Freitag, 23. September 2011

Wozu leben?


Meine Eltern zeugten mich, als sie es nicht besser wußten. Wer mal am Leben ist, der hängt in diesem Spinnennetz fest. Er ist regelrecht verwachsen mit ihm. Und er wartet darauf, dass ihn eines Tages die schwarze Spinne Tod holt. Derweil träumen wir vor uns hin und warten. Der eine tätiger, der andere untätiger. Im Ergebnis spielt das überhaupt keine Rolle. Es ist einfach eine Frage der Lust - wie beim Sex. Wir machen es zwar alle ähnlich, aber jeder hat seine Vorlieben.
Die schwarze Spinne sitzt in Lauerstellung. Sie hat die Ruhe weg.
Ich frage mich: Wenn also alles zum Leben gehört, dann wohl auch der Tod? Ich machte mir sehr früh Gedanken über ihn. Warum, weiß ich selbst nicht. Ich wollte doch auch einfach so drauf los leben wie alle anderen. Oder sagen wir: die meisten. Doch bereits während meiner Schulzeit wuchs meine Skepsis, ob denn alles wirklich so war, wie man es uns vormachte und lehrte. Ich sah einfach zu viele Widersprüche. Und ich ließ mich nicht hinbiegen. Heute noch nicht. Ich mag diese Zombie-Parallelgesellschaft nicht. Ich mag nicht ihren doppelten Boden. Muß man studieren, um etwas wichtiges sagen zu dürfen? Muß man Karriere machen, um einen gesellschaftlichen Status zu erlangen? Wozu das Ganze? fragte ich mich. Immer und immer wieder.
Warum soll ich zu etwas Ja sagen, was ich nicht einsehe? Mein Vater hatte eine plausible Antwort parat: "Weil es alle so machen, mein Junge." Diese Antwort fand ich erdrückend - und enttäuschend. Sie sagte nichts anderes als: Passe dich an, sonst wird aus dir nichts, und du wirst in deinem Leben mehr Schwierigkeiten haben, als dir lieb ist. Oder: Es ist viel gescheiter, mit dem Strom zu schwimmen ... Oder: Früher oder später wirst du es auch noch kapieren.
Offensichtlich ist bei mir Hopfen und Malz verloren. Bald habe ich selbst ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, und ich kann mich immer noch nicht anpassen. Klar. In gewissen Lebensbereichen komme ich nicht drum rum. Aber meine Gedanken konnte mir noch niemand in Richtung Konformität verbiegen. Ich bin immer noch der kleine fragende Junge, der sich verwundert die Erwachsenenwelt anschaut ..., beinahe verängstigt. Was ist das für eine Welt? Spinne ich?
Das erste Karussell, in das ich einstieg, stand auf dem Jahrmarkt. Ich saß im Feuerwehrauto und drehte mich munter im Kreis, lachte mein Kinderlachen. Die Eltern winkten mir vom Rande zu, und ich wollte gar nicht mehr aussteigen.
Das ist vorbei. Vorbei.
Vorbei. Die Zombiewelt startete ihre Angriffe auf mich: Schule, Kirche, Beruf, Politik, Geld, Status ...
Das Karussell hat keine Feuerwehrautos mehr. Da sind Panzer, Kampfflugzeuge, Streitwagen ... das reinste Horrorkarussell. Niemand winkt mehr. Sie sitzen alle wie Zombies in ihren Kabinen und stieren vor sich hin. (Übertreibe ich? Ich will nicht übertreiben.)
Das Leben ist kurz. Ihr wißt es auch. Und ich verüble niemandem, dass er mit den Wölfen heult, weil die Schutz und eine Lösung versprechen. Es gibt nichts schlimmeres als die Angst davor, dass einem der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Und ähnliches. Darum ja der ganze Popanz mit den Religionen etc.
Aber liebe Leute, ich bitte inständig jeden, der noch Herr seiner Gedanken ist, nicht auf solche Schimären herein zu fallen!
Die Spinne sitzt in Lauerstellung. Heute holt sie dich und morgen mich. Das ist unabänderlich. Schreit wenigstens in der Zwischenzeit eure eigene Meinung heraus! Gefangen zu sein bedeutet nicht, all seine Freiheit aufzugeben!
Wozu sonst leben?

I remember Martin Luther King


Ich habe einen Traum
Ansprache während des Marsches auf Washington für Arbeitsplätze und Freiheit

(28. August 1963
Washington, D.C.)


"Ich freue mich, dass ich mich diesem heutigen Ereignis anschließen kann, das in der Geschichte als größte Demonstration für Freiheit in der Geschichte unserer Nation vermerkt werden wird.

Vor einem Jahrhundert unterschrieb ein berühmter Amerikaner, in dessen symbolischen Schatten wir heute stehen, die Freiheitsproklamation. Dieser bedeutungsvolle Erlaß kam als heller Leitstern der Hoffnung zu Millionen von Negersklaven, die in den Flammen der vernichtenden Ungerechtigkeit versengt wurden. Er kam als ein freudiger Tagesanbruch am Ende der langen Nacht ihrer Gefangenschaft.

Aber einhundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei. Einhundert Jahre später ist das Leben des Negers leider immer noch von den Handfesseln der Rassentrennung und den Ketten der Diskriminierung eingeschränkt. Einhundert Jahre später lebt der Neger immer noch auf einer einsamen Insel der Armut in der Mitte eines weiten, weiten Ozeans des materiellen Wohlstandes. Einhundert Jahre später vegetiert der Neger immer noch an den Rändern der amerikanischen Gesellschaft dahin und befindet sich im Exil in seinem eigenen Land.

Wir sind daher heute hierher gekommen, um diesen beschämenden Zustand zu dramatisieren. In diesem Sinn sind wir zur Hauptstadt unserer Nation gekommen, um einen Scheck einzulösen. Als die Architekten unserer Republik die grandiosen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, dessen Erbe jeder Amerikaner sein sollte. Dieser Schuldschein war ein Versprechen, dass allen Menschen ja, schwarzen Menschen wie auch weißen Menschen die unveräußerlichen Rechte von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück garantiert wären.

Es ist heute offensichtlich, dass Amerika diesem Schuldschein nicht eingelöst hat und zwar in Hinsicht auf seine farbigen Bürger. Amerika, anstatt diese heilige Verpflichtung zu honorieren, hat den Negern einen ungedeckten Scheck gegeben, einen Scheck, der mit dem Stempel ungenügende Deckung zurückgekommen ist. Wir weigern uns aber, daran zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist. Wir weigern uns, daran zu glauben, dass es eine ungenügende Deckung in den großen Tresorräumen der Gerechtigkeit dieser Nation gibt. Wir sind daher hierher gekommen, um diesen Scheck einzulösen, einen Scheck, der uns auf Verlangen die Reichtümer der Freiheit und die Sicherheit auf Gerechtigkeit gewähren wird.

Wir sind auch zu diesem heiligen Ort gekommen, um Amerika an die dringlichen Forderungen der Gegenwart zu erinnern. Dies ist nicht die Zeit, sich den Luxus der Abkühlung zu gestatten oder das Beruhigungsmittel der Allmählichkeit einzunehmen. Es ist jetzt die Zeit, die Versprechen der Demokratie zu verwirklichen. Es ist jetzt die Zeit, sich aus dem dunklen und trostlosen Tal der Rassentrennung zum sonnenbestrahlten Pfad der Rassengerechtigkeit zu erheben. Es ist jetzt die Zeit, unsere Nation von den Treibsänden der rassistischen Ungerechtigkeit zum festen Felsen der Gemeinschaft aller Menschen zu erhöhen. Es ist jetzt die Zeit, die Gerechtigkeit zu einer Realität für alle Kinder Gottes zu machen. Es wäre tödlich für unsere Nation, die Dringlichkeit des Moments zu übersehen. Der heiße Sommer der berechtigten Unzufriedenheit der Neger wird nicht vorbeigehen, bis es einen belebenden Herbst der Freiheit und Gleichheit gibt.

Neunzehnhundertdreiundsechzig ist kein Ende sondern ein Anfang. Diejenigen, die hoffen, dass der Neger nur Dampf ablassen muss und jetzt zufrieden sein wird, werden ein böses Erwachen haben, sollte die Nation zu seinen alten Methoden zurückkehren. Es wird weder Ruhe noch Frieden in Amerika geben, bis dem Neger seine Bürgerrechte gegeben werden. Die Wirbelstürme der Revolte werden weiterhin das Fundament unserer Nation schütteln, bin der helle Tag der Gerechtigkeit erscheint.

Es gibt aber etwas, was ich meinen Brüdern sagen muss, die auf der abgenutzten Schwelle stehen, die zum Palast der Gerechtigkeit führt. Bei dem Prozess, den gerechten Platz zu erreichen, dürfen wir nicht ungerechter Taten schuldig werden. Versuchen wir nicht, unseren Durst nach Freiheit zufriedenzustellen, indem wir vom Becher der Bitterkeit und des Hasses trinken. Wir müssen unseren Kampf immer auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen. Wir dürfen nicht erlauben, dass unser kreativer Protest in physische Gewalt degeneriert. Wir müssen uns immer wieder zu den majestätischen Höhen erheben und physische Gewalt mit der Macht der Seele konfrontieren. Die wunderbare neue Kampfbereitschaft, welche die Gemeinschaft der Neger umgibt, darf nicht zum Misstrauen von allen weißen Menschen führen. Viele unserer weißen Brüder, wie es sich durch ihre Anwesenheit hier zeigt, haben erkannt, dass ihr Schicksal mit unserem Schicksal verbunden ist. Sie haben auch erkannt, dass ihre Freiheit unentwirrbar mit unserer Freiheit verbunden ist. Wir können nicht alleine gehen. Während wir gehen, müssen wir ein Gelöbnis ablegen, dass wir immer weiter marschieren werden. Wir können nicht umkehren.

Es gibt diejenigen, die die Anhänger des Bürgerrechts fragen: Wann werdet ihr zufrieden sein? Wir können niemals zufrieden sein, solange der Neger ein Opfer von unbeschreiblichen Grauenhaftigkeiten der Polizeigewalt ist. Wir können niemals zufrieden sein, solange unsere Körper, schwer von der Müdigkeit der Reise, keine Unterkunft in den Motels an den Autobahnen und in den Hotels der Städte finden. Wir können niemals zufrieden sein, solange die grundsätzliche Mobilität der Neger darin besteht, sich von einem kleineren Ghetto in ein größeres zu bewegen. Wir können niemals zufrieden sein, solange unsere Kinder ihres Selbstbewusstseins und ihrer Würde mit Schildern Nur für Weiße beraubt werden. Wir können niemals zufrieden sein, solange der Neger in Mississippi kein Wahlrecht hat und der Neger in New York überzeugt ist, dass er nichts hat, für das er wählen kann. Nein! Nein, wir sind nicht zufrieden, und wir werden nicht zufrieden sein, bis die Gerechtigkeit wie ein Gewässer und Rechtschaffenheit wie ein mächtiger Strom herunterquellen.

Ich bin mir dessen bewusst, dass einige von ihnen hierher aus großen problematischen und widerwärtigen Situationen gekommen sind. Einige von ihnen kommen gerade aus engen Gefängnissen. Einige von ihnen kommen aus Gegenden, wo ihre Suche nach Freiheit sie von den Stürmen der Verfolgung mißhandelt und von den Winden der Polizeigewalt zum Schwanken gebracht hat. Sie waren die Veteranen von schöpferischen Leiden. Arbeiten sie weiter mit dem Glauben, dass unverdientes Leiden erlösend ist. Gehen Sie zurück nach Mississippi! Gehen sie zurück nach Alabama! Gehen sie zurück nach South Carolina! Gehen sie zurück nach Georgia! Gehen sie zurück nach Louisiana! Gehen sie zurück zu den Slums und Ghettos unserer nördlichen Staaten und wissen sie, dass die Situation irgendwie geändert werden kann und wird. Wir werden nicht im Tal der Verzweiflung schweigen.

Deswegen sage ich ihnen, meine Freunde, dass ich immer noch einen Traum habe, obwohl wir den Schwierigkeiten von heute und morgen entgegensehen. Es ist ein Traum, der seine Wurzel tief im amerikanischen Traum hat, dass sich diese Nation eines Tages sich erheben wird und der wahren Bedeutung seines Glaubensbekenntnisses, wir halten diese Wahrheiten als offensichtlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, gerecht wird. Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Bruderschaft gemeinsam niedersetzen können. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der mit der Hitze der Ungerechtigkeit und mit der Hitze der Unterdrückung schmort, zu einer Oase der Freiheit und Gerechtigkeit transformiert wird. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.

ICH HABE EINEN TRAUM!

Ich habe einen Traum, dass eines Tages unten in Alabama mit den brutalen Rassisten, mit einem Gouverneur, von dessen Lippen Worte der Einsprüche und Annullierungen tropfen dass eines Tages wirklich in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen mit kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen als Schwestern und Brüder Hände halten können.

ICH HABE EINEN TRAUM!

Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt werden. Die unebenen Plätze werden flach und die gewundenen Plätze gerade, und die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Dies ist unsere Hoffnung. Dies ist der Glaube, mit dem ich in den Süden zurückgehen werde. Mit diesem Glauben werden wir den Berg der Verzweiflung behauen, einen Stein der Hoffnung. Mit diesem Glauben werden wir gemeinsam arbeiten können, gemeinsam beten können, gemeinsam kämpfen können, gemeinsam in das Gefängnis gehen können, um gemeinsam einen Stand für Freiheit mit dem Wissen zu machen, dass wir eines Tages frei sein werden. Und dies wird der Tag sein. Dies wird der Tag sein, wenn alle Kinder Gottes mit neuer Bedeutung singen können: Mein Land, es ist über dir, süßes Land der Freiheit, über das ich singe, Land, wo mein Vater starb, Land des Pilgers Stolz, von jedem Berghang, lass die Glocken der Freiheit läuten. Wenn Amerika eine großartige Nation sein soll, dann muß dies wahr werden.

Lass daher die Glocken der Freiheit von den wunderbaren Hügeln von New Hampshires läuten. Lass die Glocken der Freiheit läuten von den mächtigen Bergen New Yorks. Lass die Glocken der Freiheit von den Höhen der Alleghenies in Pennsylvania läuten. Lass die Glocken von den schneebedeckten Gipfeln der Rockies in Colorado läuten. Lass die Glocken der Freiheit vom Lookout Mountain in Tennessee läuten. Lass die Glocken der Freiheit von jedem Hügel und Maulwurfshügel in Mississippi läuten. Von jedem Berghang lass die Glocken der Freiheit läuten.

Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Neger-Spirituals Endlich frei, endlich frei. Danke Gott, Allmächtiger, endlich frei singen."



(Quelle: http://usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm)



Von diesem großen Mann könnte sich Papst Benedikt eine große Scheibe abschneiden.
Vor Martin Luther King als Kirchenmann habe ich großen Respekt. Er nahm den Kampf auf. Er bewegte etwas hin zu mehr Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Leider wurde sein Kampf nicht überall und mit aller Kraft fortgeführt. Die Ewig-Gestrigen behindern nach wie vor die Emanzipation des menschlichen Geistes.
Noch gibt es Frauen, die nur aufgrund ihres Geschlechts in Kirche, im Islam, - in vielen Gesellschaften diskriminiert werden. Noch gibt es Rassismus. Noch gibt es Glaubenskriege. Noch immer wird die Freiheit des Individuums in vielen Ländern mit Füßen getreten. Noch immer gibt es keine Gleichheit vor dem Gesetz.
Ich habe auch einen Traum.
Dass die Ewig-Gestrigen in Rauch aufgehen, dass eine Zeit kommen wird, wo alle Menschen unabhängig von ihrer Gesinnung sich umarmen, - weil sie Menschen sind, weil alle Menschen auf dieser Erde eine gemeinsame Verantwortung haben.
Ich wünschte, es gäbe mehr große Männer wie Martin Luther King und dafür weniger geistige und intellektuelle Krämerseelen wie der derzeitige Papst Ratzinger.


Donnerstag, 22. September 2011

Wo Gott ist, da ist Zukunft


Ich kehre Papst Benedikts Leitsatz für seinen Deutschlandbesuch um.
Ich behaupte:

"Wo Zukunft ist, da ist kein Gott."

Mittwoch, 21. September 2011

Ich liebe Frauen (oder: Dürfen Priester wenigstens masturbieren?)


Ja, ich geb`s zu: ich bin nicht schwul. Teufel, Teufel. Dabei hätte es wohl gut zu mir gepasst. Selbst hat man leider nicht den Blick auf sich, wie ihn andere haben. Als ich noch jung und knackig war, wurde ich nicht selten von Schwulen angebaggert. In meiner Naivität konnte ich mir damals gar nicht vorstellen warum. Und noch vor 16 Jahren, als ich auf meinem jetzigen Arbeitsplatz anfing, hielten mich einige meiner Kolleginnen für schwul. Sie erzählten es mir, nachdem sie mit mir im Bett gelandet waren. Ich empfand und empfinde es nicht als Beleidigung, wenn man mich für einen Homo hält. Es verwundert mich bloß. Da Frauen homosexuelle Männer für grundsätzlich besseraussehend halten als Heteros, fühle ich mich eher geehrt. Aber na ja, Schnee von gestern.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja! Ich liebe Frauen. Alles andere halte ich für abwegig. Zwischendurch gehe ich das Gedankenexperiment ein, schwul zu sein. Ich fände es langweilig. Der Geliebte wäre körperlich ein Abbild von mir. Ich habe nichts gegen Schwänze, aber ich habe schon einen. Der reicht. Was gibt es aber schöneres als die Kurven einer Frau, ihre Titten, ihre Frucht, ihren weiblichen Arsch?! Ich verstand deswegen nie so recht, was Heterofrauen an uns Männern eigentlich finden. Dass Frauen lesbisch sind oder werden, kann ich darum aus meiner Sicht eher nachvollziehen.

Schon seltsam, wenn man dieses Thema für sich mal richtig durchdenkt, oder?

Gestern Nacht im Altenheim folgte ich in den Pausen einer Talkrunde im TV. Es ging um den nahenden Ratzinger-Besuch. Der deutsche Papst kommt nach Deutschland. Soll er. Die Katholische Kirche ächtet noch immer die Homosexuellen. Zumindest in ihren Reihen. Man darf bei den Katholiken solange schwul sein, wie man es leugnet. Sonst wird man ausgeschlossen. Und Ratzinger als der obere Moralwächter erklärt uns, warum Homosexualität gegen Gottes Schöpfungsauftrag oder Willen verstößt. Er muss es wissen. Also, wäre ich Katholik, wünschte ich, ich wäre schwul - nur um ihm meinen schwulen Arsch frech entgegenzustrecken. Eine solche Borniertheit, wie sie die Katholische Kirche noch immer an den Tag legt, macht mich wütend!
Sie diskutierten recht eifrig in der Runde, während ich müde im Sessel lag und mich am Sack kratzte. Priester, Theologen, Philosophen Laien, Schauspieler ..., - alle gabe ihren Senf dazu. Es ging nicht nur um die Homosexuellen sondern um die allgemeine Reformträgheit der Katholischen Kirche. Da war z.B. der Fall einer Erzieherin, die einen geschiedenen Mann geheiratet hatte und deswegen von einem katholischen Kindergarten nicht eingestellt wurde.
(Mein Gott, warum hast du mich verlassen ...!!)

Ich wünschte mir, dass plötzlich alle Masken fielen, und es käme heraus, dass auch Ratzinger schwul sei. Ach, wäre das schön!

Ich liebe Frauen! Wahnsinnig liebe ich diese weiblichen Wesen, Feen ... und fickfidel.
Die armen katholischen Priester, falls hetero, dürfen ja noch nicht mal das ausleben. Wie im Knast. Vielleicht würde ich unter solchen Umständen auch schwul.

Montag, 19. September 2011

Hilfe - ich hab` bald wieder Urlaub!


Noch acht Nächte (in zwei Wochen), dann ist wieder Urlaub angesagt. Plan habe ich noch keinen. Nochmals eine Fahrradreise?
Vier Wochen zuhause versauern will ich jedenfalls nicht. Es wird also langsam Zeit, dass ich mir Gedanken mache, wohin ich -, und wie ich reisen will. Ich bin ja noch nie geflogen. Aber das ist eben auch eine Kostenfrage. Also, wenn fliegen, dann in wärmere Gefilde, um nochmal ein bißchen Sommer zu genießen, der dieses Jahr zwischenzeitlich ziemlich zu wünschen übrig ließ.
Ansonsten wäre vielleicht eine Städtereise angesagt. Berlin, Hamburg oder München? Hm - hm - hm. Ich entscheide gern spontan.
Der große Wander-Freak bin ich nicht. Dann noch lieber mit dem Fahrrad durch die herbstliche Landschaft ...
Für Vorschläge aller Art bin ich offen - vorallem wenn sie mit einer billigen Unterkunft verknüpft sind. Das ist das eine. Zum anderen sollte etwas Abwechslung geboten sein.
Doch mal in einen Flieger steigen?
Ein guter Reiseplaner bin ich wirklich nicht - werde wohl auf eine Eingebung hoffen müssen. Oder dann einfach mit der gepackten Reisetasche in einen Zug steigen ... nach irgendwo.

Sonntag, 18. September 2011

Der lange Abschied


Wie sehr die Eltern von ihren Kindern auf den Sockel gehoben werden, erlebe ich oft im Altenheim. Die erwachsenen Söhne und Töchter können den körperlichen und geistigen Abbau ihrer Eltern oft nicht akzeptieren. Ist z.B. ihr Vater oder ihre Mutter offensichtlich demenzkrank, ignorieren sie dies einfach. Sie können die Veränderungen nicht hinnehmen, weil sie zu sehr von dem Bild abweichen, welches sie von ihren Eltern haben. Dieses Bild scheint wie eingebrannt zu sein. Die Nichtakzeptanz der Realität äußert sich dann durch eine Rollenumkehr. Die Kinder wollen ihre Eltern erziehen. Sie schimpfen mit ihnen, als wären diese Kinder, und sie schämen sich für sie, wenn sie bei den Mahlzeiten mit dem Essen spielen oder in die Hose machen ...
Eine Altenheimbewohnerin, die ich abends noch ins Bett bringe, beklagte sich wiederum bei mir: "Meine Tochter kapiert nicht, wie hinfällig ich bin ..., dass ich das alles nicht mehr kann. Die denkt immer noch, ich könnte rumspazieren, dabei sitze ich schon lange im Rollstuhl."
Die Söhne und Töchter sehen immer nur einen kleinen Ausschnitt vom Pflegealltag, wenn sie zu Besuch sind. Da sitzen ihre Eltern (normalerweise) geschniegelt und gestriegelt am Kaffeetisch. Von den vielen notwendigen pflegerischen Verrichtungen kriegen sie kaum was mit; und ich hege den Verdacht: viele wolle es auch nicht mitkriegen.
Irgendwann können sie es dann doch nicht mehr leugnen, dass ihre Eltern nicht mehr die sind, die sie bis dahin kannten und ehrten, die über Jahrzehnte unantastbare Autoritäten für sie gewesen waren. Das ist für viele schmerzlich. Nicht alles schaffen es, sich mit der Wirklichkeit zu konfrontieren. Auch Ängste vor dem eigenen Alt-Werden mögen dabei eine große Rolle spielen. Jedenfalls stellen manche ihre Besuche ein oder kommen mit der Zeit immer seltener.
Wir pflegen z.B. eine Frau, die sehr früh an der Alzheimer Demenz erkrankte. Vor 15 Jahren war die Tochter noch manchmal bei ihr - ich erinnere mich. Dann kam nur noch eine alte Schulfreundin - selten aber regelmäßig - ein paar Jahre lang zu ihr ans Bett. Die Frau wird schon lange enteral ernährt und ist völlig immobil. Wie eine überernährte Heuschrecke liegt sie mit ihren Kontrakturen im Bett, hustet Schleim ab und zuckt manchmal unwillkürlich. Sie stöhnt und stößt tierisch anmutende Laute aus. Eigentlich hat sie ihre krankheitsbedingte Lebenserwartung bereits um einige Jahre überschritten, aber durch die künstliche Ernährung und durch die Antibiotika-Gabe bei Infektionen "durfte" sie noch nicht gehen ... In meinen Augen ein ethisches Fiasko!
Die Angehörigen, sie hat einen Sohn und eine Tochter, die nicht allzu weit weg wohnen, schrieben sie vor Jahren schon ab. Welcher Knoten würde da wohl platzen, wenn sie heute der Anruf aus dem Altenheim erreichte, dass ihre Mutter verstorben sei? Vielleicht könnten sie dann erst richtig Abschied nehmen. Oder sie nähmen auch dies einfach nur noch am Rande wahr, weil sie ihre Mutter längst in ihren Köpfen und Herzen beerdigten ...
Geht denn das? frage ich mich. Ach, was weiß ich schon von deren familiären Verhältnissen?! Ich will ihr Verhalten nicht werten. Wer weiß, was alles dahinter steckt? Außerdem ist es ein Extremfall aus der Praxis. Im Großen und Ganzen fühlen sich die Kinder der Alten schon verpflichtet, regelmäßig zu kommen. Auch wenn einige mit dem Zustand ihrer Eltern nicht klarkommen - was sie oft am Pflegepersonal ablassen, indem sie aus einer Überfürsorglichkeit oder Hilflosigkeit ständig nach uns rufen.
Das Leben ist grausam. Am grausamsten ist die Hilflosigkeit, die wir im Pflegealltag beinahe permanent spüren. Dazu kommt die Überforderung durch zu wenig Personal ... Oft reagieren wir genervt, sind ausgepowert und können den Menschen nicht mehr das angemessene Mitgefühl entgegen bringen. Das tut mir leid. Irgendwie stecken wir alle in der Predouille: die Alten, die Angehörigen, die Ärzte, das Pflegepersonal. Immer wieder werden wir mit Grenzerfahrungen und Tabuthemen konfrontiert.

Ich würde gern eine Pause einlegen.

Auch ich habe Eltern. Sie gehen auf die Achtzig zu. Mein Vater hat eine beginnende Demenz. Ich liebe ihn. Vom Sockel stürzte ich ihn bereits vor vielen Jahren.
Manches ist mit Worten nicht zu sagen.

Samstag, 17. September 2011

Hörnchen und zurück


O anstrengender Müßiggang! Wenn es ein Müßiggänger-Gen gibt, dann muss ich es besitzen. Allerdings nicht von meinen Eltern. Ordentlicher und fleißiger als sie kann man sich Deutsche aus der Mittleschicht kaum vorstellen. Hinzu kommen als Tugenden Sparsamkeit und Alkoholenthaltsamkeit. Nichts von alledem habe ich. Sicher sind sie froh, dass ihr Sohn wenigstens einen festen Arbeitsplatz hat. Nach ihren Vorstellungen kann ich nicht geraten sein. Ich bereitete ihnen zwischendurch allerhand Sorgen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sie mir mehr als meinem Bruder vertrauen, der ein viel sittsameres Leben führt. Er ist Familienvater und verdient recht gut. Eltern tun sich schwer damit zuzugeben, dass sie ein Lieblingskind haben. Ich tat jedenfalls nichts dazu, um ihre besondere Zuneigung zu rechtfertigen. Wenn da nicht dieses Zauberwort "Liebe" wäre. Davon habe ich viel zu geben, wenn ich gut drauf bin. Mein Bruder wirkte in dieser Beziehung schon immer etwas stumpfer und unbeholfener. Noch heute kann ich mit meiner von Natur gegebenen Ausstrahlung punkten - z.B. bei den alten Damen im Altenheim. Ich glaube, ich wecke bei einigen mütterliche Gefühle.

O anstrengender Müßiggang! Gestern war wohl einer der letzten Sommertage. Ich drehte mit dem Fahrrad eine Runde über Heidelberg. Die Septembersonne packte alles aus, was sie noch zu bieten hat. Das Thermometer kletterte auf nahezu 30° Celsius.
Alle paar Kilometer lud ein Biergarten oder eine Kneipe mit Außenbestuhlung zum Klöhnen ein. Ich machte nichts anderes, als mein Bier zu trinken, ein paar Seiten in einem Buch zu lesen, den Gesprächen von den Nachbartischen zu lauschen, in die Sonne zu blinzeln und die Menschen, jung und alt, in ihrer Verschiedenartigkeit zu betrachten.
Die Innenstadt von Heidelberg brauste vom Verkehr. Ich zog mich zu einer Rast in die Altstadt zurück. Ecke Untere Straße - Hauptstraße. Das kleine Café heißt "Hörnchen". Vorallem Studenten und einige (eher intellektuelle) Ur-Heidelberger verkehren dort. Ich habe keinen Kontakt zu der Stammkundschaft, aber ich genieße dort gern mal mein Bier. Mit den Jahren machten einige alte Heidelberger Kneipen dicht. Dafür eröffneten Café- und Restaurantketten ihre Geschäfte.
Die Ur-Einwohner sind immer froh, wenn die Touristenströme im Spätjahr abebben. Dabei verdienen Gastronomie und Handel freilich kräftig an ihnen.
Wenn ich alleine durch Heidelberg tigere, halte ich es selten länger als zwei-drei Stunden aus. Mir sind Verkehr und Menschen einfach zu viel. Da fühle ich mich schnell noch alleiner. Was anderes ist es, wenn ich in Begleitung bin. Dann wirkt die Betriebsamkeit außenherum nicht so erdrückend.

Am Nachmittag zogen Wolken auf, und es wurde zunehmend schwüler. Der Topf hatte sich aufgeheizt. Man spürte förmlich die Elektrizität in der Luft. Oder war`s vom Bier, dass sich mein Blick eintrübte? Ich bekam Kopfweh und trat den Rückweg an. Unterwegs ein Stop an einer Apotheke und Aspirin gekauft ...

O anstrengender Müßiggang! Was soll`s. Ich liebe es. Wenn ich auch oft etwas einsam herumtoure. Schon als Kind machte ich viele Ausflüge allein. Die Horden ziehen mich nicht an. Nein, ein geselliger Mensch war ich nie. Mit den Kumpels oder der Freundin unterwegs zu sein, - okay, aber an größere Menschenaufläufe wie in Discotheken, auf Konzerten und in Großstädten kann ich mich nicht gewöhnen. Ich brauche die intimen Ecken, in die ich mich unbeobachtet zurückziehen kann. Und ich brauche einiges an Alkohol, um eine angeheiterte Gesellschaft zu ertragen. Betriebsfeiern sind mir ein Greuel. Ich hasste ja bereits das Kaffeetrinken mit Tanten und Onkels. Ich mag`s nicht, wenn mir Menschen zu sehr auf die Pelle rücken.
Doch das ist eben nur eine Seite von mir. Was gibt`s heute zu tun?

Nichts als Müßiggang!






das "Hörnchen" - gegenüber der Sitz der Heilsarmee

Donnerstag, 15. September 2011

Life is Vinyl




Wir drehen uns im Kreis - ein Leben lang - ab und zu kommt dabei richtig gute "Musik" raus. Wie diese hier:



Mittwoch, 14. September 2011

Ziel


Das Rennen hat begonnen,
ich kann das Ziel nicht sehen,
mir gefällt die Rennbahn nicht,
ich bleibe auf der Strecke,
mir gefällt das Rennen nicht,
sie ziehen mich ins Ziel,
mit Blaulicht und Sirenen,
das alles ist zuviel,
ich will hier fort,
doch ich kann nicht rennen,
ich gefall` mir nicht.

Ende.



(1980)



Ich schrieb dieses Gedicht in der elften Klasse. Ich glaube, es lief ein Diavortrag, der mich nicht interessierte.
Ich konnte der Tretmühle Schule nur bedingt etwas abgewinnen. Von der noch größeren Tretmühle im Erwachsenenleben wusste ich noch nicht viel. Aber wahrscheintlich ahnte ich damals schon, dass das "Rennen" mit dem Schulabschluss nicht vorbei sein würde.


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