Donnerstag, 8. September 2011

Ins Blaue hinein


Die Gegenwart ist unendlich. Nur die Gegenwart. Die Vergangenheit verirrt sich wie ein scheues Reh. Und die Zukunft hüpft vor unseren Augen wie ein junger Bock herum. Doof nur, dass die Gegenwart nicht anzuhalten ist. Ich reise in einem Zug, in dem sich alles ständig ändert. Nicht nur das Personal wird älter und grauer - auch ich. Trotzdem habe ich die Illusion, dass bei mir die Zeit stillsteht. (Nun dürfte klar sein, warum ich Spiegel scheue. Sowie Fotos. Sie sind Zeitmaschinen.)
Als ich jung war, sah ich mich noch gern im Spiegel, - betrachtete meine Silhouette heimlich in den Schaufenstern, wenn ich durch die Fußgängerzone schritt. Ich hatte das Gefühl ewiger Jugend. Ich fühlte mich stark und schön. Doch der Zug fuhr weiter, und ich entdeckte langsam die anderen Perspektiven, - die des Altwerdens. Das Abteil schien zu schrumpfen. Der Fahrtwind verlor seine Abenteuerlichkeit. Ich zog mich zurück in den Speisewagen ..., sofern er nicht überfüllt war.

Manchmal kühle ich meine Gesichtshälfte an der Scheibe. Es ist wie ein zärtliches Berühren der Zeit, der Vergänglichkeit. Die Landschaften huschen vorbei, und ich sitze still. Ich sitze nicht allein, aber oft fühle ich mich allein. Viele der Mitreisenden sind so sehr mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht die Gegenwart spüren. Diese unendliche Gegenwart. Auch Bewußtsein genannt. Ist ihnen klar, dass sie irgendwann aussteigen müssen?

Ich denke und schreibe, damit die Zeit stillsteht. Im Geiste greife ich durch das Zugfenster ..., lasse mich ganz hinaus ziehen in die Unendlichkeit. Ewig und unabänderlich.
Zurück bleiben meine Worte.

ein literarisches Tagebuch

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