Freitag, 7. März 2008

Die Arschwischmaschine macht sich Gedanken über Politik

Wie soll ich es sagen? Ich fühle mich beschissen, wenn ich sie debattieren höre im Bundestag; oder zuschaue, wie sie sich in zig Talkrunden erklären, jeder mit seiner eigenen politischen Farbenlehre im Kopf - und sonst nichts. Ich fühle mich beschissen im Sinne von "betrogen", und ich fühle mich beschissen, weil mir schlecht wird, wenn ich ihren Ausführungen folge. Und müde werde ich dabei. Begriffe wie "soziale Marktwirtschaft" und "soziale Gerechtigkeit" werden hin und her geschleudert, nachdem sie ein jeder im Mund hatte und mit seinen schleimigen, politischen Vorstellungen besabberte. Die Moderatorin in der Mitte sieht nicht übel aus, denke ich, warum macht sich keiner an sie ran? Stattdessen fliegen Schleimbrocken durchs Studio wie bei einem imaginären Ballspiel. Jeder kämpft für sich, und am Ende fühlt sich jeder als Gewinner, nur dem Zuschauer geht`s schlecht, zumindest mir. Ich klatsche auch nicht. Ich frage mich sowieso, ob das Publikum nicht bei solchen Polittalks vom Sender fürs Klatschen bezahlt wird. Ich bin hinterher so klug als wie zuvor. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich ärgere mich über meine Biografie - warum ich Arschwischmaschine wurde und nicht Politstar und Arschkriecher in Personalunion. Blöder als diese Figuren, die da auf dem Bildschirm ihre Statements abgeben, bin ich bestimmt nicht; und außerdem sehe ich dazu noch besser aus als die meisten. Ich sollte doch noch in die Politik gehen. Ich bin Mitte Vierzig, "reifer wird`s nimmer". Die Linke formiert sich gerade in Westdeutschland. Vielleicht könnte ich bei denen einen Fuß in die Tür kriegen ... Ja, ich würde dann auch große Reden schwingen zur Frage der sozialen Gerechtigkeit, und ich könnte dazu noch aus dem Nähkästchen plaudern von meiner Zeit als Arschwischmaschine. Ich würde ihnen erzählen, wie beschissen man sich fühlt, wenn man ihren Reden zuhört; und wie demütigend sich für einen Kleinverdiener, der ohne Rücklagen leben muss, der sich den sauer verdienten Urlaub vom Munde absparen muss, wie demütigend sich in seinen Ohren ihre Plattitüden anhören. Ich würde mit diesen feinen Herren Tacheles reden ... So oder ähnlich gerate ich ins Träumen, während auf dem Bildschirm immer noch die imaginären Schleimbrocken herumfliegen. Es herrscht eine gute Stimmung. Die Moderatorin ist auch zugeknöpft sexy, und das Publikum applaudiert bei jedem Treffer. Noch zutreffender als ein Ballspiel ist das Bild einer Schneeballschlacht. Die Beteiligten haben schon ganz rote Ohren. Vorallem Lafontaine. Der ist gar nicht so schlecht, wie er hingestellt wird. Ich bin müde und drehe mich rum, muss sowieso gleich vorbei sein. Die Moderatorin stellt die letzte Frage: "Wer von Ihnen würde mich sofort hier im Studio flach legen?" ... Träumen darf man.

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