In drei Wochen habe ich Urlaub! Seit einiger Zeit ringe ich um ein Reiseziel. Und nun habe ich mich entschieden: Ich werde den
Oder-Neiße-Radweg von Görlitz nach Uckermünde entlang fahren - und je nach Witterung, Lust und Zeit noch an der Ostsee wenigstens bis Stralsund. Diese Strecke wollte ich bereits letztes Jahr fahren, doch da kam mir eine Liebe in Kärnten dazwischen. Jedenfalls besitze ich die betreffende Radwanderkarte darum schon und schaute mir die einzelnen Streckenabschnitte an.
Wenn nur das Wetter halbwegs mitspielt …, sollte es ein wunderbares Erlebnis werden!
Mit dem Zug will ich bis Dresden reisen, an der Elbe ein Päuschen einlegen, mir ein paar Blicke auf Dresden genehmigen und dann von dort Görlitz anvisieren, wo die eigentliche Tour startet. Das Ganze mit Zelt.
Bei Stettin komme ich der Heimat meines Vaters nahe. Ich werde oft an ihn denken müssen.
Nun, da ich ein Ziel habe, würde ich am Liebsten heute aufbrechen! Ich spüre eine nervös-freudige Erwartung wie vor jeder meiner Radreisen.
"Der Sinn des Lebens für 9,99$", 22 Uhr 35, 3sat
bonanzaMARGOT
- 03. Mai. 13, 12:11
Es gab einmal eine Frau, die spannte eine Schnur wie eine Wäscheleine unter der Zimmerdecke, woran sie die Postkarten hängte, die ich ihr geschickt hatte. Wenn ich in ihrem Bett lag, sah ich meine Karten dort oben baumeln. Ich konnte gar nicht nicht hinschauen. Nach wenigen Monaten war die „Leine“ voll, und sie musste die neuen Postkarten über die alten clippen.
Tja, Fernbeziehungen … Das Platzproblem ist seit ein paar Monaten gelöst. Sie wird die „Leine“ längst abgenommen haben. Ich weiß noch, als sie, kurz nachdem wir uns verliebt hatten, die Photos von ihrem Ex entfernte, jedenfalls so, dass sie mir nicht ins Auge sprangen, also z.B. neben dem Bett. So ist das – immer muss man Platz schaffen für Neues. In der Wohnung wie auch in Kopf und Herz. Wobei das Platz schaffen in der Wohnung noch die leichteste Übung darstellt. Ich kann die Artefakte aus alten Beziehungen, die ich entsorgte, nicht zählen: Bilder, Briefe, Postkarten, Geschenke … Aber niemals warf ich alles weg, so dass immer ein paar Erinnerungsstücke an alte Zeiten und alte Liebschaften blieben. So mache ich es mit allen Dingen meines Lebens: Ich schmeiße viel aber nicht alles weg. Einige Sachen behalte ich zur Verdeutlichung meiner gelebten Vergangenheit (meiner Biographie), so dass ich, falls ich Lust dazu habe, als Archäologe in eigener Geschichte tätig werden kann.
Dazu kam mir gestern eine neue Blog-Idee: Wie wäre es, wenn ich meine alten Tage- und Notizbücher in einem Extra-Blog aufarbeitete? Es betrifft meine Prä-Computer-Zeit, als ich das Meiste handschriftlich notierte. Ich würde mir also meine alten Aufzeichnungen vornehmen und sie chronologisch Tag für Tag in ein Blog schreiben. Natürlich redigiert. Sozusagen ein Tagebuch aus der Vergangenheit … Eine kleine Zeitreise für mich und die Leser – sofern sich jemand dafür interessiert. Jedenfalls wäre ich durch dieses Projekt motiviert, meine alten Sachen peu à peu zu überarbeiten. Bisher fehlte mir nämlich immer der Antrieb dazu. Wenn ich mir jeden Tag adäquat nur einen Tagesbeitrag aus den Notizbüchern vornähme, sollte es keine große Mühe darstellen.
Das Mysterium der Zeit – wie wir uns unsere Zukunft vorstellen, und wie wir uns in der Vergangenheit wiederentdecken, faszinierte mich schon immer. Inzwischen habe ich genug Stoff aus der Vergangenheit. Das Leben ist ein Bild, das sich umso mehr offenbart, desto mehr man von ihm sieht. Meist leben wir nur im Segment der Gegenwart – und wundern uns vielleicht, wie wir dorthin gelangten. Dabei könnten wir uns selbst die Zukunft lesen, wenn wir mutig und ehrlich auf unser Leben blicken. Und danach sind wir erst wirklich frei für Neues.
Meine Gute Laune
Ich stecke in der zähen Masse Menschen.
Wo nehme ich die gute Laune her?
Ich bin nicht besonders sozial,
kein guter Unterhalter.
Wo nehme ich die gute Laune her?
Ich grabsche nach meinem Arbeitslohn
und zahle,
dass ich nicht friere,
nicht hungere,
dass ich Licht habe und Schreibzeug,
dass ich in meinem Bett schlafe
und Wände mich schützen,
dass ich nicht verdurste ...
Wo nehme ich die gute Laune her?
In einer Welt voll Ahnungsloser,
wo Gelehrte und Raffer sich um die Wahrheit schlagen,
während die Masse von schlichter Überlebensangst
gepackt ...
Wo nehme ich die gute Laune her?
Oh! Ich hänge sehr am Leben
aber nicht an den Pflichten.
Ich bin ein weltvergessener Träumer
mit verkrampften Eingeweiden.
Ich fühle mich wie eine eingemottete Mondrakete,
die nie starten wird.
Wo nehme ich die gute Laune her?
Ganz von selbst lache ich über die alten Witze,
die alten Knochen, die alte Verzweiflung ...
Lebensfreude wird inszeniert, getanzt,
gespielt, geklatscht, gesungen,
bis sie ins Blut geht
und in die Beine, und in die Hüfte,
und in alle Körpersäfte.
(o2.12.1997)
Ich tanzte im Altenheim in den Mai. Langsam werde ich zum Einspringer vom Dienst. Als mich gestern die Stationsleitung anrief, war ich reichlich sauer. Es vergeht kaum eine Woche, dass nicht das Telefon klingelt: „Dingsbums ist krank – kannst du einspringen? Du bist meine letzte Hoffnung!“ Gestern war sowieso ein Pisstag. Und ich ohne Regenkleidung auf dem Weg in die Stadt, um mein Fahrrad von der Werkstatt abzuholen. Vor meinem Urlaub war es nötig, es mal wieder generalüberholen zu lassen. Ich rief extra vorher an und fragte, ob es auch fertig sei. Na klar, der Kollege mache gerade eine Probefahrt, hieß es. Als ich dann dort war, sagte der Kollege aus dem Hintergrund, dass er noch auf den „Umsteller“ warte und blablabla. Wann also? fragte ich. 16 Uhr 30, meinte er. Ich also wieder hinaus in den Regen. Eine Stunde in der Stadt herumtreiben. Hätte doch einen Schirm mitnehmen sollen. Oder wenigstens eine Regenjacke anziehen. Egal, ich war schon nass. In einem Spießercafé trank ich einen Kaffee und ging pinkeln. Dann in den Supermarkt und zur Bank. Für die Fahrradreparatur brauchte ich mehr Moneten, als ich einstecken hatte. Sie nahmen nur Bares. Noch eine halbe Stunde – also in die Straßenbahn gestiegen, um nicht noch nasser zu werden und am Bahnhof gelandet. Ein Bier trinken, dachte ich, etwas zur Ruhe kommen und trocknen. Vorsichtshalber rief ich nochmal in der Werkstatt an, bevor ich wieder hinfuhr. Das Fahrrad sei nun fertig, hieß es. Schön, aber es war gerade so gemütlich, und ich trank noch ein Bier. Und immer dachte ich an den scheiß Nachtdienst, den ich noch vor mir hatte. Inzwischen war es 17 Uhr 30. Uff!
Wenigstens ist mein Fahrrad jetzt wieder in Schuss. Es wartet darauf, dass ich es zum 1. Mai ausfahre. Das Wetter ist so lala. Eine Runde über die Felder zur Züchterklause drehen. Und heute Abend in einer Kneipe das Champions League Halbfinale „Barca - Bayern". Wahrscheinlich werde ich aber zu müde sein. Mit Schlafen war nicht viel. Diese einzelnen Nachtwachen schmeißen mich total aus der Bahn. Ich fühle mich wie besoffen (haha!).
"Waltz with Bashir", 22 Uhr 15, 3sat
bonanzaMARGOT
- 30. Apr. 13, 13:54
sucht Gesellschaft
"Der brave Soldat Schwejk (1+2)", 22 Uhr 50, MDR
bonanzaMARGOT
- 29. Apr. 13, 13:36
Aus den Nachrichten: Eine vermeintliche Briefbombe an den Bundespräsidenten wurde aus Sicherheitsgründen gesprengt. Inhalt der gefährlichen Post war aber lediglich ein gebrauchtes Kondom. Sprengkraft überschätzt ...
Das Wochenende bestand aus Nachtdienst und Schlafen. Eine alte Freundin rief mich am Samstag an. Sie wohnt seit einigen Jahren im Hunsrück. Als ihre Eltern zum Pflegefall wurden und verstarben, erreichte mich das wie ein Warnschuss – da waren Vater und Mutter noch wohlauf – , und ich versuchte sie auf die Pflegeproblematik und ihre Vorstellungen dahingehend anzusprechen … Nun ist alles vorbei. „Hallo, du Vollwaise“, begann sie das Telefonat. Wir redeten lange. Sie haderte wie früher mit den Zuständen in der Altenpflege. Ihren kämpferischen Geist hat sie noch, dachte ich. Wir waren gute Nachtwachen-Kollegen gewesen, und mehr. Vielleicht war ich ihr zu spießig, zu wenig idealistisch. Sie suchte mehr den Aussteigertypen und Freak. Dabei traf sie dann die kaputten Typen. That`s life. Jedenfalls blieb sie einer der wenigen Menschen, die mir am Herzen liegen, und andersherum gilt das wohl auch. Wenn ich nur nicht so ein Telefonmuffel wäre. Selten rufe ich an.
Sonntagfrüh musste ich mangels Direktverbindung mit dem Bus über den Bahnhof zurückfahren. Ich nutzte die Gelegenheit für einen kleinen Einkauf und schaute den morgendlichen Ausflügler und Reisenden zu. Die Müdigkeit überfiel mich, kaum dass ich mich irgendwo setzte. Ich hatte nur den einen Nachtdienst, war also schon über 24 Stunden wach. Taxi wollte ich diesmal keins nehmen. Die Taxifahrerei ist zwar bequem aber geht mit der Zeit ins Geld. Also riss ich mich zusammen und machte mich vom Bahnhof aus auf den Nachhauseweg mit Straßenbahn und Bus.
Es war ein typischer Sonntagvormittag. Nichts los auf den Straßen. Mir begegneten lediglich einige Kirchgänger. Vor mir lag das Kaffeehaus. Fast hätte ich sofort wieder die Flucht ergriffen. An der Bar war ein Frühstücksbuffet aufgebaut, und der Laden brummte voll Familien mit Kind und Kegel. „Brauchst du einen ganzen Tisch?“ fragte mich der Chef, der mithalf. „Nein“, antwortete ich und schaute mich um. Ich durfte sitzenbleiben und mein Weizenbier trinken. „Nachtdienst gehabt?“ „Ja, ich warte auf den Bus. Ich räume gleich wieder das Feld.“ „Lass dir ruhig Zeit“, meinte der Chef grinsend. In der Folge kamen allerdings immer mehr Gäste, und ich fühlte mich unbehaglich, weil ich einen Tisch mit drei Plätzen belegte. Es war, als befände ich mich im falschen Film: Um mich herum die saubere, heile Sonntagswelt und ich dazwischen mit müden Augen, zerknautschter Lederjacke und einem Bier. Zügig trank ich aus und verabschiedete mich. Lieber betrachtete ich mir noch die Auslagen einiger Schaufenster auf dem Weg zur Bushaltestelle.
Ich machte es mir in meinem Bett gemütlich, wo ich bis heute, Montagmorgen, verblieb. Überflüssig zu sagen, dass ich Sonntage nicht mag. Sie sind für mich toter als tot. Es sollte sie nicht geben. Den Sonntag nach einem Nachtdienst zu verschlafen, war also nicht die schlechteste Lösung.
Der graue Asphalt der Fahrbahn glänzt. Noch kann ich durch das Dickicht hinunter zur Straße sehen. Aber nicht mehr lange – das Grün wuchert munter.
Es regnet Bindfäden. Ein Nachtdienst steht vor der Tür. Ich ergebe mich in die Nachmittagslethargie mit einem schlechten Fernsehprogramm. Die rote Wäscheleine vorm Fenster erinnert mich an sonnige Tage des letzten Jahres. Zwei rote Wäscheklammern baumeln an ihr, ihre Farbe inzwischen ausgeblichen. An den Enden sind sie beinahe durchsichtig. Ich denke an ein Herz, das in der Witterung langsam seine Farbe verliert und durchsichtig wird. Vielleicht passiert das manchmal im Leben.
Vor einem Jahr lebten auch die Eltern noch. Ich kann immer noch nicht fassen, was alles in den wenigen Monaten passierte. Der Schlüssel für das Elternhaus liegt auf dem Fenstersims neben Armbanduhr, Kugelschreiber und Notizzetteln. Was ich wohl fühlen werde, wenn ich die Tür aufschließe und in die Vergangenheit eintrete? Ich werde allein sein mit den Erinnerungen … Irgendwo zwischen all den Sachen sind die Eltern noch. Ich will mir Zeit lassen, eine Dose Bier im Rucksack. Bei den Gedanken daran muss ich tief Luft holen, und meine Augen füllen sich mit Tränen.
Ich lege meine Hand auf den Heizkörper. Er wärmt leicht. Pissing whole day long. Das Rauschen der Autos tönt von der Straße zu mir hinauf. Ich zappe durch die TV-Programme. Eigentlich habe ich keinen Kopf für gar nichts.
Der Mensch und das Leben gehen eine äußerst merkwürdige Verbindung ein.
"Shaun of the Dead", 22 Uhr 50, RTL II
bonanzaMARGOT
- 27. Apr. 13, 11:14
In den letzten zehn Jahren begegneten mir grob gesagt drei Sorten Frauen:
Frauen, die hauptsächlich auf Sex aus sind. Frauen, die sich unbedingt eine feste Beziehung wünschen. Und Frauen, die den Sex wollen und gegenüber dem Eingehen einer festen Beziehung unschlüssig sind. Ich rede hier von Frauen, die entweder in Scheidung leben oder bereits geschieden und alleinerziehend sind. In erstere sollte Mann sich nicht verlieben, weil sie einen nach ein paar Sex Dates hundertprozentig sausen lassen. Die zweiten wollen, dass Mann sich in die Familie integriert und eine Art Ersatzpapa für die Kinder wird. Es läuft auf „Entweder du fügst dich wie gewünscht ein, oder du bist nicht der richtige“ hinaus. Und letztere wissen noch nicht, was sie wollen. Da muss Mann abwarten und mit allem rechnen. Wobei ich es gut finde, wenn mich die Frau nicht unter Druck setzt. Der Familientyp bin ich nicht, warum es mit Kategorie Zwei kaum gutgehen kann. Trotzdem probierte ich es aus. Mann könnte sich ja ändern, dachte ich. Ich war sogar dicht dran, meine Familienmuffeligkeit abzubauen, aber der Druck, die Probleme und fehlende Geduld auf beiden Seiten ließen das Experiment scheitern.
Mit Kategorie Eins hatte ich auch die ein oder andere schmerzhafte Erfahrung. Dummerweise verliebte ich mich und hoffte auf eine Beziehung. Sobald das aber die Frauen merkten, nahmen sie sofort Abstand, denn das wollten sie gerade nicht.
Kategorie Drei war mir bisher am sympathischsten. Die Frauen ließen mir genügend Spielraum, weil sie sich selbst nicht festlegen wollten. Am Besten lief es, solange man nicht über eine gemeinsame Zukunft sprach. Doch irgendwann kam der Tag. Leider. Mann war entweder nur eine Übergangslösung für die Frau in der Scheidungsphase, oder Mann passte nicht in ihre beruflichen und/oder familiären Pläne …
Wenn Beziehungen langfristig zwischen Mann und Frau im reiferen Alter klappen sollen, kommt es mehr als auf die Liebe an. Es braucht eine große Übereinstimmung in grundlegenden Ansichten. Und vor allem braucht es viel gegenseitige Toleranz. Klar, das braucht es immer, aber im fortgeschrittenen Alter besonders. Als Mann sollte man sich genau überlegen, was es bedeutet, wenn eine Frau noch für ihre Kinder verantwortlich ist. Ich würde sagen, dass über 90% der freien Frauen zwischen Mitte Dreißig und Mitte Vierzig alleinerziehende Mütter sind. Suchender Mann um die Fünfzig muss sich mit dieser Problematik konfrontieren – außer er geht ins Kloster, oder ist ein Playboy mit dicker Brieftasche.
Gut an der heutigen Zeit ist, dass immer mehr unkonventionelle Beziehungen zwischen Mann und Frau möglich und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert sind. Das haben wir u.a. der hohen Scheidungsrate zu verdanken – wobei die Frau in den meisten Fällen die treibende Kraft ist.
Mann, bin ich froh, dass ich nie heiratete! (Wie viele Scheidungsstorys musste ich mir anhören.) Dieser Kelch ging schon mal an mir vorüber. Nur will ich auch nicht alleine auf diesem Erdball versauern. Schon gar nicht ohne Sex. Jetzt noch nicht.
Ich werde weiter nach einem Hafen suchen, der zu mir passt – wenigstens eine schöne Zeit lang.