Donnerstag, 21. März 2019

Licht und Meer werden mir fehlen


Gran Canaria war ein Lichtschock. Leicht benommen sitze ich mit verbranntem Gesicht am Computer. Gestern Abend nach fünf Stunden im fliegenden Altenheim in Tegel gelandet. Endlich befreit von den alten Säcken! Endlich wieder junge Leute in Bus und U-Bahn – wenn auch verblödet, aber egal!
Gran Canaria war überfüllt von alten Säcken. Klar, dass ich nicht in eine Oase der jugendlichen Frische reiste, aber so viel spießige und grenzdebile Rentner um mich herum zerrten doch an meinen Nerven. Ich dachte nur: Alter Walter, bald gehörst du auch dazu… Vielleicht lag es auch am hellen Licht und der spärlichen Bekleidung, dass die Hässlichkeit des Alters derart auffällig zum Vorschein trat. Die deutschen Rentner zeigen sich sehr reiselustig. Viele fühlen sich auf Gran Canaria geradezu heimisch. Sie kommen regelmäßig und werden dementsprechend von den einheimischen Dienstleistern hofiert. Offenbar handelt es sich noch um die Generation, die sich`s leisten kann. Mit der spärlichen Kohle, die mir mein Rentenbescheid jährlich anzeigt, werde ich mir solche Sprünge ins Lichtparadies kaum erlauben können. Es ist wirklich ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht, wenn ich aus dem Fenster ins Grau in Grau Berlins blicke. Na gut, der Sommer kommt ja noch. Und ich entging dem fiesen deutschen Wetter der letzten zehn Tage. Soll laut der Wetternachrichten, die ich Dank des deutschen TVs in meinem Appartement verfolgen konnte, echt derb gewesen sein mit Sturmtief Eberhard.
Von den paar menschlichen Unannehmlichkeiten abgesehen, lief alles gut mit meiner Reise und dem Aufenthalt auf der Insel. Ich saß viel herum, glotzte aufs Meer und trank spanisches Bier, meist Tropical. In den Bars hielt ich es nicht lange aus, denn die waren freilich voller Rentnervolk, voller vergammeltem Menschenfleisch, das nach Verwesung roch und dabei dumme Sprüche absonderte. Und überall hingen TV-Bildschirme herum, auf denen Bundesliga lief, rauf und runter… Ich befand mich in einem Horrorfilm! So schlimm hatte ich es von meinem letzten Gran Canaria Besuch Weihnachten 2014 nicht in Erinnerung. Na ja, damals war ich verliebt und daher positiv abgelenkt. Ich trug die berühmte rosarote Brille. Apropos Brille: Ohne Sonnenbrille hätte ich das gleißende Licht nicht ertragen können. Sie war mein Wegbegleiter an allen Orten. Hier liegt sie im Etui auf der Fensterbank und harrt der Dinge, die da kommen.

Vorbereitungen


Inzwischen sieht`s hier so aus, als würde tatsächlich jemand in Bälde verreisen. Überall in Schlaf- und Wohnzimmer liegt Zeugs herum: Klamotten, Toilettentasche, alle möglichen Utensilien… Es gibt doch einiges zu beachten, gerade wenn man fliegt – was gehört in den Koffer, und was kann ich mit in den Flieger nehmen? Wenn man nicht oft fliegt, muss man sich doch jedes Mal wieder einen Kopf machen. Und natürlich will ich nichts für die Reise vergessen, was schon ein Minimum an Organisation/Vorbereitung braucht. Nicht, dass ich heute Nacht im Tran ins Taxi steige und erst am Flughafen bemerke, dass ich z.B. die Reiseunterlagen zuhause auf dem Tisch liegen ließ, oder dass die Brieftasche samt Ausweis noch in der anderen Jacke steckt… Ja, ich werde mir mal ein Taxi nach Tegel leisten, schließlich habe ich Urlaub. Keine Lust auf Stress. Denn ausgeschlafen werde ich sicher nicht sein.
Ein paar Dosen Bier stellte ich vorsorglich kalt – Proviant, um die Zeit zu überbrücken, bis ich an der Sicherheitsschleuse bin. Flughäfen ertrage ich schlecht nüchtern. Zu viele Touristen-Idioten, und man muss sich leider eingestehen, dass man dazugehört, auch wenn man sich innerlich dagegen sträubt…, aber ganz nüchtern betrachtet – eben – und das ist der Moment, wo ich mich an der Dose Bier festhalte.
Noch vor ein paar Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich zum Pauschalreisenden degeneriere. Aber dann kommt erstens alles anders, und zweitens als man denkt. Wenn es etwas gibt, was den Menschen besonders auszeichnet, ist es seine Willensschwäche (die er ständig bemüht ist zu kaschieren). Aber lassen wir dieses leidige Thema. Ich habe Urlaub… Ich freue mich auf diese verkackte Geröllwüste im Atlantik. Jawoll! Und darauf trinke ich jetzt einen!

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