Zur Zeit zerbrechen mir die Dinge in der Hand: zuerst ging ein Bildhalter beim Putzen in Scherben, dann gab mein Laptop seinen Geist auf, und eine Steingutschale fiel mir über der Spüle aus der Hand ... Gestern schließlich blieb meine Armbanduhr stehen - das Stellkrönchen war abgefallen. Im Uhrengeschäft wurde ich nach der Garantie gefragt, die ich freilich nicht mehr gefunden hatte. Manche Sachen schmeiße ich zu schnell weg. Die Uhr hätte noch knapp Garantie gehabt. Ich sagte zu dem Mann, der mich bediente: „Ich kaufte sie bei Ihrem Kollegen. Er müßte sich erinnern, denn sie hat ein Saphirglas. Er hatte damals nur fünfzig Stück davon anfertigen lassen.“
„Der ist inzwischen verstorben,“ sagte der Uhren-Mann. Er war kurz angebunden.
„Oh, tut mir leid.“
Er blickte mich ungeduldig an. Als ich ins Geschäft kam, hatte ich ihn in einem Telefonat gestört.
„Es ist Ihre Entscheidung.“
„Was könnte es mich denn kosten?“
„Zwischen 20 und 40 Euro.“
„Okay, ich trug die Uhr sehr gern ... mit dem Saphirglas.“
„Dann schicke ich sie also ein.“
„Und wie lange wird es dauern?“
„Zwischen 2 und 4 Wochen.“
„Also, wird‘s wohl Neujahr werden.“
„Das ist möglich.“
Er notierte sich meine Adresse und Telefonnummer, und ich zog wieder von dannen ... hinaus in die Dunkelheit und ins Schneetreiben. Den Weihnachtsmarkt ließ ich links liegen, weil meine Blase tierisch drückte. Ich hatte erledigt, wozu ich in die Stadt gefahren war. Jetzt sollte der gemütliche Teil kommen. Im Bierkrug eilte ich zur Toilette und setzte mich zum Nachfüllen an die Theke. Der Bierkrug ist halb Kneipe, halb Gaststätte. Renate, die Inhaberin, kenne ich noch aus Schulzeiten. Sie war im Gymnasium eine Klasse über mir, das heißt: nachdem ich hocken geblieben war.
Ich trank also mein Bier an der Theke und erinnerte mich der alten Zeiten. Renate wuselte hinter meinem Rücken hin und her und deckte die Tische. Sie erwartete eine größere Gesellschaft: ein Altenheim hatte sich zur Betriebsweihnachtsfeier angekündigt ... 40 Personen. Der Koch, ein schlacksiger, wortkarger Kerl in den immerselben karierten Kochhosen stand vor der Tür und rauchte. Eingemummelt hasteten die Menschen durch die Fußgängerzone. Die Einheimischen nennen sie Idiotenrennbahn. Jetzt zur Weihnachtszeit ganz besonders ...
Ich überlegte, dass Renates Kneipe gar nicht so übel für eine Betriebsfeier war. Die Preise sind in Ordnung, und der Koch kocht gut - wird gesagt. Selbst kenne ich mich nur mit dem Bier aus. Aber es riecht schon gut, wenn Renate den Gästen an den Tischen die Mahlzeiten serviert.
„Ich werde dein Lokal für die nächste Betriebsfeier vorschlagen“, sagte ich an Renate gewand.
„... mach mal langsam. Erst mal sehen, ob das heute Abend ein Erfolg wird.“
„Wird schon klappen.“
Sie mußte noch nie eine solch große Gesellschaft an einem Abend verköstigen.
Ehrlich gesagt, hatte ich mein Angebot auch nicht sonderlich ernst gemeint. Ich hielt nicht viel von Betriebsfeiern. Da verquasselte man sich nur. Und warum sollte man mit Leuten privat abfeiern, die man bereits im Dienst schwer ertragen konnte? Die Zahl derer, die ich unter meinen Kollegen und Kolleginnen wirklich mochte, war in den letzten zwei Jahren auf eine Handvoll geschrumpft.
Ich leerte mein Bier und zog weiter.
Letzte Station auf meinem Ausflug in die Stadt war das Café Petit Paris. Von dort war es nicht mehr weit zur Straßenbahnhaltestelle.
Immer wieder hob ich meinen linken Arm und sah auf mein leeres Handgelenk. Wie man doch selbst ein solch eher unwesentliches Ding wie eine Armbanduhr vermisst! Wie schwer wiegt da erst der Verlust eines Menschen, den man viele Monate oder gar Jahre an seiner Seite hatte(?!) Immer wieder muß man mit solchen Verlusten klarkommen. Mal mehr, mal weniger tragisch. Da war zum Beispiel Klaus, dessen Frau vor wenigen Jahren an Krebs starb. Dinge ließen sich leichter ersetzen. Scheiße.
In der Straßenbahn drängelten sich die Menschen. So unangenehm nah einem die anderen waren, so unmöglich weit weg waren sie in ihren Lebenswelten. Wir standen seltsam autistisch zusammengeschoben und warteten auf unseren Ausstieg. Die Reihen lichteten sich mit zunehmender Entfernung vom Zentrum. Ich schaute mich um, suchte nach dem Menschen, den ich umarmen wollte ...
Sowieso hätte ich mich nicht getraut.
(10.12.2010)
... Die Wörter, die die Wahrheit ausdrücken, sind jedem geläufig - und wenn nicht, hat man sie in fünf Minuten ergoogelt. Die Wahrheit selbst kennt aber so gut wie keiner. Sie ist wie ein Magic-Eye-Bild: ein chaotisches Gewirr aus farbigen Linien und Flecken, das, fokussiert man die Augen richtig, sich in ein räumliches Bild verwandeln kann. Dem Anschein nach supereinfach, doch dieses Fokussieren kann dem Betrachter kein noch so wohlmeinender Helfer abnehmen. Die Wahrheit ist genau so ein Bild. Sie ist vor aller Augen ... Doch nur die wenigsten sehen sie. Dafür sind es umso mehr, die vorgeben, sie zu wissen. Was natürlich Quatsch ist - Wahrheit ebenso wie Liebe ist nichts für den Verstand. Es ist dann meist nur irgendeine ausgeklügelte Spitzfindigkeit, die dafür gehalten wird ...
Kann es das Böse überhaupt geben? Ich meine, es ist doch alles Natur. Selbst der Mensch in seinem Irrlauf ist doch Natur. Vulkanausbrüche betrachten wir normalerweise als Schicksal und nicht als böse. Ebenso Massenkarambolagen im Nebel - wir fuhren halt alle zu schnell. Ein Schuldiger ist nicht mehr auszumachen.
Trotzdem gibt es viele Ereignisse, in denen uns das Böse geradezu anschreit: egal ob als Hitler, als Kinderschänder oder als Mob, der zur Lynchjustiz schreitet ... Vorm Bildschirm erliegen wir tagtäglich der Faszination von Verbrechen, Krieg, Zerstörung ..., Grausamkeit und Horror. Es gibt kaum ein Thema, welches unsere Phantasie mehr herausfordert. Warum?
Es muss, glaube ich, etwas damit zu tun haben, dass wir immer jemanden brauchen, der an unserer Misere schuld ist. Dabei geht es nicht nur um die Zuweisung von Schuld aufgrund einzelner Unglücksfälle ... Es ist mehr als das. Wir brauchen Sündenböcke, um den Wert unseres Lebens in ein strahlendes Licht zu stellen. Und hierzu sind natürlich die Außenseiter und Sonderlinge einer Gesellschaft wie geschaffen. Manche Volksgruppen tragen den Stempel „Sonderling“ wie ein Mahnmal über viele Jahrhunderte vor sich her, andere werden stracks auch mal dazu gemacht ...
Obwohl wir eigentlich längst aus Vernunftsgründen wissen, dass - nicht nur vor Gott - sondern auch einfach aus einer der Vernunft abgeleiteten Empathie heraus alle Menschen gleich sind, lassen wir uns immer wieder von Neuem irritieren. Von den Sarrazins, und wie sie alle heißen. Egal ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich - ja, europaweit gibt es diese Hetzer und Menschenverächter.
Vor wenigen Tagen verfolgte ich im TV eine Dokumentation über den Neonationalismus in den USA. Nicht zu glauben! Ich war echt perplex darüber, dass sich in Amerika glatzköpfige Faschisten zusammenrotten und „Heil Hitler!“ schreien. Es ist grotesk. Es ist, wie wenn ich meine Mutter verrate ...
Einfach scheußlich. Wie können Menschen derart böse werden? Rassistische Ideen widersprechen jeder fortschrittlichen Kultur. Natürlich haben wir mitunter Angst vor den Fremden ... Doch jeder Fremde und sogar der Feind ist und bleibt nur ein Mensch - wie du und ich. Das Böse gibt es nur in unserer Vorstellung. Wir projezieren es in die Mitmenschen hinein, weil uns Demut und Brüderlichkeit zu viel abverlangen. Und anstatt den Schwarzen Peter bei uns selbst zu suchen, handeln wir in archaischen Mustern „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und werfen leichtfertig unsere ethischen Bedenken über Bord. (So geschehen z.B., als die USA gegen den Irak und Afghanistan in den Krieg zogen - Europa mitriss ...)
Das Böse ist nicht wiederum mit Bösem zu bekämpfen. Aber alle Weisheiten der Vergangenheit sind plötzlich nur Schall und Rauch. Offensichtlich ist das Böse wie ein Nebel oder wie ein Virus, der in die Menschen kommt, wenn nur gewisse Voraussetzungen gegeben sind - so als würde man Tinte in ein Wasserglas tröpfeln ...
Die Dunkelheit breitet sich aus. Niemand ist vor ihr gefeit.
Dennoch glaube ich, dass man sich Macht seines Geistes dagegen wehren kann. Liebe und Vernunft können den Menschen retten. Im Kleinen wie im Großen.
Wir müssen den verhängnisvollen Kreislauf durchbrechen.
Die Öffentlichkeit wartet auf den Schlichterspruch Heiner Geißlers zum Bahnprojekt Stuttgart 21.
Nach den Plädoyers Für und Wider zogen sich alle noch mal in ihren Kabuff zurück. Und die Journalisten füllen die entstehende Lücke mit Interviews im Umfeld der Veranstaltung.
Auch ich habe eine Lücke zu füllen. Erschreckend hell ist der Tag. Der Schnee reflektiert das Licht.
Die Gegenwart erscheint mir seltsam surreal. Sie brandet in mein Bewusstsein mit ihren Wellen, und ich lausche konsterniert. Menschen umkreisen mich auf nahen und fernen Bahnen wie Satelliten. Plötzlich wechselt der ein oder andere seine Bahn, entfernt sich von mir, und es entsteht eine Lücke. Manche Menschen entschwinden auch einfach spukhaft, als hätte es sie nie gegeben. Ich fange an zu zweifeln, ob ich dies alles überhaupt erlebte. Vielleicht war die Liebe nur ein Schwindel. Ein perfekter Schwindel.
Das gesamte Leben ist ein Irrtum. In dem Moment, wo ich zweifelte, verlor ich den Halt. Woher kommt dieser Zweifel? Warum kann ich nicht zombiegleich den Alltag verbringen? Wie können sich meine Mitmenschen derart perfekt zusammenreißen? Wie sieht es in ihrem Innern aus?
Solche Fragen stellte ich mir schon sehr früh in meinem Leben. Darum wurde die Schulzeit zur Qual. Ich sah Menschen, die gemäß ihrer Aufgaben funktionierten. Während der Pubertät sträubten wir uns dagegen, in diesen Moloch der Erwachsenenwelt überzugehen - doch nach einigen Jahren lichteten sich die Reihen. Meine Kumpels fanden peu à peu ins bürgerliche Spießertum. Und schließlich war ich allein übrig. Heute wirft man mir manchmal vor, dass ich nie richtig erwachsen wurde. Aber ich sehe es anders: ich blieb mir treu, ich wollte meine Gesinnung nicht auf die Gleise des Lebens werfen ..., ich konnte mich nicht anpassen. Die Welt ist mir fremd, wie sie die Menschen gestalten, und wie wir uns in emsiger Betriebsamkeit dem Materialismus unterwerfen.
Immerhin konnte ich mich bis heute durchwurschteln. Manchmal stand ich am Abgrund, doch die Ratio und der Überlebenswille ließen mich durchhalten. Das Leben ist total verrückt. Der Zweifel am Dasein räucherte mich aus. Während die meisten wie lebendig tot ihre Pflichten und Aufgaben erfüllen, fühle ich mich bereits tot - mit einem armseligen und skurrilen Rest Lebendigkeit, an den ich mich mal mehr oder weniger verzweifelt klammere: an eine Handvoll Menschen, meine Erfahrungen in der Altenpflege, an eine Liebe, an meine Lust und Sinnlichkeit ...
Inzwischen kann es nur noch wenige Minuten dauern, bis Heiner Geißler ans Rednerpult tritt. Alle sind gespannt darauf, was er zu sagen hat. Man sagt, er sei moralisch integer. Mal sehen.
Ich überlege mir, was ich mit dem Rest des Tages anfangen soll. Er ist immer noch blendend anwesend.
Gestern dieses Schneetreiben, und ich traf Klaus im Kaffeehaus. Klaus ist ein zorniger wie gutmütiger Mann Anfang Sechzig, der vor wenigen Jahren seine krebskranke Frau verlor und damals recht eigentümliche Erfahrungen mit Pflegediensten und unserem Sozialstaat machte. Wir verstehen uns gut, auch wenn mein Zorn aus einer anderen Anlage und anderen Erfahrungen entstand.
Es ist eine Weile her, dass sich in meinem Leben eine neue Freundschaft ergab. Keine Fuzzi-Sache. Und keine Verliebtheit. Sondern echte Freundschaft. Mal sehen. Ich mag Klaus.
Mein Gott, die beraten immer noch. Logisch, dass ich für die Stuttgart 21 Gegner bin. Die stehen einfach für die menschliche und ökologische Seite, während Bahn und Politik kapitalistische Interessen abseits jeglicher Vernunft durchsetzen wollen. Komisch, sogar an den Gesichtern erkannte ich diese Zweiteilung. Die Befürworter von Stuttgart 21 grinsten oft selbstgefällig und zeigten dabei echte Verbrechervisagen, während die Gegner eigentlich durch die Bank weg wesentlich sympathischer rüber kamen. Aber natürlich bin ich voreingenommen.
Es gibt selten solche wirklichen Schauspiele, wo Bürger auf die Macht treffen ..., sachlich und mit rhetorischem Vermögen.
Es dauert noch, sagt der "Flur Funk".
Die weiße Pracht taut langsam wieder ab. Der Himmel hellt sich auf. Im TV läuft die Schlichtungsrunde mit Heiner Geißler zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Samstagvormittag - die Lebhaftigkeit der Familie im Stock unter mir dringt gedämpft an meine Ohren wie das Verkehrsrauschen auf dem nassen Straßenbelag der stark befahrenen Talstraße. Mal gespannt, wann der Tunnel Wirklichkeit wird, um endlich Entlastung für die Anwohner zu bringen. Da wird wohl vorher noch Stuttgart 21 fertig gestellt.
Ich stöbere in meinen Annalen aus den Neunzigern. Ein altes Notizbuch liegt aufgeschlagen vor mir. Damals hatte ich noch keinen Computer und schrieb tausende Seiten von Hand. Fasziniert lese ich aus den Zeugnissen meiner Vergangenheit. Schemenhaft tauchen Bilder aus dieser Zeit vor meinem geistigen Auge auf. Was habe ich mir in den vielen Jahren nicht alles von der Seele geschrieben. Fühle ich mich darum leichter? Ich weiß es nicht. Der Wortsalat drang aus mir heraus wie Lava - aus dem Refugium meines Geistes. Nun sehe ich sie erkaltet und zu seltsamen Formen erstarrt vor mir.
Minuten wurden zu Stunden zu Tagen zu Jahren, Jahrzehnten. Langsam verstehe ich den Wert von Wissenschaften, die nach unserer Vergangenheit forschen. Es ist mehr als ein Nachvollziehen vergangener Vorgänge. Wir graben dabei nach uns selbst.
Ich bin in der vorwärts drängenden Gegenwart gefangen. Noch immer labern sie in der Schlichtungsrunde. Viele gescheite Leute diskutieren unter der Aufsichtshoheit Heiner Geißlers um den heißen Brei. Interessant. Ich lasse mich ablenken. Der Schnee liegt wie Zuckerguss auf den Dächern und Gärten. Selbst wenn ich völlig erstarre, geht alles weiter. Es gibt keinen Halt. Die Liebe zu einer Frau verschwindet langsam - ohne mein Zutun. Doch bevor sie sich ganz verabschiedet, leide ich, fluche ich, kotze ich …
Alles wird kalt. Das Leben ist wie ein gewachsener Berg - aus der eigenen Schlacke. Und oben am Schlot brodelt es unaufhörlich.
Du wusstest, dass ich ein emotionales Schwergewicht bin. Gegen Ende unserer Beziehung wolltest du ständig an mir rummachen. Oder an den Computer. Schließlich war ich froh, als du am Computer saßt. Wenn du zu mir kamst, begrüßtest du erst meinen Schwanz. Und nach der Fellatio hast du erwartet, dass ich dich richtig hart durchficke. Dabei sollte ich noch dreckige Sachen sagen, während in meinem Kopf quasi Blutleere herrschte. Anfangs genoss ich diese geilen Ausritte auch, aber mit der Zeit fand ich, dass unsere Beziehung zu sehr aufs Sexuelle fixiert war.
Weißt du noch, wie schüchtern du dich im Bett gabst, als wir uns (vor 1 3/4 Jahren) kennen lernten? Du leitetest gerade die Scheidung von deinem Mann ein. Nach sieben Jahren Ehe, aus der zwei Kinder entstanden. Ihr hattet euch auseinander gelebt, wie du mir erzähltest. Sexuell lief bereits zwei Jahre nichts mehr zwischen euch. Du hattest sicherlich Nachholbedarf. Und peu à peu fandst du wieder Geschmack an der Rammelei. Mehr als das. Umso härter ich dich ran nahm, desto öfter wolltest du.
Zwischen unseren Jobs und deinen Mutterpflichten blieben nicht viele Termine für uns. Nach und nach wurde auch klar, dass wir emotional unterschiedlich gewichtet sind. Du wolltest dich nach deinem jahrelang empfundenen Ehe-Gefängnis endlich ausleben. Dir stand nicht der Sinn nach tief greifenden Gesprächen. Sorgen und Probleme hattest du mit deiner privaten Situation genug. Davon abgesehen bist du einfach materialistischer eingestellt als ich. Da blieb zwischen uns letztendlich nur der Sex. Und Essen gehen - davor oder danach. Genau genommen führten wir, von der ersten Verliebtheit abgesehen, gar keine richtige Beziehung. Es musste also enden - zu unterschiedlich waren unsere Vorstellungen.
Den geilen Sex werde ich vermissen. Mann will ja immer das, was er nicht mehr kriegen kann. Weißt du noch, als wir es im Altenheim trieben, ich dich von hinten in der Stationsküche nahm?
Draußen tobte ein Sommergewitter …
???
Was war passiert? Der Bildschirm meines Notebooks sah wie geshreddert aus (s.o.).
Die Hardwarediagnose brachte nichts. Also ließ ich eine komplette Wiederherstellung des Systems laufen. Ich hatte am Wochenende sowieso Langeweile. Immerhin - es funktioniert wieder. Vielleicht war ein Virus die Ursache ... Computer sind für mich selbst nach jahrelangem Gebrauch noch böhmische Dörfer. Wie Frauen.
Meine Ex hat sich vor ein paar Tagen ihre Titties vergrößern lassen. Bei Professor Dingsbums in Frankfurt. Ich fand sie nicht zu klein, aber wie meine Ex mir in unserer Beziehung erklärte, litt sie schon viele Jahre deswegen unter Komplexen. Solche Komplexe gibt es, und darum hielt ich mich mit kritischen Stellungnahmen zurück. Bringt ja eh nichts.
Nun hat sie also neue Titties. Die waren nicht billig: ca. 4000 Euro. Und jetzt, wo ihre Scheidung (nicht die Scheidung von mir - sondern von ihrem Mann) noch läuft, wird sie daran finanziell ganz schön zu knabbern haben. Aber was interessiert mich das noch ...?
Neugierig wie ich bin, simste ich sie an und fragte, wie es ihr geht.
Ihre Antwort klang recht verhalten. Sie sagte mir nichts Näheres zum Erfolg der OP.
Wie gesagt, wegen mir hätte sie ihre Titties nicht vergrößern lassen müssen. Das Ergebnis würde mich aber schon interessieren. Doch der Käse ist gegessen. Wir haben uns nicht mehr viel zu sagen. Die Gefühle ebben langsam ab. Nur zwischendurch juckt es mich noch: Ich sitze im Kaffeehaus bei Wodka Orange und denke an sie, an unsere Zeit und den Sex mit ihr - der gar nicht so übel war.
Schade, ich hätte die neuen Titties schon gern in Natura betrachtet und mal angefasst. Es wäre auch für mich ein Novum gewesen. Keine meiner bisherigen Freundinnen hatte einen künstlichen Busen.
So ist das Leben. Man kann die Zeitpunkte nicht steuern, wo Beziehungen und Computer verrecken. Und Menschenleben. Heute Abend geht`s zurück in den Nachtdienst.
Ich habe nichts gegen kleine Titties
... einen Wodka Orange auf die neuen Titties meiner Ex!
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Die Menschen streiten des Öfteren darüber, ob diese Welt tatsächlich existiert. Oder womöglich nur ein Matrix-Ding ist. Ein dummer Streit! Auseinandersetzungen wie diese rühren daher, dass die Leute die Wörter, die sie benutzen, nicht verstehen. Bevor man dieses Thema diskutiert, sollte man zum Beispiel bedenken, was das Wort "existieren" überhaupt bedeutet. Da käme viel Interessantes zum Vorschein. Aber Menschen sind nun mal selten zum richtigen Denken befähigt.
Womit ich nicht sagen will, dass alle Menschen komplette Idioten sind.
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Sowieso gibt es keine philosophischen Probleme, es gibt nur endlos viele aneinandergereihte linguistische Sackgassen, die dadurch entstehen, dass Sprache grundsätzlich ungeeignet ist, die Wahrheit widerzuspiegeln.
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(Viktor Pelewin - Das heilige Buch der Werwölfe)