Ein elendes Warten auf den Tod

Das erste, was der Frühdienst fragt: "Lebt Frau X noch?" Seit einer Woche liegt die Frau im Sterben, im Leberkoma. Die Medikamente wurden abgesetzt. Sie kann nichts mehr zu sich nehmen. Ungläubig verfolgen wir ihren Kampf, den sie letztlich doch verlieren wird. Inzwischen verstarb ein Bewohner für uns eher unerwartet, während Frau X weiterhin schwer atmet, dabei leicht zuckt, ihr Herz unbeharrlich den Lebenssaft in ihre schlaffen Extremitäten pumpt. Betroffene Gesichter, wenn die Frühschicht der Spätschicht, und die Spätschicht mir mitteilt: "Frau X lebt noch." Es ist ein langes und leidvolles Warten ... Drei Stunden vor Beginn meines Nachtdienst erwische ich mich dabei, wie ich hoffe, dass mir meine Kollegen diesmal sagen: "Frau X hat`s endlich geschafft." Ich würde aufatmen. Seit drei Nächten begleite ich ihren Todeskampf. Während in den Nachbarzimmern das übliche "Altenheimnachtleben" mit Windelwechsel, Bettpfannen, Schlafstörungen ... stattfindet, liegt in Zimmer XXX diese Frau schier endlos in den letzten Zügen.
Wäre ich gläubig, würde ich fragen: Wie kann ein gütiger Gott dies zulassen?
Sowieso frage ich mich, warum wir in solchen Fällen mit (Haus)Tieren gnädiger als mit unseren eigenen Artgenossen verfahren.
Aurisa - 06. Mrz. 10, 18:39

Für diese Frau wäre es wohl eine Erlösung...

bonanzaMARGOT - 06. Mrz. 10, 18:44

für die frau, für ihren ehemann und für alle, die es mitverfolgen und anteil nehmen.
Lange-Weile - 07. Mrz. 10, 15:32

im Kanal

Hallo Bo.,

es ist schlimm, wenn Menschen im Sterben stecken bleiben. Das ist wie beim Geboren werden im Geburtskanal stecken bleiben.
Bei dieser Frau ist das Herz wahrscheinlich noch so stark, dass es erst langsam ausschlagen kann.

Vielleicht wollte sie die Welt noch nicht verlassen, vielleicht ist noch nicht alles klar und dies sie am sterben hindert. Für die Angehörigen ist es ein schweres Leid, denn sie sehen es ja von außen. Wie der Sterbende es erlabt, weiß man von nur wenigen Menschen und sie berichteten sehr viel schönes von diesem Prozeß.

Ich hoffe die alte Dame hat den letzten Kanal, der sich noch mit dem Leben verbindet, bald hinter sich gelassen

Gruß LaWe

bonanzaMARGOT - 08. Mrz. 10, 12:41

die frau ist erlöst. sie starb noch am selben tag.
jeder mensch stirbt anders.
der eine zu plötzlich. und der andere qualvoll langsam.

ein literarisches Tagebuch

Kontakt



User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Keineswegs. Dass jemand...
Keineswegs. Dass jemand etwas sucht, macht ihn natürlich...
iGing - 22. Mai, 23:44
TV-Tipp
"Seraphim Falls", 20 Uhr 15, Tele 5
bonanzaMARGOT - 22. Mai. 18, 13:23
möglicherweise im...
möglicherweise im stillen kämmerchen. oder...
bonanzaMARGOT - 22. Mai, 06:45
Wie kommst du denn darauf,...
Wie kommst du denn darauf, dass sich nur wenige Menschen...
iGing - 21. Mai, 23:45
Der vergebliche Kampf
Ein stetes Ringen zwischen Form und einem Inhalt,...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 13:57
Zu den Rubriken (3)
28.10.2016 - 31.05.2018 2018 - Reisen Ausklang Am...
bonanzaMARGOT - 21. Mai. 18, 11:22

Archiv

März 2010
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 2 
 4 
 5 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
18
19
20
22
23
24
27
28
30
31
 
 
 
 
 

Neues in boMAs prosaGEDICHTE-Blog

Über dem Paradies ist immer Nacht.
Über dem Paradies ist immer Nacht.
bonanzaMARGOT - 10. Mai. 18, 12:18
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
Der Kampf gegen andere vernichtet mich selbst.
bonanzaMARGOT - 07. Apr. 18, 16:26
Auch Intelligenz kann weh tun.
Auch Intelligenz kann weh tun.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 17:09
Das Elend in der Welt ist die Macht.
Das Elend in der Welt ist die Macht.
bonanzaMARGOT - 26. Mrz. 18, 06:41

Suche

 

Extras



prosaGEDICHTE (... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...)

↑ Grab this Headline Animator


Von Nachtwachen und dicken Titten

↑ Grab this Headline Animator



Status

Online seit 3904 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Mai, 23:44