Samstag, 26. Oktober 2013

Er spricht mir aus der Seele


"... die hinterhältigen, kleinen Leute voll Rotz und Tod wird es immer geben. Und während wir sagen, lasst sie leben, lasst sie, lasst ihnen ihren Willen, nur lasst auch uns Raum zum Atmen ... gehen sie auf uns los, Brüder, mit ihren von der Historie angefressenen, akademisch geschrumpften Hirnen, und ihre Frauchen daheim spielen mit Pflanzen und verblasenen Uraltversen aus dem 17. Jahrhundert herum, derweil ihre neurotischen Gatten kalt lächelnd irgendwelche armen Hunde im mächtigen Namen des Fortschritts und des Profits ausnehmen, und das sind nunmal verflucht die Leute, die unsere Werke als unecht, schmutzig, abgedreht, gnadenlos und blind abtun ..."
(Charles Bukowski)

TV-Tipp:

"Boxen", 22 Uhr 10, Das Erste

Der Tod scherzt nicht


Manchmal muss ich zweimal hinschauen, wenn ich ans Bett einer Bewohnerin oder eines Bewohners trete. Sie liegen regungslos da in fahlem Licht. Ich trete näher und schaue erst auf den Brustkorb. Uff - er hebt und senkt sich noch! Oder ich fasse sie vorsichtig an … Einige schlafen wirklich wie tot, mit halboffenen Augen und beinahe geräuschlos.
Ich war auf dem morgendlichen Windel-Rundgang und stand bereits neben ihrem Bett, um mich über sie zu beugen; als mir auffiel, dass sie ungewöhnlich ruhig dalag. Meist stöhnte die alte Frau stoßweise beim Schlafen. „Mist!“ dachte ich schlagartig. Ich berührte sie und gewann völlige Gewissheit. Die Körpertemperatur hatte sich bereits merklich abgesenkt. „Mist, Mist, Mist!“ dachte ich nochmal. Ich deckte sie auf, um sie gerade zu legen, und hoffte insgeheim, sie würde plötzlich wieder anfangen zu schnaufen. Aber es entwich nur etwas Luft ihrem Mund. Ich bettete sie ein letztes Mal. Sie sah friedlich aus, die Augen geschlossen. Der Tod musste sie im Schlaf überrascht haben.
Bevor der Frühdienst erschien, ging ich noch zweimal in ihr Zimmer, wie um mich zu vergewissern. Natürlich wusste ich, dass sie tot war. Es war für mich unerwartet gekommen. Und vollkommen unspektakulär.
„Ein Bewohner weniger“, sagte ich bei der Übergabe und betrachtete die erstaunten Mienen meiner Kollegen. Sie kamen nicht drauf. Ich sagte es ihnen.
Ein Blatt war vom Baum gefallen – nicht mehr und nicht weniger.
Am nächsten Morgen fragte mich der Pflegedienstleiter: „Hast du dich schon um einen neuen Bewohner für Zimmer XX gekümmert?“
Ich schaute ihn verdutzt an.
„Kennst du nicht den Standard, dass derjenige, der den Toten auffindet, für die Neubelegung des Zimmers zuständig ist?“ Er lachte und klopfte mir auf die Schulter.
„Ach so, nein.“, sagte ich und lachte auch, "Ha ha!" Ich war zu müde für eine schlagfertige Entgegnung.

Goldener Oktober




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