Freitag, 3. Januar 2014

TV-Tipp:

"Leaving Las Vegas", 22 Uhr 10, 3sat

Donnerstag, 2. Januar 2014

TV-Tipp:

"Knallerfrauen", egal, wann und wo es gerade läuft.

Ich sagte schon, dass ich Silvester im Nachtdienst verbrachte. Irgendwann nach dem Feuerwerk, als auch im Altenheim Ruhe eingekehrt war – es war einige Zeit lang wirklich erstaunlich ruhig –, konnte ich die Beine hochlegen und fernsehen. Es lief „Knallerfrauen“. Stundenlang. Ich weiß nicht mehr auf welchem Programm. Ich mag die Hauptprotagonistin Martina Hill und den Humor der Sketche. Manchmal richtig schön bösartig … absurd-komisch, provokativ. Martina Hill setzt sich toll in Szene. Ich vergaß streckenweise ganz, dass ich im Altenheim war.
„Knallerfrauen“ halte ich so ziemlich für das Beste, was zur Zeit unter Comedy im TV läuft.

Die unsichtbare Matratze


Nachdem ich die neue Matratze hatte, galt es, die alte zu entsorgen. Und auch den alten Rahmen. Also ließ ich mir übers Internet Abholtermine vom hiesigen Entsorgungs-Unternehmen geben . Die Matratze gilt als Sperrmüll, und der Lattenrahmen als Schrott. Einen Tag später erhielt ich per Mail die Auftragsbestätigung. Ich war froh, wieder etwas erledigt zu haben.
Am 30.12. wuchtete ich die große, schwere Matratze die tausend Stufen bis zum Gehweg hoch, wo ich sie zwischen eine Laterne und einen Lattenzaun klemmte, damit sie nicht vom schmalen Gehweg auf die Straße fallen konnte. Der Abholtermin war am 31.12., und sie schrieben, dass die Sachen ab 6 Uhr in der Früh bereitstehen sollten; also machte ich das schon am Vorabend, bevor ich zum Nachtdienst ging.
Gestern schaute ich dann zum ersten Mal nach, als ich den Hausabfall hoch zu den Tonnen brachte.
Scheiße! Die alte Matratze stand noch da. Sie zeigte mir die Zunge: Ätsch-Bätsch! Du wirst mich nicht los!
Nun telefonierte ich mit dem Entsorgungsunternehmen und beschwerte mich. Darauf reagierte man schroff: „Der Fahrer sagte, dass nichts bereit stand.“ Ich musste zweimal erklären, wo ich die Matratze deponiert hatte. Offensichtlich glaubte man mir nicht, dass ich sie rechtzeitig raus gestellt hatte. Beinahe hätte ich gesagt: „Vielleicht ist die Straßenlaterne ja eine Unsichtbarkeits-Lampe.“
Aber ich wollte die Gegenseite nicht verärgern. Kurz und gut: Ich kriegte einen neuen Abholtermin. Und für den Fahrer gab es eine extra Beschreibung, wo die Matratze genau stehen wird. Ehrlich gesagt, kam ich mir ziemlich blöde vor – wie ist es möglich, eine Matratze 1,4 Meter x 2 Meter unter einer Laterne auf dem Gehweg neben der Garageneinfahrt zu übersehen? (An der richtigen Adresse war er dank Satelliten-Navigation und Google Maps.)
Vorher wird der Abholtermin des Lattenrahmens sein. Mal sehen. Ich könnte mich frühmorgens auf die Lauer legen …, um diesen geheimnisvollen Vorgang zu beobachten.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Mittwochs-Weisheit

"Alle Flüsse werden für die überschreitbar, die sich ihren Quellen nähern."
(Unbekannt)

Dienstag, 31. Dezember 2013

Zug durch die Jahre


Zug durch die Jahre



Derweil in meine Studien vertieft,
ein alter Mensch tritt ins Abteil.
Er sitzt gebückt in Grau mir gegenüber,
draußen flitzen Landschaften vorüber.

Der Blick des alten Menschen ruht
in sich gekehrt,
verlegen breche ich das Schweigen
und frage, wohin er fährt.
Er schaut auf und sagt:
„Nicht weit, nicht weit.
Ich war auf der Suche
nach dem Motor der Zeit;
ich wanderte das ganze Leben,
wollte die Lokomotive finden,
die uns durch die Jahre zieht.
Hier bin ich – alt und müde
und habe es aufgegeben.“

Nach diesen Worten lächelt der
alte Mensch.
Kalenderblätter schweben über Wiesen,
ein neues Jahr, ein Herzenswunsch,
ein neues Leben
steigt ein, steigt aus.


(1985/86)





28 Jahre später sitze ich am Silvestertag im Licht der Schreibtischlampe. Ich warte auf meinen Nachtdienst. Es bleiben mir noch zwei Stunden, bis mein Bus fährt.
Als ich heute Morgen von der Arbeit kam, dachte ich, wie unwirklich und seltsam das Leben mir nach wie vor erscheint. „Absurd, absurd – ist mein Gefühl“ beginnt eines meiner ersten Gedichte, das ich ein Gedicht nennen will. Es trägt den Titel "Der fragende Mensch" ( v. 1981).
Ich war immer auf der Suche. Ich konnte das Fragen nie lassen. Nirgends gab es ein geistiges Zuhause für mich – außer meinem eigenen, selbst erdachten. Ich streunte durch das Leben ohne Ziel und Sinn. Immerhin fand ich eine Arbeit, mit der ich über die Jahre hinweg meinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Aber ansonsten kam ich nirgends an; und es ist unsicher, ob ich jemals irgendwo ankommen werde. Am Ende steht der alte Mensch, der ins Zugabteil tritt und sein Suchen aufgab.
...
Noch nicht. Die Lokomotive steht noch unter Dampf.
Ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Weiter durch die Jahre.
Der Tod meiner Eltern überschattete dieses Jahr, 2013. Es ist wirklich und unwirklich zugleich. Ich finde keine Worte.
Dass heute Silvester ist, kümmert mich wenig. Die Arbeit im Altenheim ist dieselbe wie jede Nacht. Ich verstehe die Menschen nicht, die um Mitternacht Feuerwerke anzünden. Ich verstehe weder das Leben noch die Gesellschaft. Ich bin bei den Alten, die alles ebenso wenig verstehen, oder denen es inzwischen egal ist, wenn die Jahreszahlen wechseln. Die Zeitmaschine, in der wir alle sitzen, spuckt uns nach und nach aus. Einen nach dem anderen. Manchmal auch überraschend.
2013, 2014, 2015, 2016 … Vergangenheit und Zukunft wachsen unaufhörlich zusammen. Wir sind eingeschweißt in dieses Raumzeitgewebe. Der Zug durch die Jahre ist ein elend langer Reißverschluss, der das Morgen und das Gestern zusammenfügt.
Nein, ich bin nicht trübsinnig, nur etwas müde manchmal. Entschuldigt, ich möchte eure Feierlaune nicht stören.

Bleibt gesund und frohgemut. Allen einen guten Rutsch!

Montag, 30. Dezember 2013

Melancholie und Gänsehaut zum Jahresende





Hurt (Lyrics by Trent Reznor, 1994)


i hurt myself today
to see if i still feel
i focus on the pain
the only thing that's real
the needle tears a hole
the old familiar sting
try to kill it all away
but i remember everything

what have i become?
my sweetest friend
everyone i know
goes away in the end
you could have it all
my empire of dirt
i will let you down
i will make you hurt

i wear this crown of shit
upon my liar's chair
full of broken thoughts
i cannot repair
beneath the stains of time
the feelings disappear
you are someone else
i am still right here

what have i become?
my sweetest friend
everyone i know
goes away in the end
you could have it all
my empire of dirt
i will let you down
i will make you hurts
if i could start again
a million miles away
i would keep myself
i would find a way

Sonntag, 29. Dezember 2013

TV-Tipp:

"Moderne Zeiten", 20 Uhr 15, ARTE

Grunderkrankungen?


Gestern in der Apotheke.
Die Apothekerin taucht hinter ihrem Schalter auf.
„ASS 500 N1 und Laxoberal Tropfen 30 ml bitte.“
Die Apothekerin hat die Sachen, die ich verlange, schnell zusammen, denn es sind gängige Medikamente. Während ich bezahle, fragt sie mich:
„Haben Sie eine Grunderkrankung?“
Ich bin verwirrt, weil mir selten in der Apotheke solche Fragen gestellt werden. Wenn überhaupt wird nur nachgefragt, ob ich über die Einnahme Bescheid weiß, was ich dann kurz bejahe.
Ich antworte also:
„Ich nehme die Medikamente, wenn ich sie nötig habe – also bei Bedarf.“
Darauf die Apothekerin:
„Das meinte ich nicht. Haben Sie irgendwelche Grunderkrankungen? Nehmen sie noch andere Medikamente?“
Was geht die das an? denke ich bei mir. Ärger steigt in mir hoch.
„Nicht dass ich wüsste. Es ist schon eine gute Weile her, dass ich beim Arzt war“, sage ich ausweichend.
„Sie haben also keine Grunderkrankungen?“
Mein Kopf läuft rot an. Ich kann nicht mehr an mich halten:
„Hm … es kann bereits eine Grunderkrankung sein, hier zu sein – ich meine, einfach zu leben, verstehen Sie?! Jedenfalls hege ich manchmal diesen Verdacht!“
„Nein, diese Grunderkrankung meine ich nicht“, entgegnet sie schnippisch, wohl merkend, wie genervt ich bin. Die Kollegin der Apothekerin am Nachbarschalter verbeißt sich ein Lachen.
„Okay.“ Ich schnappe die kleine Tüte mit den Medikamenten, verlasse eiligst die Apotheke, renne bei Rot über den Fußgängerüberweg und erwische gerade noch meinen Bus zum Universitätsplatz.
„Mamma Mia!“

Samstag, 28. Dezember 2013

Der Mensch und die Maschine



Die Maschinen liefen,
weil sie laufen mussten,
die Fabrikschornsteine rußten,
alles wurde schwarz und älter,
Wälder aus Beton standen unberührt,
Vögel sangen Lieder ungehört.

Menschen lebten zwischen Abfall und Ruinen,
kämpften um den letzten Happen Brot,
sie waren wenige und sehr alt,
ihre Haut war bleich und kalt,
das Blut in ihren Adern nicht mehr rot.

Menschen lebten,
weil sie leben mussten - wie Maschinen.



(1981)

Kennt ihr den?

Sagt eine Maschine zur anderen: „Ich bin ein Mensch!“
Hahaha!

Eine Biomaschine redet sich von der Seele


Die Waschmaschine läuft. Einmal die Woche ist es doch nötig. Beinahe sofort schießt mir die Assoziation in den Kopf, dass ich ebenso „laufe“ wie eine Waschmaschine – nach einem genetisch festgelegten Programm. Ein Druck auf den „Knopf“, und es beginnt. Es ist nicht sicher, ob das Programm wie geplant zu ende läuft. Es kann durch äußere Einwirkungen unterbrochen werden, oder es ist womöglich fehlerhaft. Davon merke ich aber nicht viel. Ich kenne das Programm nur in seinen äußeren Umrissen. Außerdem glaube ich an meinen freien Willen. Wie könnte ich nicht daran glauben? Nur eine Biomaschine mit einem relativ festgelegten Programm zu sein, ist keine sehr schöne Aussicht für ein Individuum, das Wert auf seine eigenen Entscheidungen legt, das von seinem Bewusstsein als die Entscheidungsinstanz überzeugt ist. Offenbar ist aber nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen der freie Wille lediglich ein frommer Wunsch bzw. eine Fiktion des Geistes. Experimente zeigen, dass Entscheidungen bereits kurz vor dem bewussten Gedanken im Kopf gefällt werden. „Ich denke, also bin ich“ wäre somit eine Farce, denn mein Sein geschieht schon vor dem Denken. Das Ich als ein Schauspieler, der den Text abliest. Der Autor steht hinter dem Ich im Verborgenen. Was kann ich machen, wenn ich nicht nur Marionette eines Programms, eines Unbekannten sein will? Kann ich so tief in mich gehen, dass der Nebelvorhang aufreißt und ich dem Unbekannten gegenüberstehe – der nichts anderes als das Ich meines Seins ist? Kann ich mit diesem Fremden reden, ohne dass es wiederum zur Farce wird? Woher will ich wissen, ob nicht hinter dem Schatten-Ich noch ein anderes steht?
Selten hinterfragen die Schauspieler des Lebens ihre Rolle. Ab und zu liest man davon in der Literatur und in der Philosophie. Eine Lösung dieses Problems konnte noch niemand erdenken. Für das normale, alltägliche Dasein ist es auch nicht nötig. Maschinen funktionieren einfach, oder sie sind fehlerhaft. Falls die Waschmaschine meine Wäsche nicht wäscht, muss ich sie austauschen, wenn ich nicht in schmutzigen Sachen herumlaufen will.
Nein, ich bin keine "Waschmaschine", und ich will keine sein! Mein Geist rebelliert gegen diesen abscheulichen Gedanken – er rebelliert gegen sich selbst. Was bleibt ist der Irrsinn, etwa der Irrsinn eines Antonin Artauds.
Welche Funktion haben die Verrückten, die Don Quijotes auf dieser Welt?
Sind sie die fehlerhaften Maschinen, die aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeit ihren Mitmenschen einen Spiegel vorhalten? Schaut doch mal richtig hin! Lasst eure alltäglichen Sorgen Sorgen sein. Überdenkt eure Rolle. Wollt ihr einfach nur funktionieren? Reichen euch die Ersatzbefriedigungen durch den Wohlstand?
Vielleicht meint ihr, dass solche Gedanken morbide sind. Es muss euch so vorkommen, denn das Programm verbietet solcherlei Ideentum. Darum ist es erstaunlich, dass sich Menschen trotzdem von Kunst und Philosophie bis zu einem gewissen Grade angezogen fühlen. Ich betone „bis zu einem gewissen Grade“. Wie oft wurde und wird von entarteter Kunst gesprochen? Je spießiger ein Mensch ist, desto weniger kann er freies Denken billigen. Und der „Kleingeist“ beschränkt sich keineswegs auf Menschen mit geringem Bildungsstatus. (Dies wäre thematisch gesondert zu erörtern.)
Meiner Meinung nach sollte der Mensch seine geistigen Fähigkeiten so weit wie möglich ausschöpfen, um dem Marionettenspieler im Hintergrund ein Schnippchen zu schlagen. Auch wenn es aus dem Programm erst mal kein Entkommen gibt, so wird vielleicht eines Tages ein neuer Mensch entstehen, der die Barriere durchstößt und wirklich Herr über sein Sein wird. Zumindest könnten wir eine Stufe in der Bewusstwerdung höher steigen.
Wenn wir die Welt retten wollen, sollten wir uns damit beeilen.

TV-Tipp:

"Micmacs - Uns gehört Paris!", 22 Uhr 15, RBB

Freitag, 27. Dezember 2013

Hoffnungsschimmer




nach der Wintersonnenwende werden die Tage langsam wieder länger

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