Sonntag, 17. Oktober 2010

Verhangen wie meine Seele




Heidelberg wolkenverhangen







Neue Uni verkleidet

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Ich träume - also bin ich?


Heute morgen dachte ich über eine Analogie zwischen "Leben" und "Träumen" nach.
Es gibt Träume, die sich von den üblichen dadurch unterscheiden: man bemerkt in ihnen, dass man wahrscheinlich träumt.
Meist erscheinen mir die absurdesten und verrücktesten Dinge im Traum völlig normal. Wenn ich aber annehme, dass ich in einem Traum stecke, schaue ich mich neugierig um - ich versuchte mir z.B. Straßenschilder zu merken, als ich durch eine Stadt flog - um das, was ich sehe, zu überprüfen, wenn ich wieder wach wäre. Leider konnte ich kein einziges Straßenschild entziffern, obwohl mir das Szenarium total real erschien - selbst das Fliegen. Ich strengte mich derart an, etwas aus dem Traum "mitzunehmen", dass ich schließlich aufwachte.
Auch im Leben erscheint uns alles normal und folgerichtig. Es gibt wenig Dinge, die uns im Alltag noch wirklich wundern. Geburt, Eltern, Schule, Himmel, Sonne, Erde, Bäume, Computer ... - alles hundsnormal. Oft, wenn ich am Schreibtisch brüte, denke ich jedoch, die Welt und das Leben seien völlig irre - ähnlich wie Traumgeschehen - nur stecken wir derart fest im Leben, dass wir gar nicht merken - nicht auf die Idee kommen, die Wirklichkeit an sich in Frage zu stellen. Jedenfalls in aller Regel.
Seit Kindertagen habe ich dieses unbeschreibliche Gefühl, dass über der Wirklichkeit des Lebens noch eine andere "Ebene" oder ein anderer "Raum" existiert. Damals war das Bild eines Tunnels, den ich durch eine Sandburg grabe, exemplarisch: sobald ich auf die andere Seite durchbrach, stürzte die Burg über meinem Arm ein ... Ich kann mich noch so anstrengen - ich komme nicht auf die andere Seite.
Während ich aus dem Traum aufwachte, gibt es im Leben nur wieder ein Aufwachen im Leben.
Aber vielleicht eines Tages ... wache ich auf, wache ich wirklich auf. Das Leben kann nur ein seltsamer Traum sein. Ich muss mich nur angestrengt konzentrieren. Nein, es geht mir gar nicht darum, dem Leben zu entfliehen - wie im Traum versuche ich lediglich eine Verbindung herzustellen ..., eine Verbindung zwischen den "Räumen", um das Gesamte besser zu verstehen.
Und selbst, wenn ich es zu Lebzeiten nicht schaffe, ergibt sich als abgeleitete Erkenntnis ein faszinierender, mich in seinen Bann ziehender Gedanke: das Vorhandensein einer Realität birgt per se das in Frage stellen derselben.

Wie Indiana Jones Jagd auf geheimnisvolle Artefakte macht, jage ich voller Abenteuerlust solchen Gedankengängen nach - und weiß nicht, wohin sie mich letztlich führen ...

Dienstag, 12. Oktober 2010

Patientenverfügung


Sich mit dem eigenen Tod und Sterben zu beschäftigen, ist schon ein recht mulmiges Gefühl. Ich druckte mir eine Patientenverfügung sowie Vorsorgevollmachten für Gesundheit und Betreuung aus. Die Sonne scheint zu mir ins Zimmer, und vor mir auf dem Schreibtisch liegen die Formulare: Erstens, Zweitens, Drittens usw. - ich überfliege die Punkte und fühle mich leicht gestresst von dem Juristen-Deutsch. Wieso ist alles so kompliziert, wo es doch nur um einen Akt der Menschlichkeit gehen soll? Ja, ich weiß, es dient der Absicherung für beide Seiten - da sind die behandelnden Ärzte - und ich, der nichts mehr äußern kann ... wegen schwerer Krankheit oder Unfall.
Ich frage mich, ob es überhaupt einen Menschen gibt, der auf alle Fälle am Leben erhalten werden will. Viel praktischer und ethisch sinnvoller wäre es doch, dass jene eine Patientenverfügung ausstellen sollten, die auf Teufel komm raus künstlich beatmet, ernährt und gepflegt werden wollen.
In gewisser Weise steht für mich die Welt auf dem Kopf, wenn ich diese "toten Formulare" ausfüllen muss, damit ich mir ein leichtes Sterben, bzw. einen gnädigen Tod erhoffen kann.

Ein schöner Oktobertag ist heute. Am Abend geht es zurück ins Altenheim. Ich werde die Nacht ganz nah an den alten Menschen verbringen, die einer nach dem anderen vom Sensemann abgeholt werden. Es liegt nicht mehr viel Zeit vor ihnen. Einige leben durch Alzheimer bereits in einer anderen Welt, zu der ich kaum noch vordringe; - werden künstlich ernährt und können nichts mehr selbst machen, außer die Augen jeden Tag wieder zu öffnen. Vielleicht wundern sie sich auch ..., - wie ich, der ihnen die Windeln wechselt und sie alle paar Stunden im Bett lagert. Wir schauen uns an und sind beide hilflos.

Ich lege den Stapel Blätter von Patientenverfügung und Vollmachten in mein Regal - unausgefüllt - und schaue zu, wie in der Nachmittagssonne der Staub auf sie herab rieselt.


Zur Patientenverfügung

Freitag, 8. Oktober 2010

Stuttgart 21


Lieber Heiner Geißler, da hast du dir was aufgeladen. Überhebe dich nicht an dem Vermittlungsversuch. Genieße lieber deinen goldenen Oktober.

Seit einiger Zeit verfolge ich das Geschehen um den Neubau des Stuttgarter Bahnhofs in den Medien. Inzwischen geht es kaum noch darum, wie sinnvoll das Projekt ist. Die Für und Wider Argumente stehen sich relativ klar gegenüber. Die Entscheidung für den Bau ist schon lange abgesegnet und legitimiert. Dummerweise wurde es von der Politik verpasst, die Bürger ausreichend darüber zu informieren, bzw. für das Großprojekt zu werben. So konnte es geschehen, dass sich viele Stuttgarter Bürger dagegen auflehnten, als zur Tat geschritten wurde, weil ihnen da erst schmerzvoll bewusst wurde, was dieser Neubau für Stadt und Einwohner bedeutet. Von den Milliarden-Kosten ganz abgesehen. Die Pläne lagen jahrelang in den Schubladen. Da lagen sie gut. Nun rollen die Monster-Baumaschinen an. Bäume werden zu Hunderten gefällt und das geliebte Bahnhofsgebäude wird eingerissen. Die schwäbische Seele ist verletzt. Konservative Werte werden durch eine konservative Regierung brutal in den Staub getreten . Ehrbare Bürger gehen nun auf die Straße - das erste Mal in ihrem Leben. Dagegen muss demonstriert werden: Besser spät als nie! Aus Spießern werden Revoluzzer. Endlich kommt Farbe in den öden Alltag.
Die dumpfbackige Politik stellt die Polizeimacht dagegen. Wollen denen mal zeigen, wo der Hammer hängt! Was soll dieses bürgerliche Aufbegehren gegen Vater Landesregierung - dabei meint es der Vater nur gut mit seinen Schäfchen. Und jetzt diese Undankbarkeit! Sollen sie mal die Knute zu spüren kriegen ... Die Wasserwerfer halten in die Menge, Pfefferspray und Tränengas werden versprüht. O weh, das ging ins Auge! Demonstrationsfreiheit hin oder her - die vom Volk ins Amt berufene Politik kann sich nicht alles gefallen lassen. Schließlich geht es um viel Geld, um Unsummen. Da hört der Spaß auf. Von wegen Baustopp. Alles muss seine Ordnung haben - und behalten.

Und jetzt kommst du, lieber Heiner, und willst zusammenbringen, was sowieso zusammengehört. Hast selbst mal zu denen da oben gehört, kennst die Wölfe - und wurdest zum Schaf, weil du im Herzen Jesus trägst, weil du als aufrichtiger Christ die Augen nicht mehr vor dem Unrecht und den Lügen verschließen kannst. Klug wie du bist, weißt du: Stuttgart 21 wird gebaut! Komme, was da wolle. Es geht nur darum, wie man die Bürger und Bürgerinnen beruhigen kann, so dass wieder Frieden im Ländle herrscht und deine Heimatpartei, die CDU, nicht Angst vor den nächsten Landtagswahlen haben muss.
Du weißt ja: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ..."

(Trotzdem viel Glück!)

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Scout Niblett !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!








Die Benennung von Ängsten

Einfach mal anfangen:



Angst vor dem Älterweden.
Angst vor Krankheit und Sterben.
Angst vor Armut im Alter.
Angst vor dem Alleinsein, dem richtigen Alleinsein.
Angst vor der Pflegebedürftigkeit meiner Eltern.
Angst vor dem Sterben meiner Eltern.
Angst vor einem Wiedersehen mit meinem Bruder.
Angst vor der Verantwortung in meinem Beruf.
Angst vor dem Versagen in der Arbeit.
Angst vor Depression.
Angst vor Menschen, die Macht haben.
Angst vor Gewalt.
Angst vor der Ausgeliefertheit ...
Angst vor einem Leben ohne Liebe.
Angst vor dem Unattraktivwerden.
Angst vor dem Verlust meines Selbstvertrauens.
Angst vor der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu sozialer Kälte ...
Angst vor einem Asteroideneinschlag.
Angst vor einer Pandemie - die Vogel-, Schweine-, Todesgrippe läßt grüßen.
Angst vor Arbeitslosigkeit und Alkoholismus.
Angst vor Obdachlosigkeit.
Angst, eine Frau nicht mehr befriedigen zu können.
Angst, gar keine Frau mehr abzukriegen ...
Angst vor Aids.
Angst davor, schneller tot zu sein, als mir lieb ist.
Angst davor, ungewollt Vater zu werden.
Angst vor dem nächsten Liebeskummer.

Angst vor dem nächsten Nachtdienst (dummerweise heute).
Angst vor meiner Chefin (der nächste Anschiss kommt bestimmt).
Angst vor dem langen Winter ...
Angst vor der Angst.




Ich finde, das reicht fürs Erste. Fällt Euch noch was ein?

Mittwoch, 6. Oktober 2010

I remember Marilyn



Leben - ich bin von deiner zweierlei
Richtung
Irgendwie kopfüber hängend
meistens
doch stark wie Spinnweben im
Wind - ich bestehe mehr mit dem kalt
glitzernden Frost
Meine perlenden Strahlen aber haben
Farben, die ich von Bildern kenne - ach
Leben, man hat dich betrogen
...

(Marilyn Monroe)

















(Quelle: Spiegelausgabe vom 04.10.2010)

Freitag, 1. Oktober 2010

Buchtipp

Hermann Knoflacher: Virus Auto. Die Geschichte einer Zerstörung

Zum Inhalt.

Mittwoch, 29. September 2010

Bergfest

oder: Zum Älterwerden


Und wieder ein Jahr älter! Nein, ich habe nicht Geburtstag, aber irgendjemand hat bestimmt einen; und außerdem kann ich mir das jeden Tag sagen - relativ zu dem Tag vor einem Jahr.
Ich stelle mir vor, dass ich dies einst nicht sagen konnte, weil ich noch weniger als ein Jahr alt war. Was war das damals für eine schöne sorgenfreie Zeit! Wer keine Vergangenheit hat, hat auch noch keine Zukunftsängste. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, was es bedeutet, älter zu werden. Ich konnte es mir sehr lange nicht vorstellen. Inzwischen sehe ich mein Älterwerden von Jahr zu Jahr bewusster. Und die Alten im Altenheim nehmen meine Zukunft quasi vorweg. Ich rieche förmlich die Trostlosigkeit, wie sie ganz oben auf der Lebensleiter auf ihren Tod warten. Sie sagen es manchmal auch. Es ist unabänderlich und grausam - wie bei einem zum Tode Verurteilten kurz vor seiner Hinrichtung. Das Leben wird von Angst und Depression verätzt. Und jede Minute, die man ohne solche Gedanken und Ängste genießen kann, wird zum Geschenk. Womöglich ist die Demenzerkrankung aus dieser Perspektive eine Gnade, denke ich ...
Nun bin ich diesbezüglich erst in der Vorhölle. Als Midlifecrisis wird es von Psychologen beschrieben. Ich stehe sozusagen am Zenit meines Lebens und sehe im Geiste voraus, wie mir die Felle davonschwimmen. Mal davon abgesehen, dass ich schon sehr lange nichts von Geburtstagsfeiern halte, wird es nun regelrecht zu einer sadomasochistischen Angelegenheit zu zelebrieren, dass man wieder ein Jahr älter wurde. Vielleicht sollte ich wie die Wehrpflichtigen Bergfest feiern - und danach verbiete ich mir, über mein Alter nachzudenken. Ich hatte mein Leben, und jetzt geht`s eben bergab. Das ist der Lauf der Dinge. Jedes Jahr erleben wir es peripher durch die Jahreszeiten.
Wie gut haben es doch Leute, die fest in einem Glauben verwurzelt sind. Religionen sind eigentlich die genialste Erfindung der Menschheitsgeschichte. Sie können dieses grundlegende Bewusstseins- und Existenzproblem, dass das Leben endlich ist, für den menschlichen Geist erträglicher erscheinen lassen. Und tatsächlich gibt der religiöse Glaube vielen Menschen Halt und spendet ihnen Trost - nicht erst im Alter. Persönlich halte ich nichts von solcherlei Gehirnwäsche, aber ich entwickelte mit dem Älterwerden eine verständnisvollere und gnädigere Sicht auf die Mitmenschen, die sich einem Glauben verschrieben. Dabei ist`s mir egal, ob sie Christen, Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten oder anderes sind. Ich liebe die Menschen, und ich leide mit ihnen. Es ist oft unerträglich, weil es Ohnmacht bedeutet.
Ich weiß nicht, was kommt, und ich kann ihnen nur meine Hand reichen.

Der Tod besiegt letztendlich auch die Angst ...

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

deine Gedanken und Geschichten
und nicht ein einziger Kommentar darunter ist schon...
kontor111 - 30. Jan, 10:18
alien-lösung? da ging...
alien-lösung? da ging was an mir vorbei. ist aber eh...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:08
richtig. ich dachte nur,...
richtig. ich dachte nur, dass ich es meinen lesern...
bonanzaMARGOT - 17. Nov, 13:05
Wo ist denn das Problem?...
Wo ist denn das Problem? Durch die „Alien-Lösung” von...
C. Araxe - 7. Nov, 22:06
Wenn du ohnehin eine...
Wenn du ohnehin eine neue Blogheimat gefunden hast...kann...
rosenherz - 2. Nov, 13:51
Liebe Leser(innen)
Dieser Blog ruht fortan. Leider ist die Resonanz hier...
bonanzaMARGOT - 02. Nov. 19, 13:39

Archiv

April 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 6776 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Jan, 10:18