Donnerstag, 6. August 2009

I remember Richard Burton

Die Nacht der Leguane


Als ich zum Nachtdienst kam, war das Grillfest
auf der Sonnenterrasse in
vollem Gange.
Während ich das Haus und die Bewohner hütete,
feierten sie.
Die Chefs und die, die um sie herum saßen.
Es war wie eine andere Welt.
Oder wie die andere Seite derselben Welt.
Wie der Arsch zum Gesicht.
Endlich waren die letzten verschwunden und ich hatte
die Nacht wieder ganz allein
mit den Alten, die Zimmer an Zimmer
abgelegt waren.
Ein Altenheim ist wie ein Dachboden des Lebens,
wo die Alten aufbewahrt werden - ein Hort
des Zerfalls.
Das alte Backsteingebäude würde auch bald ausgedient
haben.
Immer mehr verstand ich, dass alles ein Geschäft war.
Es ging um Zimmerbelegungen und
um Effizienz in der Pflege.
Es ging um den doppelten Boden in der Moral
der Gesellschaft.
Ich war froh, als endlich Ruhe im Haus eingekehrt war.
Im Fernsehen lief nach Mitternacht
ein guter Spielfilm:
"Die Nacht der Leguane" mit Richard Burton,
nach einem Bühnenstück von Tennessee Williams.
Der volle Mond schien zu mir herein.
Ich war allein.
Ich war das Haus.
Und ich war viel älter, als ich aussah.



(06.08.09)

Montag, 3. August 2009

Fazit eines Trinkers am Lebensende


Ich wollte mir das Leben erträglich trinken, und nun weiß ich gar nicht, ob das Leben durch`s Trinken wirklich erträglicher wurde.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Lasst uns mondreisen

Aus Geschichte werden Geschichten, um so länger sie zurück liegt. Die Mondlandung ist nun auch schon 40 Jahre her. Ich erinnere mich, wie wir von den Eltern aus dem Bett geholt wurden, um uns die spannenden Momente im TV anschauen zu können. Damals noch Schwarz-Weiß. Solche nächtlichen oder frühmorgendlichen Fernsehsitzungen gab es sonst nur bei Kämpfen von Mohammed Ali. Ich weiß nicht mehr, was mein Kinderherz fühlte. Jedenfalls war es ungeheuer wichtig, etwas einmaliges. Wir konnten gar nicht fassen, dass Menschen wirklich auf dem Mond spazierten. Es war auch das erste Mal, dass wir die Erde einfach als Planeten sahen - eine Kugel, auf deren Oberfläche unser Leben, unser Alltag, unsere Kriege stattfinden, einfach alles. Ich konnte es nicht begreifen, und ich weiß nicht, ob es die Erwachsenen begriffen. Vielleicht wären wir heute eher bereit zu verstehen, was es bedeutet, auf dem Mond zu landen, und die Erde auf- und untergehen zu sehen.
Ich überlege, ob ich den Mond vermissen würde, wenn er nicht mehr da wäre. Wie oft schaue ich noch in den Himmel zu den Sternen und suche den Mond? Die Dinge verlieren im Laufe des Lebens an Faszination. Man muss sie mit der Phantasie wieder aufpäppeln in unserer rationalen, technokratischen Welt. Man gewöhnt sich an ganz absurde Sachen - wie die Schwerkraft, oder wie den Krieg, oder wie die Liebe. Wir müssen mal wieder zum Mond fliegen. Ich meine damit nicht nur den Trabanten, der unsere wunderschöne Erde umkreist, sondern ich meine "die Mondreise" sinnbildlich, um die Wunder und die Dinge des Lebens nicht im Sumpf des Alltags zu verlieren - wieder Kind sein und den Mond und alles um sich neugierig betrachten ... Schaffen wir das, oder sind wir bereits auf dem entscheidenden Auge blind?

Sonntag, 19. Juli 2009

Der Notfall

Er war erst zwei Tage bei uns. Die Bereitschaftsärztin war hilflos. Die Rettungssanitäter holten den Notarzt dazu. Sauerstoff, Infusion und Morphium. Zwei Stunden standen wir um das Bett - dann wurde er abtransportiert. Man konnte nicht mehr tun. Es machte auch nicht wirklich Sinn, noch mehr zu tun. Der Tod hatte bereits den Fuß in der Tür und ließ sich nicht mehr zurück drängen. Der Mann starb im Krankenhaus. Ich wusste nicht viel von ihm, nur seine Krankengeschichte. Zwei Nächte hatte ich ihn betreut. Er war sehr unruhig gewesen und schlief nicht ... Ich denke, er spürte sein Ende.
Es macht mich immer wieder betroffen, einen Menschen dort ankommen zu sehen, wo ich, wo wir eines Tages alle enden werden - auf der Schwelle zum Jenseits.

Dienstag, 14. Juli 2009

Die Arschwischmaschine zeigt ihren Schreibtisch



Vom Bett aus aufgenommen


Da sitze ich, meistens an den Nachmittagen, wenn ich nach den Nachtwachen aufstehe, oder bevor ich zum Einkaufen ins Dorf runter radle.
Angeblich gehörte der Schreibtisch mal einem Arzt. Bestimmt schreibe ich hier deswegen so kluge Sachen(?)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Willkommen im sozialen Deutschland!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal in diese Situation kommen würde, weder vor noch zurück zu wissen - mich von einem Arbeitgeber, einer Arbeitssituation derart in die Enge getrieben zu fühlen.
Gestern war diese Dienstbesprechung, auf der mir der Herr des neuen kirchlichen Trägers verkündete, dass nur aufgrund meiner langjährigen Betriebszugehörigkeit von einer Kündigung abgesehen wurde. Ich hatte es gewagt, die menschlichen Aspekte meines Fehlers anzusprechen.
Schließlich hob er noch darauf ab, dass er von den Mitarbeitern 100%ige Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber erwarte, und dazu gehöre auch, dass man in seiner Freizeit erreichbar sein müsse. Diese Worte waren eine Steilvorlage für meine PDL, die mir sogleich vorwarf, ich sei nie erreichbar. Jeder Einwand und jede Erklärung meinerseits hätten die Sache nur verschärft.
Es war schwer für mich in dieser Nachtwachenbesprechung die Kontenance zu bewahren. Sie hatten mich durch den Fehler, den ich mir dummerweise aber nicht absichtlich geleistet hatte, siehe http://abendglueck.twoday.net/stories/5786678/, mundtot gekriegt. Ich bin zum Abschuss freigegeben!
Passiert mir noch ein Fehler, finde ich die Kündigung in meinem Postkasten. Meine Kollegen und Kolleginnen wurden ebenso mit Repressalien bedroht, wenn sie sich nicht in ein "positives Licht" stellen würden. Man würde die Spreu vom Weizen trennen. Wir mußten alle unseren Unmut herunterschlucken - eine bittere Pille für jeden Menschen mit etwas Stolz im Leib.

Am liebsten würde ich alles hinschmeissen, nur um nicht mehr diesen "Laden" betreten zu müssen. Aber das ist nach 15 Jahren Altenpflegetätigkeit im selben Heim gar nicht so leicht.
Es stellen sich mir Fragen wie:
- Wo finde ich ein Altenheim, in dem ich mich einfügen kann; wo menschlicher und respektvoller miteinander und auch gegenüber den Alten gearbeitet wird?
- Will und kann ich überhaupt noch in diesem Beruf arbeiten?
- Brauche ich psychologische Unterstützung? Bin ich Burn-Out gefährdet?
- Macht es Sinn, mir juristische Hilfe zu nehmen?
- Wie sieht das mit meiner beruflichen Zukunft bis zur Rente aus (noch ca. 2o Jahre?
...

Ich fühle mich wie gelähmt, als würde eine riesige Last auf meiner Brust liegen.

Dienstag, 7. Juli 2009

God Hates A Coward

Montag, 6. Juli 2009

Woher kommt die Milch?



Aus dem Automaten, Kind!

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