Freitag, 3. Juli 2009

Der ganz normale Wahnsinn

Auf meiner Fahrradreise wurde mir einmal mehr bewusst, wie durchschnitten Deutschland von Straßen, Autobahnen, Bahnlinien, Zäunen und Beton ist. Oft irrte ich zwischen diesen Barrieren umher, verlor die Orientierung und fühlte mich sehr einsam und schutzlos, während auf den Kraftfahrtstrassen und Autobahnen der Verkehr mit ohrenbetäubendem Getöse dahinfloss. Die einzigen Landtiere, die ich sah, waren entweder totgefahren, oder sie bewegten sich in Gehegen. Gut, auf abgelegenen Strecken sprang schon mal ein Feldhase vor mir über den Weg, oder ein Fuchs. Diese Begegnungen hatten allerdings Seltenheitswert. Ja, es gibt noch ein paar relativ unberührte Landstriche. Und es gibt noch viel schöne Natur in Deutschland; aber mir wurde auf meiner Fahrt überdeutlich, wie viel Lebensraum wir Menschen einfach an uns rissen und verschandelten - ohne Respekt vor unseren Mitgeschöpfen.
Besonders schlimm wird es in der Peripherie von Großstädten. Ich finde nur ein treffendes Wort für meine Erfahrungen: "WAHNSINN". Der Verkehr stapelt sich geradezu, und als Fahrradfahrer wird man an die Seite gedrängt und vom Motorengebrüll eingeschüchtert. Ich wundere mich, wie sehr wir uns an diesen Verkehrsmoloch bereits gewöhnten - als wären wir blind für diesen Wahnsinn. Welchen Preis sind wir bereit für unsere Bequemlichkeit und unseren Wohlstand zu zahlen? Sind wir uns überhaupt über den Preis im Klaren? Ich glaube nicht; und das macht leider meinen Pessimismus aus, was die Zukunft der Menschheit angeht. Wir wurden längst zu technokratischen und größenwahnsinnigen Idioten. Ich will mich gar nicht ausnehmen. Niemand kann sich ausnehmen. Es ist nur die Frage, ob man noch sieht, was vorgeht; oder ob man wegsieht und nach und nach geistig erblindet.


...



Hey Du!

Donnerstag, 2. Juli 2009

15x auf- und abgebaut





...


Wenn das Zelt am Ende eines Tages stand, dann war das eine große Erleichterung. Die Unruhe von der Fahrt ebbte langsam ab. Wenn es am Campingplatz ein Restaurant gab, setzte ich mich dort mit einer Lektüre nieder, trank ein Bier, aß einen Salat und fragte, ob ich mein Handy aufladen dürfe. Manchmal war ich ganz schön groggy und lag bereits zum Schlafen im Zelt, bevor die Nacht anbrach.
Am nächsten Morgen war das Zelt nach Dusche und Toilette ruckzuck abgebaut, das Fahrrad bepackt; und wenn ich einen Kaffee bekam, sollte die Welt in Ordnung sein. Die nächste Etappe wurde in Angriff genommen.
Es lief nicht immer so super. Einige Male regnete es, und ich baute das Zelt im Nassen ab. Und leider war auch nicht immer ein Kaffee aufzutreiben.

Dienstag, 30. Juni 2009

Wege



mit Hindernis


auf dem Damm


durch Einsamkeit


...

Montag, 29. Juni 2009

Fehmarn



die Fehmarnsundbrücke


in Burg


Fernweh - bei Puttgarden


...


Wie wäre das, wenn man einfach weiter fahren würde, immer weiter ... immer gen Horizont - sich endlich frei fühlen, die Welt und den Himmel unverfälscht einatmen ...

Die Fehmarnsundbrücke ist ein beeindruckendes Bauwerk, aber als Fahrradfahrer gefählich zu befahren. Der einzige, schmale Fußweg, der von der Fahrbahn abgetrennt verläuft, war an dem Tag wegen Ausbesserungsarbeiten gesperrt; und so musste ich gute 6 km ungeschützt neben dem Verkehr radeln ohne eine Möglichkeit zum Wenden oder Anhalten. Ich war naß geschwitzt und sehr erleichtert, als ich endlich von der Bundesstraße, die weiter nach Puttgarden verläuft, abbiegen konnte.
Zwei Tage lang radelte ich quer über die Insel. In Burg gab es die einzigen Einkaufsmöglichkeiten, und dort drängelten sich der Verkehr und die Menschen. Als dann wieder schlechtes Wetter angesagt wurde, beschloß ich, am nächsten Tag die Heimreise (per Zug) anzutreten.

Sonntag, 28. Juni 2009

Endlich an der Küste



Blick auf die Lübecker Altstadt


bei Travemünde angekommen


was heißt schon ankommen?


...


In Lübeck war ich schneller als erwartet. Doch die Fahrt nach Travemünde gestaltete sich dann noch als kleine Odysee für einen Fahrradfahrer.
Der Tourismus haute mich voll um, und ich stand da plötzlich mittendrin mit der langen Tour im Kopf und in meinen Eingeweiden - als wäre ich auf einem fremden Planeten gelandet.
Entspannung war noch nicht angesagt. Ich fuhr durch die Touristenhochburgen wie "Timmendorfer Strand" und fühlte mich ziemlich niedergeschlagen an diesem Tag. In Neustadt i.H. packte ich schließlich mein Zelt aus. Mir war fast nach Heimfahrt zumute.
Gut, dass ich die letzten Kilometer bis Fehmarn noch antrat. Der nächste Tag sollte schön werden. Die Hotelküste lag hinter mir, und es gab eine Reihe kleiner Orte und schöner Landstriche, die ich küstennah auf den letzten Kilometern nach Fehmarn durchstreifte.

Samstag, 27. Juni 2009

Regen und Wind



im Wald Schutz gefunden


bin heil geblieben


Sturm bei Bitterfeld/Seaview


...


Nass zu werden ist an sich kein Problem, wenn man auf dem Bock nicht auskühlt.
Hässlich ist es, wenn man im Regen das Zelt auf- und abbauen muss. Die Feuchtigkeit hält sich in den Sachen, im Schlafsack - bei nächtlichen Temperaturen unter 10°C nicht sehr angenehm. Zwischendurch dachte ich, dass durch eine verrückte Anomalie April und Juni im Jahreslauf verwechselt wurden.
Das Fahrrad sah nach einem Regentag aus wie Sau. Manche schöne Strecke am Main, an der Mulde und an der Elbe wurde mir durch das schlechte Wetter vergällt.
Als der Dauerregen aufhörte, kam der Wind. Auf dem Weg nach Bitterfeld hatten die Windböen Sturmstärke. Der Himmel war ein Naturschauspiel - ich konnte meinen Blick kaum abwenden.
Ich erlebte die Naturkräfte in all ihren Facetten. Und ich dachte oft bei mir: "Mensch, da sind deine Grenzen."

Freitag, 26. Juni 2009

Die Abmahnung

Liebe Leute, werdet nur nicht Altenpfleger, außer ihr seid altruistisch (u.o. masochistisch) veranlagt. Ich erinnere mich noch gut, wie mir eine alte Kollegin vor 20 Jahren sagte: "In unserem Job stehst du stets mit einem Bein im Gefängnis." Und mit der PDL diskutierte ich vor Jahren auf einer Betriebsfeier, wie viel Engagement und Selbstaufgabe von einem Altenpfleger zu erwarten sei. Sie vertrat die Meinung, man müsse, wenn ein Engpass besteht, selbst mit dem Kopf unterm Arm noch zur Arbeit erscheinen. Ich erwiderte, wir seien doch nicht Soldaten an der Front!
Heute, an einem meiner letzten Urlaubstage, bekam ich Post von meinem Arbeitgeber. Inhalt war eine Abmahnung. Zur Vorgeschichte: Vor einem Monat stürzte eine Bewohnerin unglücklich in meiner Nacht. Ich fand sie beim 2. Rundgang blutüberströmt vor ihrem Bett. Dummerweise hatte ich am Abend vorher beim 1. Rundgang vergessen, ihr Zimmer zu kontrollieren; und so war die arme Frau viele Stunden hilflos, da das Unglück sich wohl bereits am Vorabend ereignet hatte. Ihr könnt euch vorstellen, was für Vorwürfe ich mir machte ... Ich war von "Klingeln" anderer Bewohner abgelenkt gewesen und vergaß danach ganz die Ecke zu kontrollieren, in welcher die betroffene Bewohnerin ihr Zimmer hat. Bei ihr war pflegerisch in der Nacht nichts zu machen, und so entdeckte ich die Misere erst in den Morgenstunden beim 2. Rundgang.
Glücklicherweise erholte sich die Bewohnerin inzwischen wieder. Sie hatte viel Blut verloren, und ihr Leben stand anfangs auf der Kippe. Ihr könnt mir glauben, dass ich mich ziemlich mies fühlte (noch mies fühle, wenn ich an diese Nacht zurück denke).
Wie ich in einem meiner Beiträge vor ca. drei Monaten schrieb http://abendglueck.twoday.net/stories/5590956/, müssen wir wegen gesunkener Bewohnerzahlen die Nächte seit 01.05.09 alleine arbeiten. Das macht die Organisation der anfallenden Arbeiten nicht gerade leicht, zumal wenn es viel klingelt. Ich glaube, der Fehler wäre nicht passiert, wenn wir noch zu Zweit in der Nacht gewesen wären. Nein, ich möchte damit gar nichts entschuldigen. Ich stehe zu meiner Verantwortung und schrieb meinem Arbeitgeber, bevor ich in Urlaub fuhr, die gewünschte Stellungnahme zu den Ereignissen.
Über die Abmahnung ärgere ich mich, weil mir darin einfach alles aufgeschultert wird. Wie sieht es denn mit der Verantwortung meiner Vorgesetzten aus, die von heute auf morgen quasi übergangslos den Nachtdienst mit nur einer Wache einführten? Wie sieht es mit deren Verantwortung aus, wenn sie weglaufgefährdete Menschen aufnehmen, woraufhin in den letzten Jahren zwei Bewohner zu Tode kamen? Ich erfuhr keinerlei (psychische) Unterstützung nach der verhängnisvollen Nacht, obwohl ich moralisch, wie sich jeder vorstellen kann, ziemlich in den Seilen hing. Stattdessen flatterte diese Abmahnung herein und versüßt mir nun den Rest meines Urlaubs.
Ja, als Altenpfleger stehst du an der Front. Sie verheizen dich. Wenn du versagst, kriegst du von den Vorgesetzten in den Arsch getreten oder wirst ausgetauscht. Was du bisher für die alten Menschen und das Altenheim geleistet hast, zählt nicht.
Die Arschwischmaschine ist zurück in der Realität.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Flüsse



die Mulde hinter Bitterfeld


der Oberlauf des Mains


Elbe-Lübeck Kanal


die Elbe bei Unwetter


...


Sie flossen einfach wunderbar. Wenn die Natur ein Kleid ist, dann sind Flüsse die Nähte, welche den Stoff zusammenhalten und gleichsam teilen, der Landschaft ihren Schnitt und Charakter geben.
Ich fühlte stets etwas Wehmut, wenn ich einen Fluss verlassen musste, nachdem ich seinen Lauf viele Kilometer begleitete. Besonders schön sind die Strecken, die man in Ufernähe entlang fahren kann mit Blick auf die schillernden Fluten - was leider nur begrenzt auf festen Wegen möglich ist. Manchmal scheint es, dass der Fluss mit einem Verstecken spielt, und man kriegt ihn immer nur kurz zu Gesicht, wenn man ihn überquert. Lediglich am Elbe-Lübeck Kanal konnte ich ca. 80 km direkt am Ufer zurücklegen - obwohl künstlich, ein schönes Gewässer , welches sich in eine leicht hügelige, dünnbesiedelte Landschaft einfügt. Alle Flüsse hatten ihren besonderen Reiz, je nach Landschaft, auf der sie sich räkelten wie liebestrunken, ausschweifend ...
Elbe und Main verfolgte ich einige hundert Kilometer durch die Bundesländer, Gebirge und Tiefland, durch Großstädte und über weites Land. Die Dialekte der Menschen wechselten, wie die Landschaften ineinander übergingen. Nur der Fluss behielt stur seine Identität.
Die Weiße Elster ist ein Flüsschen, das eine gute Strecke parallel zur Saale fließt, um bei Halle in sie zu münden. Für mich war sie Wegweiser von Plauen nach Leipzig. Und die Mulde war mir Sprungbrett an die Elbe. Schade, dass mir das hässliche Wetter oft den ausgelassenen Blick auf die wunderschönen Landstriche verdarb. Auf alle Fälle waren diese zwei Flüsse, Weiße Elster und Mulde, interessante Neuentdeckungen auf meiner Reise.
Dem Neckar, der quasi mein Hausfluss ist, widmete ich einen guten Teil meines vorjährigen Urlaubs, als ich ihn auf dem Weg zum Bodensee bis Tübingen hochfuhr. Ich genoss die Strecke an seinen Ufern am 1. Tag bis Eberbach. Es war ein guter Start ...

Auf die Flüsse will ich mein Glas erheben! Sie waren meine beständigen Begleiter.

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