Mittwoch, 14. April 2010

I remember Eugen Drewermann


... der vor zwanzig Jahren über grundsätzliche Fragen mit seiner Kirche im Clinch lag und deswegen seine Lehrerlaubnis verlor und vom Priesteramt suspendiert wurde. Ich verfolgte damals gespannt viele Interviews und Diskussionen mit ihm in Funk und Fernsehen.
Nun vermisse ich sein klares und weises Wort zu der aufbrandenden Mißbrauchsdiskussion in den Medien, gerade im Zusammenhang mit der Kirche. Ich finde, man sieht und hört diesen streitbaren und humanistischen Menschen und Theologen viel zu selten.

Beim Surfen stieß ich auf ein Interview durch Deutschlandradio Kultur:

Drewermann kritisiert Umgang der katholischen Kirche mit Mißbrauchsvorwürfen

... und auf ein Interview im Der Tagesspiegel:

Katholische Sexualmoral ist repressiv

Außerdem sind von ihm einige Diskussionsbeiträge und Vorträge bei youtube zu sehen und zu hören, wie z.B. der folgende Ausschnitt, wo er über die negative Bedeutung des Geldes für den Menschen spricht.


Montag, 12. April 2010

Der Anfang eines Gedichts

Der Algorithmus,
der zum Spießer führt,
in eingängigem Rhythmus
dich zum Erwachsenen kürt
...

Samstag, 10. April 2010

Lakonie auf Balkonie



- man gönnt sich ja sonst nichts.

Donnerstag, 8. April 2010

Sucht

Warum ist die Welt, wie sie ist? Um in ihr alt zu werden, unter dem Sternenzelt gefangen, zu glauben, zu lieben und zu hassen. Alles steht sich gegenüber, und ist gleichsam aufrecht. Die Ebenen krümmen sich, und ebenso die Ideologien. Ehe man sich versieht, macht man das Konträre von dem, was man erdachte. Wir laufen uns selbst hinterher - und aus der anderen Perspektive vor uns weg.
(Die Musik spielt: "Es lebe der Zentralfriedhof" von Ambros.)
Ich plage mich mit Gedanken-Nekrosen. Ich trage sie ab, und manchmal schneide ich das Gesunde mit heraus. Auch die Liebe. Die Zeit heilt, und ich spucke drauf ...
Die Gedanken müssen befreit werden. Sie liegen in Ketten. Der Alltag schlägt seinen Rhythmus und macht müde. Wir sind versklavt im Leben. Die Ketten, die ich sprenge, werden beinahe augenblicklich wieder durch neue ersetzt. Der Henker ist eine Frau mit Kapuze, ansonsten nackt. Ich kriege einen Harten, als er/sie mir die Schlinge um den Hals legt. Das ist Leben. Das ist mein Unglück - und aus der anderen Perspektive mein Glück.
Ich trinke den Wein aus einem Krug. Doch ich kann nicht ertrinken. Niemals. Das Bad in der Sentimentalität mit tausend Lichtern am Fluss der Tränen ... Es endet, wenn es am schönsten ist. Wie die Liebe. Und dann, nach ein paar Jahren der Gewohnheit und abgedrückten Gefühle, gilt es wieder, die gebildeten Nekrosen herauszuschneiden. Es ist zum Lachen - ein grausamer Humor.
Warum zur Hölle kommen wir nicht um die Tragik herum? Es gibt keine Befreiung, nur Illusion.
Ein Trupp Bauarbeiter und eine riesige Dampfwalze teeren die Straße des Lebens. Auf der Dampfwalze sitzt der Teufel. Ich spüre bereits seine Hitze im Nacken. Nur gut, dass es Besenwirtschaften gibt, denke ich, und Biergärten. Der Krug ist leer.
Mein Leben ist leer.

Mittwoch, 7. April 2010

"Ich führe Krieg"


Interessiert las ich das Interview im aktuellen Spiegel (Nr. 14/ 3.4.10) mit dem französischen Intellektuellen und Philosophen Bernard-Henri Lévy. Es ist jedes Mal ein freudiges Gefühl, wenn ich auf Denker und Literaten stoße, in deren Worten ich meine Geisteshaltung und Gedanken widergespiegelt finde.
Darum hier einige Zitate, mit welchen mir Bernard-Henri Lévy sozusagen aus dem Herzen sprach:


... Krieg empfinde ich als Schande der Menschheit. Aber im Denken ist Krieg das einzig wahre Mittel. Es gilt, die gegnerischen Gedanken zu stellen und zu bekämpfen. Das Ziel ist nicht nur das Finden der Wahrheit, sondern der Sieg ...

... Denken ist nicht gewalttätig, wohl aber unerbittlich. Entscheidend ist die Unnachgiebigkeit. Was ich in der Philosophie ablehne, ist der Kompromiss ...

... Ich führe Krieg um die Wahrheit ...

... Aber der Wille zur Wahrheit ist nicht alles. Ich philosophiere, weil ich mit allen meinen bescheidenen Mitteln dazu beitragen will, die Schäden, die Beleidigungen und Kränkungen wiedergutzumachen, die den Ärmsten unter den Armen zugefügt werden ...

... Schreckliche Mittel rechtfertigen sich nie durch den vermeintlich guten Zweck, im Gegenteil, sie vergiften ihn. Es gibt keine List der Vernunft, die über den Umweg des Unmenschlichen führt, nirgendwo ...

... Es gibt in der Philosophie Elemente, die sind nicht verhandelbar. Dazu gehört der Universalismus der Menschenrechte. Der Respekt vor der Andersartigkeit der Kulturen lässt deren Einschränkung auf keinen Fall zu. Eine Kultur bricht nicht wie eine Kathedrale zusammen, wenn man einen Baustein, zum Beispiel die Todesstrafe, herauszieht. Menschenrechte - und dazu gehört die Gleichheit von Mann und Frau, aber auch die Ächtung der Todesstrafe - können gerade für die Linke nicht relativiert werden. Sie sind schließlich kein Tarnmantel des Imperialismus, sondern der Wesenskern der Aufklärung ...

... Ich glaube, dass die europäische Tradition des engagierten Intellektuellen, der sich für das öffentliche Geschick einsetzt, der Verantwortung für den Lauf der Welt in sich verspürt, nicht am Ende ist ...

... Mein Ehrgeiz richtete sich nie darauf, Schule zu machen. Ich wollte kein akademischer Philosoph werden ...

... Ich bin links, weil ich in Umkehrung eines Goethe-Worts, die Unordnung der Ungerechtigkeit vorziehe ...

... Das Böse verschwindet nicht aus der Welt, nie. Man muss es akzeptieren und zugleich bekämpfen ...

... Die Renegaten sind doch das Salz der Erde, man muss ein Renegat sein! Sich in der Treue zu sich selbst einzumauern, wenn sie sich als Irrtum erwiesen hat, damit ist der Gipfel intellektueller Verdorbenheit erreicht. Man muss sich selbst untreu werden, wenn Treue das Verharren im Falschen bedeutet ...


(Bernard-Henri Lévy)

Montag, 29. März 2010

Dialektik

„Insofern fällt der dialektische Begriff des Ganzen nicht unter die berechtigte Kritik an den logischen Grundlagen jener Gestalttheorien, die auf ihrem Gebiete Untersuchungen nach den formalen Regeln analytischer Kunst überhaupt perhorreszieren; und überschreitet dabei doch die Grenzen formaler Logik, in deren Schattenreich Dialektik selber nicht anders scheinen kann denn als Schimäre“
(Jürgen Habermas)


Kapiert?

Freitag, 26. März 2010

Rohstoff (neun)

... Ich wollte das Schreiben endgültig aufgeben. Es schien mir nicht nur unwichtig, sondern auch wie ein besonders anmaßender Versuch, zwischen mir und den Dingen, so wie sie mir alltäglich in die Augen starrten, eine Zwischenzone zu errichten, einen Schwarzmarkt von Gefühlen, Werten, Verlangen. Gegen die Wahrhaftigkeit der gefrorenen Spaghetti und der Bücherhalden konnte jeder Satz, der so tat, als hätte er etwas zu erklären, nur obzön wirken und lächerlich. Und ich wollte doch immer noch etwas aus meinem Leben machen.
...
(Jörg Fauser)

Donnerstag, 25. März 2010

Lethargie multimedial


Ich sitze mit dem Bundestag, dem Blick auf die Fassaden
der Nachbarhäuser und einer Dose Bier im Vormittag
wie in einer alten Schuhschachtel ...
Zwischendurch surfe ich durchs Netz über Blogs, Nachrichten,
Zeitgeist und Pipilotti. Den Ton des Bundestages habe ich ab-
gedreht. Dafür höre ich Musik aus meinem Computer.
Der Himmel hat in Etwa die Farbe der Bierdose, nur ohne
Aufschrift. Eine Frau schüttelt auf ihrem Balkon Teppichläufer
aus. Im Bundestag klatschen sie gerade, sehe ich aus dem
Augenwinkel. Ich hole mir ein frisches Bier aus dem Kühl-
schrank.
Es tut sich wenig. Nicht mal ein Gedicht rutscht mir raus.
Wenn ich Indianer wäre, würde ich mich "Alter Schuh, Der Am
Computer Sitzt" nennen. Jedenfalls jetzt. Ich entdecke ein
Wolkenloch. Die Zeit verrinnt als wäre die Welt eine Uhr
mit einem zeigerlosen Zifferblatt aus frischem Zement.
Kurz reisst mich der Midnight Oil Song "Jimmy Sharman`s
Boxers" mit. Eingängiger harter Rhythmus ...
Alles ist starr. Kein Lüftchen weht. Die Bundeskanzlerin im blauen
Jackett. Ich lese den Untertitel: "Aussprache zur Regierungs-
erklärung". Warum lasse ich es laufen? Warum steige ich nicht aus
der alten Schuhschachtel und gehe ...
nach Thailand oder wenigstens zum Bäcker?

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