"Ich weiß nicht, ob ich dich liebe", sagte sie, "Ich meine", korrigierte sie sich sofort, "ich glaube, ich liebe dich, aber ich bin nicht in dich verliebt, wenn du weißt, was ich meine."
"Weiß ich nicht."
"Na ja, lieben tu ich dich auf jeden Fall. Aber ich bin nicht direkt verliebt, das ist noch mal was anderes."
"Das ist gar nichts anderes. Wenn man jemanden liebt, dann ist man auch verliebt."
"Eben nicht." Sie richtete sich auf und schaute ernst auf ihn hinunter. Ihr Haar kitzelte ihn in den Augen. "Wenn man jemanden liebt, dann ist das allgemein und überhaupt. Aber wenn man in jemanden verliebt ist, dann ist das ganz drängend, dann ist das in diesem Moment und so."
"Soso", sagte Herr Lehmann. "Du meinst, das eine ist akut und das andere chronisch, oder wie?"
Sie dachte kurz nach. "Ja, irgendwie so."
"Das eine wie Lungenentzündung, das andere wie chronische Bronchitis, oder wie?"
...
(Auszug aus "Herr Lehmann" von Sven Regener: Dialog zwischen Herrn Lehmann und der Köchin)
"Cincinnati Kid", 20 Uhr 15 auf ARTE
bonanzaMARGOT
- 12. Feb. 12, 16:18
- man hat einiges zu schultern, einiges zu ertragen. Jeder von uns kennt das. Man muss nur alt genug werden, um seine Erfahrungen als
Lastträger zu sammeln. Da ist nichts zu machen. Die Lasten sind in das Leben eingewoben: Ängste und Sorgen, Krankheiten, Liebeskummer, Schicksalsschläge ... Es hört nie auf. Besser man stellt sich darauf ein. Gerade im Alter muss man etwas dafür tun, dass man unter der Last des Lebens nicht in die Knie geht.
Tägliches Training als Lastträger
- wer kennt sie nicht. Sie können einen manchmal ganz schön runterziehen. Man sollte deswegen aber nicht die schweren Gedanken scheuen. Im Gegenteil! Das tägliche schwere Gedanken machen ... fördert die Gedankenkraft. Sei fit für die schweren Gedanken, wenn sie kommen. Denn sie kommen bestimmt!
Tägliches Training mit schweren Gedanken
Schneegestöber
bonanzaMARGOT
- 10. Feb. 12, 17:17
"Metropolis", 21 Uhr, 3sat
bonanzaMARGOT
- 09. Feb. 12, 11:45
Blick von der Neckarbrücke
Als ich gestern mit dem Fahrrad hinunter in die Stadt fuhr, musste ich die Zähne zusammenbeißen. Die Finger schmerzten trotz der Handschuhe höllisch. Am Liebsten hätte ich den Schmerz heraus geschrien! Ich schaffte es gerade so bis zum Glascontainer. Danach ging`s im Supermarkt einkaufen, wo ich mich etwas aufwärmte. Ich hätte zwei Paar Handschuhe übereinander ziehen müssen. Wie grausam doch die Kälte sein kann, wenn man sich aus Leichtsinn nicht adäquat anzieht. Solche Schmerzen hatte ich schon lange nicht mehr! Besorgt blicke ich auf das kommende Wochenende, wo ich am Sonntagmorgen nach dem Nachtdienst den Rückweg vom Altenheim per Fahrrad antreten muss, da kein Bus fährt. Es sind immerhin sieben Kilometer durch den Wald im Dunkeln bei dieser eisigen Kälte auf einer teilweise stark abschüssigen Strecke. Wenn es wenigstens nicht glatt ist …
Ich werde mich gut einpacken müssen – vor allem an Kopf und Händen. Meine Kollegen halten mich für verrückt. Fast alle kommen mit dem Auto zur Arbeit.
Ich bin froh, wenn es morgens wieder hell ist – und natürlich wärmer! Auf der anderen Seite ist eine solche morgendliche Heimfahrt bei schlechten Witterungsverhältnissen ein einzigartiges Erlebnis! Etwa wie Eisbaden. Und über einem zwischen den Baumwipfeln funkeln die Sterne … Zum ausführlichen Naturgenuss wird mir allerdings die rechte Muße fehlen.
"Das Mädchen mit dem Perlenohrring", 23 Uhr 15, WDR
bonanzaMARGOT
- 07. Feb. 12, 12:41
Er setzte sich neben mich an die Bar im Café Petit Paris. Es waren außer uns nur wenige Gäste zugegen. Er unterhielt sich mit der Bedienung, und als ich eine Bemerkung machte, wandte er sich mir zu. Er hatte einen französischen Akzent, sprach aber einwandfrei deutsch. Wie ich im Laufe des Abends erfuhr, war er Franzose, hatte Deutsch studiert und arbeitete als Dolmetscher. Erst redeten wir über Mietverhältnisse und die Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Die Bedienung suchte gerade für sich und seine Familie eine Wohnung in Heidelberg. Der Franzose mochte um die Fünfzig sein, glattrasiert, schick gekleidet, die Haare zurück gekämmt und zu einem Mini-Dutt geknotet. Das sah lustig aus und verlieh ihm den Flair eines Künstlers. Ich weiß nicht mehr, wie wir das Thema wechselten. Irgendwann sprach ich jedenfalls die Unruhen in den Banlieues französischer Großstädte an, woraufhin mir der Franzose die gesamte französische Kolonialgeschichte herunter betete, - vor allem die von Algerien, um mir das Verhältnis der Franzosen zu den eingebürgerten Nordafrikanern zu erklären. Es war ein bisschen viel Info auf einmal für mich, aber ich hörte interessiert zu und versuchte zwischendurch immer mal wieder einen Bezug zur Gegenwart zu finden. Der Franzose war gebildet – wahrscheinlich hatte er auch Geschichte studiert. Als dieses Thema abgehandelt war, erzählte er mir von seiner Scheidung und dem neuen Glück, das er gefunden hatte. Er zog ein Foto seiner neuen Liebe aus der Tasche und zeigte es mir. Ich sah eine sehr hübsche Frau mit intelligenten Gesichtszügen und verstand sein Glück. So hatten wir fast zwei Stunden verplaudert. Währenddessen hatte der Franzose ein Bananenweizen getrunken. Ich trank wie immer dunkles Hefeweizen. Keine Ahnung, wie oft ich nachbestellte. Ich wollte ihn zum Abschied noch nach seinem Namen fragen, doch dann ließ ich es. Wir reichten uns die Hand und bekundeten unsere gegenseitige Hochachtung. Die meisten Deutschen seien, sagte er, politisch ziemlich uninteressiert, und deswegen fand er es erfreulich, auf einen Menschen wie mich gestoßen zu sein. Dieses Lob schwächte ich natürlich gleich ab, indem ich meinte, dass meine politische Bildung gemessen an seiner ziemlich bescheiden ausfiele. Beinahe eröffneten wir noch einen Diskurs über Bildung und Intelligenz.
Ich blieb alleine zurück an der Bar und bezahlte gleich darauf. Die letzten Einkäufer eilten durch die dunkle Fußgängerzone. Es war kurz vor Acht. Bei Mc Donalds holte ich zwei Cheeseburger zum Mitnehmen und hastete zum Taxistand. Es war scheiß kalt. Der Taxifahrer freute sich über die Fahrt. Ich schätze, er war einer dieser Akademiker, bereits in die Jahre gekommen, der keine Anstellung auf seinem Fachgebiet gefunden hatte. Wir kamen leicht ins Gespräch.
bin ich das?