Karussell des Todes


Der Tod im Altenheim ist total unspektakulär. Nebenbei wurde bei der Übergabe erwähnt, dass Frau E. verstarb. Ich atmete auf. Inge hat`s geschafft. Im Frühdienst. Es war überfällig. Sie hatte sich gequält. Schon eine ganze Zeit lang. Unruhe und Angst hatten sich ihrer bemächtigt. Der Tod kam als Erlösung, und wir atmeten auf. (Auch ihre Söhne.)
Am Abend kam der Bestatter und holte sie. Zwischen meinen nächtlichen Rundgängen ging ich in ihr Zimmer und zog das Bett ab. Ein paar Blütenblätter hatte man auf ihrer Bettdecke verstreut. Sie fielen mir vor die Füße. In ein paar Tagen werden alle ihre persönlichen Sachen ausgeräumt sein. Die Betten müssen belegt werden. Das Karussell des Todes dreht sich lustig weiter.

Lange-Weile - 28. Mai. 14, 13:56

komische Vorstellung

hallo Bo.,

als ich vor Jahren meine schwer erkrankte Schwester pflegte und es abzusehen warm dass es nicht mehr lange gut gehen wird, sah ich plötzlich eine Fließband vor mir, auf dem Menschen waren und ihr Leben lebten.
Jeder hatte einen bestimmt Platz auf dem Fließband, sich langsam aber stetig in eine Richtung bewegte, auf das Ende zu, wo das Fließband alles abwirft, was auf ihm sitzt und lebt. Die Menschen fielen in eine Grube. Die Seite, auf den der Mensch eben noch saß, dreht sich zur Unterseite und nahm später, wenn diese Seite wieder nach oben zeigte, wieder Menschen auf und der Ablauf wiederholte sich.

Aus irgend einem Grund (Krankheit) wurde meine Schwester ganz weit nach gesetzt und sie fiel schneller in den Abgrund, als altersmäßig vorgesehen war.

Dein Job ist genau an der Stelle, an dem sich das Fließband nach unten werdet und die Menschen in die Grube abwirft.
Für einige von ihnen ist der Untergrund so rutschig, dass sie sich länger am Abgrund halten können, bevor sie das Fließband sie über die Schwelle bringt.

Ja..das Leben ist immer im Fluss und niemand von uns, der sich noch munter durch das Leben bewegt, kann sich vorstellen, dass sie auch mal an diesem Punkt kommen, an dem das Fließband unter ihnen sich nach unter das Leben bewegt und einen dabei abwirft.

Wohl dem, der an das Leben nach dem Tod glaubt. Angeblich verschwindet -anders wie beim Körper - die Energie eines Menschen nie gänzlich und man bleibt - vorstellbar als Energiewolke - in der Nähe seiner Lieben auf der Erde.

LG LaWe


bonanzaMARGOT - 28. Mai. 14, 17:27

karussell, laufband oder drehtür ...
sicher, eines tages ist die karussellfahrt vorbei - dann müssen wir runter vom feuerwehrauto. einige steigen bereitwillig ab und andere wie inge klammern sich voller verzweiflung eine zeit lang fest.
es ist eigentlich egal, an was man glaubt.
den frieden muss man noch im hierseits mit sich finden.
wer weiß schon, wie das alles zusammenhängt. am besten lebt man so, als hätte man noch massig zeit ...
bzw. als könnte morgen schon alles vorbei sein.
tröstlich finde ich, dass ich ja schon mal tot war - nämlich vor meiner zeugung. so schlimm war das, glaube ich, nicht - wenn ich mich richtig erinnere.
iGing (Gast) - 28. Mai. 14, 22:09

Als Kind hatte ich stets ein Gefühl dafür, dass ich von woanders her gekommen sei, und innerlich fühlte ich noch sowas wie eine Rückbindung an dieses "irgendwoher" und zu "anderen", mit denen ich dort zusammengewesen war. Ich verlor diese innere Verbindung, als mir klar wurde, dass ich nicht einfach zurück kann, und so erklärte ich mich damit einverstanden, hier zu bleiben, wenn ich auch nicht recht wusste, wozu. In dieser Hinsicht habe ich dann richtig viel dazugelernt und bin noch dabei, und je mehr ich lerne, desto mehr Spaß macht mir das Leben, so dass ich einfach nur dankbar bin, dass ich es habe und hoffentlich noch nicht so bald wieder abgeben muss.

bonanzaMARGOT - 29. Mai. 14, 07:46

ich hatte von kindheit an ein gefühl des unverstehens gegenüber der welt, in die ich hineingeboren wurde. das hält eigentlich bis heute an. ich fügte mich gewissermaßen ein. aber nur halbherzig.
ich habe sehr oft den eindruck, "hier" fremd zu sein. ich beobachte einfach alles ... und wundere mich. es sind nicht nur die menschen, es ist alles, das leben, das gesamte universum, die phänomene, das hell und dunkel, die farben, die worte, ich selbst.
ja, ich liebe das leben. ich weiß aber nicht, was es ist.
bonanzaMARGOT - 30. Mai. 14, 14:46

apropos:

glaubst du an die wiedergeburt, iging?

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Mittwochs-Zitat
Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller...
bonanzaMARGOT - 23. Mai. 18, 06:14
ich denke schon, dass...
ich denke schon, dass sinn- und lebensfragen auch konsequenzen...
bonanzaMARGOT - 23. Mai, 05:54
Keineswegs. Dass jemand...
Keineswegs. Dass jemand etwas sucht, macht ihn natürlich...
iGing - 22. Mai, 23:44
TV-Tipp
"Seraphim Falls", 20 Uhr 15, Tele 5
bonanzaMARGOT - 22. Mai. 18, 13:23
möglicherweise im...
möglicherweise im stillen kämmerchen. oder...
bonanzaMARGOT - 22. Mai, 06:45
Wie kommst du denn darauf,...
Wie kommst du denn darauf, dass sich nur wenige Menschen...
iGing - 21. Mai, 23:45

Archiv

Mai 2014
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 2 
 5 
10
11
16
25
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3904 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 06:14