Bewohner schlafen, wenn Mitternacht die Böller krachen, und die Raketen in den Himmel steigen. Möglicherweise verpasse ich den Countdown zum Jahreswechsel, weil ich gerade eine Windel wechsele oder was in der Art … Zum Anstoßen ist sowieso niemand da. Somit vollzieht sich der Jahreswechsel im Altenheim ziemlich unspektakulär. Ich bin dann immer froh, wenn im TV nicht nur Party -, sondern zu nächtlicher Stunde ein Spielfilm läuft, um mich etwas abzulenken. Mal gespannt, wie alt die Kollegen und Kolleginnen vom Frühdienst am Neujahrsmorgen aus der Wäsche gucken. Früher saßen wir oft noch ein halbes Stündchen zusammen und vernichteten den ein oder anderen Pikkolo. Inzwischen ist leider alles viel verkrampfter geworden. Schade. Menschlichkeit zählt nicht mehr vorrangig, und der Zusammenhalt im Team ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Genug geplaudert für heute. Es kommt, wie`s kommt.
Allen Bloggern und Lesern wünsche ich, dass sie unversehrt ins Neue Jahr rutschen. Auf zur nächsten Runde!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ahab



Neulich bekam ich Panik
dass ich morgen schon tot sein könnte
ich war über meine Angst
selbst erstaunt
das ist eine neue Dimension, dachte ich
manche Dinge, die ich vorher
nur dachte
wurden plötzlich zum Gefühl
leider nicht besonders angenehm
so wird man also verrückt
langsam verrückt
woher kommt die Leidenschaft
die mich von der Jagd auf den
Weißen Wal
besessen macht …?
toc, toc – der Holzfuß in meinem Kopf
auf Deck, der unruhige Geist
der mich nicht loslässt
selbst wenn er mich
hinunter in die Tiefen
reißt
einsam bin ich
ein einsamer, alter Mann
dessen Augen sich in tiefe Seen verwandeln
und dessen Schläfen der Welt
grau
entgegen träumen

Neulich blickte ich wieder über die roten
Dächer meines Geburtsortes
über Kaskaden blühenden Lebens
als wäre die Uhr stehengeblieben
eine 95Jahre alte Oma
saß auf der Bank
daneben
ich war in ihr zahnloses Lachen verliebt



(15.04.2003)

Lasst mich rein




Wie siehst Du mich?

Die Note




Die Welt ist ein Mysterium

Abteil ohne Fenster


Zeitreise in einem Abteil ohne Fenster
Schatten huschen vorbei
Lichtbalken streifen manchmal noch
den Kopf und verwirren
total
die Seele friert fest
Vergangenheit ist Gegenwart
und Zukunft ist Gegenwart
alles gleich mit schiefem Horizont
ich sitze in einem Zug durch die Zeit
ich weiß
ich weiß auch, dass ich sterbe
da sind noch Schatten, und das Licht
schrammt mich
wenn ich über einen warmen Händedruck
lächele
oder eine Umarmung

In dem Abteil ohne Fenster
sitze ich unter anderen lebendigen Toten
wie Mumien, die zum Leben erwachen
und durch einen Film stolpern
wie Karikaturen ihrer selbst
was wir mal waren
ist kaum noch erkennbar
langsam abgewrackt
rattern wir über die Schienenschwellen
kleine Stöße fluten durch unsere Körper
die wollen nicht abreißen auf
unserer Geisterfahrt
die Dämmerung scheint endlos
der Morgen kommt nimmer
wäre doch endlich Nacht



(200...)

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ein bitter-süßes Arrangement


Manche Menschen können einen nicht mehr enttäuschen, weil man gar nichts anderes von ihnen erwartet. Das ist zwar (irgendwie) traurig, aber auf der anderen Seite schont es die Nerven. Ich ärgere mich vielleicht zwei- oder dreimal wegen derselben dämlichen Sache, aber danach greift eine Art Abstumpfung.
Es geht uns nicht nur mit Menschen so. Auch gegenüber z.B. Katastrophenmeldungen stumpft man ab. Nein halt! Mehr noch als auf die Wiederholung kommt`s auf die Distanz zum Geschehen an. Über Weihnachten kann ich mich jedes Jahr erneut aufregen, weil ich es nicht ganz für mich ausblenden kann. Wäre Weihnachten ein doofes Fest, was nur in China gefeiert würde, wäre es mir piep-egal. Also, ich ärgere mich leichter über einen Arbeitskollegen als über eine bescheuerte Foren-Administratorin, die weit weg wohnt – und sowieso nicht, wenn ich nichts anderes mehr von ihr erwarte, - wie anfangs erwähnt. Leider wird man, was negative menschliche Eigenschaften angeht, seltenst positiv überrascht. Ich müsste mir einen Strick nehmen, wohnten alle Menschen, die mich im Laufe meines Lebens ankotzten, in meiner Straße. Ich meine die richtig ätzenden Zeitgenossen, bei deren Anblick ich bereits Magengrummeln kriege. Umgekehrt wird es wohl auch einigen gehen, wenn sie mich sehen.
Am liebsten sind mir die vielen Menschen, die ich nicht kenne. Von denen darf ich noch das Beste denken. Obwohl es Figuren gibt, deren bloßer Anblick mich schaudern lässt. Das muss aber nichts heißen. Ich kenne Menschen, auf die ich anfangs große Stücke gab, und die sich peu à peu als die größten Arschlöcher entpuppten – bedauerlicherweise! Man will es lange nicht wahrhaben, weil man vom Anfangseindruck geprägt ist, aber eines Tages ist man doch fertig damit. Gut so! Man kann sich dann nur noch über sich selbst ärgern, dass man so lange brauchte, um die betreffende Person endgültig ad acta zu legen, - bzw. dass man sich täuschen ließ.
Fast alle glauben wir, dass wir eine halbwegs gute Menschenkenntnis besitzen. Doch Pustekuchen! Wir sehen eben nur das, was wir sehen wollen. Für mich habe ich festgestellt, dass die Auswahl an Zeitgenossen, die ich dauerhaft einigermaßen angenehm finden könnte, relativ gering ausfällt. Wenn ich nicht vereinsamen will, muss ich dahingehend Kompromisse eingehen. Nur dummerweise kann ich nicht abschätzen, ob sich die Kompromisse dauerhaft in der Praxis durchhalten lassen.
Fazit: Alles wird bleiben, wie es ist. Wir kommen um menschliche Enttäuschungen nicht drumherum. Die Kunst ist es, sich mit (für einen) negativen Erscheinungen zu arrangieren. Ganz wurscht, ob Mensch, Sache oder Tradition. Wobei dieses Arrangement nicht Kritiklosigkeit bedeutet. Zur Seelenhygiene braucht es auch, dass man ab und zu ganz deftig Farbe bekennt, seine Meinung sagt! Wir sollten jedoch danach wieder gelassen zur Tagesordnung übergehen, und den Mist Mist sein lassen. Anders hätte ich z.B. die Arbeit in der Altenpflege über so viele Jahre hinweg nicht durchgehalten. Ich gebe zu, ein wenig Abstumpfung ist auch dabei …,was nicht Gleichgültigkeit bedeutet! Keine einfache Sache – dieses Arrangement, wie ich es meine. Dabei ehrlich bleiben, sich nicht verbiegen lassen. Sisyphus lässt grüßen.
Perfekt ist es nicht. Perfekt bin ich nicht. Es tut mir leid, dass ich für einige Mitmenschen eine Enttäuschung oder ein Ärgernis darstelle. Böswilligkeit und Gemeinheit versuche ich aus meinem Handeln weitgehendst zu eliminieren. Manchmal fehlt es mir an diplomatischem Geschick, und manchmal gehen auch die Nerven mit mir durch. Man möge es mir bitte nachsehen.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Heute Nacht träumte ich von einem Kaffeekränzchen




(Quelle: fuck me like that)
Bild von mir nachbearbeitet.

Sex ist das Geld der Liebe

Oder wie soll man Glück definieren


Glück und Geld in einen direkten Zusammenhang zu bringen, ist in etwa so sinnig, wie Sex mit Liebe zu verwechseln.
Geld benötigen wir in erster Linie für unsere Grundsicherung, also zur Befriedigung existentieller Bedürfnisse wie Nahrung, Trinken, Kleidung, Wohnung, Mobilität und Information. Sex benötigen wir existentiell für unsere Fortpflanzung, damit unsere Art nicht ausstirbt. Erst in zweiter Linie bedienen wir mit Geld und Sex unser Lustempfinden. Wenn wir Geld übrig haben, können wir uns schöne Dinge kaufen, die wir zwar nicht notwendig brauchen, aber die uns glücklich machen. Jedenfalls soweit wir uns dies einbilden. Einiges, was uns glücklich machen soll, wird uns auch eingeredet. Und vieles lässt sich uns nicht ausreden, weil wir daran als glücklich machend glauben wollen – und zwar unbedingt. Die Ratio verliert, wenn es um die Definition von Glück geht. Mit dem Sex ist es ähnlich. Wie viel Sex wir brauchen, um glücklich zu sein, sieht jeder für sich anders. Ich könnte mir aber vorstellen, dass mit zunehmender Menge automatisch eine gewisse Entwertung einhergeht. Was ich im Überfluss habe, verliert an Wert und Reiz. Sex kann wie Geld zur Manie, zur Sucht werden. Dann wird allein die Quantität zur treibenden Kraft, und wir wollen immer nur mehr und mehr von dem Einen.
Eine Gesellschaft, die ihr Heil in ständigem Wachstum sieht, verhält sich mechanisch und manisch. Und diese Manie beeinflusst nicht nur Politik, Wirtschaft und Bankenwesen sondern jeden einzelnen Bürger, jedes Individuum. Wir leben im Kleinen das Abbild des Großen. Sex wurde immer mehr zur Ware stilisiert, und Geld muss man nicht mehr selbst erwirtschaften - man kann es sich kaufen, indem man Zinsen zahlt. Somit hat man Geld, ohne wirklich Geld zu haben, und man hat Sex ohne echte Lust. Wir machen es, weil wir uns sonst leer fühlen, weil wir sonst nichts mehr im Leben haben. Ich glaube, dass in einer Gesellschaft die Pervertierung von Geld, Macht und Sex mit der Abnahme von Liebe und Glück einhergeht. Nicht wirklich fassbare Werte wie Liebe und Glück werden im Materialismus durch zählbare, messbare Dinge und Beziehungen ersetzt. Dieser Prozess verläuft schleichend, so dass die Mehrheit der Menschen gar nicht merkt, wie oberflächlich und rücksichtslos die Welt, in der sie leben, zunehmend wird.
Dies sind nun keine neuen Erkenntnisse. Jede Hochkultur hatte mit ähnlichen Schwierigkeiten zu schaffen, welche schließlich u.a. zu ihrem Untergang führte.
Andererseits wussten wir noch nie so viel wie heute über uns und die Welt. Technik und Wissenschaften sind fortgeschrittener denn je. Wir haben fast weltweit freien Zugang zu Informationen und können beinahe grenzenlos kommunizieren. Immer mehr Staaten bewegen sich hin zur Demokratie. In Mitteleuropa hatten wir noch nie eine solch lange Friedensperiode. Die USA wählten erstmals einen schwarzen Präsidenten. In Deutschland regiert seit Jahren eine Frau.
Unzweifelhaft sind all dies positive Entwicklungen und Errungenschaften hinsichtlich einer friedlicheren, gerechteren und menschlicheren Welt. Aber werden sie den Wettlauf gegen Gier, Materialismus und Großmannssucht gewinnen? (Man darf Bedenken äußern.)
Ich wollte gar nicht so weit ausholen. Angeregt von einer Doku im TV, welche über das Glück in Bhutan berichtete, machte ich mir einen eigenen Kopf über den Zusammenhang von Glück und Geld – und stieß dabei (eher provokativ) auf die Parallele Liebe und Sex. Wahrscheinlich hinkt der Vergleich gewaltig, doch ich mag solche Bilder, weil sie auf meine Gedanken äußerst anregend wirken.

Eigentlich wollte ich heute Vormittag etwas ganz anderes thematisieren, - nämlich: „Das Fanal der Mehrheit“. Ich wollte darüber schreiben, wie grausam und intolerant Mehrheiten oft gegenüber Minderheiten und Aussenseitern sind, ohne dass es jemanden juckt ...
Ein andermal. Vielleicht.

Montag, 26. Dezember 2011

You can`t find peace




Weihnachten 2011 - abgehakt!

Sonntag, 25. Dezember 2011

Der schmale Grat


Phantome zahlloser Toten,
Unsichtbar andern, seid mir Begleiter fortan,
Folgt mir für immer, - verlaßt mich nicht, solange ich lebe.

(Walt Whitman, 1865)


Da man das Fernsehprogramm an Heiligabend getrost knicken kann, legte ich eine DVD ein. "Der schmale Grat" - darin geht es um die Eroberung einer Scheiß Pazifikinsel im 2. Weltkrieg durch die Amis. „Der schmale Grat“ bleibt in meinen Augen der beste Anti-Kriegsfilm – besser als „Der Soldat James Ryan“, besser als „Apokalypse Now“, besser als „Die durch die Hölle gehen“ und besser als „Full Metal Jacket“ … und jedenfalls der poetischste von allen. Laufzeit 164 Minuten und keine leichte Kost – was sich bei einem solchen Film von selbst versteht. Bereits nach wenigen Minuten war ich völlig ergriffen. Was besseres hätte ich an diesem verfickten Heiligabend nicht machen können! Und dazu Dominikaner Pils. Mir liefen die Tränen in Bächen über die Wangen. Es hatte was Reinigendes. Manche Filme scheinen wie auf mich zugeschnitten. „Der schmale Grat“ gehört dazu. Für meine Ex und meine Ex-Ex wäre er freilich nichts gewesen. Die mochten derart aufwühlende und tiefschürfende Filmkost nicht. Geschmäcker sind eben verschieden. Sie hatten außerdem nicht viel Sinn für meine Gedichteschreiberei, und also belästigte ich sie damit nicht weiter. Was sie wohl über mich dachten? Wahrscheinlich gar nichts. Jedenfalls mochten sie lieber Komödien – gegen die ich auch nichts habe, wenn sie nicht zu blöd ausfallen. Ich brauche keine 100% ige Übereinstimmung der Interessen, wenn ich eine Frau liebe. Man muss halt einigermaßen tolerant und offen gegenüber dem anderen sein. Es werden sich doch noch ein paar andere Schnittmengen als den Sex ergeben … So jedenfalls die Hoffnung bei Beginn der Beziehung. Die Euphorie überspielte mögliche Bedenken. Zwischendurch beruhigte ich mich, indem ich mir sagte, dass Gegensätze doch eine Beziehung interessant und abwechslungsreich machen können. Man lernt fremde Interessengebiete kennen, macht Sachen, die man sonst nicht unbedingt gemacht hätte, usw.
Die Praxis sah dann aber so aus, dass ich mir Filme wie „Der schmale Grat“ besser alleine anschaute, weil meine Partnerinnen weder Geduld noch Sinn dafür aufbrachten. Und im Gegenzuge distanzierte ich mich Stück für Stück von ihnen, ohne dass es mir richtig bewusst war. Bis die Leere zwischen uns immer greifbarer wurde: Wo war die Liebe geblieben? War sie nur noch Konstrukt? Machten wir uns die ganze Zeit was vor?
Meine letzte Partnerin stürzte sich in die Arbeit. Sie sagte mir indirekt: Ich liebe meine Arbeit mehr als dich. Und direkt formulierte sie es: „Ich will dich nicht ständig enttäuschen, also machen wir besser Schluss.“

Die Liebe ist ein schmaler Grat. Anfangs haben wir genug Schwung, um die Richtung zu halten, aber wenn wir nach einer Weile langsamer werden, zur Besinnung kommen, beginnen wir zu torkeln ... Ein Stupser genügt, und wir stürzen nach einer Seite ab.

Samstag, 24. Dezember 2011

Noch bitterer als der Tod ist die Frau - oder ein hundsnormaler Heiligabend


Als ich kurz vor Zwei in die Stadt radelte, war es dort "tot wie Oma“. Alle Supermärkte hatten bereits geschlossen, und das Kaffeehaus würde auch gleich zumachen – nämlich schon 14 Uhr. Also musste ich auf den Deutschen Hof ausweichen, der immerhin bis 16 Uhr geöffnet hatte. Während ich dort ein paar Export runter schüttete, kam ich auf die glorreiche Idee, dass ja auf alle Fälle noch die Tanke offen hat. Des Deutschen Lieblingskind darf auch am Heiligabend nicht ohne Sprit bleiben! Uff! So kann`s gehen, dass ich, wenn`s hart auf hart kommt, auf das Feindesland angewiesen bin – ich meine damit den Scheiß Auto-Virus. Der ist sogar noch hartnäckiger als der Weihnachts-Virus. Sollten die beiden irgendwann gegeneinander antreten, würde … der Auto-Virus gewinnen. Oder meint Ihr nicht?
Im Deutschen Hof spielten ein paar Eingeborene Darts. Ich fand bequem einen Platz an der Bar. Es ging mir nur darum, etwas Zeit totzuschlagen, damit ich nicht zu früh wieder zuhause war.
Vor ein paar Tagen hatte ich mir einen Spruch notiert: „Noch bitterer als der Tod ist die Frau“. Keine Ahnung, wo ich den aufschnappte. Wahrscheinlich aus irgendeiner TV-Doku. Ich glaube, er steht in der Bibel. Was nicht alles in der Bibel steht. Der Spruch läuft mir jedenfalls runter wie Öl. Derzeit. Nicht, dass man mich missversteht – denn ich liebe die Frauen! Sogar viel zu sehr …
Kurz vor Zappenduster verließ ich also den Deutschen Hof und fuhr mit dem Rad zur Tanke einkaufen. Ich besorgte mir ein paar Dosen Bier (Dominikaner Pils ist das billigste), eine Flasche roten Landwein und zwei Brötchen – ja, und nicht zu vergessen eine 15 Euro iTunes Karte. Ich dachte, es wäre keine schlechte Idee, wenn ich zuhause was zu tun hätte, indem ich ein paar Songs aus dem Internet runter laden würde.
Das machte ich dann auch: Einige Songs der alten Deep Purple, Led Zeppelin und Manfred Man`s Earthband … Wer die nicht kennt, sollte sich `ne Kugel ins Knie schießen. Warum? Nein, ich gehe jetzt nicht drauf ein. Ich bin gerade am Musikhören.

Geht vorbei


Gestern Abend traf ich im Petit Paris zufällig auf Moses, ein Äthiopier, der im tiefsten Odenwald aufwuchs. Wir hatten uns bestimmt was-weiß-ich-wie-viele-Jahre nicht gesehen. Ich wusste so gut wie gar nichts mehr von ihm. Er wusste noch etwas von mir. Jedenfalls hörte es sich so an. Natürlich erkannte ich ihn gleich, denn er sah aus wie damals mit seinen Rastalocken und der Brille auf der Nase, schlank, feingliedrige Hände. Eine Erscheinung, die auffällt. Eigentlich heißt er Tom, aber alle nennen ihn bei seinem Künstlernamen Moses. Er ist Musiker. Er fragte, wie`s mir geht, und ich sagte, dass es besser sein könnte. Als er nachhakte, meinte ich nur lapidar: „Weihnachten“. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Geht vorbei.“ „Ja“, nickte ich. So kamen wir ins Gespräch, und ich erfuhr, dass er mit Frau und Kindern Geschenke einkaufen war. Inzwischen hatte er vier Kinder in allen Altersstufen bis beinahe erwachsen. Jedenfalls war er von dem ganzen Weihnachtsrummel auch ziemlich angeätzt. Seine Frau hatte sich wegen der Geschenke mit ihm gestritten, und er spülte seinen Ärger mit ein paar Pils hinunter. Wir redeten noch über dies und das: über die Liebe und die Kunst, über Kinder und Familie. Als er ging, war es zu spät für meinen Bus, und so stieg ich für den Rückweg in ein Taxi. Man gönnt sich ja sonst nichts.
In Heidelberg hatte ich ein altes New Yorker Autonummernschild erstanden. Ein Spontankauf. Ich werde es mir an die Eingangstür hängen. Vielleicht ein Zeichen(?) Wie auch immer - ich finde es gut. Und heute morgen klingelte der Postmann: ein Päckchen mit der „Bikerbörse“, die ich vorgestern bestellt hatte. Ein robustes Teil, das ich mit einem Karabinerhaken an der Gürtelschlaufe festmachen kann. Somit sind Geld und Kreditkarten angekettet. Ganz nützlich, wie ich finde. Auch wenn es schon sehr lange her ist, dass ich meine Geldbörse verlor oder geklaut bekam. Aber man weiß ja nie. Gerade jetzt an Weihnachten, wo ich doppelt gefrustet bin, weil mir die Freundin abhanden kam.
Nach meinem gestrigen Ausflug nach Heidelberg werde ich heute Abend wohl zuhause bleiben. Heiligabend – scheiß drauf! Allerdings werde ich gleich noch einkaufen, bevor die Geschäfte schließen. Ich muss mich für alle Fälle ausreichend mit Getränken eindecken. Die sollten wenigstens für heute und morgen reichen. Und nach dem Einkauf kann ich mir im Kaffeehaus einen reinlaufen lassen, bis sie zumachen. Die meisten Kneipen schließen 16 Uhr. Jetzt ist schon fast Mittag. Ich sollte mich nicht zu spät auf die Socken machen. Also dann. Moses hat recht: „Geht vorbei“.

Freitag, 23. Dezember 2011

Eat my Heart


Ich leere eine ganze Flasche Havana
auf ein Handtuch und presse es in die
große, blutende Mulde an meiner linken
Seite
Der Nerv liegt offen und pocht
mein ganzes Innen ist wund
Der Rauch aus der Wasserpfeife reißt
mich von den Beinen
mit Mühe schleife ich einen Eimer
an den Bettrand und würge
Wenn ich jetzt einschlafe, wache ich
nicht mehr auf, denke ich und sperre
die Augen auf
als könnte ich mich mit meinen Blicken
am Leben festhalten
Der Geschmack von Rum im Mund
und die Nase riecht den Shit
Die Mutter tröstete das kranke Kind
am Bettrand
wo ist die Mutter jetzt?
Ich beuge mich krampfhaft über
den Eimer und spucke
ich torkele durch das Zimmer
und verschließe die Türen
sie werden hier nicht reinkommen
die Genugtuung gebe ich ihnen nicht
Ich muss etwas essen!
warum ich das denke, weiß ich nicht
ich presse das mit Rum getränkte Tuch
fest in die Wunde
Wozu brauche ich ein Herz?
... wenn es nur schmerzt
muss ich es herausreißen wie einen
faulen Zahn
Das Herz liegt vor mir auf dem Tisch
hastig krame ich Messer und Gabel
aus dem Besteckkasten
Bevor ich mich an mein blutiges Mahl
mache, denke ich:
ich darf jetzt nicht einschlafen
ich muss essen
...



(1994)



Offensichtlich durchlebte ich schon schlechtere Zeiten. Ich habe also noch Luft nach unten. Zwar schmerzt das Herz - aber nicht zu vergleichen mit den damaligen Qualen. Ich weiß, dass es furchtbar war, aber ich kann es nicht mehr fühlen. Gott sei Dank. Bei aller Liebe zur Liebe ...

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