Sonntag, 31. Januar 2010

Barfly

Ein TV-Tipp: “Barfly” mit Mickey Rourke und Faye Dunaway, ein Film von Barbet Schroeder nach einem Drehbuch von Charles Bukowski aus dem Jahre 1987. (Danke für den Hinweis, Freni.) http://www.arte.tv/de/3026508.html
Ich erinnere mich dunkel daran, als ich vor über 20 Jahren in dem Film war. Mit etlichen Bierdosen im Sack pflanzte ich mich in die Loge eines Vorstadtkinos. Es war früher Abend und Sommer, das Kino mäßig besucht. Ich sollte nicht alt werden an dem Abend. Das Kino verließ ich vorzeitig. Im Film fehlte mir einfach der fantastische Wortwitz Bukowskis. Obwohl sich Mickey Rourke echt ins Zeug legte, den jungen Bukowski zu mimen, war er für mich nicht authentisch mit dem “Chinasky”, den ich aus Bukowskis Büchern vor Augen hatte. Und Faye Dunaway war einfach zu schön, obwohl auch sie brillant spielte.
Möglich, dass ich, wenn ich den Streifen heute Abend (nüchtern) schaue, einen anderen Eindruck bekomme. Es ist zudem ein paar Jahre her, dass ich ein Buch von Bukowski in die Hand nahm.
Er war für mich der literarische Held der Achtziger. Etwas Vergleichbares kam leider nicht nach.

Alles hat seine Zeit.



Eine Aussicht vom Barhocker:


verschwommen



Eine Aussicht vom Stubenhocker:


Schnee von gestern

Donnerstag, 21. Januar 2010

Das Wiederbeleben von Menschen und Ehrlichkeit

30x Druckmassage, 4-5cm eindrücken, danach 3x beatmen. Wir erhielten eine Auffrischung und übten an einem Torso. Der Kursleiter war sympathisch - er erklärte uns locker und heiter die Sachverhalte. Letzlich kamen wir auf ethische Probleme zu sprechen, wann denn Menschen noch wiederzubeleben seien, vorallem bei uns im Altenheim. Er meinte, dass wir juristisch immer auf der sicheren Seite seien, wenn wir alles nach bestem Vermögen versuchten. Aber natürlich wären wir in der Situation allein, vorallem als Nachtwache, wo wir nicht mal einen Kollegen/eine Kollegin an unserer Seite haben. Wir sind die ersten vor Ort, die den Tod feststellen - allerdings darf dies faktisch nur ein Arzt, und so bleibt es allein unserer Erfahrung und Einschätzung überlassen, welche Maßnahmen wir einleiten. Im Allgemeinen ist es ja so, dass ich einen Menschen, den ich bereits ohne erkennbare Vitalzeichen vorfinde, nicht mehr auf Teufel komm raus wiederbelebe. Genauso wenig wiederbelebe ich einen alten Menschen im Sterbebett. Juristischen Rückhalt haben wir Pflegekräfte allerdings keinen in solchen Situationen, und meist gibt es auch keine hausinternen Regelungen und Standards, die einem in solch schwierigen Fällen Rückendeckung gäben. Man muss wahrscheinlich schon froh sein, wenn ein Arbeitgeber solche Fortbildungen anbietet.
Ich wünschte mir noch viel mehr Diskussion um dieses heikle und schwierige Thema, damit wir in der Praxis uns nicht durch Vertuschungen und Lügen auf die sichere Seite schummeln müssen. Denn so läuft es mehr oder weniger im Pflegealltag, dass aus der Unsicherheit heraus die Tatsachen geschönt oder gar verdreht werden.
Man muß da schon verflixt aufpassen, wem man die Wahrheit sagt.

Ich weiß, dass es keine Patentlösungen zur Entscheidungshilfe geben wird. Aber ich erhoffe mir insgesamt mehr moralische Unterstützung durch den Arbeitgeber und die Gesellschaft. Es ist für mich als Altenpfleger nicht leicht, mit der Last und der Ungewissheit zu leben, ob ich richtig handelte, wenn es um Leben und Tod geht.
Und leider sind Fehler auch nie auszuschließen ..., - ich lege darum jedem Heimträger in seinen Einrichtungen das Angebot der Supervision nahe. Keine Ausbildung der Welt kann einem die Selbstsicherheit verleihen, damit man stets adäquat und ohne Selbstzweifel in Notfallsituationen agiert. Auch die Sterbebegleitung kommt im Pflegealltag noch viel zu kurz. Fortbildungen und personelle Unterstützung wären unbedingt angebracht. Wie soll ich z.B., wenn ich alleine im Nachtdienst bin, noch eine Sterbebegleitung leisten oder mich um Angehörige angemessen kümmern, die zugegen sind?

Ist es immer eine Geldfrage, wie gesagt wird? Oder ist es nicht auch eine Frage der Einstellung zu diesen Themen, die immer noch gesellschaftlich eher ein Tabu sind?

Montag, 18. Januar 2010

Wir sind alle Menschen

Zweihunderttausend Erdbebenopfer auf Haiti. Ministerpräsident Koch spendet sein gesamtes Erspartes. Hartz IV Empfänger sollen zur Arbeit gezwungen werden. Warum nicht auf Haiti? Ich entführe Altbundeskanzler Kohl aus dem Freizeitpark der Armleuchter. Er sitzt seit seiner Kanzlerschaft in einer unterirdischen Sauna. Zu spät, du hättest ihn damals entführen sollen …, denke ich bei mir, noch vor der Einheit. Inzwischen kann man jeden Menschen beim Kacken beobachten und am Falten des Klopapiers ablesen, wie er wählen wird. Die Waschmaschine wäscht auf Lichtgeschwindigkeit das Gewissen abgrundtief rein. Der Schmutz wird einfach transparent. Dummerweise sind die Folgen Haut- und Hirnkrebs. Es ist, als ob jemand den Stöpsel aus der Wirklichkeit gezogen hätte. In der Erdumlaufbahn bekriegen sich Satelliten. Was ist eigentlich aus dem deutschen Papst Ratzinger geworden? Mich würde interessieren, wie er die Bilanz der Kirche sieht - hat sie bis dato mehr Seelen gerettet oder geknechtet und gegeißelt? Oder: dürfen katholische Priester Sperma spenden? Das nächste Erdbeben kommt bestimmt. Die Kochs der Welt werden nicht aussterben. Sie sind wie Ratten. Ich habe verloren. Das Licht am Horizont entpuppt sich als Schimäre. Ein neuer Stern geht auf, und ich lache. Ich wollte, es gäbe andere Gründe für meine Heiterkeit. “Wir sind alle Menschen”, sagt ein Schatten, der sich von links hinten immer wieder an mich heran pirscht.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Ich will hier raus!

An manchen Tagen habe ich das Bedürfnis wegzulaufen. Irgendwohin. Ich surfe über Auswanderungs-Websites, denke an meine Träume, in denen ich nach New York flog, erinnere mich an Francis, eine junge Internetbekanntschaft, die wahrscheinlich noch auf Sansibar weilt. Ausgerechnet lief dann heute Vormittag eine Doku im TV (auf Phoenix) über junge Leute, die ihr soziales Jahr weit weg im Ausland ableisteten: in Afrika und Indien. Ich zolle diesen jungen Menschen großen Respekt für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen.
Ach, wenn es so leicht wäre, einfach die Zelte abzubrechen, denke ich bei mir. Aber wo will ich eigentlich hin? Und was will ich in der Fremde machen ohne Sprachkenntnisse (außer schulische Grundkenntnisse in Englisch und Französisch, die längst in meinem Gedächtnis verstauben)?
Am Liebsten würde ich einfach durchstarten mit einer Kreditkarte, die mir überall die Türen öffnet …
Ich denke an Krimiklassiker wie “Tod auf dem Nil” und “Mord im Orient Express” von Agatha Christie. Mit einem Lottogewinn wären solche Trips wohl zu machen - es müsste gar keine Luxusreise sein. Der reichen Menschen mit ihrer Arroganz wäre ich sicher schnell überdrüssig. Trotzdem würde ich gern mal hineinschnuppern in die mondäne Welt, z.B. auf einem Kreuzfahrtschiff.
Als junger Erwachsener las ich gern Abenteuergeschichten von Autoren wie Melville, Stevenson und B. Traven und vieles mehr: Hemingway in Afrika, Knut Hamsun in Amerika, Jack London auf Goldsuche in Alaska …, Mark Twains “Abenteuer von Huckleberry Finn und Tom Sawyer”.
Ich träumte mich bei der Lektüre weg vom Alltag in die ferne Welt. Alles schien besser zu sein, als hier in einem goldenen aber von Bürokratie und Spießertum beengten Käfig festzusitzen. Mein Herz streckte sich nach der wahren Romantik des Tramps, nach Unabhängigkeit und Abenteuer. Und es streckt sich noch, mein Herz, obwohl ich längst von der Vernunft des Erwachsenen geläutert mir diese kindlichen Träume abschminkte. Es macht mich zu einem traurigen Clown. Ich trinke Bier und werde sentimental. Ich weiß doch zu gut, dass das Leben überall ein Kampf ist und ich mich glücklich schätzen sollte, im Wohlstand zu leben. Die Romantik des Tramps und des Seemanns ist eine fixe Idee - nicht mehr - eine fixe Idee des pubertären männlichen Geists. Nach solchen Traumreisen und Sehnsüchten ist das Ankommen in der Wirklichkeit brutal.
Das Fernweh, die Sehnsucht nach einem anderen Leben, glimmen jedoch weiter unter den schweren Holzscheiten des Alltags: der lähmenden Verpflichtungen, Ängste und Ausblicke …
Könnte ich mit den Worten davonfliegen. Könnte ich einfach in Frankfurt den nächsten Flug weit-weit weg nehmen.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Winterlich

Blick aus dem Küchenfenster




...

Samstag, 9. Januar 2010

Zeitnot

Mit der Zeit denke ich nach, was “Zeit” eigentlich bedeutet. Dabei diene ich mir selbst als Anschauungsobjekt. Wenn es nicht so furchtbar normal wäre, dass man vor sich hin altert, dass ein Tag nach dem anderen vergeht, wie Dominosteine in einer scheinbar endlosen Reihe umfallen, würde ich meinen, dass alles, meine Erinnerung, meine Gegenwart und das Vorangehen in meine Zukunft, völlig absurd ist. Das Gehirn sublimiert es einfach. Dabei gab es eine Zeit, in der ich nicht existierte - nämlich vor meiner Geburt. Menschen wie meine Eltern oder mein älterer Bruder sind somit lebendige Zeugen meiner damaligen Nicht-Existenz. Ich dagegen weiß nur von einer Welt, die mit mir vorhanden ist. Ältere Menschen haben einen Lebenszeitvorsprung, der in ihrem Leben nie von mir aufzuholen ist. Der Tod vernichtet die Zeugen meiner ehemaligen Nicht-Existenz. Der Tod vernichtet die lebendige Erinnerung. Schließlich stehen wir nur noch vor Artefakten der Vergangenheit. Die ältere Geschichte hat keine lebendigen Zeugen. Alles was wir haben, sind unser Verstand und Vorstellungsvermögen. Die Zeit selbst entzieht sich durch den Tod.
Als junger Mensch findet man es abwegig und surreal daran zu denken, dass die eigene Lebenszeit kontinuierlich wie eine Sanduhr abläuft. Es ist gerade so, als ob immer Tag wäre; und die Nacht, die Dunkelheit bleiben etwas Unvorstellbares. Das Bewusstsein steht im Zenit und strahlt wie eine Sonne auf sich und die Welt. Auch wenn der Verstand durch Erzählungen und Beobachtungen längst weiß, dass nicht nur das Leben der anderen endlich ist, kann und will man nicht begreifen, dass dies auch auf einen selbst zutrifft. Das Leben wirft keinen Schatten - jedenfalls sehen wir ihn nicht an uns.
Ich bin Altenpfleger und sehe häufig den Tod in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich erlebte, wie "Zeitzeugen" starben, unspektakulär, manchmal leidvoll im Abschied … Ein Mensch ist tot, und ich lebe noch. Ich weiß, dass die Stunde unweigerlich kommen wird, in welcher ich meinen Frieden mit dem Dasein machen muss - ... dann bin ich einfach nicht mehr da. Einige Menschen werden sich an mich erinnern, bis auch sie sterben. Einige Menschen lesen vielleicht meine Gedichte, wenn ich schon lange nicht mehr existiere. Es ist gespenstisch, wenn Tote durch Medien zu uns sprechen.
Die Zeit kennt nur ein Gesetz: sie vergeht. Und mit ihr vergehen selbst die größten Menschen und hellsten Sonnen. Der Tod ist der Schatten des Lebens in der Zeit. Es gab Momente in meinem Leben, wo ich meinen Schatten ganz nah bei mir fühlte - ich war bereit, zu gehen.
Die Zeit wird im Alter kostbarer, obwohl sie scheinbar immer schneller verrinnt. Es ist ein Witz - da fängt man gerade mit dem Nachdenken an, und schon soll alles vorbei sein …

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Guten Rutsch!

So ist das. Das Jahr endet im Altenheim. Zum ersten Mal werde ich allein mit 50 Altenheimbewohnern ins Neue Jahr rutschen. Ich hoffe nur, dass ich heute Nacht keine Notfälle habe.
2009 war für mich, was meine Arbeit im Altenheim angeht, mit einigem Übel besetzt. Ich fühle mich müde und auch einigermaßen frustriert in dieser Hinsicht. Es ist ein Kreuz mit der Arbeit - und passend dazu habe ich auch noch Kreuzschmerzen zum Jahresende bekommen. Die oft nicht leichtgewichtigen und immobilen Alten allein in den Betten hoch zu ziehen und zu lagern, bleibt nicht ohne Wirkung.
Und ich werde auch nicht jünger - mitsamt Rücken und Bewegungsapparat. Von meinem Herz und meinen Nerven ganz zu schweigen. Ich merke deutlich die physische und psychische Mehrbelastung, seit wir statt zu Zweit die Nächte alleine meistern müssen. Mir fehlt der Rückhalt des Kollegen (der Kollegin) sehr. Besonders im seelischen Sektor ist das Fehlen eines direkten Ansprechpartners in der Nacht viel nachhaltiger ein Defizit, als man vielleicht zu Anfang meinte. Alles muss man alleine stemmen, und es gibt niemanden, der einen moralisch oder tatkräftig etwas auffängt, wenn man mit einem Bewohner Schwierigkeiten hat, wenn es einem selbst mal nicht gut geht, oder wenn man in akuten Stress- und Notfallsituationen steckt. Natürlich werden wir, seitdem wir alleine den Nachtdienst leisten müssen, deswegen nicht besser bezahlt. Auch von einer Supervision dürfen wir nur träumen. Der Arbeitgeber machte bei einer Bewohnerzahl von 50 einfach einen Schnitt. Es wird gemacht, was gerade noch für die Heimaufsicht tolerierbar ist. Und Kritik wird von oben mit dem “Geld-Argument” platt gemacht, oder es werden subtil die Arbeitsplatzängste der Mitarbeiter ausgespielt. Die Starken sind in diesem Fall jene, die geschickt drum rum reden, schweigen oder sich bei den Vorgesetzten einschleimen.

Ich habe Rückenschmerzen. Zwanzig Jahre Altenpflege verschleißen … in jeglicher Hinsicht. Meine Erfahrung ist einen Scheiß wert. Niemand will Wahrheiten wissen, welche für das eigene Wohlbefinden unbequem oder unerträglich wären.
Mein Resumee: Ein ganzer Berufsstand wird von der Gesellschaft schon seit langem im Stich gelassen. Die Alten und Pflegebedürftigen werden zu ungeliebten und lästigen Objekten. Respekt und Menschlichkeit bleiben auf der Strecke. Es wird geheuchelt und totgeschwiegen.
Ähnlich wie die Soldaten in Afghanistan fühle ich mich als Altenpfleger “an der Front” von der Politik und den Verantwortlichen unverstanden und allein gelassen.
Verflucht noch mal! Ja, es ist Krieg! Und: Ja, es herrscht Pflegenotstand!


Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr - Gesundheit, Glück und Reichtum …
Alles geht voran!

Euer ewiger Nörgler und Schwerenöter
bon.

Dienstag, 29. Dezember 2009

I remember: Zupfgeigenhansel

(Merkwürdig: heute Nacht träumte ich von einer Musikgruppe Zupfgeigenhansel. Ich googelte nach ihrer Musik ..., et voilà.



ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

deine Gedanken und Geschichten
und nicht ein einziger Kommentar darunter ist schon...
kontor111 - 30. Jan, 10:18
alien-lösung? da ging...
alien-lösung? da ging was an mir vorbei. ist aber eh...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:08
richtig. ich dachte nur,...
richtig. ich dachte nur, dass ich es meinen lesern...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:05
Wo ist denn das Problem?...
Wo ist denn das Problem? Durch die „Alien-Lösung” von...
C. Araxe - 7. Nov, 22:06
Wenn du ohnehin eine...
Wenn du ohnehin eine neue Blogheimat gefunden hast...kann...
rosenherz - 2. Nov, 13:51
Liebe Leser(innen)
Dieser Blog ruht fortan. Leider ist die Resonanz hier...
bonanzaMARGOT - 02. Nov. 19, 13:39

Archiv

Juni 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 6850 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Jan, 10:18