Mittwoch, 14. Mai 2014

TV-Tipp:

"Ha ha ha - Das Leben ist ein Witz" 0 Uhr 40, ARTE

Mittwochs-Weisheit

Der Brunnen geht solange zum Krug, bis er leer ist.

Für die Katz


Die Wörter sitzen in meinen Eingeweiden. Ich warte, bis sie langsam hoch rutschen. Ich spüre sie bereits. Sie sind noch nicht konkret. Ein paar Stoßgebete schicke ich nach unten, um sie zu reizen. Doch nichts passiert. Die Wörter brodeln vor sich hin, ungeordnet und sinnlos. Als Inspiration drehe ich die Musik auf. Yeah! Trey Anastasio! Gar nicht mal schlecht, oder was meint ihr? Ein paar Wörter rülpsen. Mehr tut sich nicht. Das ist schlimmer als eine Verstopfung! Vielleicht hilft ein Kaffee. Oder soll ich mir gleich einen Drink mixen? Es ist erst 10 Uhr. Scheiß drauf. Zum warm werden. Was ist das überhaupt für ein Maiwetter!? Die Hände kalt auf der Computertastatur. 15°Celsius im Zimmer. Verfickter Mittwochmorgen! Mit Wörtern, die in den Eingeweiden festsitzen. Der Fernseher läuft stumm. „How I met your Mother“ - die tausendste Wiederholung. Welcher Motherfucker hat sich diese scheiß Serie ausgedacht?!? Schimpfen tut gut. Schimpfen reinigt die Seele. Die Wörter in mir juchzen. Gel, das gefällt euch. Ich reibe mir die Hände. Zur Vorbereitung Schwachsinn schreiben. Manchmal wird was draus. Ich wippe im Rhythmus der Musik. Scheiß alt ist der Bürostuhl mit dem roten Polster, auf dem ich sitze. Der dürfte bald vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Nur ich bin älter, HAHA!
War wohl ein Schuss in den Ofen – ich warte vergeblich auf die Wörter. Obwohl ich meinte, sie bereits zu spüren, als wären sie kurz davor, hoch zu kommen. Es klappt oft. Ich muss nur anfangen. Mit irgendwas anfangen, und es geht automatisch weiter. Die Wörter ordnen sich dann ohne mein Zutun zu Sätzen, und die Sätze wiederum zu Absätzen. Ich muss dabei nicht viel denken. Ja, das merkt man, HAHA, nicht wahr? Die meisten Gedichte schreibe ich so. Ich bringe mich in Stimmung und lege los, ohne Idee – es muss bloß ein erster Satz her, ein richtig blöder Satz, ein Satz, der einem gleich zu Anfang zu denken gibt, so was wie „Ein Eichhörnchen springt von Ast zu Ast“ oder „Ich lag mit offenem Mund auf einer Wiese und trank Himmel“. Profan aber gut. Die Assoziationskette hat ihren Anfang, und die Wörter hüpfen mir wie junge Fohlen entgegen. So sollte es sein.
Heute wie an anderen Tagen ist der Wurm drin. Dabei dachte ich, den Dreh raus zu haben. Für alle Zeiten. Nur ist es jedes mal anders. Mit dem Schreiben ist es nicht wie mit einem Kuchenrezept. Die Bedingungen ändern sich ständig. Das Schreibuniversum hat jeden Tag andere Naturgesetze. Jedenfalls bei mir. Ich kann sowieso nur von mir sprechen. Freilich, im Großen und Ganzen bleibt es gleich. Doch die verfickten Feinheiten ändern sich ständig. Wieso erkläre ich das überhaupt? Für wen? Wer will so was wissen? HAHA! Ich will mich selbst etwas aufmuntern. Die meiste Zeit fickt man sich selbst. Aus Langeweile, oder wie man es nennen will. Es kann auch Frust sein. Oder eine Wörter-Verstopfung. Am Besten ignoriert man einfach alles, das Leben und die Sonne und den Himmel und die Bäume und die Mitmenschen und die Wörter und den Dreck und das eigene Selbst, was man so den ganzen Tag lang macht, was man jeden Tag macht, ohne darüber großartig nachzudenken, weil es sowieso keinen Sinn macht, weil alles, was man weiß, gar nichts wert ist, weil das Eichhörnchen mehr Ahnung vom Leben hat, weil wir nichts als Popanze sind, die sich alles mögliche einbilden, Einbildungsaffen sind wir, ignorante Einbildungsaffen …
Mehr kam nicht. Schon wieder leer. Kotzen mit Wörtern. Ich dachte, es würde etwas mehr in mir stecken. Heute Morgen. Ein bisschen dünn die Ausbeute.
Gerade läuft ein Song von U2 „I still haven`t found what I`m looking for“. Kann man so sagen.
Es gibt nicht mehr zu sagen.

ein literarisches Tagebuch

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