Freitag, 23. September 2011

Wozu leben?


Meine Eltern zeugten mich, als sie es nicht besser wußten. Wer mal am Leben ist, der hängt in diesem Spinnennetz fest. Er ist regelrecht verwachsen mit ihm. Und er wartet darauf, dass ihn eines Tages die schwarze Spinne Tod holt. Derweil träumen wir vor uns hin und warten. Der eine tätiger, der andere untätiger. Im Ergebnis spielt das überhaupt keine Rolle. Es ist einfach eine Frage der Lust - wie beim Sex. Wir machen es zwar alle ähnlich, aber jeder hat seine Vorlieben.
Die schwarze Spinne sitzt in Lauerstellung. Sie hat die Ruhe weg.
Ich frage mich: Wenn also alles zum Leben gehört, dann wohl auch der Tod? Ich machte mir sehr früh Gedanken über ihn. Warum, weiß ich selbst nicht. Ich wollte doch auch einfach so drauf los leben wie alle anderen. Oder sagen wir: die meisten. Doch bereits während meiner Schulzeit wuchs meine Skepsis, ob denn alles wirklich so war, wie man es uns vormachte und lehrte. Ich sah einfach zu viele Widersprüche. Und ich ließ mich nicht hinbiegen. Heute noch nicht. Ich mag diese Zombie-Parallelgesellschaft nicht. Ich mag nicht ihren doppelten Boden. Muß man studieren, um etwas wichtiges sagen zu dürfen? Muß man Karriere machen, um einen gesellschaftlichen Status zu erlangen? Wozu das Ganze? fragte ich mich. Immer und immer wieder.
Warum soll ich zu etwas Ja sagen, was ich nicht einsehe? Mein Vater hatte eine plausible Antwort parat: "Weil es alle so machen, mein Junge." Diese Antwort fand ich erdrückend - und enttäuschend. Sie sagte nichts anderes als: Passe dich an, sonst wird aus dir nichts, und du wirst in deinem Leben mehr Schwierigkeiten haben, als dir lieb ist. Oder: Es ist viel gescheiter, mit dem Strom zu schwimmen ... Oder: Früher oder später wirst du es auch noch kapieren.
Offensichtlich ist bei mir Hopfen und Malz verloren. Bald habe ich selbst ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, und ich kann mich immer noch nicht anpassen. Klar. In gewissen Lebensbereichen komme ich nicht drum rum. Aber meine Gedanken konnte mir noch niemand in Richtung Konformität verbiegen. Ich bin immer noch der kleine fragende Junge, der sich verwundert die Erwachsenenwelt anschaut ..., beinahe verängstigt. Was ist das für eine Welt? Spinne ich?
Das erste Karussell, in das ich einstieg, stand auf dem Jahrmarkt. Ich saß im Feuerwehrauto und drehte mich munter im Kreis, lachte mein Kinderlachen. Die Eltern winkten mir vom Rande zu, und ich wollte gar nicht mehr aussteigen.
Das ist vorbei. Vorbei.
Vorbei. Die Zombiewelt startete ihre Angriffe auf mich: Schule, Kirche, Beruf, Politik, Geld, Status ...
Das Karussell hat keine Feuerwehrautos mehr. Da sind Panzer, Kampfflugzeuge, Streitwagen ... das reinste Horrorkarussell. Niemand winkt mehr. Sie sitzen alle wie Zombies in ihren Kabinen und stieren vor sich hin. (Übertreibe ich? Ich will nicht übertreiben.)
Das Leben ist kurz. Ihr wißt es auch. Und ich verüble niemandem, dass er mit den Wölfen heult, weil die Schutz und eine Lösung versprechen. Es gibt nichts schlimmeres als die Angst davor, dass einem der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Und ähnliches. Darum ja der ganze Popanz mit den Religionen etc.
Aber liebe Leute, ich bitte inständig jeden, der noch Herr seiner Gedanken ist, nicht auf solche Schimären herein zu fallen!
Die Spinne sitzt in Lauerstellung. Heute holt sie dich und morgen mich. Das ist unabänderlich. Schreit wenigstens in der Zwischenzeit eure eigene Meinung heraus! Gefangen zu sein bedeutet nicht, all seine Freiheit aufzugeben!
Wozu sonst leben?

I remember Martin Luther King


Ich habe einen Traum
Ansprache während des Marsches auf Washington für Arbeitsplätze und Freiheit

(28. August 1963
Washington, D.C.)


"Ich freue mich, dass ich mich diesem heutigen Ereignis anschließen kann, das in der Geschichte als größte Demonstration für Freiheit in der Geschichte unserer Nation vermerkt werden wird.

Vor einem Jahrhundert unterschrieb ein berühmter Amerikaner, in dessen symbolischen Schatten wir heute stehen, die Freiheitsproklamation. Dieser bedeutungsvolle Erlaß kam als heller Leitstern der Hoffnung zu Millionen von Negersklaven, die in den Flammen der vernichtenden Ungerechtigkeit versengt wurden. Er kam als ein freudiger Tagesanbruch am Ende der langen Nacht ihrer Gefangenschaft.

Aber einhundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei. Einhundert Jahre später ist das Leben des Negers leider immer noch von den Handfesseln der Rassentrennung und den Ketten der Diskriminierung eingeschränkt. Einhundert Jahre später lebt der Neger immer noch auf einer einsamen Insel der Armut in der Mitte eines weiten, weiten Ozeans des materiellen Wohlstandes. Einhundert Jahre später vegetiert der Neger immer noch an den Rändern der amerikanischen Gesellschaft dahin und befindet sich im Exil in seinem eigenen Land.

Wir sind daher heute hierher gekommen, um diesen beschämenden Zustand zu dramatisieren. In diesem Sinn sind wir zur Hauptstadt unserer Nation gekommen, um einen Scheck einzulösen. Als die Architekten unserer Republik die grandiosen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, dessen Erbe jeder Amerikaner sein sollte. Dieser Schuldschein war ein Versprechen, dass allen Menschen ja, schwarzen Menschen wie auch weißen Menschen die unveräußerlichen Rechte von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück garantiert wären.

Es ist heute offensichtlich, dass Amerika diesem Schuldschein nicht eingelöst hat und zwar in Hinsicht auf seine farbigen Bürger. Amerika, anstatt diese heilige Verpflichtung zu honorieren, hat den Negern einen ungedeckten Scheck gegeben, einen Scheck, der mit dem Stempel ungenügende Deckung zurückgekommen ist. Wir weigern uns aber, daran zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist. Wir weigern uns, daran zu glauben, dass es eine ungenügende Deckung in den großen Tresorräumen der Gerechtigkeit dieser Nation gibt. Wir sind daher hierher gekommen, um diesen Scheck einzulösen, einen Scheck, der uns auf Verlangen die Reichtümer der Freiheit und die Sicherheit auf Gerechtigkeit gewähren wird.

Wir sind auch zu diesem heiligen Ort gekommen, um Amerika an die dringlichen Forderungen der Gegenwart zu erinnern. Dies ist nicht die Zeit, sich den Luxus der Abkühlung zu gestatten oder das Beruhigungsmittel der Allmählichkeit einzunehmen. Es ist jetzt die Zeit, die Versprechen der Demokratie zu verwirklichen. Es ist jetzt die Zeit, sich aus dem dunklen und trostlosen Tal der Rassentrennung zum sonnenbestrahlten Pfad der Rassengerechtigkeit zu erheben. Es ist jetzt die Zeit, unsere Nation von den Treibsänden der rassistischen Ungerechtigkeit zum festen Felsen der Gemeinschaft aller Menschen zu erhöhen. Es ist jetzt die Zeit, die Gerechtigkeit zu einer Realität für alle Kinder Gottes zu machen. Es wäre tödlich für unsere Nation, die Dringlichkeit des Moments zu übersehen. Der heiße Sommer der berechtigten Unzufriedenheit der Neger wird nicht vorbeigehen, bis es einen belebenden Herbst der Freiheit und Gleichheit gibt.

Neunzehnhundertdreiundsechzig ist kein Ende sondern ein Anfang. Diejenigen, die hoffen, dass der Neger nur Dampf ablassen muss und jetzt zufrieden sein wird, werden ein böses Erwachen haben, sollte die Nation zu seinen alten Methoden zurückkehren. Es wird weder Ruhe noch Frieden in Amerika geben, bis dem Neger seine Bürgerrechte gegeben werden. Die Wirbelstürme der Revolte werden weiterhin das Fundament unserer Nation schütteln, bin der helle Tag der Gerechtigkeit erscheint.

Es gibt aber etwas, was ich meinen Brüdern sagen muss, die auf der abgenutzten Schwelle stehen, die zum Palast der Gerechtigkeit führt. Bei dem Prozess, den gerechten Platz zu erreichen, dürfen wir nicht ungerechter Taten schuldig werden. Versuchen wir nicht, unseren Durst nach Freiheit zufriedenzustellen, indem wir vom Becher der Bitterkeit und des Hasses trinken. Wir müssen unseren Kampf immer auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen. Wir dürfen nicht erlauben, dass unser kreativer Protest in physische Gewalt degeneriert. Wir müssen uns immer wieder zu den majestätischen Höhen erheben und physische Gewalt mit der Macht der Seele konfrontieren. Die wunderbare neue Kampfbereitschaft, welche die Gemeinschaft der Neger umgibt, darf nicht zum Misstrauen von allen weißen Menschen führen. Viele unserer weißen Brüder, wie es sich durch ihre Anwesenheit hier zeigt, haben erkannt, dass ihr Schicksal mit unserem Schicksal verbunden ist. Sie haben auch erkannt, dass ihre Freiheit unentwirrbar mit unserer Freiheit verbunden ist. Wir können nicht alleine gehen. Während wir gehen, müssen wir ein Gelöbnis ablegen, dass wir immer weiter marschieren werden. Wir können nicht umkehren.

Es gibt diejenigen, die die Anhänger des Bürgerrechts fragen: Wann werdet ihr zufrieden sein? Wir können niemals zufrieden sein, solange der Neger ein Opfer von unbeschreiblichen Grauenhaftigkeiten der Polizeigewalt ist. Wir können niemals zufrieden sein, solange unsere Körper, schwer von der Müdigkeit der Reise, keine Unterkunft in den Motels an den Autobahnen und in den Hotels der Städte finden. Wir können niemals zufrieden sein, solange die grundsätzliche Mobilität der Neger darin besteht, sich von einem kleineren Ghetto in ein größeres zu bewegen. Wir können niemals zufrieden sein, solange unsere Kinder ihres Selbstbewusstseins und ihrer Würde mit Schildern Nur für Weiße beraubt werden. Wir können niemals zufrieden sein, solange der Neger in Mississippi kein Wahlrecht hat und der Neger in New York überzeugt ist, dass er nichts hat, für das er wählen kann. Nein! Nein, wir sind nicht zufrieden, und wir werden nicht zufrieden sein, bis die Gerechtigkeit wie ein Gewässer und Rechtschaffenheit wie ein mächtiger Strom herunterquellen.

Ich bin mir dessen bewusst, dass einige von ihnen hierher aus großen problematischen und widerwärtigen Situationen gekommen sind. Einige von ihnen kommen gerade aus engen Gefängnissen. Einige von ihnen kommen aus Gegenden, wo ihre Suche nach Freiheit sie von den Stürmen der Verfolgung mißhandelt und von den Winden der Polizeigewalt zum Schwanken gebracht hat. Sie waren die Veteranen von schöpferischen Leiden. Arbeiten sie weiter mit dem Glauben, dass unverdientes Leiden erlösend ist. Gehen Sie zurück nach Mississippi! Gehen sie zurück nach Alabama! Gehen sie zurück nach South Carolina! Gehen sie zurück nach Georgia! Gehen sie zurück nach Louisiana! Gehen sie zurück zu den Slums und Ghettos unserer nördlichen Staaten und wissen sie, dass die Situation irgendwie geändert werden kann und wird. Wir werden nicht im Tal der Verzweiflung schweigen.

Deswegen sage ich ihnen, meine Freunde, dass ich immer noch einen Traum habe, obwohl wir den Schwierigkeiten von heute und morgen entgegensehen. Es ist ein Traum, der seine Wurzel tief im amerikanischen Traum hat, dass sich diese Nation eines Tages sich erheben wird und der wahren Bedeutung seines Glaubensbekenntnisses, wir halten diese Wahrheiten als offensichtlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, gerecht wird. Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Bruderschaft gemeinsam niedersetzen können. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der mit der Hitze der Ungerechtigkeit und mit der Hitze der Unterdrückung schmort, zu einer Oase der Freiheit und Gerechtigkeit transformiert wird. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.

ICH HABE EINEN TRAUM!

Ich habe einen Traum, dass eines Tages unten in Alabama mit den brutalen Rassisten, mit einem Gouverneur, von dessen Lippen Worte der Einsprüche und Annullierungen tropfen dass eines Tages wirklich in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen mit kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen als Schwestern und Brüder Hände halten können.

ICH HABE EINEN TRAUM!

Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt werden. Die unebenen Plätze werden flach und die gewundenen Plätze gerade, und die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Dies ist unsere Hoffnung. Dies ist der Glaube, mit dem ich in den Süden zurückgehen werde. Mit diesem Glauben werden wir den Berg der Verzweiflung behauen, einen Stein der Hoffnung. Mit diesem Glauben werden wir gemeinsam arbeiten können, gemeinsam beten können, gemeinsam kämpfen können, gemeinsam in das Gefängnis gehen können, um gemeinsam einen Stand für Freiheit mit dem Wissen zu machen, dass wir eines Tages frei sein werden. Und dies wird der Tag sein. Dies wird der Tag sein, wenn alle Kinder Gottes mit neuer Bedeutung singen können: Mein Land, es ist über dir, süßes Land der Freiheit, über das ich singe, Land, wo mein Vater starb, Land des Pilgers Stolz, von jedem Berghang, lass die Glocken der Freiheit läuten. Wenn Amerika eine großartige Nation sein soll, dann muß dies wahr werden.

Lass daher die Glocken der Freiheit von den wunderbaren Hügeln von New Hampshires läuten. Lass die Glocken der Freiheit läuten von den mächtigen Bergen New Yorks. Lass die Glocken der Freiheit von den Höhen der Alleghenies in Pennsylvania läuten. Lass die Glocken von den schneebedeckten Gipfeln der Rockies in Colorado läuten. Lass die Glocken der Freiheit vom Lookout Mountain in Tennessee läuten. Lass die Glocken der Freiheit von jedem Hügel und Maulwurfshügel in Mississippi läuten. Von jedem Berghang lass die Glocken der Freiheit läuten.

Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Neger-Spirituals Endlich frei, endlich frei. Danke Gott, Allmächtiger, endlich frei singen."



(Quelle: //usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm)



Von diesem großen Mann könnte sich Papst Benedikt eine große Scheibe abschneiden.
Vor Martin Luther King als Kirchenmann habe ich großen Respekt. Er nahm den Kampf auf. Er bewegte etwas hin zu mehr Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Leider wurde sein Kampf nicht überall und mit aller Kraft fortgeführt. Die Ewig-Gestrigen behindern nach wie vor die Emanzipation des menschlichen Geistes.
Noch gibt es Frauen, die nur aufgrund ihres Geschlechts in Kirche, im Islam, - in vielen Gesellschaften diskriminiert werden. Noch gibt es Rassismus. Noch gibt es Glaubenskriege. Noch immer wird die Freiheit des Individuums in vielen Ländern mit Füßen getreten. Noch immer gibt es keine Gleichheit vor dem Gesetz.
Ich habe auch einen Traum.
Dass die Ewig-Gestrigen in Rauch aufgehen, dass eine Zeit kommen wird, wo alle Menschen unabhängig von ihrer Gesinnung sich umarmen, - weil sie Menschen sind, weil alle Menschen auf dieser Erde eine gemeinsame Verantwortung haben.
Ich wünschte, es gäbe mehr große Männer wie Martin Luther King und dafür weniger geistige und intellektuelle Krämerseelen wie der derzeitige Papst Ratzinger.


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