Freitag, 11. September 2009

11.09.01

Heute vor acht Jahren. Ich war in Südfrankreich. Auf dem Campingplatz von Cassis, 15 km von Marseille. Der Boden war hart wie die vorherigen Male. Ich sah auf die Felsenküste und fuhr zu den Calanques. Ich hatte mein Fahrrad im Zug von Karlsruhe-Straßburg bis Marseille mitgenommen. Früh morgens kam ich in Marseille an. Es war schön. Der kalte Wind war schön. Ich brannte innerlich.
Ich erinnerte mich an den Campingplatz. Und ich erinnerte mich an Cassis, an den kleinen Hafen, die Bucht, den Strand, den Felsen, die Calanques ..., den Sternenhimmel.
Eine Woche Cassis, Altweibersommer am Mittelmeer, das Meer glitzerte kalt ...; um mir die Zeit zu vertreiben, fuhr ich mit dem Rad zu den kleinen Felsbuchten und zu den Nachbarorten Richtung Toulon.
Ich weiß nicht mehr, wie ich es mitbekam. Es gab keine deutschen Zeitungen. Aber in den Cafés mit Fernsehen waren alle ganz aufgeregt. Ich sah die Bilder der einstürzenden Türme, ich hörte die Diskussionen und die Betroffenheit in der fremden Sprache (mein Schulfranzösisch war zu schlecht).
Mein Gott, dachte ich, was ist da passiert? Am nächsten Morgen kaufte ich mir die "Daily Mail" mit den schockierenden Bildern als Aufmacher. Das Ganze war irgendwie unreal. Ich schaute aufs Meer. Es war nach wie vor herrlich, und doch lag etwas Unbestimmtes in der Luft. Ich war allein. Ich hatte niemanden. Zuhause war nur meine Exfreundin, die mit ihrem neuesten Freund beschäftigt war. Meine Reise ans Mittelmeer war eine Flucht gewesen. Und während ich einsam und melancholisch die mediterrane Schönheit genoss, passierte diese grauenhafte Geschichte mit den Twin Towers - für mich am anderen Ende der Welt. Wie unheimlich ist doch die Vorstellung, dass wir (die westliche Welt) von arabischen Terroristen bedroht werden. Als ich in den Cafés saß, beobachtete ich die Menschen und versuchte zu unterscheiden, ob sie betroffen - erschrocken auf den Anschlag reagierten oder gegenteilig eine gewisse Genugtuung, gar Freude empfanden. Letzteres war durchaus zu beobachten.
Ich relaxte manche Stunden auf dem Mäuerchen, das den Bowlesplatz umschränkte. Viele Erinnerungen flogen mich an. Doch war alles anders. Ich war anders. Der Ort Cassis dagegen schien in den Jahren still gestanden zu haben. Im Kern hatte sich kaum etwas verändert.
Nach einer Woche brach ich mit dem Fahrrad nach Marseille auf. Ich wollte über Avignon zur Rhône fahren, dann den Fluss hoch bis Lyon ...; doch riss mir die Kette in den Banlieues von Marseille. Es war Sonntag. Ich war fertig. Die Spätsommersonne blendete mich, und die Einsamkeit ... Noch am selben Tag fuhr ich abends im Zug zurück in die Heimat.

Heute vor acht Jahren. Wo stehe ich heute? Wo steht meine Angst?
Was wissen wir wirklich von der terroristischen Bedrohung? Schauen wir nicht nur voyeuristisch auf solche monströse Geschehen - wie am 11.09.01? Haben wir uns damit wirklich psychologisch auseinandergesetzt? Was passiert heute noch im Namen dieses Terroranschlags?
Gibt es eine realistische Bedrohung von islamischen Terroristen auf unsere westlichen Werte, die einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten in Afghanistan rechtfertigen?


(11.09.09)

Donnerstag, 10. September 2009

Es sind die immergleichen Fragen

Warum höre ich die Schreie in mir? Schreie nach Freiheit und Gerechtigkeit. Schreie für mehr Menschlichkeit. Schreie nach Leben oder wenigstens nach einem gnädigen Tod ...
Warum sehe ich in dieser Gesellschaft mehr Arroganz und Materialismus als die Ehrfurcht vor dem Leben? Warum siegt der Hass so oft über die Liebe? Warum sind Begriffe wie "Toleranz" oft nur Worthülsen?
Leben wir noch für unsere Ziele? Leben wir für eine bessere Welt? Oder kapitulieren wir lieber stillschweigend - im Bad unserer Lebenslügen, unserer Ignoranz und unseres Wegschauens?
Ich wollte, ich könnte aufhören mit diesen unbequemen Fragen. Aber es gibt nichts auf der Welt, was meine Sinne und meinen Verstand auf Dauer betäuben könnte. Warum das alles? Warum schaffen wir uns selbst eine Atmosphäre der Angst? Warum vergessen wir, dass wir alle Brüder und Schwestern sind?
Nein, ich bin nicht der Mutigste, und ich bin kein Märtyrer, aber ich muss mir und der Welt ständig diese Fragen stellen. Zu viele zucken mit den Achseln. Zu viele schauen lieber weg ..., oder sie gaffen, was noch schlimmer ist. Wir Menschen sind geborene Gaffer. Viel sehen - aber nix verstehen.
Ich will verstehen ...




Dienstag, 1. September 2009

Blick auf den schönen Bodensee





Der Sommer zeigt nochmal seine sonnige Seite. Ein paar Tage Schwabenmeer. Sich sagen, dass irgendwie alles gut ist. Den Blick auf den See genießen, die Sonnenuntergänge über der Kulisse von Lindau-Insel. Spazieren gehen und tief durchatmen, Menschen und Allerlei beobachten. Wie das Leben pulst - einfach so. Bier, Käse und Brot genießen. In die Wolken schauen und sich vom Wind die Haare verwurschteln lassen (wenn sie nicht so kurz wären). Das Leben kann federleicht sein. Traumhaft - obwohl die Realität mit den Alltagssorgen ständig um die Ecke lugt. Ein paar Tage die Bedrohlichkeit und die Ängste abseits legen. Die Zeit fliegt. Alles verschwindet in einem großen Vergangenheitsbehälter. Gestern, vorgestern, vorvorgestern ...
Heute abend bin ich bereits wieder Arschwischmaschine. Das Altenheim wird mich wie immer verschlucken, und ich werde versuchen, die Menschen in den Nächten zu behüten - einsam auf den Fluren, in den Bewohnerzimmern. Einsam in den Nöten. Wieder werde ich mich fragen, was hier eigentlich vorgeht. Alles wird mir unheimlich fremd und zugleich vertraut sein.

Das Leben ist obskur mit seinen vielen Erscheinungswechseln. Wie eine Nußschale wird die Seele in den Wellen hin- und hergeworfen.

Mittwoch, 26. August 2009

Wir sind die (zweite) Wahl

Was ist noch verlogener als die Bildzeitung? Parteiprogramme. Wieder mal wird gewählt. Frau Merkel rüstet sich für ihre nächste Amtszeit. Wahrscheinlich mit Westerwelle als Außenminister und Vizekanzler. Es würde mich wundern, wenn es anders käme. Ich habe sechzehn Jahre Kohl überlebt, also wird mich diese Konstellation auch nicht mehr schocken - nach Schröder und einem Jojo-Fischer und vier Jahren Merkel-Steinmeier. Ein Obama ist für Deutschland nicht in Sicht. Vorher landen die Aliens in Berlin.
Das schöne an Lügen ist, dass sie unterhaltsam sind - aber sonst nichts!
Also lassen wir uns real von einem Politkabarett unterhalten und verteidigen weiterhin unsere Freiheit am Hindukusch. Dabei gehen ab und zu ein paar Soldaten drauf, aber wie sagte schon Hitler: Wo gehobelt wird, da fallen Späne ... Nein, ich hebe sehr ungern auf Hitler und die Nazis ab - seitdem das Kriegsministerium Verteidigungsministerium genannt wird.
Was ist verlogener als ein Auftrag, in den Krieg zu ziehen? Oder: Was ist verlogener als einen Krieg nicht beim Namen zu nennen? Der Schwiegermutter in den Arsch zu kriechen.
Wieder mal wird gewählt. Seit einem halben Jahr bin ich sogar Parteimitglied. Nö, ich verrate nicht, in welcher Partei ich bin. Ich weiß auch gar nicht, ob ich sie wählen tu. Ich wollte einfach was machen, und nicht wie konsterniert in die Fresse der Schlange schauen. Dabei merke ich zunehmend, wie proforma mein Parteieintritt war. Ich habe zu extreme Einstellungen. Wenn es nach mir ginge, wären alle Menschen gleich. Wenn es nach mir ginge, würden die Reichen den Armen abgeben. Wenn es nach mir ginge, würde der Papst abgeschafft werden. Und alle aufgehäuften Schätze der Kirche müssten den armen und bedürftigen Menschen zugute kommen.
Wenn es nach mir ginge, gäbe es weder Banken noch Versicherungen. Diese Aasgeier!
Wenn es nach mir ginge, gäbe es keine Waffen und Soldaten. Es gäbe nur die Mächtigen, die ihre Kriege gefälligst untereinander auszutragen hätten - wenn schon - ohne Millionen Unschuldige mit hineinzuziehen. Bush hätte mit Saddam in einer Arena gekämpft ...
Und dieser feige Wichser Bin Laden wäre der nächste in dieser Arena der Mächtigen. Sie sollen sich doch alle gegenseitig meucheln. Was habe ich mit deren Politik, mit deren Religionen zu tun? Was hat der einfache Mann mit alldem zu tun?
Bald wird wieder gewählt. Wir haben die Wahl. Ehrlich gesagt, könnte ich jedesmal kotzen, wenn ich unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel sehe. Beim Herrn Steinmeier muss ich nur würgen ...; und bei Herrn Westerwelle geht mir das Messer in der Tasche auf - aber der ist wenigstens für den ein oder anderen Lacher gut. Lafontaine und Gysi - na ja - die wären wohl am Besten in Island bei den Geysiren zuhause.
Immerhin gibt es noch illustre Figuren wie Frau Pauli - ist wenigstens `ne geile Tussi. Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass sie die falsche Karriere einschlug.
Genug politgelästert! Es ist so oder so alles Scheiße. Wir rutschen den Hang hinab und bremsen lediglich noch ab, was unaufhaltbar ist.
Was ist noch verlogener als eine Wahlkampagne?
Nichts.

Sonntag, 23. August 2009

Die Arschwischmaschine hätte gerne frei


um bei hübschen Ausblicken in Biergärten zu relaxen ...

Mittwoch, 19. August 2009

Herz gekistet





Die Kiste steht für Allerlei
Kirche, Staat, Familie, Arbeitgeber
Sonstiges (Die Partei)
Man drückt das Herz beinah zu Brei
Und wenn es bricht, benutzt man Kleber

Montag, 17. August 2009

Frei sind nur die Engel



Der Weg in die Freiheit ist ein Bahnhof
Der Weg in die Freiheit ist ein Hafen
Ein Flughafen
Ein Schiff
Ein Bus
Ein Transporter
Der Weg in die Freiheit ist ein Lager
Der Weg in die Freiheit ist ein Gefängnis
Eine Zelle
Eine Folterkammer
Gitterstäbe
Geteilter Himmel
Der Weg in die Freiheit ist Geld
Der Weg in die Freiheit ist Erfolg
Ein gut bezahlter Job
Macht
Karriere
Ein Anzug von Armani
Der Weg in die Freiheit ist Glaube an Gott
Der Weg in die Freiheit ist Religion
Ideologie
Philosophie
Askese
Innere Einkehr und Läuterung
Der Weg in die Freiheit ist eine Sucht
Der Weg in die Freiheit ist eine trügerische Hoffnung
Ist Alkoholismus
Drogensucht
Spielsucht
Gier
Der Weg in die Freiheit ist eine Herausforderung
Der Weg in die Freiheit ist das Aufgehen im Ehrgeiz
Das Erklimmen des Mount Everest
Ein Triathlon
Hundert Meter unter zehn Sekunden laufen
Die Tour de France
Der Weg in die Freiheit ist unmöglich
Der Weg in die Freiheit ist alles, was uns Menschen bewegt
Die Liebe
Die Liebe und der Durst
Ein gutes Wort
Die Hand , die du mir reichst




(17.08.09)

Freitag, 14. August 2009

Rohstoff

Sie waren alle gleich, Kommunisten, Nazis, Eltern, Kirche, Literaturkritik, das Feuilleton, der Leitartikel, Revolutionärer Kampf, die RAF, das Kapital, das Fernsehen, Club Voltaire, Pazifismus, Guerilla, Mao, Trotzky, Rotzjur (Rote Zeile Jura), der Underground und die Germania Wach und Schutz. Sie waren alle Teil desselben Konzeptes, sie wußten, wo es langging, sie hatten das Bewußtsein gepachtet, die Liebe, das Glück der Menschheit.

(Jörg Fauser)

ein literarisches Tagebuch

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