Sonntag, 28. August 2011

Mittelalterfest Spectaculum - Fotoimpressionen




aufgebaut im Park vorm Speyerer Dom





Dudelsäcke und Trommeln





Gaukler kostümiert, tanzend, skurril





Ritterturnier





... mit Regenschirm hoch zu Ross





Kunsthandwerk wurde in unzähligen Ständen angeboten





der Dom als Kulisse im Hintergrund



(Photos 2. 3. 4. 5. 6. by Antje)

Freitag, 26. August 2011

Schadensbegrenzung


Ich glaube, dass es viel mehr Hobby-Philosophen gibt, als es zugeben wollen. Wobei das Wort "Hobby" eigentlich in diesem Zusammenhang eine Beleidigung ist.
Komisch, da fällt mir ein, wie mich meine Klassenkameraden in der Grundschule, wir waren damals gerade mal acht oder neun Jahre alt, Professor nannten. Süß. Ich empfand es als Ehrung, weiß aber nicht mehr genau warum. Also, warum sie mich Professor nannten. Ich gehörte zwar zu den Besten (damals noch), aber ich war eben, wie ich war. Ich focht Kämpfe mit der Großmäulin der Klasse aus, die sowas wie eine Leitwolffunktion hatte. Ja, auch wir kleinen Knöpfe sortierten uns. Und es wurden regelrechte Kriege geführt. Ich stand auf der Seite der Außenseiter: damals waren das Ausländer, Zigeuner, Asoziale ... Die waren meistens mutiger als der Rest der Klasse aber rettungslos in der Minderzahl. Ich fühlte mich zu ihnen hingezogen. Keine Ahnung. Jedenfalls verstand ich bereits damals nicht, warum Menschen von der Gemeinschaft ausgegrenzt werden. Es dauerte eine Weile, bis der Dreck von Lüge und Heuchelei auch mein Bächlein verschmutzte. Es war noch ein Bächlein. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Lüge. Vorher war ich zu naiv zum Lügen. Ich verlor die Kontrolle wie alle anderen. Jedenfalls sehe ich es heute so. Das Leben nahm mich und wusch mir den Kopf. Ich wechselte ins Gymnasium und begann die Schule zu verfluchen. Den Spaß gab es nur noch beim Spiel. Ich war sehr verspielt. Ich verlor langsam den Anschluss ...
Einige Jahre später befand ich mich in der Pubertät, hatte meine erste Erektion, den ersten Orgasmus, die erste Freundin, schrieb meine ersten Gedichte (hatte Pickel). Und ich philosophierte gern. Löcherte jeden mit der Frage: "Wieso?" Ich war der Meinung, dass diese Frage viel zu wenig gestellt wurde. Wieso gab es mich eigentlich? Wieso mußte man in die Schule gehen? Wieso wurden die Kinder von den Erwachsenen nicht ernst genommen? Wieso sollte ich mich konfirmieren lassen?
Wieso?
Die Eltern hatten ihre eigenen Probleme. Die Lehrer hatten ihren Lehrauftrag. Es war eben, wie es ist. Wieso? Dafür gab es die Note 6. Also, wenn man zu viel fragte ...
Ich fragte dann auch nicht mehr. Außer wenn ich betrunken war. Ich fing mit Fünfzehn mit dem Trinken an. Sowieso stellte ich mir selbst die Fragen. Ich schrieb sie auf. Ich kleidete sie in Gedichte. Heute noch zu lesen.
Wieso konnte ich nicht wieder so naiv ehrlich sein wie damals als kleiner Bub?
Für den Rest meines Lebens war ich verdorben. Aber ich versuchte es mit Schadensbegrenzung. Ich nahm mir vor, wieder ehrlicher zu werden. Ehrlich. Nur mit dem Trinken konnte ich nicht aufhören.
So verlief mein Leben ...

Donnerstag, 25. August 2011

That`s it


"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile", sagte Aristoteles vor langer Zeit. Das glaube ich nicht, denn die Welt würde sonst platzen. Ich postuliere: "Das Ganze ist weniger als die Summe seiner Teile - und zwar um einiges weniger." Ebenso ist das Leben nicht die Summe der Tage, die man am Leben ist ... sondern viel viel weniger. Das Leben ist eigentlich nichts. Genau betrachtet. Es ist genau das, was uns bleibt. Und am Ende ist das nichts.

Schwere Gedanken habe ich mal wieder. Ich weiß. Die kommen so über mich.
Vernunft und Lebenserfahrung widersprechen meiner These vehement, - trotzdem halte ich an ihr fest. Das Ganze an sich betrachtet ist nichts. Größen bestehen nur relativ bzw. differenziert. Im Alltag muß es uns nicht jucken. Wir werden geboren. Es folgen Kindergarten, Schule, Ficken, Beruf, Kinder, Scheidung, Alter, Gebrechlichkeit, Abgang, Tod. So in etwa. Je nach Biografie.

That`s it.

Und das addiert sich schneller zusammen, als man denkt. Ich merke es, weil die Freundinnen, die ich kriege, geschieden sind, Kinder haben, Hund und Katz. Nicht weil ich ergraue. Außerdem schaue ich nicht gern in den Spiegel. Die Jugend ist unwiederbringlich vorbei. Die Tage schmelzen dahin. Ein paarmal gehustet, und ein Jahr ist rum. Kaum hat ein neues Lebensjahrzehnt begonnen, steht man bereits wieder an der Schwelle zum nächsten.

Der Aristoteles hat `ne Macke, wenn er meint, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Das Ganze ist ein Scheiß.
Anfänglich dachte ich, dass er recht hat. Weil die Summe etwas neues bedeutet. 1+1=2. Und "2" ist etwas grundlegend neues, somit mehr als die Teile für sich bedeuten. Oder? Nein, ich kapiere es nicht ganz ganz. (Aber fast.)

Frau und Mann bilden ein Paar. Dann ist also das Paar mehr als die Summe seiner Teile (Mann und Frau), weil das Paar etwas völlig neues definiert. Hm. Das ist einleuchtend. Aber trifft es in der Realität zu? Es kommt auf die Sichtweise an. Nicht jede Addition bringt als Ganzes mehr als seine Einzelteile. Nehmen wir nur mal die gesamte Menschheit ... Sie wird wahrscheinlich in ein paar Generationen die Biosphäre der Erde kaputt gemacht haben. Ziemlich bescheuert! Es ist also die Frage, in welchem Zusammenhang wir "mehr" wie definieren. Aristoteles kannte in seiner Zeit vielleicht noch nicht das Prinzip: "Weniger ist mehr."

Ist dieser Tag vorbei, habe ich wieder etwas verloren, obwohl sich ein Tag dazu addierte. Mir ging ein Tag meiner Lebenszeit verloren - unwiederbringlich. Dazu kommt noch die Entropie. Ich zerfalle langsam. Alles zerfällt. Die Ordnung nimmt ab - nur das Leben stemmt sich dickköpfig dagegen. Es ist sowas wie eine Antibewegung zum universellen Zerfall.

That`s it.

Es ist wie Hochspringen und wieder runterfallen. Hochspringen macht Freude. Aber das Runterfallen ist nicht sehr angenehm ...

Euch noch einen guten Tag.

Mittwoch, 24. August 2011

Ich hatte mit Iggy Pop Sex, aber darum geht`s hier nicht


Seit nahezu einem halben Jahrhundert wandle ich über die Erde und forsche nach dem Sinn hinter dem Ganzen. Es fängt schon mit der Schwerkraft an, die einen auf einer Kugel mit 6.370 Kilometer Radius fest hält. Wenn man hochspringt, fällt man automatisch wieder herunter. Das ist doch komisch, oder? Wir kleben auf dieser riesigen Murmel und definieren ein Oben und Unten, was es universal eigentlich gar nicht gibt. Ich schaue gern nach oben in den Sternenhimmel. Nie werde ich die Nacht in den Calanques bei Cassis vergessen. Wir lagen in einer Felsnische außerhalb der Stadt, schauten auf das Meer und über uns dieser furiose Sternenhimmel, die Milchstraße! Wow! Die Neuronen meines Hirns fanden ihre Entsprechung. Es war der Wahnsinn ...

Ich war Anfang Zwanzig und interessierte mich weniger für meine berufliche Zukunft als vielmehr für das Leben und Sterben, das Geheimnis des Daseins. Und für Frauen. Am Strand von Cassis lernte ich zwei junge Schweizerinnen kennen. Die sagten - ich höre es, als wäre es gestern gewesen - in lustigem Schwizerdütsch: "Wir sind viel zu jung, als dass wir über den Tod nachdenken wollen." Und sie lachten. Süße Girls. Knackig. Beinahe wie Zwillinge, wie sie da braungebrannt und oben ohne auf den heißen Steinen lagen.

Die Liebe ist auch so ein Geheimnis. Und ich sage es gleich: ich stieg noch nicht dahinter. Eine Art Anziehungskraft, die einem das Gefühl gibt, ein Herz zu haben. Sowieso regt sich etwas eine Ecke tiefer. Sogar heute noch. Aber damals ... Am Strand lag ich meist bäuchlings.
Dann stellte ich mir Fragen wie: Nimmt die Schwerkraft zum Mittelpunkt der Erde hin ab? Und wenn, in welchem Maß? Oder: Mit wieviel Schwung muß man etwas in ein Loch durch die Erde schmeißen, damit es auf der genau gegenüberliegenden Erdseite wieder rauskommt? Nach solchen Überlegungen konnte ich mich auf den Rücken drehen.
Damals war ich verrückt nach Sonne und kam immer braungebrannt aus dem Urlaub zurück.

Wenn ich zurück zuhause war und wieder im Zeichenbüro saß, wurde mir die Tragik des Daseins oft schmerzlich bewußt. Es gab kaum Menschen, die meine Interessen teilten. Trost fand ich bei meiner Freundin. Die konnte ich vollphilosophieren. Ganze vier Jahre lang. Ich war so voller Gedanken. Warum erschienen mir die meisten meiner Mitmenschen derart oberflächlich?
Man denkt in diesem Alter noch, man wäre der Mittelpunkt der Welt.
Diese Egozentrik weicht mit den Jahren auf. Außer man ist eine unverbesserliche Dumpfbacke. Kratz.

Da ich ein Mann der Tat bin, machte ich Nägel mit Köpfen ... und gründete keine Familie. Versteht ihr das? Nein? Muß man auch nicht verstehen. Ich hatte einfach keine Lust auf das, was alle so selbstverständlich machen. Wenn ich schon nicht die Schwerkraft beeinflussen kann, dachte ich, dann doch wenigstens solche Konventionen - zumindest was mich angeht. Ich mußte mich dazu nicht besonders anstrengen. Lieber trank ich in der Kneipe mein Bier und spielte Billard.
Ich war für meine Freundinnen sozusagen die Vorhut: nach mir heirateten sie, kriegten Kinder etc.
Inzwischen bin ich allerdings zu alt für die Vorhut. Inzwischen bin ich die Nachhut.
That`s Life. Und für heute reicht`s.

Dienstag, 23. August 2011

Alles scheiße


Wenn ich Gaddhafis Sohn im Fernsehen sehe, die Hand hochgestreckt zum Victory-Zeichen, geht mir das Messer in der Tasche auf. Aber gut. Nicht meine Baustelle.
Es wäre zu schön, um wahr zu sein: Nach einem halben Jahr Krieg der gesamte Gaddhafi Clan in Haft und Libyen vom Moloch der Diktatur befreit.
Bei den mangelhaften Informationen, die uns erreichen, ist es verfrüht, irgendeine professionelle Einschätzung abzugeben. Im TV allerdings sind sie alle gut dabei - mit Blablabla.

Hier kam inzwischen wieder stückweise der Sommer an. Die einen stöhnen unter der Hitze, die anderen freuen sich. Ich bin dafür, dass uns der Sommer noch ein paar Tage erhalten bleibt. Wenn ich aus dem Nachtdienst komme, sauge ich die Sonnenstrahlen beinahe gierig in mich auf. Zu lange war es kalt und häßlich.

Eine Woche frei! Yeah! Auch der Freude muß mal Ausdruck verliehen werden - selbst wenn privat nicht alles rund läuft.

Gestern trat ich auf dem Stück Wiese vor meiner Wohnung in einen Scheißhaufen. Bedeutet das Glück oder Pech?
Eine ekelhafte Prozedur, die Profilsohlen der Schuhe wieder richtig sauber zu kriegen. Ich sah die Scheiße im hohen Gras nicht.
Es ist meistens so, dass man die Scheiße nicht kommen sieht. Egal, was es ist. Es gibt zu viele Baustellen. Man muß ständig mit allem rechnen. Und die Kunst ist, dabei nicht depressiv zu werden.
Tritt man in einen Scheißhaufen, ist eben nicht gleich alles scheiße.

Samstag, 20. August 2011

Der Sommer schaut rein




Züchterklause



Der Sommer zeigt sich, und ich würde gern im Biergarten abchillen.
Leider mal wieder Nachtdienst. Die Augendeckel sind noch schwer. Ich blinzele in den hellen Tag. Das Leben wäre ohne Arbeit unerträglich schön. Vielleicht verlege ich mich nach der Pensionierung auch auf`s Schachspielen - in der Kneipe oder im Biergarten.
Nein, glaube ich nicht. Die beiden Herren auf dem Photo spielen Blitzschach. Sie sind ganz eingehüllt von der Schach-Intelligenz.
Lieber Skat, das ist geselliger.
Oder ein Buch lesen und einfach versinken. Sprache ist etwas wunderbares.
Gestern stand ich am Bett einer Alten, und lauschte ihren Erzählungen von der Kindheit - die sei sehr schön gewesen, sagte sie. Ihre Eltern hatten ein Hotel, das erste am Platz, und sie tanzte als kleines Mädel zwischen den Gästen ..., oder sie spielte im Schrebergarten vom Großvater ...; das war noch vorm Krieg.
Sie erzählte und versank in ihren Erinnerungen. Ich konnte es richtig sehen. Sie war jetzt dort - und glücklich. Müde lächelte sie mich an. Ich wünschte ihr eine gute Nacht und verließ leise das Zimmer.

Freitag, 19. August 2011

Wir müssen reden


Wenn eine Frau sagt "wir müssen reden" - kann Mann schon mal den Kopf einziehen. Hat dann sein letztes Stündlein geschlagen? Bedeutet es den Anfang vom Ende der Beziehung? Oder will sie vielleicht nur wissen, was er zum Essen will?
Ich zucke bei diesen Worten jedesmal innerlich zusammen und kriege einen Kloß im Hals. "Jetzt kommt`s", denke ich für mich, "jetzt kommt das Ultimatum ..."

Frau liest Mann die Leviten. Mann senkt schuldbewußt den Blick. Oder er flieht.
"Du rennst immer weg, wenn ich über uns reden will", sagt sie vorwurfsvoll.
Er quält sich sichtlich und presst hervor: "Ich bin halt ich."
"So kann`s nicht weitergehen."
"Vielleicht ...", stottert er und spürt die Pistole auf der Brust.
Dass Frauen immer alles planen müssen: das Essen, die Beziehung, ihre Zukunft ...
Liegt das in den weiblichen Genen begründet? Er will nur seine Freiheit, aber er will sie auch nicht verlieren. Wahrscheinlich kommt es der Quadratur des Kreises gleich, Frauen und Freiheit unter einen Hut zu bringen.
"Also - denke mal drüber nach", sagt sie schließlich einlenkend und milde. Er atmet auf und nimmt sie in den Arm. Sie küssen sich.
"Und was willst du jetzt essen?"
"Hm", er überlegt, "Spaghetti, die gehen schnell."
Mit einer Pulle Bier setzt er sich auf die Terrasse. Die Sonne bescheint sein Antlitz, und der Gerstensaft ergießt sich kühl und wohltuend in seine Kehle. Das ist Freiheit!

Bis sie das nächste Mal an ihn herantritt und seinen inneren Frieden stört.
"Wir müssen reden."
...

Mittwoch, 17. August 2011

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