Die Arschwischmaschine macht sich Gedanken über Politik

Wie soll ich es sagen? Ich fühle mich beschissen, wenn ich sie debattieren höre im Bundestag; oder zuschaue, wie sie sich in zig Talkrunden erklären, jeder mit seiner eigenen politischen Farbenlehre im Kopf - und sonst nichts. Ich fühle mich beschissen im Sinne von "betrogen", und ich fühle mich beschissen, weil mir schlecht wird, wenn ich ihren Ausführungen folge. Und müde werde ich dabei. Begriffe wie "soziale Marktwirtschaft" und "soziale Gerechtigkeit" werden hin und her geschleudert, nachdem sie ein jeder im Mund hatte und mit seinen schleimigen, politischen Vorstellungen besabberte. Die Moderatorin in der Mitte sieht nicht übel aus, denke ich, warum macht sich keiner an sie ran? Stattdessen fliegen Schleimbrocken durchs Studio wie bei einem imaginären Ballspiel. Jeder kämpft für sich, und am Ende fühlt sich jeder als Gewinner, nur dem Zuschauer geht`s schlecht, zumindest mir. Ich klatsche auch nicht. Ich frage mich sowieso, ob das Publikum nicht bei solchen Polittalks vom Sender fürs Klatschen bezahlt wird. Ich bin hinterher so klug als wie zuvor. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich ärgere mich über meine Biografie - warum ich Arschwischmaschine wurde und nicht Politstar und Arschkriecher in Personalunion. Blöder als diese Figuren, die da auf dem Bildschirm ihre Statements abgeben, bin ich bestimmt nicht; und außerdem sehe ich dazu noch besser aus als die meisten. Ich sollte doch noch in die Politik gehen. Ich bin Mitte Vierzig, "reifer wird`s nimmer". Die Linke formiert sich gerade in Westdeutschland. Vielleicht könnte ich bei denen einen Fuß in die Tür kriegen ... Ja, ich würde dann auch große Reden schwingen zur Frage der sozialen Gerechtigkeit, und ich könnte dazu noch aus dem Nähkästchen plaudern von meiner Zeit als Arschwischmaschine. Ich würde ihnen erzählen, wie beschissen man sich fühlt, wenn man ihren Reden zuhört; und wie demütigend sich für einen Kleinverdiener, der ohne Rücklagen leben muss, der sich den sauer verdienten Urlaub vom Munde absparen muss, wie demütigend sich in seinen Ohren ihre Plattitüden anhören. Ich würde mit diesen feinen Herren Tacheles reden ... So oder ähnlich gerate ich ins Träumen, während auf dem Bildschirm immer noch die imaginären Schleimbrocken herumfliegen. Es herrscht eine gute Stimmung. Die Moderatorin ist auch zugeknöpft sexy, und das Publikum applaudiert bei jedem Treffer. Noch zutreffender als ein Ballspiel ist das Bild einer Schneeballschlacht. Die Beteiligten haben schon ganz rote Ohren. Vorallem Lafontaine. Der ist gar nicht so schlecht, wie er hingestellt wird. Ich bin müde und drehe mich rum, muss sowieso gleich vorbei sein. Die Moderatorin stellt die letzte Frage: "Wer von Ihnen würde mich sofort hier im Studio flach legen?" ... Träumen darf man.
virago - 11. Mrz. 08, 20:22

Ach, ärgere dich doch nicht.

Mach's wie ich: Ich drehe solchen Käse einfach ab.
Du würdest nicht so sein wollen wie die. Niemals! Sonst wärst du nicht der, der du bist.

bonanzaMARGOT - 11. Mrz. 08, 22:36

uff

wenn ich mich nicht mehr ärgere - bin ich tot.
die politikerscheiße geht mir eigentlich am arsch vorbei.
aber heute - heute erlebte ich einen original mist.
ich bin jetzt leider zu müde, um es zu erzählen.

gute nacht, virago

virago - 11. Mrz. 08, 22:42

Schlaf gut

und erzähle es morgen.
bonanzaMARGOT - 12. Mrz. 08, 18:17

Viel zu erzählen

gibt`s nicht. Ich hatte gestern nur kurz einen Totalausfall. Beinahe gleichzeitig versagten meine Internet- und Telefonverbindung sowie mein Handy. Ich weiß nicht, was da los war. Plötzlich fühlte ich mich abgeschnitten vom Rest der Welt.
Ich fuhr also zu dem nächsten T-Punkt, um die Sache zu klären. Und dort erfuhr ich mal wieder, wie kompliziert die heutige elektronische Welt ist, so dass sie noch nicht mal von den Service Leuten durchschaut werden kann. Zwei Stunden war ich in dem Laden und verließ ihn kaum klüger als zuvor, aber mit einem neuen Splitter (kostenlos) und einem neuen Handy (nicht kostenlos).
Zuhause schaute ich mir alles nochmal an, trennte den alten Splitter vom Telefon, verfolgte im Halbdunkel die Kabelverläufe, schloß das Telefon einfach an, probierte herum - und plötzlich, gingen nacheinander Telefon und Internet wieder, als ich den (alten) Splitter wieder eingebaut hatte. Yeah! Und ich hatte immer noch keine Ahnung, warum - aber Hauptsache, alles funktionierte wieder, und ich fühlte mich von der Außenwelt nicht länger abgenabelt.
Einen Schnupfen habe ich mir zudem noch eingefangen. Wer weiß, wo ich mir den geholt habe ...
virago - 12. Mrz. 08, 18:25

Ach ja...

.... puhh, das kenn ich auch, WENN sowas mal passiert, dann kommt gleich alles zusammen. Man ist so verdammt abhängig von dieser blöden Technik...

Keine Ahnung, was ein Splitter ist. So lange wenigstens mein Telefon funzt, kann ich mir Sachen über die Serviceline erklären lassen. Unlängst fiel bei mir auch mal Telefon und Handy gleichzeitig aus, obwohl von verschiedenen Anbietern. Wenn dann das Internet auch noch weg ist ... Horrorvorstellung!
bonanzaMARGOT - 12. Mrz. 08, 18:57

Das Gefühl der Ohnmacht

Immer wieder und wieder
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