Samstag, 19. November 2011

Eine Folge des Kartoffelwahnsinns:

Immer mehr Frauen schicken ihre Männer zum Kartoffelholen ...

Die Terrorkartoffel


Nachdem immer mehr Bundesbürger beim Kartoffelholen spurlos verschwanden, wurde das Phänomen wissenschaftlich untersucht. Man brachte in den Kartoffelkellern Überwachungskameras an und beobachtete Schreckliches: Als die Versuchsperson die ersten Kartoffeln im Eimer hatte, wurde sie von diesen attackiert! Die Kartoffeln sprangen die Person an und betäubten sie durch gezielte Schläge an die Schläfe. Danach füllte sich der Kellerraum mit einem rätselhaften Nebel, der sich nach einigen Minuten wieder verzog. Von der Person, welche arglos Kartoffeln holen ging, keine Spur! Man fand nichts außer den Kartoffeln, die neben dem Eimer lagen und etwas dicker als vorher erschienen.

In den Medien wurde von der mutierten Terrorkartoffel gesprochen. Da dieses Phänomen bisher nur auf deutschem Boden passierte, vermuten Politiker einen Anschlag von Außen auf die deutsche Bevölkerung. Die Deutschen seien allgemein als „Kartoffelesser“ bekannt, sagte die Bundeskanzlerin, und in vielen Haushalten würden über den Winter Kartoffeln eingekellert …
„Ein wirklich heimtückischer Anschlag!“ meinte der Innenminister.
Die Grünen glauben indes, dass das Phänomen allein auf die Genbehandlung zurückzuführen sei. „Die Natur lässt sich eben nicht alles gefallen“, sagte die Grünenpolitikerin Künast. Und auf die Frage, ob sie noch Kartoffeln esse, antwortete sie: „Derzeit besser nicht, und ansonsten nur, wenn ich weiß, dass sie nicht gen-behandelt sind.“
Einige Bauern berichteten von seltsamen nächtlichen Lichterscheinungen über den Äckern während der Kartoffelernte. Haben vielleicht Außerirdische ihre Finger im Spiel? Die Merkwürdigkeit des Phänomens lässt Raum für allerlei obskure Theorien.

Der Bevölkerung wird dringend geraten, vorerst keine Kartoffeln zu verzehren! Man wisse noch nicht genügend über die Hintergründe. Erste Meldungen, dass die Kartoffeln im Kochtopf nicht mehr gefährlich seien, konnten noch nicht bestätigt werden. Außerdem sollte der Kartoffelkeller nur mit Helm und Gasmaske betreten werden. Die Sicherheitsbehörden empfehlen, dass man diese Gefahrenzone besser ganz meidet. Der deutsche Kartoffelliebhaber müsse wohl diesen Winter sozusagen in den sauren Apfel beißen und auf Nudeln oder Reis umsteigen.

Es bleiben viele Fragen offen:

Was geschah mit den Menschen, die vom Kartoffelholen nicht zurückkehrten?
Haben wir es mit einer seltenen fleischfressenden Kartoffel zu tun?
Warum ist das Phänomen bisher auf Deutschland begrenzt?
Handelt es sich um einen heimtückischen Terroranschlag?
Wurde mit der Kartoffel als Biowaffe experimentiert?
Eine zufällige Genmutation?
Oder sind die Kartoffeln vielleicht Produkte von Aliens? Sind die Kartoffeln am Ende selbst die Aliens? Ist eine Invasion der Außerirdischen zu erwarten?
Wie lange wird es dauern, bis die Wissenschaft hinter dieses Phänomen kommt? Welche Gefahr besteht für die Bevölkerung?

Liebe Leser, wir bleiben für Sie am Ball – oder besser an der Kartoffel ...

Freitag, 18. November 2011

I remember Wolf Biermann

Nachträglich Alles Gute zum 75sten!





ich mag diesen kritischen, singenden Poeten

Dienstag, 15. November 2011

Hitler lebt! Oder: Die Dönermorde


Die Braune Soße blubbert und wabert nach wie vor unter der Oberfläche der gesellschaftlich heilen Welt. Oder: „Lebt denn der alte Holzmichel noch? Ja, er lebt noch ...“ Ich erinnere mich, wie eine Gruppe junger Polizisten, die einen Betriebsausflug unternahmen, - dieses Lied immer wieder anstimmten. Es war 2004, die Deutschen flogen bei der Fußballeuropameisterschaft schon in der Vorrunde raus. Ich befand mich auf einer Fahrradreise die Weser runter Richtung Jadebusen. Die Polizisten machten "Rast im Knast". Sie saßen dort am Abend in Sträflingsklamotten vor einer Videoleinwand, um Fußball zu gucken. Ich übernachtete in einem anderen Hotel, denn die Polizisten hatten ja den "Knast" belegt, und stieß zu ihnen, um den Tag mit Bier und lockerer Unterhaltung abzuschließen.

Aber ich schweife ab. Es geht um die Braune Soße, die in diesen Tagen wiedermal durch scheußliche Untaten von sich reden macht. Eine jahrelange Mordserie und Terroranschläge gehen auf das Konto von Rechtsradikalen. Kommissar Zufall musste es ans Licht bringen, da die Ermittlungsbehörden über Jahre hinweg mit Blindheit geschlagen waren. Oder schauten sie bewusst nicht richtig hin? Hinzu kommt die merkwürdige Verknüpfung mit den Verfassungsschützern und ihren V-Leuten in der rechten Szene. Gruselig sich vorzustellen, was nun noch alles in diesem Zusammenhang aufgedeckt wird. Ich habe den Eindruck, dass in einigen gesellschaftlichen Kreisen rechte Gesinnungen besonders gut gepflegt werden. Die Polizei täte gut daran, ihre Reihen dahingehend zu durchforsten. Auch die Armee scheint ein guter Brutkasten für Neonazis zu sein. Ebenso der Verfassungsschutz. Man darf sich fragen, warum dies so ist. Vielleicht liegt es am Berufsbild …
Nicht neu ist, dass in der deutschen Bevölkerung schon immer eine latente Fremdenfeindlichkeit herrscht. Die Sarrazin-Debatte zeigte dies vor nicht allzu langer Zeit. Ich fand es damals erschreckend, wie viel Beifall Sarrazin mit seinen Thesen erhielt. Wenn rechtes Gedankengut hoffähig wird, sinkt gleichzeitig die Hemmschwelle für rechte Gewalt. Die Quittung folgt auf dem Fuße. Extremisten fühlen sich ermutigt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an den grauenhaften Terrorakt in Norwegen. Nein, Rechtsradikalismus ist kein ausschließlich deutsches Problem. Die Braune Soße gibt es weltweit. Der Faschismus ist eine Idee, welche in den Köpfen vieler Menschen weiterlebt und Angst und Schrecken verbreitet. Die Demagogen machen sich die Hände nicht schmutzig. Verirrte Seelen und Dummköpfe werden belabert, infiltriert und in den Kampf für die Sache geschickt.

„Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ stimmte einer der Polizisten im gestreiften Sträflingsanzug zum tausendsten Mal an, und seine Kollegen und Kolleginnen grölten: „Ja er lebt noch, er lebt noch!“ Und ich dachte bei mir: Die haben auch keinen leichten Job und müssen ihren Frust mal raus lassen ...

Samstag, 12. November 2011

Wo ist das Leben hin? Wo ist die Liebe hin?


Das Jahr geht zu ende, wie es anfing. Auf Phoenix läuft am Morgen eine Doku nach der anderen über den Vampirkult und Bram Stokers Figur Dracula. Heute fühle ich mich beinahe auch wie ein Untoter. Erschöpft von den nächtlichen Träumen, vom Hin- und Herwälzen im Bett. Die Sonne fällt fahl durch die Bäume, die nur noch wenig braunes Laub tragen. Der Blick auf die Straße ist frei. Mein Herz liegt wie eine Wunde offen. Und da sage mal einer, die Seele läge nicht im Herzen. Mir ist unheimlich zumute, und das hat nichts mit den Dokus über Vampire zu tun. Es ist, als ob der Tod in den letzten Tagen einen Schritt auf mich zu machte.
Die Wände meiner Wohnung wirken bedrückend. Ich trage die Wände förmlich in mir – wie eine Umklammerung. Ich fühle mich eingesperrt. Ängste schwirren um mich, Gespenstern gleich. Ich hole tief Luft und schaue durch das Astgewirr auf die Straße, wo Autos aus einem Nirgendwo in ein anderes Nirgendwo fahren. „All diese Menschen“, denke ich,“alle machen sie etwas, verfolgen ein Ziel, gehen Einkaufen, besuchen sich, bereiten das Essen vor, haben Termine ...“
Der Weg wird mich heute zurück ins Altenheim führen, wo ich über 50 Seelen in der Nacht wache. Es gibt kein Entrinnen, egal wie unruhig wir vorher im Leben sind. Nichts und niemand kann den Kreislauf des Werdens und Vergehens durchbrechen. Außer den Untoten, den Vampiren … Gibt es sie nicht doch, die Blutsauger? Begeben wir uns nicht tagtäglich in ihre Fänge? Sie trinken unser Blut und unser Leben. Wir merken es lange nicht. Erst wenn wir grau sind, und die Augen müde. Dann sagen wir: „Ich hatte ein Leben.“

Okay. Noch nicht. Nicht jetzt. Man kann ja mal ein Tief haben. Ich werde ihre Küsse vermissen, ihren Schlafzimmerblick. Und ihren Lockenkopf. Und noch einiges anderes. Tschüss. Das Jahr geht zu ende, wie es anfing: mit Abschied und Verlust. Die Liebe war ein Trugbild. Sie kommt anfangs immer schön und frisch daher, und dann verkümmert sie in rasantem Tempo. Oder sie begegnet einem als schöne, verführerische Prinzessin, doch dahinter verbirgt sich eine Hexe, die nichts Gutes im Sinn hat. Man denkt immer, dass man diesmal nicht auf den Betrug hereinfällt. Hinterher bleibt die Einsicht: wir waren uns gegenseitig nicht gut – nicht gut genug. Was für eine scheiß Einsicht!
Nochmal tief Luft holen … Der Welt ist es egal.

Freitag, 11. November 2011

Zwischenbilanz


Es ist an der Zeit, mich bei allen Bloggern und Lesern zu bedanken. (Ich habe eine sentimentale Phase.) Nein, ich meine es echt: ich bin sehr dankbar über die Kommunikation auf den Blogs, nicht nur auf meinen Blogs. Viele Kommentare und Beiträge gingen mir sehr zu Herzen. Vieles stimmte mich nachdenklich. Hinter allem stehen Menschen, Zeitgenossen (-genossinnen) aus Fleisch und Blut, die in den Blogs über ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle reden. Nicht alles ist tierisch ernst, muss es auch nicht. Wir sind auch hier, um uns einfach zu unterhalten und Spaß zu haben. Jeder verfolgt seine Interessen und Vorlieben.
Wegen meiner Arbeit als Nachtwache in der Altenpflege führe ich ein relativ ungeordnetes Leben – gemessen an der Fünftagewoche plus regelmäßig freies Wochenende der meisten Arbeitnehmer(innen). Aber ich wollte es so. Ich hege eine Abneigung gegenüber allen festsitzenden gesellschaftlichen Konventionen.
Durch die Kommunikation im Internet, insbesondere über die Blogs, habe ich die Gelegenheit auch außerordentlich Kontakte mit Menschen zu pflegen, - z.B. tagsüber, wenn die meisten Menschen arbeiten oder mit Haushalt und Kindern beschäftigt sind. Als Nachtwache habe ich nämlich genau dann meist frei. Mein Leben läuft relativ gegenläufig zum konventionellen Alltag.
Deswegen finde ich es toll, wenn sich manchmal mittags Unterhaltungen mit anderen Bloggern oder Gästen ergeben. Mit dem Chatten hatte ich`s noch nie so. Das Thema hakte ich für mich relativ schnell zu Anfang meiner internetten Zeit ab – vor ca. 10 Jahren. Danach folgte eine mehrjährige Forenzeit, wo ich die Gelegenheit wahrnahm, meine Gedichte und Kurzprosa einem Publikum vorzustellen. Vorher war das noch nie derart der Fall. Die vollgeschriebenen Schreibmaschinenseiten verstaubten im Regal. Endlich hatte ich ein „Forum“ für meine Ergüsse und Gedanken …
Leider ging es in manchen Foren zu wie im Kindergarten, wobei sich die Moderatoren und Admins als Wächter über uns, die Kinderschar, aufspielten. Äußerte man zu viel Kritik, wurde man meist darauf hingewiesen, dass man sich als einfaches Mitglied gefälligst anzupassen habe oder gehen müsse. Nach 6 Jahren Leselupe fiel es mir schwer, diese Gemeinschaft zu verlassen, aber ich wurde schließlich von der Administration dazu genötigt.
Und so kam ich vor vier Jahren auf die Blogs! Eine Freundin hatte mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht und half mir beim Einrichten meiner Blogs.
Zeitsprung!
Heute!

Zwischenbilanz: Ich bin sehr froh darüber, dass es diese Möglichkeit im Internet gibt, relativ unabhängig seine Gedanken und Meinungen vorzustellen. Es ist unsere Sache, wie wir damit umgehen, wie wir die Blogs nutzen, wo wir unsere Schwerpunkte setzen, wie viel Kommunikation wir zulassen wollen.
Wichtig sind immer die Menschen: Ihr also! Ich!
Danke Euch! Machen wir einfach weiter …

Donnerstag, 10. November 2011

Jahrmarkt des Todes


Meine Mutter und ich reihten uns bei denen ein, die freiwillig in den Tod gehen wollten. Alles war gut vorbereitet. Wir sollten für einen guten Zweck sterben, indem wir unsere Organe zur Verfügung stellten und all unsere Habseligkeiten, welche sie auf einem Flohmarkt feil boten. Ich weiß nicht, warum ich mich dafür entschied – wahrscheinlich aus Solidarität zu meiner Mutter. Jedenfalls zelebrierten man groß unseren Abschied. Einige von uns zogen sich schon aus und ließen sich bereitwillig wegführen. Schließlich auch meine Mutter – während es mir immer mulmiger zumute wurde. Ich sollte in wenigen Minuten sterben. Ich würde unwiderruflich tot sein! Nein, ich trat aus der Reihe. Es war erlaubt, sich anders zu entscheiden. Trotzdem war ich, glaube ich, der einzige und fühlte mich feige. Ich schlenderte durch den Flohmarkt, der sich immer mehr mit Besuchern füllte, während man abseits die Menschen tötete und ausnahm. Es war grausam, aber niemand achtete darauf. Ich sah, wie ein Mann, dem sie bereits die Augen entfernt hatten, von der Bahre sprang. Die Schwestern fingen ihn schnell wieder ein.
Das Gedränge wurde immer dichter. Die Menschen rissen die Dinge der Toten an sich. Auch ich blieb an manchen Ständen stehen und betrachtete die schönen alten Sachen. Beinahe hätte ich etwas gekauft. Doch dann dachte ich an meine Mutter, und ich musste weinen. Die Tränen liefen mir nur so runter …
Und da wachte ich auf.

Mittwoch, 9. November 2011

Immer wenn ich mir zu viele scheiss Gedanken mache, kriege ich Tourette


Dass die Welt um uns herum wahnsinnig ist, dürfte im Laufe seines Lebens jeder Mensch erkennen. Es ist darum nur natürlich, dass wir in diesen Sauhaufen etwas Ordnung bringen wollen. Gerade wir Deutschen haben`s dicke mit der Ordnung. An sich finde ich das gar nicht mal schlecht, solange dabei nicht die Freiheit des Individuums baden geht. Bumsfallera! Ich glaube, es ist noch gar nicht so lange her, da eroberten wir uns erst ein wenig dieser Freiheit. Nun ist es manchen schon wieder zu viel. Sie haben Angst um ihre Eier. Oder Titten. Oder Ärsche. Himmelarschundzwirn! Die Kleingeister würden am liebsten wieder eine Diktatur einführen, halt mit einem sauberen Diktator, nicht Hitler – nein, einem besseren Hitler sozusagen, einem der seine Soldaten in Russland nicht erfrieren lässt, aber ansonsten …; es sollte halt einer sein, der endlich für Ordnung sorgt, - die ultimative Ordnung. Fick die Henne! Gut: Ob nun Hitler oder Stalin, da will ich nicht so knauserig sein. Wie wäre es mit einem Typen, der endlich in diesem Chaos-Europa Ordnung schüfe? Eine Art Hi.Sta.. Abkürzungen sind doch in. So kann`s jedenfalls nicht weitergehen! Weg mit den Berlusconis, Merkels, Putins, Papandreous und Sarkozys! Verdammter Bullshit nochmal! Weg mit diesen Typen – in die Vitrine!
Ja, ich weiß. Das ist überdreht von mir. Ich will nämlich gar keinen mutierten Kohl-Hitler-Stalin an der Macht. Aber momentan geht mir die Politik mal wieder dermaßen auf den Sack ... Das könnt Ihr mir glauben. Ich habe fast schon Angst, wenn ich den Fernseher einschalte, dass ich aus Versehen einen Kanal erwische, auf dem diese Affen auftreten. Volksvertreter – dass ich nicht lache! Elende Motherfucker die! Und ihre ganzen Lakaien – diese Arschficker!
Immerhin darf man noch frei seine Meinung sagen. Also, das hoffe ich mal wenigstens. Für mich, haha. Nicht dass sie mich morgen abholen kommen und ganz unauffällig in der Psychiatrie verschwinden lassen. Das haben sie nämlich drauf. Ganz subtil und hinterfurzig. George Orwell hatte schon recht. Wer sich mit der Gedankenmafia anlegt, muss sich warm anziehen. Da kann man gar nicht viel machen. Zack! Gehirnwäsche und so! Einer flog über`s Kuckucksnest …
Ihr kennt sicher den Spruch: „Die Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale.“ Ja, man lacht drüber. Aber so ist es! Es geht schneller, als man denkt. Und wenn sie dich dann kleingekriegt haben, schicken sie dich ins Altenheim. Zu mir. Echt. Dann darf ich dir die Windeln wechseln und zu Trinken einflößen und eben betreuen, was sie von dir übrig ließen.
Verfluchte Hurenkacke! Also passt auf, falls Ihr nicht bereits von der Blödheit und dem Wahnsinn da draußen angesteckt bzw. assimiliert seid … Passt auf! Es ist nämlich nicht so offensichtlich wie in den Zombiefilmen. Es kommt viel schleichender. Es fängt schon im Kindergarten an. Man muss eine ziemlich starke Persönlichkeit sein, um sich die innere Gedankenfreiheit zu bewahren.
Heute ist wieder so ein Tag, wo selbst ich schwach werden könnte. Deswegen bleibe ich zuhause und höre mir die gute alte Musik an. Ihr wisst schon: die 68er! Wow, die waren zum Teil ganz schön gut – viel besser jedenfalls als all die neuartige Techno-Scheiße. Damals hatten die jungen Leute noch echte, originale Gedanken im Kopf. Heute sind sie zu einem großen Teil nur noch konsum-bedröhnt. Ist schon schade. Fuck the Hit!
Dazu fällt mir gerade spontan Dieter Bohlen ein …, aber ich hab` keinen Bock mehr. Hab`genug gesagt für heute. Wenn ihr`s nicht kapiert, seid Ihr selber schuld.

Dienstag, 8. November 2011

Arrogant oder nicht arrogant - das ist hier die Frage


Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit dem Vorwurf der Arroganz konfrontiert werde. In der Grundschule nannten mich die Mitschüler Professor. Nun, das war noch eher wohlwollend gemeint, und ich sah darin auch keine Anmache. Später dann, als ich in den Kneipen saß, wunderte ich mich schon, dass mich Menschen, die mich eigentlich nur an der Theke sitzen sahen, für arrogant hielten. Ich erfuhr es manchmal in späteren Unterhaltungen mit diesen Personen. Oft hatte ich ein Buch dabei und las, während ich mein Bier trank. Ich machte mir keine Gedanken, wie ich dabei aussehe. Aber offensichtlich kam das bei einigen arrogant herüber – sozusagen als intellektuelle Zurückgezogenheit, die Ablehnung signalisierte. Andere deuteten mein Hochdeutsch als Arroganz. Nun, ich kann wirklich nichts dafür, dass ich das hiesige Dialekt nicht übernahm, obwohl ich hier geboren bin und aufwuchs. Aber viele Einheimische reagieren empfindlich und gehen erst mal auf Abstand. Wahrscheinlich denken sie: „Was ist denn das für einer? Der hält sich wohl für was besseres.“
Komischerweise stand dem Eindruck, den ich bei einigen Leuten hinterließ, mein inneres Empfinden diametral gegenüber. Denn eigentlich sehe ich mich als relativ schüchternen und unsicheren Typ im Kontakt mit meinen Mitmenschen. Ich mache mich oft kleiner, als ich bin und will also alles andere als ein Angeber sein. Ich denke, dass die Menschen einfach nur das an ihrem Gegenüber sehen, was sie sehen wollen. Ich erkenne das an mir selbst oft genug, - schieße schon mal schnell aus der Hüfte bei der Beurteilung eines Menschen, den ich erst kurz kenne. Darunter leidet dann die Zielgenauigkeit. Ich treffe entweder zu weit oben oder zu weit unten, oder gar nicht.
Also, es fuchst mich schon irgendwie, wenn man mich für arrogant hält. Ich mag nämlich arrogante Menschen nicht.
Sogar im Internet, wo man mich weder sehen noch hören kann, gibt es User in Foren oder Blogger, die mir Arroganz vorwerfen. Das ist ein starkes Stück! Sagt mal ehrlich: was ist denn an mir arrogant im Vergleich zu Euch? Es täte mich schon interessieren. Dass ich mit meinen Meinungen und Texten oft mal anecke – das allein kann`s nicht sein. Vielleicht bilde ich mir auch alles nur ein. Ich bin halt ziemlich sensibel und denke, dass wenn mich eine Tussie für arrogant hält, mich gleich alle so ansehen. Wäre ich wirklich arrogant, würde ich einfach darüber hinweggehen. Da wäre mir Eure Meinung scheißegal.
Ist schon blöd, was einem so durch den Kopf geht. Man will ja nicht alles sagen. Wen soll das ganze Durcheinander interessieren? Vielleicht bin ich zu offen oder zu ehrlich? Das erinnert mich an Detlev, eine Kneipenbekanntschaft, - wenn der genug intus hatte, schrie er über die Theke: „Ihr kleinen Arschlöcher! Ihr seid alle kleine Arschlöcher!“ Detlef war kein Prolet. Er sah ziemlich gut aus mit seinen Einmeterneunzig, - ein Typ der auf Frauen Eindruck machte. Oberflächlich gesehen arrogant. Aber eigentlich war er wie ein großes Kind. Ich lernte ihn damals etwas besser kennen. Und er konnte saufen. Und nach dem fünften oder sechsten Drink ging es los: „Ihr kleinen Arschlöcher!“ Das war Detlef. Nach einem Striptease auf dem Billardtisch bekam er Hausverbot. Ich verlor ihn aus den Augen. Vor Jahren traf ich ihn dann noch mal kurz: Sie hatten ihm in einer Diskothek die Nase eingeschlagen, diesem Einmeterneunzigkerl, der eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun konnte …

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