Dienstag, 28. Februar 2012

TV-Tipp:

"Die Rache der Wanderhure", 20 Uhr 15, Sat 1

"Spiel mir das Lied vom Tod", 20 Uhr 15, Kabel eins

Montag, 27. Februar 2012

Einer fernen Freundin




Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Sonntag, 26. Februar 2012

Frühschoppen


Ab und an fehlen mir die alten Kumpels: Armin, Richie, Paule, Schorsch, Greule, Betz, Guntram, Ilona, Heinz, Atze, Susanne, Ilse, Uschi, Mike, Detlef … und viele andere.
Frauen unter den Kumpels? Nein, kein Irrtum. Die Frauen, mit denen man auf Tour gehen konnte, waren rar, aber es gab sie! Sie kloppten mit uns Skat oder zogen mit durch die Kneipen. Einige dieser Frauen waren mehr als nur Kumpels für mich. Wir waren auch keine Clique im herkömmlichen Sinne. Ich hasste Cliquen. Wir trafen uns nach Lust und Laune. Meist an den Wochenenden. Es war klar, wo.
Das Leben zerstreute sie nach und nach in alle Himmelsrichtungen. Wie oft hatten wir uns versprochen, uns nie aus den Augen zu verlieren – im Überschwang der Gefühle. Life goes on.
An einem Sonntag wie heute hätte mich Heinz mit seiner alten Karre zum Frühschoppen abgeholt. Irgendwie hätten wir die Zeit schon totgeschlagen. Vielleicht wären wir wie so oft am Nachmittag bei der Rosa in Rettigheim gelandet, einer Dorfkneipe mit Kultstatus, gut für eine zünfige Brotzeit und einem günstigen Schoppen Wein. Wir waren schon gut drauf, wenn wir einliefen. Die Wirtsstube war total verräuchert, und immer bediente Rosa, eine ca. siebzigjährige Bauersfrau mit einem Koptuch, was zu ihrem Markenzeichen wurde. Ihr Konterfei war auf den Etiketten der Weinflaschen abgedruckt. Wenn Rosa merkte, dass einer zu viel intus hatte oder noch Auto fahren wollte, schenkte sie ihm nichts mehr ein. Da konnte sie rigoros sein. Aber wir hatten uns im Griff. Der Heinz und ich. Meistens.
Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die schönen Erinnerungen überdauern, die hässlichen treten in den Schatten. Einiges schönt man sich auch zurecht. Über vieles lächele ich heute, dabei war es ziemlich unvernünftig. Wir kannten kein Maß. Wir waren durstig nach Freiheit und Abenteuer!
Ob sie wohl alle sittsame Familienväter und Mütter wurden? Hat der Ernst des Lebens alle gepackt?
Kaum vorstellbar. An Tagen wie heute fühle ich mich wie ein Fossil, das übrig blieb. Aber wie meist ist es nur die halbe Wahrheit: Auch mein Leben veränderte sich, auch ich wurde ernster, oder sagen wir besser gesetzter.
Oder?
Nein, nicht wirklich.






Zwei Kumpels biertrinkender Weise, 1984

Samstag, 25. Februar 2012

Zehn Stunden später


„Es ist immer dasselbe“, sagt sie zu mir und lächelt müde. Ich flüchte auf die Station im oberen Stockwerk. Die Stationsleitung erscheint eine Stunde vor ihrem regulären Dienstanfang. Wenn sie zur Übergabe kommt, hat sie bereits alles mögliche vorbereitet, die Tropfen gerichtet und wenigstens einen Bewohner geduscht. Obwohl ich sie schon sehr lange kenne, regt mich ihre übermäßige Dienstbeflissenheit immer wieder auf, vor allem wenn sie dann auch noch schlecht gelaunt ist. Morgens nach einer durchwachten Nacht, wenn ich in Ruhe meine Eintragungen machen will, vertrage ich das nicht. Es macht ihr außerdem Freude, mir Fragen zu stellen, die ich gar nicht beantworten kann; oder sie schimpft über irgendwelche Unordentlichkeiten vor sich hin, weil eine Kaffeetasse am falschen Platz steht, oder weil … die Butter nicht draußen liegt. Sie findet immer etwas. Ganz schlimm wird es, wenn ich ihr sage, dass sich ein Kollege krank meldete. Dann weicht die letzte Farbe aus ihrem Gesicht. „Soll ich deinen Blutdruck messen?“ frage ich mitfühlend. Schon lange leidet sie unter Bluthochdruck und nimmt dagegen allerlei Pillen ein. Auf ihrer Nase und Stirn bilden sich Schweißperlen. Sie tut mir wirklich leid. Andererseits könnte ich sie auf den Mond schießen.
Wie gesagt, ich flüchte dann lieber auf die andere Station und komme erst zur Übergabe wieder runter. Inzwischen hat sich das Dienstzimmer gefüllt, und ich versuche zu Wort zu kommen. Wenn die Pflegedienstleitung dabei ist, ist es ziemlich aussichtslos. Ich schaue dann hilflos in die Runde und hoffe, dass eine der beiden Stationsleitungen sich meiner erbarmt und endlich die Übergabe entgegen nimmt. Die PDL (also die Pflegedienstleitung) hat das Wort. Sie gibt zu allem ihren Senf dazu. Ich schaue auf die Uhr. Endlich sehe ich eine Lücke und lege los. Ich rassele die wichtigen Sachen herunter und hoffe, dass ich nicht unterbrochen werde. Manchmal, wenn die PDL gutgelaunt ist, erinnert sie sich und die anderen daran, dass ich doch morgens auf den Bus müsse, und man sich deswegen mit dem Zwischenreden etwas zurückhalten solle. Sie selbst hält sich freilich nicht daran.
Endlich geschafft! Ich rufe ihnen „Tschüss“ zu und eile Richtung Umkleiden.
Dann die Treppen hinunter, vorbei an der Dönerbude. Leicht echauffiert erreiche ich die Bushaltestelle. Ein azurblauer Streifen am Horizont kündigt die Morgenröte an. Die Ereignisse der Nacht wirbeln noch durch meinen Kopf. Ich atme ein paarmal tief durch und schaue mich um.

Freitag, 24. Februar 2012

Immer dasselbe: wohltuende Routine oder Horror?


Bevor ich die letzten Treppen hoch zum Altenheim steige, sitze ich in der Dönerbude und schlage bei einem Imbiss die verbleibende Zeit tot. Der Bus kommt eine Stunde vor Dienstbeginn an, und der nächste wäre etwas zu spät. Das türkische Geschäft läuft gut. Die meisten Kunden sind Selbstabholer. Es ist immer was los. Ich sitze meist mit dem Rücken zum Eingang und schaue auf den Fernseher an der Wand. Es laufen türkische Sender. Drei oder vier junge bis mittelalte Türken schmeißen den Laden. Zwei davon sind offensichtlich Brüder, und der mit dem Schnauzbart ist der Boss. Ich weiß gar nicht, warum ich das glaube. Es ist einfach so. Sie arbeiten flink, Hand in Hand. Es flutscht. Ständig klingelt das Telefon, und neue Bestellungen kommen rein.
Derweil ich auf mein Essen warte, überlege ich mir, was das für ein Leben ist: Tag für Tag hier diese Routine in der Dönerbude ab zu spulen. Sie haben täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet. Nur über Silvester hatten sie geschlossen. Ich notiere: „Immer dasselbe: wohltuende Routine oder Horror?“ Und was ist eigentlich mit meiner Arbeit? Sie ist auch mehr oder weniger immer dasselbe, nur habe ich zwischen den Nachtdienstblöcken eine Menge freier Tage. Schließlich kommt das Essen: ein höllisch scharfes Nudelgericht, Nummer 81. Ich liebe die Abwechslung. Mal esse ich Pommes, mal einen Salat, Nudeln oder Pizza. Ich esse immer schön langsam, damit ich nicht zu früh fertig bin. Also spieße ich jede Nudel einzeln auf die Gabel. Um mich abzulenken, lese ich. In der letzten Zeit war das „Herr Lehmann“. Ab und zu schaue ich auch hoch auf den TV und lese die türkischen Bildunterschriften. Oder ich schaue den türkischen Nachrichtensprecher an. Manchmal ist auch die ein oder andere hübsche Türkin zu sehen. Die Bedienungen sprechen untereinander türkisch. Ich verstehe natürlich nur Bahnhof. Wenn da nicht die deutschen Kunden wären, würde ich meinen, ich wäre in der Türkei. Irgendwann zwischen der zwanzigsten und dreißigsten Nudel überlege ich mir, wie ich wohl eine deutsche Wurstbude in der Türkei führen würde. Ich wäre der Boss und würde mir einen Schnauzbart wachsen lassen. Ich würde den Laden zusammen mit meinem Bruder und zwei Cousins schmeißen. Und an der Wand hinge ein Fernseher, auf dem deutsche Bundestagsdebatten den ganzen Tag rauf und runter liefen …
Mein Gott, denke ich nach der vierzigsten Nudel, das darf nicht sein. Nein, Sarrazin darf nicht recht haben!
Jedenfalls brummt die Dönerbude, und der Kundschaft ist es scheiß egal, wie integriert die Besitzer sind. Das Essen ist gut, billig und wird schnell zubereitet. Ich schaue auf die Uhr. Der Dienstanfang rückt näher. Mist. Alles kommt, wie es kommen muss. Man wird von einer unsichtbaren Kraft geführt. Immer dasselbe. Wie in einem Uhrwerk. Ich packe meine Lektüre ein und gehe zur Kasse. Ich lächele. Die Bedienung lächelt. Ich gebe dasselbe Trinkgeld wie immer.
„Tschüss!“
Die Treppen hoch. Es sind einige hundert Stufen. Vielleicht sind es auch Millionen. Ich schaue nach oben in den Nachthimmel. Herrlich, die Sterne – eine ganz andere Welt. Das Altenheim erscheint in meinem Blickfeld. Im Büro des Chefs brennt noch Licht. Der kennt auch keinen Feierabend, denke ich ärgerlich. Seine Sache …
Die Schiebetür am Eingangsportal öffnet sich, und ich bin drin.

Montag, 20. Februar 2012

Das Leben, das Leben, das Leben, - frag nicht


Ach, ist das schön! Die Sonne scheint, Joachim Gauck wird der nächste Bundespräsident, und ich träume von … einer Reise.
Die Welt ist schön. Die Welt ist verrückt. Die Welt ist grausam. Die Welt ist ein Mysterium. Wie alles kommt, wie es sich fügt, wie der Himmel auf einmal aufreißt, und die Bienen summen …
Alles ist ungeheuer fragil: wie es sich zum Guten wendet, kann es auch – plötzlich - in die Binsen gehen.
„Dem Mutigen gehört die Welt!“ Da ist was dran. Nur wer sich selbst wieder aufrafft, ist für das Wunder des Lebens empfänglich.
Der Frühling gibt heute ein Gastspiel – als hätte eine obere Instanz meine Gebete erhört.
Wer weiß, wohin das Herz springt. Das Herz ist ein scheues Reh. Und ich renne ihm wie verrückt hinterher, bis ich ganz außer Atem bin. Heute, wo die Sonne scheint ...

Sonntag, 19. Februar 2012

Gefühle




Bleistiftzeichnung, DIN A 4, 1979



Heute:

Ich bin müde. Ich bin erschöpft. Die Batterien sind leer. Stumpfheit, Verwirrung, Traurigkeit. Der Winter zieht sich. Wäre da wenigstens etwas Wärme von außen. Ich warte auf Impulse, die in mir Lebensgeister wachrufen. Ich höre Vogelgezwitscher und träume vom Frühling, der mich in seine Arme nimmt, mit dem ich auf Reisen gehe.
Ich bin k.o.. Ich bin ausgelaugt. Die Gedanken fliegen davon – in alle Richtungen. Der einzige Halt ist die eigene Schwere. Gefesselt in Apathie. Die Hoffnung ist grau. Das Tageslicht farblos. Meine Hände gefaltet im Schoß, die Arme schwer und kraftlos, - bete ich für ein Wunder. Ich, der Ungläubige, was weiß ich schon von Gott, von all diesen Mächten, die sich der Ratio entziehen(?)
„Liebe“, ich flüstere dieses Wort, ein zweites, drittes Mal, „Liebe“, „Liebe“.
Ich weiß nichts. Ich glaube nichts. Die Bedeutungen brachen auf und ergossen sich in den endlosen Raum.

Samstag, 18. Februar 2012

TV-Tipp:

"Boxen", 22 Uhr 45, RTL

ein literarisches Tagebuch

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