Mittwoch, 19. Dezember 2007

Vorprogrammierte Altersarmut

Gestern bekam ich Post von der Rentenkasse. Sie teilte mir meine zu erwartende Altersrente mit. Ab dem 15.08.2029 darf ich eine Rente in Höhe von 829,55 Euro monatlich beziehen. Davon werden Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgehen. Wenn ich Glück habe, kann ich mir mit dem, was übrig bleibt, im Jahre 2029 eine 2 qm Zelle leisten, wie es sie z.B. bereits in Hongkong gibt.
Schon mal davon Bilder gesehen? Die Menschen leben dort mit ihren wenigen Habseligkeiten in abschließbaren Käfigen, übereinander gestapelt, in denen gerade mal eine Pritsche Platz hat.
In dem Schriebs werde ich darauf hingewiesen, dass ein zusätzlicher Vorsorgebedarf besteht.
"Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger (Versorgungslücke). Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten Sie - wie bei Ihrer zu erwartenden Rente - den Kaufkraftverlust beachten."
Wenn ich diese Zeilen lese, kriege ich einen imaginären Lachanfall, der mir real im Halse stecken bleibt.
Wenn ich mich z.B. mit der Riesterrente zusätzlich absichere, bekomme ich doch auch nur ein paar müde Euro mehr. Spielt es eine Rolle, ob ich im Jahre 2029 mit 800 oder mit 1000 oder wegen mir mit 1200 Euro rumkrebse? In jedem Fall werde ich zum Sozialfall. Wieso sollte ich also von meinem schon spärlichen Gehalt noch etwas für eine Altersvorsorge abzweigen? Kinder habe ich keine, denen ich zur Last fallen könnte, und meine Eltern werden bis dann wohl das Zeitliche gesegnet haben.
Gar nicht auszudenken, wie vielen Altersgenossen mein Schicksal wahrscheinlich teilen. Wir, die zukünftigen Rentengenerationen, werden immer stärker in die Altersarmut rutschen. Ich frage mich, wer das dann finanzieren soll.
Der Wohnkäfig ist gar nicht so unrealistisch. Oder vorher umbringen? Ich denke schon, dass ich mich lieber umbringe, bevor ich den letzten Rest Menschenwürde verliere. Man sollte zu diesem Zweck Suizidgemeinschaften bilden. Gemeinsam lässt es sich bestimmt leichter sterben - (tut mir ja leid um die Altenpfleger(innen) der Zukunft ... man wird einfach zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben trennen ... und von je her, so ist`s in der Natur angelegt, müssen sich jene aus der Gesellschaft verabschieden, die sich nicht mehr selbständig versorgen können. Besser würdig sterben als unwert leben.)
Aber noch ist es nicht so weit, nicht wahr? Mir geht es gut, und ich habe jetzt einen Grund mehr, mich zu besaufen. Ich werde die mir zugestellte "Renteninformation" rahmen und in den Flur hängen - ich verschlucke mich so gern an meinem Lachen.

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