Der deutsche Sieg, die Sonne, Regensburg!


Als ich in den Urlaub startete, lag die deutsche Mannschaft gut im Rennen. Sie hatte die Engländer furios mit 4:1 geschlagen und stand im Viertelfinale. Am Samstag ging es gegen Maradonas Elf.
Den Campingplatz bei Regensburg erreichte ich am frühen Nachmittag, etwas zu früh, so dass ich fast zwei Stunden warten musste, bis die Rezeption öffnete. Ich setzte mich solange in den Außenbereich des Lokals am Eingang - wie praktisch - ich hatte eine Menge Staub geschluckt und genoss das Bier. Die Warterei ging mir auf den Senkel, aber es gab keine Alternative. Eigentlich wollte ich das Fußballspiel in der Stadt sehen, in einer Kneipe oder auf der Großleinwand; doch umso länger ich an meinem Bier saß und darauf wartete, dass endlich jemand von der Rezeption kam, desto mehr verwarf ich diesen Plan. Der Gedanke an die Menschenmassen bereitete mir Unbehagen. Hier war es eigentlich ganz gemütlich, ich sollte mir laut Wirtin nur rechtzeitig einen Platz sichern. Noch saß ich hier fast alleine ..., es war aber auch noch über eine Stunde bis zum Anpfiff.
Schließlich wurde die Rezeption geöffnet. Die Caravans standen bereits Schlange. Es war 15 Uhr. Da Wochenende war, plagte mich die nicht ganz unbegründete Sorge, ob noch Campingplätze frei waren.
Ich atmete auf, als ich hinter dem Platzwart hertrottete, der mir den Weg zur Zeltwiese wies.
Ruckzuck hatte ich mein Zelt aufgebaut, meine Sachen verstaut, mich ein wenig frisch gemacht, und eilte zurück zum Lokal, wo sich nun bereits mehrere Gäste eingefunden hatten. Dazu waren manche Tische reserviert. Ich fand noch einen Platz in einer der hinteren Reihen. Schnell entwickelten sich mit den Umsitzenden Gespräche über die Rivalen Deutschland und Argentinien. Da das Camping-Publikum international war - neben uns Deutschen einige Holländer, Schweizer und Spanier, Italiener ..., war die Stimmung gemischt. Allgemein wurden der deutschen Mannschaft wenig Siegchancen eingeräumt. Auch ich war skeptisch - trotz des tollen Spiels gegen England - das Blatt konnte sich im Fußball schnell wenden; ich hielt mich an meinem Bier (das wievielte eigentlich?) und harrte der Dinge, die da kommen.
Niemand hatte sich vorstellen können, was dann kam, wie die deutsche Mannschaft gegen Argentinien aufspielte und Maradonas Fußballjünger völlig demoralisierte - 4:0! Was für ein Tag! Der deutsche Sieg, die Sonne, Regensburg! Ich radelte in die Stadt, es waren vielleicht vier Kilometer das Donauufer entlang, wo sich viele Ausflügler auf den Wiesen in der Sonne aalten oder ein kühlendes Bad in der Donau nahmen. In der Altstadt jedoch war die Hölle los! Autokorsos, Fahnen schwenkende Fans, grölende und jubelnde Jugendliche ... , ein einziger Mob in Schwarz-Rot-Gold. Die Plätze waren gefüllt mit feiernden Menschenmassen - solch eine Szenerie hatte ich noch nie erlebt. Ich schob mein Fahrrad die Gassen entlang und schaute, schaute, schaute ... fassungslos. Ich selbst blieb seltsam unberührt von dem Jubel um mich herum, obwohl auch mich der Sieg der Deutschen sehr freute.
Zurück am Campingplatz sah ich mir noch die erste Halbzeit des zweiten Viertelfinalspiels Paraguay - Spanien an ..., wenig mitreisend. Die Spanier sollten unsere Halbfinalgegner werden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich noch zu erzählen habe ...






Fans nach dem Spiel






mit Vuvuzela






am Domplatz






tschüß Regensburg!

ein literarisches Tagebuch

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