Dienstag, 28. September 2010

Reflexionen



Sonnenuntergang auf dem Weg ins Altenheim






ein Gesicht, das lebt - Jeanne Moreau

Sonntag, 26. September 2010

Herbstfeste


Kaum ist nach dem Kalender Herbst, geht es mit den Herbstfesten los. Freilich ist schon lange kaum noch ein Unterschied zwischen den im Jahr angesiedelten städtischen Festivitäten feststellbar. Ich unterscheide hauptsächlich zwischen Rummel und Straßenfest. Das Oktoberfest ist z.B. der weltgrößte Rummel, und gestern war ich auf einem Straßenfest, dem Heidelberger Herbst, welcher jährlich am Samstag nach Herbstanfang stattfindet: Fußgängerzone und Altstadt sind voll von Flohmarktständen, Kunsthandwerk, Fressständen und Musikbühnen. Durch das kühle, regnerische Wetter war es diesmal richtig Nerven schonend, durch die Gassen und Strassen zu schlendern. Es gab nur wenig Geschiebe, und ich sah auch ohne Probleme etwas von den Musikern auf den Bühnen. Zwischendurch wärmte ich mich in einer Kneipe auf und entleerte meine Blase.
Die Kerwezeit ist vorbei, und nun kommen die Bierfeste, Herbstfeste, Stadtfeste und Straßenfeste. Was gibt`s nicht alles für Feste im Laufe des Jahrs! Im Sommer die Fischer- und Gockelfeste ..., sogar ein Wurstfest findet statt. Jede Region hat ihre Besonderheiten. Ich blicke da kaum noch durch. Also entschied ich gestern, irgendwann nach dem soundsovielsten Bier, dass ab sofort alles Herbstfeste seien. Das ganze Jahr über Herbstfeste ...
Seit ich keine echten Saufkumpane mehr habe, besuche ich nur noch sporadisch solche Festivitäten. Früher waren es noch Highlights wie Silvester, zu denen man sich verabredete, um es richtig krachen zu lassen. Aber ohne Saufkumpane ist es öde. Da waren damals Heinz, Jürgen, Atze, Armin, Guntram ..., und wie sie alle hießen. Mit Saufkumpanen ist es irgendwie wie mit den Herbstfesten, nehme ich meinen Gedankengang von gestern Abend wieder auf, eigentlich könnte ich sie alle Heinz nennen. Es sollte sie nicht stören - sowieso war Heinz lange Zeit ein Parade-Saufkumpel.
Alles hat eben seine Zeit. Mit den Jahren verlor man sich aus den Augen. Meist war die Heirat der Anfang vom Ende einer jahrelangen, erfolgreichen Saufkumpanei. Scheiß Weiber! - sagten wir dann.
Die Reihen lichteten sich, bis nur noch Armin und ich übrig blieben. Inzwischen verabschiedete sich auch Armin ..., aber das ist eine andere Geschichte.
Dann und wann traf ich - oft nach Jahren - zufällig wieder auf einen Heinz, der mit Anhang oder gar mit ganzer Familie über ein Herbstfest schlappte.

"Hallo!"
"Hallo, so ein Zufall!"
"Ja, ewig nicht mehr gesehen ..."
"Wie geht`s?"
"Ganz gut ..., bist ganz schön fett geworden."
"Danke - ebenso."
(Verlegenes Schweigen.)
"Äh, ich muss dann mal weiter."
"Ja. Vielleicht sieht man sich nächstes Jahr wieder."
"Ja. Tschüss!"
"Tschüss!"

Gestern, als ich auf dem Heidelberger Herbst war, traf ich keinen Heinz. Ich sah überhaupt kein bekanntes Gesicht. Trotzdem genoss ich es. Vielleicht, weil ich an alte Zeiten dachte, und wie alles seinen Lauf nimmt ...






geile Musik am Kornmarkt






und vorm Rathaus

Donnerstag, 23. September 2010

Gesundheitsreform, die wievielte?


Man kann nur hoffen für dieses Land, dass es nicht die letzte war. Herr Rösler, seines Zeichens Gesundheitsminister, lieferte eine reife Leistung ab!
Die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenkassen dürfen ab 2011 mit Zusatzzahlungen rechnen, quasi als Einstieg in die Kopfpauschale. Gewinner der Reform sind die Arbeitgeber, die ab 2011 von Erhöhungen ausgespart bleiben, und die privaten Kassen, die auf viele neue Mitglieder hoffen dürfen. Verlierer ist der kleine Mann - er soll den Gürtel mal wieder enger schnallen, schließlich hat er darin schon Übung. Auf seine Kosten wird gespart. Er wird ausgepresst wie eine Zitrone. Bei über siebzig Millionen Beitragszahlern macht`s die Summe. Herr Rösler kann sich nicht vorstellen, dass für einen Rentner, eine Verkäuferin oder einen Altenpfleger 20-40 Euro pro Monat, die sie zukünftig mehr zahlen sollen, eine spürbare Minderung ihrer Lebensqualität bedeutet. Es läppert sich: Praxisgebühren, Zuzahlungen bei Medikamenten und nun die Kopfpauschale. Menschen mit geringem Verdienst werden besser nicht krank ...
Nun kann man von einem jungen, aufstrebenden FDP Politiker keine sozial verträgliche Politik erwarten. Das Volk wählte schwarz-gelb. Die Lobbyisten der Pharmaindustrie rannten also offene Türen ein.
Ich kann nur hoffen, dass die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes rechtzeitig zur nächsten Wahl (2013) hellwach sind und diese unsozial agierende Politik abwählen!

Montag, 20. September 2010

Kann ein Künstler den Anspruch erheben, mit seiner Kunst Geld zu verdienen?

(oder: Ein Dialog über Illusion und Desillusion in der Kunst)



Pro: Selbstverständlich, schließlich muss er von etwas leben.

Contra: Verrät dabei der Künstler seine Ideale nicht an den Konsum?

Pro: Die meisten Künstler werden sowieso nicht reich mit ihrer Kunst.

Contra: Also ich finde es ähnlich zwiespältig wie das Geldverdienen mit Liebe.

Pro: Und Prostitution gab`s auch schon immer ... und in allen Kulturen.

Contra: Ich fände es halt schlimm, wenn Prostitution der Regelfall wäre.

Pro: Ein Künstler prostituiert sich doch nicht, weil er für seine Kunst entlohnt werden will.
Es ist doch mehr eine Aufwandsentschädigung und eventuell ein Belohnungsschmankerl.


Contra: Wo willst du die Grenze ziehen? Wann wird eine Forderung unmoralisch?
Gerade auf dem Kunstmarkt tummeln sich deswegen vor allem elitäre und begüterte Personen.

Pro: Es ist leider Fakt, dass Menschen mit einem niederen Bildungsniveau lieber zu Mac Donalds gehen als ein Buch zu lesen oder eine Kunstausstellung zu besuchen - was ich auch für völlig legitim halte - schließlich kann man niemandem das Interesse an Kunst vorschreiben.

Contra: Aber mit diesem Image befördern wir die Herausbildung einer Zweiklassengesellschaft, in welcher Kunst weitgehend als abgehobene Angelegenheit gehandelt wird. Wäre es nicht besser, die Kunst von Kapitalismus und gesellschaftlichem Status abzuhängen, um ihr kreatives, geistiges Potential auf alle Menschen gleichermaßen wirken zu lassen?

Pro: Wir leben aber in keiner idealen Welt. Der Künstler muss sehen, wo er bleibt. Warum also nicht ein paar Euro für eine Lesung oder Ausstellung einstecken? Es ist nachvollziehbar, dass ein Künstler davon träumt, ohne zusätzliche Erwerbsarbeit leben zu können.

Contra: Ja, aber bloß weil eine Sache in der Welt notwendig oder normal ist, macht sie das nicht moralischer. In meinen Augen bedeutet die Vermarktung von Kunst - die sich damit herausbildenden Strukturen, der provozierte Wettbewerb unter den Künstlern - eine Ungerechtigkeit und ein Schandfleck im Kulturbetrieb. Es heißt ja nichts anderes als: Nur wer mit den Wölfen heult, kommt weiter ...

Pro: Warum sollten in der Kunst andere Gesetzmäßigkeiten herrschen? Es können niemals alle mit ihrer Kunst berühmt und reich werden, und so braucht man ein Ausleseverfahren.

Contra: ... wo Geld, Vitamin B und Ellenbogen die maßgebliche Rolle spielen. Aber widerspricht dies nicht der Kunst als ein Metier des freien Geistes, der Anarchie, der Unabhängigkeit von Mainstream, Mode und Macht?

Pro: Völlige Unabhängigkeit gibt es nicht. Wer dies behauptet, ist ein Illusionist.

Contra: Dann ist jegliche Ethik ein Popanz ...

Pro: Jedenfalls sollte eine Ethik nicht zu realitätsfremd sein.

Contra: Was ich schlimm finde: dass so gut wie keine Kritik an den Gegebenheiten stattfindet. Als wäre es ein Tabu-Thema. Ich meine auch eine Portion Selbstkritik der Künstler.

Pro: Da erwartest du von dem Künstler, der vielleicht gerade den Hauch des Erfolgs spürt, etwas viel - er ist froh, dass nach all seinem Bemühen endlich mal die Kasse klingelt, dass z.B. seine Bücher gekauft -, seine Lesungen besucht werden. Und jene, die es geschafft haben, in den Olymp der angesehenen Künstler aufgestiegen zu sein, werden einen Teufel tun, den Betrieb schlecht zu machen, der sie beförderte und von dem sie nach wie vor abhängig sind.

Contra: Ist das nicht traurig?

Pro: Nur wenn man ständig dagegen angeht ... und meint, gegen Windmühlen kämpfen zu müssen.
Niemand kann die Welt verändern.


Contra: Als Künstler und Idealist komme ich davon nicht ganz weg ...

Pro: Dein Problem.

Samstag, 18. September 2010

Die Sexmaschine (1)

oder:
Zum Phänomen Sex


"schnurkel butz."
"futzi schnulli schnulli knulli!"
"urks schnuller schnapp schnapp mjam!"
"itzi bitzi hihi ..."
"sappel furkel bull!!"
"bimbli."
"joi joi joi ..."


Und so geschah es. Mann und Frau vollzogen den Fortpflanzungsakt. Beinahe acht Milliarden Seelen zeugen davon: Der Mensch ist eine Sexmaschine!
Er kultivierte die Paarung z.B. mit dem Ausziehen. Ich habe sowieso den Verdacht, dass Kleidung nicht zum Anziehen dient - sondern im wirklichen Sinne zum Ausziehen. Dummerweise muss man sich erst dazu anziehen. Auch wurde die Sprache um viele Dimensionen komplexer als in dem oben aufgeführten, urzeitlichen Beispiel. Eine mögliche Übersetzung wäre:


"Ich habe Lust."
"Ja, ich auch, Liebling, lass es uns tun!"
"Ich bin so lüstern, Liebling, ich kann es kaum noch aushalten!"
"Ach, du mein Kleiner, hihi ..."
"An deinem Busen bin ich erst Mann!"
"Du bist süß."
"Ich dringe in dich ein ..."

Donnerstag, 16. September 2010

Der tote Donnerstag

weil:

- George Clooney hypnotisiert die Hälfte der Menschheit in "The American".

- Die Körperfresser übernahmen endgültig die Macht auf der Welt.

- Sarrazin verbreitete mittels seines Buchs einen geheimnisvollen Virus, der zu einer Massengehirnwäsche führte.

- Hitler ist von den Toten auferstanden ...

- Die Muslime übernahmen die Weltherrschaft, ohne dass ich es merkte.

- Ich bin allein auf der Welt, und alles andere ist Einbildung.

- Man will mich mundtot machen, weil ich der Wahrheit auf der Spur bin.

- Gott existiert und bestraft mich für meine Lästereien.

- Gott bestrafte alle anderen.

- Alles Zufall.

- Ich befinde mich im Delirium.

- Keine Sau liebt mich.

- Donnerstag ist einfach ein scheiß Tag!

Mittwoch, 15. September 2010

"Deutscher Bundestag"


Mal wieder Bundestag Live. Realkabarett von Regierung und Opposition auf Büttenredenniveau.
Es wird um Integration, Wehrpflicht, Energie- und Sozialpolitik gestritten. Abwechselnd widersprechen sich die Redner der verschiedenen Lager, so dass man als Zuhörer schließlich völlig verwirrt ist. Ich komme zu dem Schluss, dass offensichtlich keiner so richtig weiß, worüber er redet. Übrig bleiben parteipolitische Selbstbeweihräucherungen, polemische Statements und Beschimpfungen der Gegenseite. Warum ich mir dieses vormittägliche Schauspiel - oder besser Kasperletheater - antue? Weil es tatsächlich einige rhetorische Spitzen gibt, bei denen ich in mich hineingrinse. Dann die unterschiedliche Körpersprache - köstlich! Die Mimik der Zuhörer, die Zwischenrufe oder ihre absichtlich zur Schau gestellte Ignoranz!
Und ein Teil dieser klugen Köpfe stellt die Regierung! Ach, wie schön! Mit diesem Kabinett könnte man auf Welttournee gehen - mit dem Stück "Deutscher Bundestag". Okay, man müsste die Debatte zusammenstreichen, da und dort ein wenig auf die Tränendrüse drücken und ein paar Tanzeinlagen einbauen. Die Themen wären beliebig austauschbar. Angela Merkel würde zum Superstar am Broadway, derweil die Konzerne Deutschland regierten - was sie sowieso schon indirekt tun.
Nur eine halbwegs gut funktionierende Gesellschaft kann sich solche Politiker leisten. Denn würde man deren Sachverstand und Regierungsleistung 1:1 auf die Lebenswirklichkeit projizieren, müsste das absolute Chaos im Lande herrschen. Nein, eigentlich ist das alles gar nicht lustig - eher ein Trauerspiel.
Nur mit überbordender Ironie kann ich dem begegnen, ansonsten verfalle ich in eine depressive Starre. Es ist ein Gefühl, als würde man in unendlicher Zeitlupe von einer Riesenschlange verschlungen. Alles Sträuben nutzt nichts, Millimeter für Millimeter rutscht man in den Rachen des Untiers. Die Aussichten werden immer finsterer - wie der Tag heute. Der Himmel heult sich aus. Offensichtlich hat er dasselbe Programm eingeschaltet.

Dienstag, 14. September 2010

Lethargie am Mittag


Das Altenheim steckt mir noch in den Gliedern. Oder die Pizza Diavolo von gestern Abend liegt mir schwer im Magen. Jedenfalls wachte ich die halbe Nacht und schlief dann bis Mittag. Vielleicht trank ich auch zu gierig die Havanas im Kaffeehaus. Passend dazu heute das Ambiente eines fahlen, kühlen Tages. Ein Lüftchen scheint zu gehen. Die Zweige der Büsche wiegen sich behäbig. "Hallo Buschwerk", sage ich halblaut und winke zurück. Wie konsterniert sitze ich an meinem Schreibtisch und lasse mich gen Nachmittag stupsen. Die Angelschnur hängt im Gedankensee, der glatt wie ein Kinderpopo schimmert. Ich warte, dass ein dicker Fisch anbeißt. Doch es rührt sich nichts. Ich rühre mich nicht.
Dann meditiere ich halt, denke ich. Klingt besser als Lethargie. Ich staune über die Struktur der Raufasertapete. Und erst die Pinwand aus Kork. Der Dielenboden knarrt, wenn ich aufstehe. Wie immer unglaublich, die Existenz.

ein literarisches Tagebuch

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