Hermann Knoflacher: Virus Auto

Lebensraum für Autos, aber nicht für Kinder


Dass jedes Haus und jede menschliche Aktivität mit dem Auto erreichbar sein muss, widerspricht allen angeführten Prinzipien. Eine Rechtsordnung aus dem Dritten Reich wird von den gegenwärtigen Demokraten rücksichtslos und bedingungslos umgesetzt. Die Reichsgaragenordnung verfolgte die Absicht, die Motorisierung zu fördern, um sich die Mittel für den Aufbau der Kriegsmaschinerie zu sichern. Deshalb wurde jedem, der eine Wohnung oder Arbeitsstätte bauen wollte, vorgeschrieben, für die vorhandene und in Zukunft zu erwartende Zahl an Fahrzeugen Parkplätze auf eigenem Grund oder in der Nähe bereitzustellen. Die Bauordnungen haben dies übernommen und schreiben zu jeder Wohnung Parkplätze vor, nicht aber Kinderzimmer. Die Gesellschaft wird verpflichtet, Lebensraum für die Produkte der Autoindustrie zu schaffen, zu Lasten des Lebensraums der eigenen Nachkommen.
Die Menschen reagieren intelligent, sie passen sich den geänderten Bedingungen an. Statistisch ist es eindeutig nachweisbar, dass die zunehmende Motorisierung nicht nur in den Städten, sondern auch am Land zu einer Abnahme der Kinderzahl und Familiengröße führt. Die Menschen passen sich der menschenfeindlichen Umwelt enbenso an wie die Lurche und Kröten an eine Fahrbahn, die sie von ihren Laichgebieten abschneidet: Die Zahl der überfahrenen Kröten und Lurche reduziert sich in wenigen Jahren auf null. Sie haben sich durch Aussterben angepasst.
Wird die Umwelt so verändert, dass der Fussgänger nichts mehr erreicht, wie in australischen oder amerikanischen Siedlungen, aber auch in unseren für das Auto zugeschnittenen Vororten, mutieren die Menschen in eine andere Lebensform, sie werden Autofahrer.

(Auszug aus Hermann Knoflacher - Virus Auto)

ein literarisches Tagebuch

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