Er steht






Ich tanzte im Altenheim in den Mai. Langsam werde ich zum Einspringer vom Dienst. Als mich gestern die Stationsleitung anrief, war ich reichlich sauer. Es vergeht kaum eine Woche, dass nicht das Telefon klingelt: „Dingsbums ist krank – kannst du einspringen? Du bist meine letzte Hoffnung!“ Gestern war sowieso ein Pisstag. Und ich ohne Regenkleidung auf dem Weg in die Stadt, um mein Fahrrad von der Werkstatt abzuholen. Vor meinem Urlaub war es nötig, es mal wieder generalüberholen zu lassen. Ich rief extra vorher an und fragte, ob es auch fertig sei. Na klar, der Kollege mache gerade eine Probefahrt, hieß es. Als ich dann dort war, sagte der Kollege aus dem Hintergrund, dass er noch auf den „Umsteller“ warte und blablabla. Wann also? fragte ich. 16 Uhr 30, meinte er. Ich also wieder hinaus in den Regen. Eine Stunde in der Stadt herumtreiben. Hätte doch einen Schirm mitnehmen sollen. Oder wenigstens eine Regenjacke anziehen. Egal, ich war schon nass. In einem Spießercafé trank ich einen Kaffee und ging pinkeln. Dann in den Supermarkt und zur Bank. Für die Fahrradreparatur brauchte ich mehr Moneten, als ich einstecken hatte. Sie nahmen nur Bares. Noch eine halbe Stunde – also in die Straßenbahn gestiegen, um nicht noch nasser zu werden und am Bahnhof gelandet. Ein Bier trinken, dachte ich, etwas zur Ruhe kommen und trocknen. Vorsichtshalber rief ich nochmal in der Werkstatt an, bevor ich wieder hinfuhr. Das Fahrrad sei nun fertig, hieß es. Schön, aber es war gerade so gemütlich, und ich trank noch ein Bier. Und immer dachte ich an den scheiß Nachtdienst, den ich noch vor mir hatte. Inzwischen war es 17 Uhr 30. Uff!

Wenigstens ist mein Fahrrad jetzt wieder in Schuss. Es wartet darauf, dass ich es zum 1. Mai ausfahre. Das Wetter ist so lala. Eine Runde über die Felder zur Züchterklause drehen. Und heute Abend in einer Kneipe das Champions League Halbfinale „Barca - Bayern". Wahrscheinlich werde ich aber zu müde sein. Mit Schlafen war nicht viel. Diese einzelnen Nachtwachen schmeißen mich total aus der Bahn. Ich fühle mich wie besoffen (haha!).

Udo Bölts (Gast) - 01. Mai. 13, 15:53

Dauernd diese spießige Biersauferei..... Probier mal was anderes!

bonanzaMARGOT - 01. Mai. 13, 16:00

klar trinke ich auch noch anderes. ermüde mich bitte nicht mit dummen kommentaren - ich bin schon müde.
arboretum - 10. Mai. 13, 16:17

Leider stellen nur wenige Alten- und Pflegeheime klare und verbindliche Vertretungsregelungen auf. Stattdessen werden Rundrufe gestartet. In der überwiegenden Mehrheit der Einrichtungen läuft es so wie bei Ihnen: Bei den Gutmütigsten und denen, die am schlechtesten Nein sagen können, klingelt das Telefon zuerst, wenn kurzfristig Ersatz benötigt wird. Und besonders häufig. Damit verschleißt die Leitung das Personal zusätzlich. Und dann wundern sie sich, dass die Mitarbeiter krank werden oder gleich ganz weggehen.

bonanzaMARGOT - 11. Mai. 13, 07:22

kann dir leider nur zustimmen.
arboretum - 11. Mai. 13, 11:57

Besonders frustrierend ist, dass das nicht so sein müsste, wenn die Geschäftsführung nur mal nachdenken und sich schlau machen würde. Aber es wird so getan, als könnte man immer so weiter machen auf dem Rücken der Mitarbeiter, als gäbe es nicht bereits einen massiven Fachkräftemangel. Es gibt Einrichtungen, da ist man klüger und hat grundlegend Dinge geändert. Da bewerben sich natürlich jetzt mehr Leute um eine Stelle.
bonanzaMARGOT - 11. Mai. 13, 16:32

Irgendwie bin ich selbst schuld, dass ich unter diesen Bedingungen noch maloche. Wahrscheinlich weil die Arbeitslosigkeit noch ein größeres Schreckgespenst darstellt. Und weil ich mir schwer einen anderen Job vorstellen kann.
arboretum - 11. Mai. 13, 19:00

Kann ich gut verstehen. Vielleicht wäre mit einem anderen, besser organisierten Arbeitgeber schon geholfen. Paradoxerweise ist es gerade im Gesundheitswesen mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter und "gesunder Führung" oft nicht sehr weit her. Die meisten Einrichtungen haben davon noch gar keinen Schimmer, und bei denen, die etwas machen, muss man hinschauen, ob die nicht nur in Aktionismus verfallen sind, sondern wirklich zielgerichtet ihre Strukturen geändert haben. Die, die das tatsächlich hinbekommen, gewinnen dafür durchaus auch Auszeichnungen wie den Deutschen Arbeitsschutzpreis oder Corporate Health Award.
bonanzaMARGOT - 11. Mai. 13, 19:17

hm, du kennst dich ja in der materie aus.
ich bin leicht überfordert, wenn ich auch noch für meine chefs denken soll. die sollen ihren job gut machen, und ich versuche mein bestes.
sicher gibt es immer ausreißer nach oben wir nach unten.
arboretum - 11. Mai. 13, 19:27

Die Chefs und Chefinnen sollen auch schön selbst denken. Nur wenn die nicht bald etwas ändern und die Bedingungen verbessern, dürfen die in absehbarer Zukunft selbst Nachtwache schieben und Pflegebedürftige versorgen. Wo sollen denn die vielen Mitarbeiter herkommen, die jetzt schon fehlen und von denen aufgrund des demographischen Wandels künftig noch mehr gebraucht werden? So viel qualifiziertes Pflegepersonal kann man aus dem Ausland gar nicht importieren, genauso wenig kann man alle Alten nach Thailand exportieren, um sie dort pflegen zu lassen.

Wie gesagt, ein besserer Arbeitgeber lässt sich womöglich finden. Damit die Arbeit weniger auf die eigenen Knochen geht. 17 Jahre sind eine lange Zeit, und die Psyche muss auch noch so lange durchhalten. Wie soll das gehen, wenn die Einrichtung, in der Sie arbeiten, auf Personalverschleiß fährt?
bonanzaMARGOT - 11. Mai. 13, 19:34

da ich nicht mobil (per auto) bin, habe ich dort, wo ich wohne, keine allzu große auswahl. es gibt zwar ca. eine handvoll altenheime, die für mich noch erreichbar wären, aber von deren personal höre ich auch nicht unbedingt besseres. ich will nicht vom regen in die traufe kommen - da bleibe ich lieber beim vertrauten "mist".
arboretum - 11. Mai. 13, 19:42

Nee, ein Wechsel lohnt nur, wenn es dort dann wirklich besser ist.
bonanzaMARGOT - 11. Mai. 13, 19:46

genau. ich sperre schon immer die ohren auf, wenn ich alte kollegen und kolleginnen treffe, die mir von ihren erfahrungen in anderen heimen berichten.
bei "fremden" muss man aufpassen, was man sagt. jemineh, was ich für geschichten erzählen könnte!

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