Sonntag, 4. September 2016

TV-Tipp:

"Der elektrische Reiter", 20 Uhr 15, Arte

Samstag, 3. September 2016

Grundsätzliches


Ich stelle mir das Leben als einen Weg vor, der um einen Berg herumführt. Wir sehen nicht um die nächste Biegung, und immer droht der Absturz – auch wenn der Wegesrand befestigt wirkt.
Den Gipfel des Berges kriegen wir selten oder gar nicht zu Gesicht. Er ist auch nicht unser Ziel – mehr eine Einbildung.

Zwischendurch gestaltet sich der Weg steil und steinig, dann wiederum erscheint er uns viel zu eben und gut ausgebaut. Die Lebenserfahrung sagt uns, dass es unmöglich so leicht weitergehen wird. Man muss auf alles gefasst sein. Hinter der nächsten Biegung kann sich bereits eine unüberwindbare Lücke durch einen Erdrutsch auftun. Niemand kann sicher sagen, was die Zukunft in petto hat. Wir beten zu Gott, der wohl irgendwo da oben auf dem Gipfel wohnt, dass er uns vor allem möglichen Ungemach beschützt.

Nachdem wir eine gute Weile gegangen sind, merken wir, dass wir müde werden. Wo soll das enden? Im Krankenhaus oder Pflegeheim? Auf der Müllkippe des Lebens? Wir sehen die Kreuze am Wegesrand. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es einen auch erwischt.

Vielleicht gehen wir sogar mehrmals um den Berg herum. Jedenfalls kann es einem so vorkommen, weil sich vieles wiederholt – man sieht dasselbe lediglich aus einer anderen Perspektive. Ich stelle mir vor, dass sich der Weg spiralförmig den Berg hochwindet – niemandem ist es aber vergönnt, ganz oben anzukommen. Wir machen lange vorher schlapp (oder werden aus der Bahn geworfen).

„Der Weg ist das Ziel“ – diese Weisheit müsste sich eigentlich jedem früher oder später aufdrängen. Was da oben auf dem Gipfel stattfindet, gehört ins Reich der Spekulationen. Am besten konzentriert man sich einfach auf seine Strecke.

Es wäre gut, wenn man dabei diese ganzen Angstgespenster, die einem auflauern, in den Griff bekäme. Diese fuckin` Wegelagerer! Der meiste Mist auf der Welt passiert wegen der Ängste, die uns den Verstand rauben…

Freitag, 2. September 2016

Ich fertig


Die Fortbildung endete unspektakulär. Der Bildungsreferent vertrat die Schulleiterin, orderte jeden von uns nach vorne zur Abgabe der Praktikumsunterlagen und bat danach um eine kurze Schilderung der gemachten Erfahrungen und ein Fazit zur Fortbildung insgesamt und zur Schule. Acht von ehemals elf Schülern waren zugegen. Eine schied schon vor Monaten wegen Krankheit aus, eine war aktuell krank, und eine wurde aus der Maßnahme geschmissen, weil sie sich nicht um einen Praktikumsplatz bemüht hatte und häufiger fehlte als anwesend war.

Es war ein komisches Gefühl nach vier Monaten, noch einmal den Weg zur Schule zu gehen. Wie gewohnt kehrte ich vorher kurz im Bierbaum ein. Studenten, die die Nacht durchgemacht hatten, feierten in den Morgen hinein. Cria bediente wie immer lässig und quatschte schwer verständlich mit ihrem Thai-Akzent drauflos. Nichts hatte sich verändert. Ich wurde herzlich begrüßt und sagte: „Ich hole heute nur mein Zeugnis ab.“ Die laute Musik füllte den Raum, und ich blickte von meinem Thekenplatz aus versonnen hinaus auf den strömenden Verkehr der Sonnenallee…

Meine Mitschülerinnen waren mir seltsam fremd – und doch noch vertraut durch die Monate gemeinsamer Schulzeit. Einige hatten Glück mit dem Praktikum und dadurch einen Arbeitsplatz, einige waren zurück beim alten Arbeitgeber; ich hatte mich bereits Anfang der Woche bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Einheitlich sagten wir, dass die Fortbildung zu allgemein, also nicht fachspezifisch genug gewesen sei für die Anforderungen der meisten Arbeitgeber. "Mehr ist halt in die acht Monate Schule schwer hineinzupacken, und der Rententräger finanziert nun mal keine längere Fortbildung", meinte der Bildungsreferent, der, glaube ich, ganz froh war, als die Veranstaltung mit uns dem Ende zuging. Wir erhielten unsere Zeugnisse und wurden mit guten Wünschen entlassen. Das Bier vom Bierbaum drückte auf meine Blase. Ich verzog mich auf die Toilette und stahl mich davon.
Draußen brummte ein schöner Augusttag. Die Sonne umarmte die Stadt. Mein Herz fühlte sich leicht und schwer zugleich an. Oder eher gefühllos. Ich schlappte zurück zum Bierbaum. Die Studenten verabschiedeten sich gerade. Ich mailte O., dass ich fertig sei.

Donnerstag, 1. September 2016

Auf der Strecke (Berlin - Usedom)




Werbellinsee




Gartenwirtschaft an der Strecke




Kanu & Bike Prenzlau




Ueckermünde




Fähre Kamp




Stolpe




die letzten Kilometer

Mittwoch, 31. August 2016

Bansin













war genau das Richtige

Dienstag, 30. August 2016

Berlin - Usedom


Gut, dass ich die letzte Urlaubswoche nicht zuhause abhing, sondern mich aufs gute alte Fahrrad schwang und nach Usedom fuhr. Zumal der Sommer noch mal aufdrehte. Dreihundert Kilometer auf meist guten Wegen, selten Autostraße. Erst an der Ostsee und auf Usedom wurde die Strecke mies: jede Menge Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, Panzerplatten, Feldwege… Gott sei Dank hielten mein Drahtesel und meine Knochen durch. Die Fahrt war anstrengend (ich hatte ein zeitliches Limit), aber ich war nicht überfordert. Dienstagmittag fuhr ich los, und Freitagmittag wollte ich mich mit O., die mit dem Fernbus anreiste, in Bansin treffen.
Da ich mit Zelt unterwegs war, visierte ich Campingplätze an, die leider rar gesät sind. Gerne hätte ich am zweiten Tag noch mehr Kilometer abgespult aber stellte in Prenzlau am frühen Nachmittag mein Zelt auf, weil es bis Ueckermünde die letzte Möglichkeit war.
Am besten radelte es sich durchs Biosphären-Reservat Schorfheide Chorin: gute Wege, wunderbare Landschaft, viele Seen und Haltepunkte zur Erfrischung von Leib und Seele. Hinter Prenzlau wird der Charakter der Landschaft vor allem von Landwirtschaft geprägt. Weiter hin zur Ostsee, entlang der Uecker, kam ich durch große Waldgebiete (Fichten- und Mischwald), militärische Sperrbezirke. Diese Strecke brachte ich schnell hinter mich, weil sie eben war und an einer Autostraße verlief, wo es keine guten Rastmöglichkeiten gab. Ansonsten ist die Topografie Pommerns hügelig – man muss einige Steigungen bewältigen.
Ruck zuck erreichte ich Ueckermünde in der Mittagshitze des dritten Tages. Nach einer hopfenhaltigen Erfrischung auf dem Marktplatz ging es weiter durchs Stettiner Haff… Ich sparte mir den Schlenker über Anklam und setzte mit einer kleinen Fähre bei Kamp über nach Usedom. So weit so gut. Nur Campingplätze gab es keine in unmittelbarer Nähe. Ich spürte nun doch die Erschöpfung, - hinzu kamen die schlechten Wege auf Usedom, die ein zügiges Vorankommen nicht zuließen. Schweren Herzens entschied ich mich für eine Hotelübernachtung. Doch das hatte ich mir zu leicht vorgestellt. In der Inselhauptstadt Usedom wurde ich von Pontius zu Pilatus geschickt, und erhielt stets die Auskunft: „Tut mir leid, alles belegt.“ Schließlich fand ich in dem schönen Örtchen Stolpe ein Zimmer, d.h. eine ausgebaute Dachkammer, heiß wie in der Sauna…
Aber ich hatte TV, und es kühlte langsam ab. Nachdem ich „Zorn – Tod und Regen“ geguckt und einige Stechmücken erfolgreich platt gemacht hatte, schlief ich selig ein.

Die Fahrt nach Bansin am nächsten Morgen war ein Katzensprung (lütte 30 Kilometer). Bereits 10 Uhr saß ich auf einer Bank an der Strandpromenade, unser Hotel im Blick, und wartete auf O.s Ankunft. Vor uns lag ein wunderschönes Wochenende mit viel Sonne, Meer, Bier und gutem Essen.

Zypern













Pictures

Montag, 22. August 2016

Nur kurz


Heute Morgen tauchte sie auf. Frau Freiheit, die Echte, ungeschminkte. Ich erkannte sie gleich wieder. Sie gibt einem das Gefühl, dass das Leben herrlich ist, als wäre man von jeder Last befreit. Prima, dachte ich, denn ich hatte sie schmerzlich vermisst.

Ich landete in einer Berliner Regennacht. Flughafen Schönefeld. Von der heißen Badewanne Zypern unter die laue Dusche Berlin. In S- und U-Bahn das ganz normale Horrorkabinett. Na ja, auch an den Stränden Zyperns (wie an allen Stränden der Welt) sah ich gewisse Gestalten. Der Horror hat viele Gesichter.
Es war heiß auf Zypern. Sehr heiß. Ich kam aus dem Schwitzen gar nicht heraus. Alles klebte. Die Luft salzig. Einzig wohltuend das Bad im herrlich blauen Meer.
Wir unternahmen einige Ausflüge in die Umgebung. Strandlieger bin ich nicht. Freilich ist das Meer die größte Attraktion. Das Meer, die Sonne und… der Linksverkehr. Ich musste beim Queren der Straßen verdammt aufpassen. Plötzlich kommen die Autos von rechts. Und anfangs suchte ich die Bushaltestelle auf der falschen Straßenseite. Dazu die Hitze und ein paar Bier in der hohlen Rübe. Perfekt.
Das Hotel war ganz okay. Keine Bettenburg. Mittelklasse. Alles Normalos. Vor allem Russen, Tschechen, Griechen und Engländer. Deutsch hörte ich weniger. Viele vom Dienstpersonal verstanden jedoch etwas Deutsch, und mit Englisch konnte man sich sowieso überall verständigen.
Ich las viel. Vom Balkon meines Zimmers blickte ich auf eine Ecke Meer und eine kleine Kirche, die mitten in der Pampa stand, und sich noch im Bau befand. Das Dach fehlte. Ich fand ihren Anblick faszinierend, ohne zu wissen warum. Ganz oben auf dem wackelig anmutenden Baugerüst stand ein Galgen mit einem Flaschenzug. Ein guter Ort, um sich aufzuhängen. In der Morgendämmerung würde es hinreißend aussehen. Die Baustelle ruhte. Fünfzig Meter vom Meer im staubigen Niemandsland.
Die Woche verging im Eiltempo. Wie bei fast allen Urlauben lief ich mir Blasen. Wir waren den ganzen Tag draußen. Bis ins Zentrum waren es drei Kilometer Fußweg. Bei vierzig Grad im Schatten kein großer Spaß. Drum pausierten wir ziemlich häufig auf den schattigen Terrassen der Bars und Cafés…

Und weil ich davon nicht genug habe, radle ich morgen von Berlin nach Usedom. Noch eine gute Woche Urlaub. Dann nochmal zur Schule, um das Zeugnis für meine Fortbildung abzuholen. Schließlich die bittere Pille Agentur für Arbeit. Hoffentlich guckt Frau Freiheit fortan öfter bei mir rein. Das Leben ist scheußlich ohne ihre Besuche.
















Samstag, 13. August 2016

Abflug!


Wenn ich nur mehr Geschäftssinn hätte… Ein Thema, dass ich bald mal für mich erörtern muss.
Heute aber steht was Anderes auf dem Programm. Abflug nach Zypern! Eine Woche gnadenlos Sonne, Meer und Strand! Langsam stellt sich etwas Reisefieber ein. Ich spüre die Anspannung, flitze immer wieder zur Reisetasche, überlege, ob ich alles dabeihabe und sehe mich schon im Geiste abheben…
Wenn ich erstmal in der Maschine sitze, verlässt mich seltsamerweise alle Furcht. Es ist so ähnlich, wie es bei meiner Arbeit als Altenpfleger war. Ich machte mir immer einen Kopf im Vorfeld, aber sobald ich durch die Tür war, keine Spur mehr von Unsicherheit oder Angst. Bisher überlebte ich alles. Eben. Wenn`s passiert, passiert`s. Ich bin doch kein Hasenfuß! Außerdem sind Flugzeuge das sicherste Verkehrsmittel.
Aber Zypern klingt irgendwie gefährlich, oder nicht? Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mich noch dunkel an die Zeit erinnere, als der Zypernkonflikt durch die Medien gehechelt wurde. Es ist aber auch der Wortlaut. Zypern klingt nach Schlangen – Vipern oder so. Was einem nicht alles für ein Quatsch durch den Kopf geht. Tz, Tz.

Nun denn, allen Lesern und Bloggern eine schöne Zeit, wo auch immer Ihr seid. Mal sehen, was der August noch hergibt.

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