Freitag, 9. März 2012

TV-Tipp:

"The Green Mile", 20 Uhr 15, RTL II

Donnerstag, 8. März 2012

Seide (17)


einfach, poetisch, kraftvoll



"Wie ist das Ende der Welt?" fragte ihn Baldabiou.
"Unsichtbar."
Seiner Frau Hélène brachte er ein Seidengewand mit, das sie aus Schüchternheit nie trug. Wenn man es anfaßte, war es, als hätte man das Nichts in Händen.


(aus "Seide" von Alessandro Baricco)



Manche Bücher in der Straßenbahn oder in der Dönerbude zu lesen - ist wie ein Tor zu einer anderen Welt vor Augen.
Als wäre man in einem Zwischenreich hin- und hergerisssen.
Um Danke zu sagen.

Montag, 5. März 2012

TV-Tipp:

"Das Wunder von Kärnten", 20 Uhr 15, ZDF

Sonntag, 4. März 2012

Zwischen Traum und Realität


Wladimir schlägt den Franzosen in der vierten Runde k.o.. Im TV räumt das A-Team unter den Bösen auf. Das Leben könnte so leicht sein. Die Helden gewinnen. Happyends sind vorprogrammiert. Wir spielen unsere Rollen. Selbst die Bösen sind nur gespielt.
Leichte Unterhaltung Sonntagmittags. Das Kind in mir träumt von Abenteuern, von zu erstürmenden Ritterburgen und Seeschlachten, von Cowboys und Indianern …, wobei abwechselnd mal die Indianer und mal die Cowboys die Bösen sind. Sowieso gibt es nur einen Helden, der alle umhaut. Wir identifizieren uns mit Charles Bronson, John Wayne oder Burt Lancaster …, und wie sie heute alle heißen.
Der Franzose hat gegen Wladimir nicht den Hauch einer Chance. Das Publikum mag lieber einen harten Fight, in dem sich der Favorit richtig beweisen muss. Die Dramaturgie darf nicht zu simpel sein. Nichtsdestotrotz wird der Sieg groß gefeiert. Schließlich geht es um die Weltmeisterschaft.
Ein schwerkranker Junge sitzt auf den breiten Schultern des Champions und hält voller Stolz dessen Weltmeisterschaftsgürtel. Ein Traum geht in Erfüllung. Was ist PR, was ist echt? Die Realität ist fraktal – sie hat keine reine Dimension. Alles fließt ineinander. Ich schlafe bald darauf in meinen Kissen ein.
Noch immer jagt das A-Team die Bösen auf RTL II. Seriennostalgie. Es wiederholt sich alles. Der Fernseher läuft nebenbei. Wozu umschalten? Irgendwie passt das in den Sonntag. So wie Schweinebraten. Oder wie ein Festtagsumzug, z.B. der Mathaisemarktumzug heute. Oder wie das Kaffeekränzchen mit den Großeltern. Alles ist auf eine merkwürdige Weise gar nicht wahr.

Samstag, 3. März 2012

TV-Tipp:

"Zerrissene Umarmung", 21 Uhr 45, Einsfestival

Freitag, 2. März 2012

Es kommt








der Frühling

Donnerstag, 1. März 2012

Der Riese und das Haus



All das
...
der Riese hängt seinen Pimmel über die Balkonbrüstung
hinein ins Wohnzimmer
er umfasst das Haus mit seinen Händen, drückt
mit den Fingern Fenster
ein
am liebsten rammelt er Zweifamilienhäuser
weil die am besten von der
Höhe her
passen
das Haus schwankt unter den Stößen des Riesen
wie bei einem Erdbeben
die Wände bekommen Risse
fasst reißt er das Haus von seinem
Fundament
man hört hysterisches Schreien
aus dem Innern
die Bewohner rennen dort
wild durcheinander - wissen nicht, wie
ihnen geschieht
mit donnerndem Grunzen kommt der Riese
sein Saft überflutet die Wohnung
Möbel fliegen durch die Gegend
Türen brechen aus den Angeln
...
Es riecht nach Frühling
die Sonne scheint
der Riese lacht ins Tal
zufrieden mit sich und der Welt

Mittwoch, 29. Februar 2012

Liebe?


Wenn wir alle liebten, ich meine, wenn wir alle liebende Geschöpfe wären, müsste unsere Welt dann nicht viel besser sein? Könnte es so was wie Massentierhaltung geben? Dürfte es Kriege geben? Wäre es möglich, dass wir unsere Mitkreaturen aus Habgier grausam abschlachten? Jeder Mensch, der liebt, könnte doch all diese Brutalitäten und Gemeinheiten niemals zulassen(?)
Was ist falsch an meinem Gedankengang – an diesem harmlosen Mittwoch Ende Februar?
Überanstrenge ich das Wort „Liebe“? Darf man gar nicht so viel von liebenden Menschen erwarten?Oder lieben sie vielleicht nur halb oder gar nicht? Ich kann meinen Mitmenschen nicht mehr trauen. Nur an die Mutterliebe glaube ich. Jedenfalls, was meine Mutter angeht. Es soll auch andere Mütter geben, die ihre Brut am liebsten weggeben würden. Das ist krank, sagt man. Ich sage: Ist nicht irgendwie die ganze Welt krank? Was ist mit der Liebe unter den Menschen? Alles eine Schimäre? Sozusagen eine fixe Idee? Okay, ich will euch nicht auf den Wecker gehen. Es ist, wie es ist. Nobody is perfect. Der Speck hängt zu hoch. Trotzdem springe ich. Ich will ihn wenigstens mit der Nase stupsen. Ich kann unmöglich aufgeben. Es ist mir zu wenig. Ich brauche Ideale wie Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit! Aber nicht, weil es gerade en vogue ist. Nicht weil irgendwer sie verkündet. Was ist mit mir? Was ist mit meiner Liebe? Was taugt sie? Warum fühle ich mich oft ohnmächtig? Wollte ich für die Liebe sterben? Nein. Nein. Nein. Und wieso rege ich mich dann so auf? Wozu dieser Wortschwall? Ich bin eine Dumpfbacke wie alle anderen. Nur bin ich außerdem zu doof, um die Regeln dieses Spiels zu kapieren, das wir Leben nennen. Das ist mein Problem. Scheiß doch auf die Ideale! Es geht um was ganz anderes. Es geht um niedere Instinkte. Seit tausenden von Jahren ist es immer dasselbe. Wir sind heute technisch weiter, aber im Geiste hängen wir lange schon fest - trotz der ganzen Philosophen und Künstler. Mit denen schminken wir uns nur.
Ich bin verwirrt. (Bin ich verliebt?) Ich würde so gern verstehen, wozu wir leiden müssen. Aber ich will keine klerikalen Antworten. Ich suche nach menschlichen Antworten. Oder muss es gleich ins Intellektuelle abdriften? Was nutzen uns die ganzen Geisteswissenschaften? All dieses elitäre Gesocks, was sich nur selbst gefällt … Sie reden über alles. O ja, sie reden. Sie reden. Sie reden einen platt. Hä? Wieso kapiere ich nichts davon? Liegt es vielleicht daran, dass ich einfach ein ganz anderes Weltbild habe? Aber warum? Was sagt ihr zur Liebe? Liebt ihr? Ich weiß – genau so gut könnte ich euch nach euren Füßen fragen. Ihr lauft auf ihnen. Ganz selbstverständlich. Und es hindert euch nicht, böse zu sein. Nein, wieso auch? „Herr Präsident, Sie sind ein liebender Familienvater.“ „Das will ich meinen.“ „Sie gaben gerade den Befehl zum Raketenabschuss.“ „Ja, es musste sein, um unsere nationalen Interessen zu schützen, um unsere fortschrittlichen Ideale von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit nicht von einem barbarischen Feind zerstören zu lassen! Sie können mir glauben, dass mir die Entscheidung nicht leicht fiel.“ „Viele Menschen werden durch die Raketen umkommen, Herr Präsident.“ „Wir müssen uns verteidigen.“ „Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Hätten Sie die Raketen auch zum Abschuss freigegeben, wenn im Zielgebiet Ihre Familie wäre?“ „Wenn Sie meinen, dass mir eine solche Entscheidung Spaß macht, täuschen Sie sich gründlich! Es geht um höhere Interessen, um die Erhaltung unserer Zivilisation ...“ „Und die gründet auf was, Herr Präsident?“
Ja, ich weiß, ich bin froh, dass ich nicht Präsident sein muss und nicht vor solchen Entscheidungen stehe. Auf was gründet unsere Zivilisation? Sind dabei Liebe und Mitmenschlichkeit nicht tragend? Sollten sie es nicht sein? Wo sind die Barbaren? Immer auf der anderen Seite.
Ich verstehe dieses Spiel nicht. Ich will es nicht verstehen. Mir wird übel, wenn ich darüber nachdenke. All diese Wortverdreher und Heuchler. Sie spielen mit Menschenleben. Sie sehen nur das Schachbrett. Von Liebe wissen sie nichts. Oder? Glaubt ihr, dass sie etwas von Liebe wissen?

ein literarisches Tagebuch

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